Ethik

Umgang mit religiösem Machtmissbrauch in evangelikalen und in neuapostolischen Gemeinden

Manipulation und Machtbissbrauch sind zwei grundlegende Mechanismen, die religiöse Gruppenleiter zu „Sektenführern“ werden lassen. Derartige Prozesse verlaufen oft schleichend und machen auch vor christlichen Gemeinden und Gruppierungen nicht halt.

Deshalb hat die Deutsche Evangelische Allianz vor zwei Jahren eine „Clearingstelle“ eingerichtet. Sechs ehrenamtlich tätige Beauftragte stehen seitdem zur Verfügung, um diesbezügliche Vorwürfe Betroffener aus dem evangelikalen Milieu anzuhören und um zu versuchen, Klärungen zwischen Betroffenen und der Gemeinschaft herbeizuführen. Im Mai 2017 hatte die „Clearingstelle“ zwei Dutzend Fachleute zu einer Werkstatt-Tagung zum Thema „Religiöser Missbrauch“ nach Bad Blankenburg eingeladen. Dort wurden die Ursachen von geistlichem Missbrauch in christlichen Gemeinden untersucht, und es wurde über Hilfsangebote für Betroffene beraten. Besonderer Wert müsse auf die Prävention gelegt werden, lautete ein Fazit der Tagung. Für die Gefahren von geistlichem Missbrauch müsse bereits an den theologischen Ausbildungsstätten sensibilisiert werden. Eine Handreichung für Verantwortliche in Gemeinden und Verbänden soll erarbeitet werden.

Auch in der Neuapostolischen Kirche (NAK) berichten ehemalige Mitglieder von geistlichem Missbrauch. Der gemeinnützige Verein „Licht nach dem Dunkel (LINDD)“, der von zwei NAK-Mitgliedern geleitet wird, möchte betroffenen Kirchenmitgliedern Hilfen anbietet. Im März 2017 hatte der Verein zum Seminar „Auswege aus frommer Gewalt“ unter Leitung einer religionskundigen Supervisorin eingeladen, das für aktive, inaktive und ehemalige NAK-Mitglieder angeboten wurde. Die Teilnehmer erlebten die Impulse und den Austausch als hilfreich und weiterführend. Auf der Internetseite des Vereins haben die beiden Vorsitzenden im Juni 2017 einen Brief an Stammapostel Jean-Luc Schneider veröffentlicht. Darin bitten sie das NAK-Oberhaupt erneut zu einem Gespräch auf Augenhöhe, um gemeinsam zu überlegen, wie Glaubensgeschwistern geholfen werden kann, die ihre religiöse Erziehung als krankmachend erlebt haben.

Es ist hilfreich, wenn sich Kirchen und religiöse Gemeinschaften kritischen Anfragen aus den eigenen Reihen offen stellen, interne Qualitätskriterien zur Vermeidung religiösen Missbrauchs festlegen und Betroffenen neutrale Vertrauenspersonen vermitteln können. Darüber hinaus ist zu bedenken, dass religiöse Leiter zu oft nicht ausreichend geschult sind, um geistlichen Missbrauch als solchen zu erkennen und dessen Konsequenzen abzuschätzen. Als übergriffig werden Leiter erlebt, denen die nötigen sozialen und psychologischen Führungsqualitäten und Kompetenzen für ihr Amt fehlen. Es liegt in der Verantwortung der Verbände, Ausbildungs- und Beratungsstrukturen zu schaffen, durch die Versektungstendenzen frühzeitig ans Tageslicht kommen und dadurch verhindert werden können.

Presse-Mitteilung zur Werkstatt „Religiöser Missbrauch“ der Evangelischen Allianz: www.ead.de/nachrichten/nachrichten/einzelansicht/article/raus-aus-der-tabuzone.html. Brief von LINDD an Stammapostel Schneider:

Umgang mit religiösem Machtmissbrauch in evangelikalen und in neuapostolischen Gemeinden. Manipulation und Machtbissbrauch sind zwei grundlegende Mechanismen, die religiöse Gruppenleiter zu „Sektenführern“ werden lassen. Derartige Prozesse verlaufen oft schleichend und machen auch vor christlichen Gemeinden und Gruppierungen nicht halt.

