Zum Kreationismus und zur Theorie eines „intelligenten Designs“

Die öffentliche Diskussion über den Kreationismus und das sog. „intelligente Design“ hält unvermindert an (vgl. MD 5/2007, 163ff und MD 9/2007, 323f). Sie hat nicht nur die Feuilletons großer Tageszeitungen, sondern mittlerweile auch die politische Ebene erreicht. Wie stellt sich die evangelische Kirche zum Kreationismus? Und wie verhält sie sich zu Mitchristen, die diese Vorstellungen vertreten? Im Folgenden dokumentieren wir eine Stellungnahme der Evangelischen Landeskirche in Württemberg, die zur Information und Orientierung erarbeitet wurde. Der Beirat der württembergischen Landeskirche für die Weltanschauungsarbeit hat den nachfolgenden Text im Juli 2007 diskutiert und gebilligt. In einem Anhang werden die Grundpositionen des Kreationismus näher beschrieben.


1. Begriffsbestimmung: Kreationismus

Der Kreationismus hat zum Ziel, die Autorität der Bibel zu verteidigen. Sein Ausgangspunkt ist die Irrtumslosigkeit der Heiligen Schrift auch in Fragen der Natur- und Weltgeschichte, vor allem die naturkundliche Richtigkeit der biblischen Urgeschichte. Daher bestreitet er die Richtigkeit der wissenschaftlichen Evolutionsbiologie, Geologie und Kosmologie. Er bestreitet die lange Dauer der Erd- und Weltgeschichte und geht stattdessen von einem Weltalter von 6 000 bis 8 000 Jahren aus. Die geologischen Schichten samt den darin enthaltenen Fossilien wurden nach Ansicht des Kreationismus vor und während der Sintflut (oder kurz darauf) abgelagert. Die heute existierenden Lebewesen hätten sich nicht in einer langen Stammesgeschichte aus einfacheren Vorfahren entwickelt (Evolutionstheorie). Vielmehr seien alle lebenden und ausgestorbenen Arten einzeln oder als Grundtypen von Gott geschaffen worden. Dies gelte auch und vor allem für den Menschen. Der Kreationismus entstand Anfang des 20. Jahrhunderts in den USA (englisch: creationism, young earth creationism, creation science) und verbreitete sich seit etwa 1970 auch im deutschen Sprachraum und in den evangelischen Landeskirchen in Deutschland.

2. Begriffsbestimmung: intelligentes Design

Die Bewegung für ein intelligentes Design (englisch: intelligent design movement) vertritt in den USA seit etwa 1990 die Auffassung, dass sich die Entstehung der komplizierten Merkmale der Lebewesen nur durch intelligente Planung erklären lasse. Ihre Organe, Verhaltensweisen usw. seien „unreduzierbar komplex“ und könnten deshalb nicht durch ein Wechselspiel von beliebigen Veränderungen des Erbguts (Mutation) und verschiedenen Fortpflanzungsraten (Selektion) entstanden sein. Damit wendet sich die Vorstellung eines intelligenten Designs gegen die Erklärung der Biologie für die Stammesgeschichte der Lebewesen, nämlich gegen die Selektionstheorie nach Darwin und Wallace und deren heutige Weiterentwicklung. Die Abstammungstheorie wird dagegen nicht grundsätzlich bestritten, sondern lediglich die Möglichkeit, den Evolutionsprozess ohne intelligente Planung zu erklären.

Das Argument für ein intelligentes Design ist nahezu identisch mit dem aus der Theologiegeschichte der Aufklärung bekannten physiko-teleologischen Gottesbeweis. Der Begriff „teleologisch“ steht für ein Naturbild, nach dem die Natur und die Lebewesen auf ein Ziel ausgerichtet sind und sich aufgrund ihres „inneren Vervollkommnungsstrebens“ dorthin entwickeln. Man sah in der Zielgerichtetheit der Natur einen Beweis für den Schöpferwillen Gottes oder – in anderen Entwürfen – für einen ordnenden und bewegenden Weltgeist. Das Argument für ein intelligentes Design führt deshalb nicht immer zum Kreationismus. Es kann auch für ein traditionelles, teleologisches Naturbild stehen, wie man es vor allem in der römisch-katholischen Schöpfungstheologie antrifft. Im protestantischen Fundamentalismus dient das Argument jedoch als Einstieg in den Kreationismus.

