Gülen-Bewegung (Hizmet)

Das Netzwerk des islamischen Predigers Fethullah Gülen ist in den letzten Jahren vor allem deshalb bekannt geworden, weil die türkische Regierung es für den gescheiterten Putsch im Jahr 2016 verantwortlich macht. Seitdem werden diejenigen massiv verfolgt, die mit der Gülen-Bewegung in Verbindung gebracht werden. Zehntausende „Fethullahcis“ wurden verhaftet, verloren ihre Posten in Justiz, Polizei und Militär, flohen ins Ausland. In Deutschland ersuchten Berichten zufolge allein im Jahr 2019 fünftausend von ihnen um Asyl. Dabei hatte sich die Bewegung über Jahrzehnte zu einer tragenden Säule des türkischen Systems entwickelt und durch die Besetzung wichtiger Stellen im Staatsapparat und im Bildungswesen genau das Projekt vorangetrieben, für das sich Erdoğan und die AKP auf politischem Terrain einsetzen. International wurden die Massenverhaftungen in der Türkei verurteilt, zugleich machten sie wie auch die Verstaatlichung von Gülen-nahen Unternehmen, die Übernahme von Zeitungen und die Schließung von Sendern die Ausdehnung des Netzwerks deutlich. Markenkern der Bewegung war und ist die Bildungsförderung unter den Stichworten „Dialog und Bildung“, um eine „goldene Generation“ gut ausgebildeter junger Menschen zu prägen, die eine starke muslimische Identität entwickeln und die Gesellschaft in Zukunft durch eine intellektuelle und spirituelle Aufklärung aus den traditionellen Quellen des Islam transformieren sollen.

Geschichte

Muhammed Fethullah Gülen wurde 1941 (nach manchen Angaben – symbolisch aufgeladen – auch 1938, im Todesjahr Atatürks) im Nordosten der Türkei in der Nähe der Stadt Erzurum geboren und genoss nur wenige Jahre staatlichen Schulunterricht, während er in islamischen Medresen und Tekken eine traditionelle religiöse Bildung erhielt. Er wurde Imam, schloss sich der Nurculuk-Bewegung an und konnte als gefragter Redner und Wanderprediger seit den 1960er Jahren immer mehr Menschen dafür begeistern, sich für die Verbindung von islamischer Frömmigkeit und modernem gesellschaftlichem Engagement einzusetzen. Ein wichtiges Mittel der Verbreitung waren neben zahlreichen Büchern Gülens Predigten, die auf Audio- und Videokassetten weite Verbreitung fanden und nicht zuletzt auf die aufstrebende türkische Mittelschicht einen nachhaltigen Einfluss ausübten.

Nach dem Politikwechsel in der Türkei 1980 widmete sich Gülen intensiv dem Aufbau der Bewegung. Er weitete seine Aktivitäten international aus und setzte verstärkt auf interreligiösen Dialog. Als ihn staatsanwaltliche Ermittlungen als islamistische Gefahr ins Visier nahmen, ging er im März 1999 in die USA und blieb dort. 2006 wurde er von den Vorwürfen freigesprochen. Nach dem Bruch mit seinem ehemals Verbündeten Erdoğan 2013 und dem Putschversuch in der Türkei im Juli 2016 wurde einerseits die „Unterwanderung“ des türkischen Staates durch die Gülen-Anhängerschaft sichtbar, andererseits nutzt der jetzige Staatspräsident die Lage, um mit äußerster Härte gegen Gülen-Anhänger vorzugehen. Hizmet wurde als Terrororganisation eingestuft, genannt FETÖ (zu Deutsch etwa „Fethullahistische Terrororganisation“). Die Entwicklungen haben auch in Deutschland erhebliche Auswirkungen, da sich etwa zwischen (AKP-nahen) DİTİB-Anhängern und Hizmet-Kreisen teilweise tiefe Gräben aufgetan haben.