Deshalb hat die Deutsche Evangelische Allianz vor zwei Jahren eine „Clearingstelle“ eingerichtet. Sechs ehrenamtlich tätige Beauftragte stehen seitdem zur Verfügung, um diesbezügliche Vorwürfe Betroffener aus dem evangelikalen Milieu anzuhören und um zu versuchen, Klärungen zwischen Betroffenen und der Gemeinschaft herbeizuführen. Im Mai 2017 hatte die „Clearingstelle“ zwei Dutzend Fachleute zu einer Werkstatt-Tagung zum Thema „Religiöser Missbrauch“ nach Bad Blankenburg eingeladen. Dort wurden die Ursachen von geistlichem Missbrauch in christlichen Gemeinden untersucht, und es wurde über Hilfsangebote für Betroffene beraten. Besonderer Wert müsse auf die Prävention gelegt werden, lautete ein Fazit der Tagung. Für die Gefahren von geistlichem Missbrauch müsse bereits an den theologischen Ausbildungsstätten sensibilisiert werden. Eine Handreichung für Verantwortliche in Gemeinden und Verbänden soll erarbeitet werden.

Auch in der Neuapostolischen Kirche (NAK) berichten ehemalige Mitglieder von geistlichem Missbrauch. Der gemeinnützige Verein „Licht nach dem Dunkel (LINDD)“, der von zwei NAK-Mitgliedern geleitet wird, möchte betroffenen Kirchenmitgliedern Hilfen anbietet. Im März 2017 hatte der Verein zum Seminar „Auswege aus frommer Gewalt“ unter Leitung einer religionskundigen Supervisorin eingeladen, das für aktive, inaktive und ehemalige NAK-Mitglieder angeboten wurde. Die Teilnehmer erlebten die Impulse und den Austausch als hilfreich und weiterführend. Auf der Internetseite des Vereins haben die beiden Vorsitzenden im Juni 2017 einen Brief an Stammapostel Jean-Luc Schneider veröffentlicht. Darin bitten sie das NAK-Oberhaupt erneut zu einem Gespräch auf Augenhöhe, um gemeinsam zu überlegen, wie Glaubensgeschwistern geholfen werden kann, die ihre religiöse Erziehung als krankmachend erlebt haben.

Es ist hilfreich, wenn sich Kirchen und religiöse Gemeinschaften kritischen Anfragen aus den eigenen Reihen offen stellen, interne Qualitätskriterien zur Vermeidung religiösen Missbrauchs festlegen und Betroffenen neutrale Vertrauenspersonen vermitteln können. Darüber hinaus ist zu bedenken, dass religiöse Leiter zu oft nicht ausreichend geschult sind, um geistlichen Missbrauch als solchen zu erkennen und dessen Konsequenzen abzuschätzen. Als übergriffig werden Leiter erlebt, denen die nötigen sozialen und psychologischen Führungsqualitäten und Kompetenzen für ihr Amt fehlen. Es liegt in der Verantwortung der Verbände, Ausbildungs- und Beratungsstrukturen zu schaffen, durch die Versektungstendenzen frühzeitig ans Tageslicht kommen und dadurch verhindert werden können.

Presse-Mitteilung zur Werkstatt „Religiöser Missbrauch“ der Evangelischen Allianz: www.ead.de/nachrichten/nachrichten/einzelansicht/article/raus-aus-der-tabuzone.html . Brief von LINDD an Stammapostel Schneider: www.lindd.de/Berichte/Bericht_-_Neue_Wege_fur_Belastete_-_erneutes_Schreiben_an_StAP_Schneider_-Juni_2017.pdf


Michael Utsch