Neue evangelikale Freikirche auf den Weg gebracht
Zusammenschluss von Baptisten und Brüdergemeinden vor dem Aus
Die zum „ChristusForum Deutschland“ (CFD) gehörenden Gemeinden haben sich am 13. April 2024 in geheimer Abstimmung mit 90,6 Prozent der abgegebenen Stimmen dafür entschieden, dass ihr Gemeindeverband sich um eigenständige Körperschaftsrechte bemühen soll. Die Erlangung solcher Rechte bedeutete die Loslösung vom Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden (BEFG), zu dem das CFD bisher gehört, und damit die Gründung einer neuen Freikirche. Bei der hybrid geführten Jahresversammlung des CFD am 12. und 13. April 2024 in Hofgeismar kam damit ein Prozess zur vorläufig endgültigen Entscheidung, der 2012 angestoßen worden war.1 Damals hieß das CFD noch „Arbeitsgemeinschaft der Brüdergemeinden“. Das verweist auf den historischen Kern des BEFG, der 1941 gegründet wurde, als sich die Brüdergemeinden und die Gemeinden des baptistischen Bundes, der schon Körperschaftsrechte besaß, zusammenschlossen.2
Man darf gespannt sein, wie groß die neue Freikirche werden wird – einige Tausend oder deutlich über Zehntausend Mitglieder? Für manche Gemeinden, denen sowohl die Mitgliedschaft im BEFG als auch die Zugehörigkeit zum CFD wichtig ist, kommt es nun möglicherweise zu einer Zerreißprobe.3 Es ist davon auszugehen, dass einzelne Gemeindeglieder sich neuen Gemeinden anschließen, wenn die bisherige eigene Gemeinde nicht mehr dem BEFG angehören oder aber dort verbleiben wird. Und es werden sich manche theologisch konservative Gemeinden, die bisher anderen Bünden bzw. Kirchen zugehören oder unabhängig sind, der neuen Freikirche anschließen.
Theologische Streitpunkte
Hintergrund für die Trennung sind, neben jahrzehntealten kirchensoziologischen und -organisatorischen Fragen, schwelende Diskussionen in klassischen theologischen Feldern wie Hermeneutik, Soteriologie und Ethik. Die diesbezüglichen Positionen des Vorstands des CFD sind erkennbar im Text „Das theologische Herz im Christusforum. Wertekanon ChristusForum Deutschland“, der im Dezember 2023 zur Diskussion in den Gemeinden freigegeben worden ist.4 Nach einer „Präambel“ werden die sechs „biblisch-theologischen Werte im ChristusForum Deutschland“ unter folgender Maßgabe entfaltet: „Unser Wertekanon hat das Ziel, die in der Präambel formulierten Aussagen in entscheidenden Punkten zu präzisieren, sowie weitere Aussagen als Kernwerte zu benennen. Gemeinden, Werke oder Einzelpersonen, die zum ChristusForum Deutschland gehören, teilen die folgenden Werte und respektieren die darin enthaltenen Grenzen und Freiheiten.“ Dieser Text war auch Gegenstand eines der vier Workshops während der Jahresversammlung 2024. Die Workshopleitung sprach dabei, dem Begriff „Grenzen“ entsprechend, von der Möglichkeit, dass der Text in seiner Endfassung für die Mitgliedsgemeinden verpflichtenden Charakter haben könnte.
Der Text ist sowohl im Aufbau als auch in seinen Inhalten an klassische protestantische Bekenntnistexte angelehnt; er erinnert insbesondere an die Barmer Theologische Erklärung (BTE), auch wenn er sehr viel länger ist als diese.5 Die sechs Themen sind „Jesus Christus“, „Nachfolge“, „Gemeinde“, „Die Bibel“, „Gottes Schöpfung“ und „Gottes Mission“. Auf positiv formulierte Lehrsätze folgen in vier der sechs Themenbereiche Sätze, die als Anathema gelesen werden können, zum Beispiel: „Weil allein der Glaube an Jesus Christus mit Gott versöhnt, treten wir allen Umdeutungen des Evangeliums entgegen. Wir lehnen Lehren ab, die Sünde verharmlosen, den Menschen prinzipiell für gut erklären und den Sühnetod Jesu unnötig machen.“ Oder: „Methoden der Auslegung, die die Zuverlässigkeit und Wahrhaftigkeit der Bibel in Frage stellen, entsprechen nicht unserem Verständnis des Wortes Gottes. Sachkritik, die biblische Aussagen dem menschlichen Urteil unterzieht, ist keine angemessene Antwort auf die Offenbarung Gottes in der Schrift.“ Im Abschnitt „Gottes Schöpfung“ gibt es keine negativ formulierten Aussagen, de facto aber eine eindeutige Absage an gelebte Homosexualität.