Es dauerte eine Zeitlang, doch dann war zu sehen, dass die Hizmet-Bewegung, wie sie sich seit einigen Jahren gerne nennt (s. dazu weiter unten), sich gerade in Deutschland neu sammelt, alte mit neuen Konzepten koordiniert und weiterhin Impulse ihres Engagements in der Gesellschaft setzt. Einerseits ist Infrastruktur verlorengegangen. Andererseits können die Kernziele weiter verfolgt werden, und dies mit verstärktem hoch qualifiziertem Personal. Flankiert wird die neue Phase etwa mit Publikationen und Ausstellungen, die nun auf die weltweite Verfolgung der Anhängerschaft Gülens als Beleg dafür abheben, dass Gülen schon immer aufseiten der Demokratie und der Menschenrechte gestanden habe – im Gegensatz zu Erdoğan. Die jetzige Feindschaft wird als grundsätzliche inhaltliche Differenz in Anschlag gebracht. So stellt das neue Narrativ den (friedlichen, moderaten, bildungsorientierten) „Sufi-Islam“ Gülens dem (aggressiven, rückwärtsgewandten, demokratiefeindlichen) „politischen Islam“ Erdoğans quasi diametral gegenüber. Die gemeinsame, geradezu symbiotische partnerschaftliche Vergangenheit in der Bekämpfung liberaler, säkularer Oppositioneller und die Tatsache, dass ein dramatischer Kampf um die Macht in der Türkei, jedoch gerade nicht eine inhaltliche Auseinandersetzung zum Bruch geführt hat, werden dabei bewusst verschwiegen.

Lehre, religiöser Hintergrund

Fethullah Gülen vertritt ein traditionelles, türkisch-sunnitisch und konservativ geprägtes Islamverständnis mit sufischer Grundhaltung. Er propagiert keine verbindliche „Lehre“ und keinen Reformislam. Der reformerische Impuls Gülens und seiner Anhänger besteht in einem innovativen islamischen Denken, das den Islam als gesellschaftliche Kraft stärken soll. Es zeigt sich aufgeschlossen für die Moderne und ausgesprochen pragmatisch:

„Im Umgang mit anderen [...] ist es ihnen wichtiger, wenigstens einen Teil ihrer Wertvorstellungen zu vermitteln (auch wenn sie dafür ihre islamische Motivation in den Hintergrund treten lassen), als durch ein zu offenes islamisches Auftreten gar keine Wirkung über die islamischen Kreise hinaus zu haben“ (Agai 2005).

Das Netzwerk versteht sich nicht als „Organisation“ oder Bruderschaft, sondern als eine vom Islam inspirierte soziale Bewegung.

Die pragmatische Flexibilität hängt nicht zuletzt mit der Geschichte im Herkunftskontext zusammen. In der Türkei wurde der Islam lange aus den öffentlichen Institutionen verdrängt und in staatsunabhängigen Parallelstrukturen privat vermittelt. Die säkularen Wissenschaften verstanden sich weithin antireligiös, die Religiösen entsprechend wissenschaftsskeptisch. Eine Rückbesinnung auf den Islam und die Läuterung der Gesellschaft zur islamischen Pflichterfüllung schienen am besten auf dem Wege säkularer Bildung möglich. Dies erkannte Said Nursi (1879 – 1960), der Gründer der Nurculuk-Bewegung. Er vertrat offensiv die Vereinbarkeit von Wissenschaft(en) und Islam. Ein Dschihad mit den Waffen der Wissenschaft und der Wirtschaft sollte Unwissenheit, Armut und Zwietracht, die drei Hauptfeinde des Islam, bekämpfen. Dadurch würde man auch die Unabhängigkeit vom Westen erreichen. Säkulare Bildung wurde islamisch nicht nur akzeptabel, sondern bedeutsam, ja zur religiösen Aufgabe. Auch Fethullah Gülen betont die Bedeutung der Naturwissenschaft für die Zukunft des Islam. Vor diesem Hintergrund wird verständlich, dass seine Anhänger Schulen ohne religiösen, vielmehr mit naturwissenschaftlichem Schwerpunkt als islamisch sinnvoll und förderungswürdig ansehen. Ein häufig zitiertes Motto Gülens lautet: Gründet Schulen statt Moscheen!

Das Engagement der Gülen-Anhänger ruht auf vier Säulen:

