Matthias Pöhlmann

Universelles Leben

Die „Lehrprophetin“ des Universellen Lebens ist tot

In den letzten Jahren war es um das Universelle Leben und seine „Lehrprophetin der Jetztzeit“ sehr still geworden. Viele fragten sich, ob die hochbetagte Gabriele Wittek überhaupt noch am Leben sei. Am 23. Oktober 2024 vermeldete die Würzburger Tageszeitung Mainpost schließlich den Tod der Gründerin des Universellen Lebens. Das genaue Sterbedatum blieb zunächst unbekannt. Wie sich erst später herausstellte, war Gabriele Wittek bereits am 7. September 2024 gestorben. Sie wurde anschließend in Stadtprozelten im unterfränkischen Landkreis Miltenberg beigesetzt. Die genaue Todesursache und die gewählte Bestattungsform sind bislang nicht bekannt. Die Glaubensgemeinschaft selbst gab zum Tod Witteks keine Stellungnahme ab.

Dass die „Prophetin“ nicht mehr am Leben war, wurde vom Universellen Leben durch die Sendung „Ein Abschiedsbrief an alle, die Gabriele noch gekannt haben“ im Streaming-Kanal „Die neue Zeit“ zufällig ebenfalls am 23. Oktober 2024 öffentlich gemacht. Die Funktionäre des Universellen Lebens Ulrich Seifert und Gert-Joachim Hetzel traten im Studio vor die Kamera. Im Hintergrund war ein Bildausschnitt aus dem Inneren des „Zeltes Gottes bei den Menschen“, dem jüngsten Bauprojekt des Universellen Lebens in Marktheidenfeld-Altfeld, zu erkennen. Rechts neben den beiden Moderatoren befand sich ein großes, in einen Goldrahmen gefasstes Schwarz-Weiß-Porträt der Prophetin, das sie in jüngeren Jahren zeigte. Mit schwülstigen Formulierungen und langatmigen Zitaten aus den Neuoffenbarungen hoben Seifert und Hetzel die Bedeutung der „Botschafterin Gottes in dieser Zeit“ hervor. Seifert berichtete, dass ihn „Gott der Ewige“ durch Gabriele Wittek am 16. August 2024 gebeten habe, einen Abschiedsbrief an alle zu schreiben, die „Gabriele“ noch gekannt haben. Es handelte sich demnach um den Wortlaut von Wittek selbst sowie um angebliche göttliche Offenbarungen. Seifert ist gemeinsam mit Martin Kübli Geschäftsführer der „Die Perlen der Göttlichen Weisheit Verwaltungs-GmbH“ in Marktheidenfeld. Er erläuterte in der Sendung die Dualität der Prophetin: „Die Tochter Gottes, dualisiert mit dem Fürsten der Ur-Weisheit, war seit Jesus von Nazareth immer wieder im Erdenkleid.“ Sie sei nun in das Vaterhaus zurückgekehrt, um ewig mit dem Fürsten der Ur-Weisheit vereint zu sein. Seifert bezeichnete sie gar als „Ur-Weisheit“ selbst. Hetzel würdigte die Neuoffenbarungen Witteks als „Offenbarungswort vom ewigen Vater-Mutter-Gott durch seine Prophetin Gabriele, dem Seraph der göttlichen Weisheit“.

Die Verklärung und sakrale Überhöhung der Lehrprophetin Gabriele Wittek durch die Glaubensgemeinschaft wird mit den in dieser Sendung getroffenen Aussagen besonders deutlich – eine Entwicklung, die sich im Universellen Leben schon länger abzeichnete (vgl. ZRW 83,3 [2020], 194–199). Unmissverständlich machten Hetzel und Seifert klar, dass es in Zukunft „kein so reines Prophetenwort“ mehr geben werde. Am 29. Mai 2024 habe sich „Gott-Vater“ das letzte Mal durch seine Prophetin offenbart. Abschließend wandte sich Seifert mit drohenden Worten an die Zuschauer: „Nun beginnt der dunkelste Teil der Menschheitsgeschichte für alles Weltliche und Weltlinge.“ Gott-Christus habe durch seine Prophetin rechtzeitig gewarnt.

In der Sendung wurde mit keinem Wort auf den irdischen Lebensweg Witteks Bezug genommen. Nahezu beiläufig hieß es, die göttliche Weisheit habe in dem Menschen Gabriele Erdengestalt angenommen und ihr Ehemann Rudolf habe sie in ihrer Bestimmung unterstützt. Rudolf Witteks Rolle war in Publikationen des Universellen Lebens anfangs jedoch weniger von Bedeutung. Erst später wurde sie in einer Broschüre des Universellen Lebens viel stärker betont (vgl. MdEZW 77,3 [2014], 101f.).

Gabriele Wittek wurde am 3. Oktober 1933 in Wertingen bei Augsburg geboren und wuchs in einer katholischen Familie auf. Im Jahr 1970 erlebte sie, inzwischen verheiratet und mit Ehemann und Tochter in Würzburg wohnhaft, einen erschütternden Schicksalsschlag. Der Tod ihrer Mutter, wichtige Bezugsperson in einsamen Stunden, stürzte sie in schwere Trauer. Sie schloss sich einem spiritistischen Zirkel an und war davon überzeugt, dass jenseitige Stimmen zu ihr sprechen würden. Wie bei anderen Neuoffenbarern, etwa bei Jakob Lorber (1800–1864), soll sich in ihr ein Durchbruch des „inneren Wortes“ ereignet haben, den sie auf den 6. Januar 1975 datierte: Seither sprachen nach eigenen Angaben ihr geistiger Lehrer „Bruder Emanuel“ und der „Lehrengel Liobani“, aber auch Gott und Christus zu ihr. In der Folgezeit bildeten sich sogenannte „Christuszellen“, die sich 1977 zum „Heimholungswerk Jesu Christi“ zusammenschlossen. Im Jahr 1984 erfolgte die Umbenennung in „Universelles Leben“. Von Anfang an genoss Gabriele Wittek innerhalb der Glaubensgemeinschaft uneingeschränkte Autorität. Im Unterschied zum Tieftrance-Medium Erika Bertischinger Eicke alias „Uriella“ des Ordens „Fiat Lux“ verzichtete Wittek auf öffentlichkeitswirksame Auftritte in den Medien. Von ihr existieren nur ganz wenige Fotos.

Die Zukunft der umstrittenen Neureligion ist ungewiss. Schon länger ist bekannt, dass mit Gabriele Wittek nach Überzeugung des Universellen Lebens der letzte schöpfende Lehrprophet (Das ist Mein Wort. A und Ω, S. 964) erschienen sei, der weitere Propheten überflüssig mache. Durch die „Posaune Gottes“ sei bereits die ganze Wahrheit offenbart. Was Jesus von Nazareth nicht geschafft habe, sei durch ihr Wirken erreicht worden (vgl. MdEZW 59,4 [1996], 118f.). Es ist davon auszugehen, dass das geistige Erbe Witteks kanonisiert und verwaltet wird. Völlig unklar sind derzeit die Führungsstrukturen und das Machtgefüge innerhalb des Universellen Lebens. Umfeldinitiativen wie die Lebe-Gesund-Marktstände und der gleichnamige Versandhandel für Veganprodukte dürften weiterhin eine bedeutende Rolle spielen. Neue geistige Impulse sind für das Universelle Leben indes nicht mehr zu erwarten.
 

Matthias Pöhlmann (München), November 2024