3. Der Kreationismus und die Bibel

Hinter dem Kreationismus steht das protestantisch-fundamentalistische Verständnis der Heiligen Schrift, nach dem „die biblischen Texte über die Entstehung der Welt und des Lebens auf der Erde als naturwissenschaftliche Aussagen und gleichzeitig als unwiderlegbare göttliche Offenbarung“ zu gelten haben. Der Kreationismus bestreitet deshalb, dass der Glaube an Gott, den Schöpfer, von der Bibel an verschiedenen Stellen mit Hilfe verschiedener Naturbilder ausgedrückt wird. Dieser Sachverhalt ist aber bereits in der biblischen Urgeschichte unübersehbar und stellt keineswegs ein Problem dar, sondern macht den Reichtum des biblischen Zeugnisses für die Christen aller Zeiten aus. Im Kreationismus tritt jedoch „an die Stelle einer Schriftauslegung, die unter dem Aspekt von Gesetz und Evangelium Christus und sein Heil verkündigt und die Schrift als Zeugnis vom Handeln Gottes versteht, das dem Glauben zugänglich ist, … eine Hermeneutik, die … Informationen über die Herkunft der Welt, über historische, biologische und geologische Sachverhalte vermitteln will“1. Damit wird die Bibel als Zeugnis des Glaubens entwertet, weil sie mit menschlichem Sachwissen auf eine Stufe gestellt wird. Die Menschlichkeit des biblischen Zeugnisses, seine Einbettung in die jeweiligen geschichtlichen Umstände, gerät aus dem Blick. In Wirklichkeit widerspricht die Evolutionsbiologie dem Schöpfungszeugnis der Bibel nicht, auch nicht dem Wirken und dem Willen Gottes im Weltgeschehen. Der Wille Gottes geschieht in der Welt durch die natürlichen Zusammenhänge von Ursache und Wirkung, nicht gegen sie.

4. Intelligentes Design und der Versuch eines Gottesbeweises

Hinter der Vorstellung eines intelligenten Designs der Lebewesen steht – sofern sie nicht als Tür zum Kreationismus dient – der Versuch eines vernünftigen Gottesbeweises aus der Natur.

Die von der neuzeitlichen Theologie im Ringen mit dem aufgeklärten wissenschaftlichen Denken gewonnene Einsicht, dass der christliche Glaube weder durch Vernunft und Erfahrung wissenschaftlich beweisbar ist noch eines solchen Beweises bedarf, geht dabei verloren. Der Glaube als „Werk Gottes am Menschen“, das die Vernunft übersteigt, gerät durch scheinbare Gottesbeweise in die Gefahr, zu einem bloßen Rechthaben oder „für wahr halten“ zu werden. Damit werden wesentliche Grundlagen des reformatorischen Denkens aufgegeben. Der immer wieder gescheiterte Versuch, ein christliches Weltbild zu konstruieren, das Glaubenserkenntnis und Weltwissen vereinigt, wird gegen bessere Einsicht noch einmal wiederholt. Damit wird der eigentlich überwundene, scheinbare Gegensatz von Glauben und Wissenschaft neu belebt.

5. Zum Gewicht der aufgeworfenen Fragen

Der Kreationismus sieht zwischen der heutigen Naturwissenschaft und dem christlichen Denken einen Gegensatz, den die ökumenisch verbundenen, großen Kirchen aus den angeführten Gründen mehrheitlich nicht sehen. Die Frage, in welchem Verhältnis Glaube und Naturwissenschaft stehen, ist jedoch keine Frage des christlichen Bekenntnisses und keine Frage, mit der Glaube und Kirche stehen oder fallen. Daher gibt es für die Kirchen keinen Grund, sich von christlichen Kreationisten wegen deren Überzeugung zu trennen. Würde man anders verfahren, würde man sich die fundamentalistische Gewichtung dieser Frage selbst zu eigen machen. Wo Kreationisten ihrerseits ihre Auffassung zur Grundfrage des Glaubens erklären und das Recht abweichender Meinungen verneinen, ist dem allerdings entgegenzutreten. Jeder Fanatismus in dieser Frage widerspricht dem Auftrag der Kirche. Wenn die Idee eines intelligenten Designs außerhalb des Kreationismus vertreten wird, bleibt dies von vornherein im Rahmen traditioneller, theologischer Fragen.