  • Dienst (hizmet). In kleinen, verbindlich organisierten Wohngemeinschaften von Freiwilligen, die in der Regel ehrenamtlich für die gemeinsame Sache tätig sind (sog. „Lichthäuser“), wird der friedliche Dienst für die Sache Gottes vorbereitet und eingeübt. Mit diesem Begriff werden höchste religiöse Werte verbunden.
  • Ganze Hingabe für die Sache / Mission (dava). Dazu Gülen:
  • „Ferner muss der Mensch des hizmet alles Widrige aus seiner Hand stoßen können, das ihn von seiner dava zurückhält. Ob Haus, Frau und Kinder, Arbeit, er darf unter dem Einfluss keiner Sache stehen, die eine Kette für seine Füße ist. Im Wesentlichen hat der Mensch der dava außer in einigen bestimmten Situationen kein persönliches Leben“ (zit. nach Agai 2008, 233).
  • Dschihad (cihad). Für Gülen absolute Pflicht eines jeden Muslims. Der sog. „kleine Dschihad“ zielt darauf, die Bedingungen so zu verändern, dass allen Menschen die göttliche Weisheit nähergebracht werden kann. So kann auch Bildungsarbeit als Dschihad betrachtet werden. Waffengewalt spielt dabei freilich keine Rolle, wenngleich Gülen (staatliche) Gewaltanwendung in bestimmten Ausnahmefällen nicht ausschließt.
  • Opferbereitschaft. Ziel des Islam ist es, so Gülen, Menschen über die Welt hinaus zur ewigen und absoluten Wahrheit zu führen. Damit dies nicht abstrakt bleibt, wird es in ein aktives Programm transformiert, das „grenzenlose Opferbereitschaft und Selbstlosigkeit“ erfordert. Kampfgeist und Entbehrung sind für den Einsatz für die Sache Gottes zentral.

Gülen kündigt ein neues Zeitalter an, das auf der Basis von Frieden und Toleranz eine einzige gemeinsame Zivilisation hervorbringen soll.

Verbreitung, Organisationsform

Kernzellen sind neben den Wohngemeinschaften und den engsten internen Kreisen verschiedene Bildungseinrichtungen, die seit Anfang der 1990er Jahre auch in Deutschland verbreitet sind. In mehr als 50 Ländern ist Hizmet mit Schulen, Organisationen und „Dialogvereinen“ präsent. Vor einiger Zeit wurde die Zahl der Nachhilfezentren in Deutschland auf 150 geschätzt (es wurden auch höhere Zahlen genannt). Sie heißen Regenbogen, Primus, Pangea-Bildungszentren oder einfach Lernstube. Es gibt etwa 30 staatlich anerkannte Privatschulen im Umfeld. Daneben ist Hizmet in den Bereichen Wirtschaft und Medien aktiv. Infolge des Bruches zwischen Erdoğan und Gülen gab und gibt es teilweise Einschränkungen, einzelne Bereiche wurden reduziert. Der interreligiöse und interkulturelle Dialog steht bei Vereinen wie dem Interkulturellen Dialogzentrum München (IDIZEM) oder dem Forum Dialog in Berlin im Vordergrund. Im interreligiösen Großprojekt „House of One“ in Berlin ist der muslimische Partner ein Gülen-Verein. Das „Internationale Sprach- und Kulturfestival“ (Deutsch-Türkische Kulturolympiade) ist als Sprachwettbewerb und Brauchtumsfest für Jugendliche zum Event geworden. Tatkräftige finanzielle Unterstützung kommt aus der mittelständischen türkeistämmigen Wirtschaft.

Die wenigsten Akteure machen den Bezug zu Gülen kenntlich. Lange haben Gülen-Vereine dementiert, in Verbindung zur Bewegung zu stehen. Heute präsentiert man sich gegebenenfalls als „Gülen-nah“ oder „von Gülen inspiriert“. Nur wenige Institutionen wie die Stiftung Dialog und Bildung mit Sitz in Berlin geben diesbezüglich eindeutig Auskunft, in diesem Fall um der Öffentlichkeitsarbeit der Hizmet-Bewegung in Deutschland ein Gesicht zu verleihen.

Charakteristisch ist die dezentrale Netzwerkstruktur, zumindest nach außen. Die Cemaat(aus dem Sufismus für „Gemeinschaft“) tritt jung und dynamisch auf, Vereine entstehen aus Eigeninitiative engagierter Mitbürger. Das Spendenaufkommen von Einzelpersonen und eingebundenen Unternehmen ist groß. Gülen selbst hat keine formal leitenden Funktionen, die lokalen Institutionen arbeiten dementsprechend unabhängig. Intern gibt es eine straffe Hierarchie, an deren Spitze allein und konkurrenzlos Fethullah Gülen steht. Er bestimmt mit einem „Beraterkreis“ aus seinen treuesten Schülern die Hauptziele und Strategien der Bewegung. Auf dieser Ebene ist ein „Welt-Imam“ für die Koordinierung der Aktivitäten weltweit zuständig. Darunter kommen Ebenen für Regionen, Länder und Städte bis hin zu Stadtvierteln und den Lichthäusern. Ein ağabey (oder abi, „großer Bruder“) ist ein männlicher Leiter oder Mentor, abla („große Schwester“) das weibliche Pendant. Die „Funktionäre“ handeln in enger Tuchfühlung mit dem verehrten Lehrer (z. B. über die Internetseite www.herkul.org) und sind untereinander gut vernetzt.