6. Zur naturwissenschaftlichen Beurteilung des Kreationismus

Die vom Kreationismus gegen Kosmologie, Geologie und Evolutionsbiologie vorgebrachten wissenschaftlichen Argumente sind nach den Maßstäben wissenschaftlichen Forschens nicht stichhaltig. Obwohl Kreationisten dies ständig behaupten, gibt es in der Naturwissenschaft keine ernsthaften Zweifel an den Grundlagen der Evolutionstheorie. Der Eindruck einer tragfähigen naturwissenschaftlichen Argumentation für den Kreationismus wird erweckt, indem angebliche oder tatsächliche Erklärungsprobleme der Naturwissenschaften ausführlich abgehandelt werden. Die kreationistischen Alternativen dazu werden entweder gar nicht oder unkritisch behandelt. Dem gegenüber ist festzuhalten, dass das kreationistische Denken nicht dazu geeignet ist, das heutige Wissen über die Natur zu erklären. Es führt in unlösbare Widersprüche, die zum Verzicht auf den fruchtbaren Dialog zwischen Naturwissenschaft und Theologie zwingen.

7. Zur naturwissenschaftlichen Beurteilung eines intelligenten Designs

Die Idee eines intelligenten Designs beruht im Unterschied zum Kreationismus auf einem einzigen inhaltlichen Argument: Die Merkmale der Lebewesen seien „unreduzierbar komplex“ und deshalb ohne intelligente Planung nicht zu erklären. Würde dieses Argument zutreffen, wäre damit nicht der biblische Schöpfungsglaube bewiesen, sondern lediglich die Unvollständigkeit der modernen Evolutionsbiologie. Ein Argument für den Schöpfergott aus Nichtwissen ist weder logisch möglich noch theologisch sinnvoll. Allerdings stellt sich diese Frage für das christliche Denken derzeit nicht, weil es das von der Bewegung behauptete naturwissenschaftliche Nichtwissen in dieser Form nicht gibt.

Die Evolutionsbiologie bietet für die Entstehung der Lebewesen eine nach derzeitigem Forschungsstand hinreichende, allgemeine Erklärung an. Bei der Selektionstheorie handelt es sich um ein naturwissenschaftliches Modell (anders gesagt, eine allgemeine Rahmentheorie), um das kausale „Wie“ der Evolution zu beschreiben. Das Modell ist offen für Erklärungen des „Warum“ und „Wozu“. Solche Erklärungen kann die christliche Theologie ebenso und mit gleichem Recht bieten wie andere Religionen und wie der Materialismus. Diese Offenheit ist keine Besonderheit der Evolutionstheorie, sondern gilt für jede naturwissenschaftliche Theorie.

8. Praktische Schlüsse

Der Kreationismus soll aus der Evangelischen Kirche nicht durch Abgrenzung verdrängt, sondern er soll argumentativ und durch Vertiefung des Glaubens überwunden werden. Wo er zum Konfliktthema wird, sollte er mit Verständnis für die Anliegen kreationistischer Mitchristen behandelt werden, vor allem für ihren Wunsch, die Autorität der Bibel zu wahren. Aber ebenso sollte der Kreationismus mit einem kritischen Blick auf seine Risiken behandelt werden. Da von kreationistischer Seite immer wieder angeführt wird, die Evolutionstheorie untergrabe den Glauben, muss bedacht werden, dass der Kreationismus wissenschaftlich gebildeten Menschen den Zugang zum Glauben verstellen kann. Der protestantische Fundamentalismus liefert der aufgeklärten Religionskritik eher die Argumente, als dass er diese entkräftet, weil er den Glauben in einen scheinbaren Widerspruch zur Wissenschaft bringt. Daher gehört zum Umgang mit diesem Thema auch die Besinnung auf die Geschichte der fruchtbaren Begegnungen zwischen Theologie und Naturwissenschaft, auf Personen wie Johannes Kepler, Galileo Galilei, Blaise Pascal, Isaac Newton, in neuerer Zeit auf Karl Heim, Pascal Jordan, Carl-Friedrich von Weizsäcker usw. An ihrem Beispiel wird deutlich, dass Theologie und Naturwissenschaft, werden beide recht verstanden, keinen Gegensatz bilden.