Die „Gülen-Schulen“ stehen allen offen (bislang sind dort jedoch fast nur türkische Kinder), der Unterricht folgt dem normalen Lehrplan, Schulsprache ist Deutsch, mitunter wird statt Religionsunterricht Ethik unterrichtet. Gülen selbst spielt im Schulalltag keine nennenswerte Rolle, viele Lehrende gehören nicht zur Cemaat. Die Schulen und Bildungseinrichtungen bieten jedoch ein ideales Umfeld junger Menschen, die mit unterschiedlichen Freizeitangeboten angesprochen werden. Hier wird für die Kreise geworben, in denen die Ideen Gülens gepflegt und Führungskräfte rekrutiert werden.

An der Basis sind nicht wenige personale Ressourcen weggebrochen, es mussten und müssen neue aufgebaut werden, sowohl was die Mitarbeit als auch was die Zielgruppen betrifft. Nicht zuletzt deshalb wurden in letzter Zeit Dialog- und Bildungsforen stärker in das Blickfeld gerückt sowie Kooperationen mit kommunalen und staatlichen Akteuren gesucht.

Einschätzung

Die Türkei hat die ehemals mächtige Cemaat mit brutaler Gewalt zu Boden gezwungen und stellt ihren Anhängerinnen und Anhängern auch in Deutschland nach. Die Diffamierung und Denunzierung von Mitbürgerinnen und Mitbürgern geht alle an. In Sachen Sicherheit, Bürgerrechte und Wahrung des Respekts dürfen keine Einschränkungen akzeptiert werden.

Der türkisch-amerikanische Prediger und der heutige türkische Präsident waren seit dem Aufschwung der Regierungspartei AKP 2002 enge Verbündete. Man spielte sich die Bälle zu, schaltete gemeinsame Gegner aus und war sich – wie übrigens auch mit der Milli-Görüş-Bewegung – in wichtigen Grundpositionen einig: Ablehnung jeglicher „Verwestlichung“, Verklärung des Osmanischen Reiches, zentrale Elemente der „Türkisch-islamischen Synthese“ (Einheit von türkischer Nation und islamischer Religion), Forderung einer „sittlich-moralischen Erneuerung“ der Türkei. Gülen war gegen eine direkte Politisierung des Islam und gründete daher auch keine eigene Partei; das überließ er Necmettin Erbakan (Milli Görüş), Erdoğan (AKP) und anderen.

Hierzulande wird es von der interessierten Öffentlichkeit vielfach positiv wahrgenommen, dass Hizmet sich am säkularen Bildungsdiskurs aktiv beteiligt. Viele sehen Gülen und seine Anhänger als Reformer, die traditionelle Frömmigkeit mit einem moderaten Islamverständnis verbinden – liberal, unpolitisch und dialogisch. Kritiker sehen in ihnen dagegen Akteure mit einer islamisch-politischen Agenda, die die Gesellschaft islam(ist)isch transformieren wollen. Die Bewegung ist auf den globalisierten Bildungsmarkt bestens vorbereitet. Erfahrungen im laizistischen türkischen Kontext ließen sie die religiösen Aspekte nach außen hin sehr zurücknehmen (früher wurden sie ganz verschwiegen). Dies führt bei Unkenntnis des religiösen Hintergrunds zu einer einseitigen Wahrnehmung. Das aufopferungsvolle ehrenamtliche Engagement in der Mitte der Gesellschaft für Integration und zur Friedensförderung ist als solches zu begrüßen und zu würdigen. Eine offene Haltung gegenüber der modernen Gesellschaft wird eingeübt und der Wert der Bildung – auch und gerade für Frauen – attraktiv und nachhaltig vermittelt.