9. Naturalistische Ideologie

Spiegelbildlich zum Kreationismus und zum „intelligenten Design“ gewinnt die Religionskritik auf naturwissenschaftlicher Grundlage an Einfluss. Viele Naturwissenschaftler vertreten öffentlich die Auffassung, dass nur eine rein naturalistische oder materialistische Deutung der Welt und des Menschen vernünftig sei. Sie berufen sich dabei auf ihr naturwissenschaftliches Wissen. Damit überschreiten sie die Grenze von Naturwissenschaft und Ideologie und versuchen ähnlich wie der Kreationismus, Naturwissenschaft und Naturalismus (oder Agnostizismus) zu einem einheitlichen Weltbild zu verbinden. Diese Versuche sind in der Diskussion um die Ethik der Technik, um die natürlichen Grundlagen der Religion des Menschen, um die menschliche Willensfreiheit usw. immer häufiger zu verzeichnen.

Der Kreationismus und der Versuch, Gottesbeweise aus der Natur zu führen, bestätigen diese Religionskritik, indem sie ihr ein Feindbild liefern. Daher sollte den Weltbildansprüchen von Wissenschaftlern, wo er erhoben wird, nicht mit einer christlichen Ideologie, sondern mit Ideologiekritik begegnet werden. Das heutige Naturwissen lässt sich nicht nur naturalistisch, sondern auch aus der Perspektive des biblischen Schöpfungsglaubens deuten. Das Schöpfungszeugnis der Bibel kann deshalb anhand des heutigen Wissens immer neu verdeutlicht und zum Leuchten gebracht werden.

Kirchliche Einschätzungen

Stellungnahme des Evangelischen Oberkirchenrats Stuttgart zum Beschluss der württembergischen Evangelischen Landessynode vom 26. November 1986 betr. Förderung des Studienkollegs „Wort und Wissen“ in Baiersbronn-Röt (8. Oktober 1987)

Beirat für Glaube und Naturwissenschaft beim Ev.-Luth. Landeskirchenamt Sachsen: Thesen zum Kreationismus, 1989 (veröffentlicht im Amtsblatt der Ev.-Luth. Landeskirche Sachsens, Dresden, 31.7.1990)

Anhang: Kreationismus in kurzer Darstellung

Die naturwissenschaftliche Evolutionstheorie besteht heute aus einem System theoretischer Aussagen von Astrophysik, Geologie, Biochemie und Biologie, die zum Teil in logischem Zusammenhang miteinander stehen, zum Teil aber auch unabhängig voneinander sind. Der seit 1960 in den USA, und seit 1980 in Europa, vorherrschende Kurzzeit-Kreationismus richtet sich deshalb nicht nur gegen die Biologie. Große Teile der Naturwissenschaft werden abgelehnt und durch alternative Thesen ersetzt, die man wie folgt zusammenfassen könnte:

• Die Erde ist weniger als 10 000 Jahre alt. Sie wurde einschließlich aller Lebewesen und des Menschen in sechs Tagen erschaffen, wie die Bibel es sagt.

• Die Lebewesen wurden von Gott so geschaffen, wie sie heute sind, oder als Grundtypen, aus denen die heutigen Arten in wenigen Tausend Jahren hervorgingen.

• Die Sintflut war ein weltweites erdgeschichtliches Ereignis. Die geologischen Ablagerungen einschließlich der Fossilien entstanden durch die Sintflut oder kurz danach.

• In der ursprünglichen Schöpfung gab es keine Sünde und keinen Tod. Der Tod kam erst durch den Fall des Menschen in die Welt. Vorher starb kein Lebewesen.

Diese Thesen werden durch eine wechselnde Zahl von Annahmen gestützt, die zum Teil im Kreationismus selbst strittig sind. Viele dieser Annahmen sind falsch, wobei naturwissenschaftliche Laien dies oft nicht erkennen können. Die häufigsten Annahmen lauten:

• Die Zerfallsrate radioaktiver Elemente war in der Vergangenheit höher. Radiometrische Altersmessungen kommen daher auf viele Millionen Jahre, während diese Elemente nur wenige Tausend Jahre alt sind. (Einwand: Eine Zerfallsrate, die das Alter z.B. von Uranen auf wenige Tausend Jahre verkürzt, hätte eine Hitze erzeugt, die das gesamte Material verflüssigt und verdampft hätte.)