Auf der anderen Seite ist nicht zu übersehen, dass das Gülen-Schrifttum eine programmatische Orientierung an einem konservativ-islamischen Gesellschaftsbild durchzieht, das sich an Koran und Sunna ausrichtet und in wichtigen Aspekten der Menschen-, insbesondere der Frauenrechte, der Meinungs- und Religionsfreiheit sowie der Trennung von Religion und Staat dem Gesellschaftsbild der Mehrheitsgesellschaft entgegensteht. Wie dieses Modell aussieht, kann man sich anhand der Koranausgabe von Ali Ünal, der Zeitschrift „Die Fontäne“ oder Produkten aus dem Programm des Main-Donau- (früher Fontäne-)Verlags vor Augen führen. Erschwerend kommt die mangelnde Transparenz hinsichtlich der Zugehörigkeit der zahllosen Gülen-Vereine zur Bewegung hinzu. Die dezentrale Struktur macht sie wenig (an)greifbar, da problematische Positionen ausweichend oder relativierend als Einzelmeinungen „anderer“ deklariert werden.

Wenn sich die Anhänger Gülens heute als die – im Gegensatz zu Erdoğan – wahren Demokraten und Vertreter von Religionsfreiheit und Menschenrechten präsentieren, sollte im Blick bleiben, dass diese Redeweise zwar von Anfang an zur Selbstdarstellung der Gülen-Bewegung gehört hat, dass sie aber ebenso von Anfang an in weitreichender Übereinstimmung mit den (langfristigen) inhaltlichen Zielen Erdoğans verstanden wurde und wird. Kurz: In der machtpolitischen Konstellation hat sich alles, im Blick auf die Vision einer islamischen Gesellschaft, die Gülen mit den politischen Protagonisten teilt, hat sich nichts geändert.

Was die Schulen anbetrifft, erscheint es derzeit fraglich, ob sie die bisher entstandenen „ethnischen Nischen“ im Laufe der Zeit öffnen werden oder umgekehrt gemäß dem Motto „Islamisierung durch Bildung“ verstärkt zu Parallelstrukturen beitragen.

Eine kritische Auseinandersetzung hat sich nicht auf die religiöse Motivation für das gesellschaftliche Handeln an sich zu richten, sondern auf die mangelnde Klarheit in Bezug auf die letztlich vertretene Haltung zur religiös-weltanschaulich pluralen Situation, in der dieses Handeln seinen Ort hat. Ein „Scharia-Vorbehalt“, in welcher Form auch immer – und sei es in modernem Dialogformat –, ist nicht hinnehmbar. Hier scheint es deutlich mehr Reformbedarf zu geben, als die Gülen-Vertreter bisher erkennen lassen, nicht zuletzt im Hinblick auf die verfassungsrechtlichen Implikationen und die sich daraus ergebenden praktischen Konsequenzen bis in die Literatur hinein.

Friedmann Eißler, August 2021


Literatur

Agai, Bekim (2005): Ein moderner türkisch-islamischer Reformdenker? (Porträt Fethullah Gülen), Qantara.de, 19.1.2005, https://de.qantara.de/inhalt/fethullah-guelen-ein-moderner-tuerkisch-islamischer-reformdenker (Abruf: 18.6.2021).

Agai, Bekim (2008): Zwischen Netzwerk und Diskurs. Das Bildungsnetzwerk um Fethullah Gülen, Bonner Islamstudien Bd. 2, 2. Aufl., Hamburg-Schenefeld (Dissertation).

Eißler, Friedmann (Hg., 2015): Die Gülen-Bewegung (Hizmet). Herkunft, Strukturen, Ziele, Erfahrungen, EZW-Texte 238, Berlin.

Ergene, M. Enes (2008): Das neue Gesicht des Islams, Offenbach a. M.

Gülen, M. Fethullah (2004): Aufsätze, Perspektiven, Meinungen, Mörfelden-Walldorf.

Gülen, M. Fethullah (2014): Was ich denke, was ich glaube, Freiburg i. Br.

Karakoyun, Ercan (2017): Die Gülen-Bewegung. Was sie ist, was sie will, Freiburg i. Br.

Ünal, Ali (2012): Der Koran und seine Übersetzung mit Kommentar und Anmerkungen, 2. Aufl., Offenbach a. M.


Zeitschriften

Die Fontäne (Vierteljahreszeitschrift, Main-Donau-Verlag).

Yeni Ümit („Die Neue Hoffnung“, türkisch) u. a.
 

Internet

https://sdub.de

https://www.forumdialog.org

https://academy-ev.de

https://dtj-online.de

https://bddi.org

https://www.vge-ev.de

https://buv-ev.de

(Abruf 18.6.2021)