• Die Datierung von Gesteinen und Fossilien durch radioaktive Zerfallsraten beruht auf willkürlichen Voraussetzungen. In Wirklichkeit weiß niemand, welche Menge eines Elements und seiner Zerfallsprodukte vor wenigen Tausend Jahren bereits vorhanden waren. (Einwand: Kein denkbarer Fehler ist groß genug, um das radiometrisch gemessene Alter eines Minerals von einer Milliarde Jahre auf 10 000 Jahre zu senken.)

• Die Lichtgeschwindigkeit war früher viel höher. Daher ist die astrophysikalische Berechnung der Laufzeit des Lichts zwischen der Erde und weit entfernten Sternen falsch. Sie beträgt nicht Milliarden Jahre, sondern nur wenige Tausend Jahre. (Einwand: Das bedeutet eine neue theoretische Physik, denn die Lichtgeschwindigkeit ist in ihr eine elementare Konstante.)

• Alternativ zu den ersten Thesen: Das Universum ist von Gott so geschaffen worden, einschließlich radioaktiver Zerfallsprodukte, des Lichts zwischen den Sternen, der Fossilien usw., dass es den Eindruck großen Alters vermittelt.2 In Wirklichkeit ist es wenige Tausend Jahre alt. (Einwand: Das Argument schafft die Möglichkeit ab, überhaupt Naturwissenschaft zu betreiben.)

• Die Sintflutgeschichte wird dadurch belegt, dass archäologische Expeditionen Reste der Arche gefunden haben. (Einwand: Die angeblichen Reste sind nicht vorhanden oder nicht untersuchbar.)

• Die Wahrscheinlichkeit, dass sich nützliche Merkmale von Lebewesen durch das ungeplante Zusammentreffen von Mutationen bilden, ist viel zu gering, als dass die Evolutionstheorie funktionieren könnte. (Einwand: Diese Wahrscheinlichkeit ist meist nicht berechenbar, aber mit Sicherheit ausreichend hoch.)

• Natürliche Prozesse, die nach einfachen Regeln ablaufen, können keine Information erzeugen. Die Evolution der Lebewesen erzeugt aber Information. Also wäre sie nur mit Hilfe einer planenden Intelligenz möglich. (Einwand: Natürliche Prozesse, die nach einfachen Regeln ablaufen, können unter Energieverbrauch Information erzeugen.)

Eine Reihe von häufig zu lesenden Annahmen wurde in dieser Liste weggelassen, wie die Geschichte von den menschlichen Fußabdrücken, die neben Saurierspuren entdeckt wurden, oder die These, dass die Evolutionstheorie gegen den zweiten Hauptsatz der Thermodynamik verstoße. Die derzeit gültige Evolutionstheorie geht im Gegensatz zum Kreationismus davon aus, dass alle heute lebenden Wesen von früheren, andersartigen Lebewesen abstammen. Die Veränderung verlief dabei in vielen Abstammungslinien (nicht immer und überall) hin zu einer höheren Komplexität von Strukturen und Verhaltensweisen. Weiterhin besagt sie, dass die Veränderungen auch (nicht immer) funktionale Anpassungen der Lebewesen an ihre Umwelt waren. Diese Theorie bildete sich bereits im 18. Jahrhundert heraus. Die kausale Erklärung für die Triebkräfte der Veränderung wechselte einige Male, bis die Selektionstheorie nach Darwin und Wallace 1859 einen entscheidenden Fortschritt brachte. Die heutige Theorie weicht zwar in vieler Hinsicht von Darwins Ideen ab, beruht aber immer noch auf einigen seiner zentralen Entdeckungen. Insbesondere brachte die Verbindung der Evolutionsbiologie mit der modernen Genetik entscheidende Veränderungen und Fortschritte mit sich.

Der Kreationismus ist entgegen seinem eigenen Anspruch nicht imstande, diesen Ergebnissen eine wissenschaftliche Alternative entgegenzusetzen.


Anmerkungen


1 Beide Zitate entstammen der Stellungnahme des Evangelischen Oberkirchenrats Stuttgart 1987, 4f.

2 Dieses Argument findet sich als Omphalos-Theorie seit dem 19. Jahrhundert in der wissenschaftskritischen Literatur. Es geht davon aus, dass auch Adam und Eva einen Nabel (griechisch Omphalos) gehabt hätten, obwohl sie niemals im Mutterleib durch eine Nabelschnur ernährt wurden.