Während die genannten Abgrenzungen innerhalb der CFD-Sicht des Diskurses im BEFG verstanden werden können, gilt der letzte Satz des Textes offenkundig Anderen: „Jedoch sprechen wir uns gegen die Verkündigung eines verkürzten Evangeliums aus, das den Menschen unrealistische, biblisch nicht haltbare Heilungs-, Wohlstands- oder Wohlfühlversprechen macht […].“ Hier werden neopentekostale Lehren adressiert.
Auf die Frage eines Workshopteilnehmers, ob nicht auch etwas über die Mitwirkung von Frauen in der Gemeinde geschrieben werden solle, sagte einer der Workshopleiter, Markus Schäller, diese Frage solle den Gemeinden selbst überlassen werden; er bezeichnete sie unter Hinweis auf Paulus als Ordnungsfrage,6 die nicht zu diesen „Kernwerten“ gehöre. – An dieser Stelle sei angemerkt, dass bei der CFD-Jahresversammlung mit zwei Ausnahmen ausschließlich Männer mitwirkten und sich zu Wort meldeten. Dass es neben dem Moderator auch eine Moderatorin gab, deutet allerdings angesichts der brüdergemeindlichen Tradition eine Weiterentwicklung an.7
Die Entscheidung war abzusehen
Im Plenum gab es vor der Schlussabstimmung keinen Diskussionsbedarf. Dies wurde von einem Delegierten, der nach eigener Auskunft zum ersten Mal dabei war, auch ausdrücklich problematisiert. Der Verhandlungsleiter sagte dazu, dass der Grund möglicherweise darin zu suchen sei, dass das Thema seit eineinhalb Jahren in den Regionalversammlungen ausführlich diskutiert worden sei.
Am Vorabend und am Vormittag des entscheidenden Tages hatten Präsident und Generalsekretär des BEFG, Michael Noss und Christoph Stiba, nochmals eindringlich dafür plädiert, beieinander zu bleiben.8 Sie begründeten das vor allem mit der durch Joh 17 gebotenen Einheit. Dagegen betonte Schäller, Leiter des „Teams Theologie“ des CFD, dass „die Schmerzgrenze“ erreicht sei. Man wolle nicht die von der BEFG-Leitung angestrebte „Kirche des Dialogs“, sondern statt „Beliebigkeit“ biblische Eindeutigkeit. Die BEFG-Leitung bedauerte, dass mehrere andere Modelle zukünftiger Zusammenarbeit, die auf dem Tisch lagen, nicht wirklich geprüft worden seien, und meinte, es sei ein „Zerrbild vom Bund“ kolportiert worden; die Frage nach dem Warum bleibe bestehen. Auch im Kontext der polarisierten Gesellschaft mit ihren Blasen sei die Trennung ein falsches Signal. Leider habe man, so Stiba selbstkritisch, die offenbar nötige Diskussion zwischen den verschiedenen Traditionen bzw. theologischen Richtungen innerhalb des BEFG in der Vergangenheit vernachlässigt.
Auf der vom 8. bis 11. Mai 2024 in Kassel abgehaltenen Jahrestagung des BEFG-Bundesrates, quasi der Synode des Bundes, wurde der CFD-Beschluss zwar intensiv diskutiert, gleichwohl konstatierte IDEA-Reporter Karsten Huhn in seinem Kommentar: „Das ChristusForum […] vermied es, die Gründe für den Gang in die Selbstständigkeit klar zu benennen. Eine reinigende Debatte blieb deshalb aus.“9
Subtexte: Auffassungen von Kongregationalismus
Im Juli 2021 erschien ein Buch für Jugendliche, das von je zwei hauptamtlichen Mitarbeitern der Jugendarbeit im BEFG und im Bund Freier evangelischer Gemeinden (BFeG) herausgegeben wurde.10 Einzelne Abschnitte daraus entfachten schnell eine lebhafte Diskussion, unter anderem zum Thema „Sühnetheologie“. Der BFeG nahm auf dem Bundestag (quasi der Synode dieses Bundes) im September 2021 durch seinen damaligen Präses Ansgar Hörsting Stellung. Und die beiden BFeG-Mitarbeiter unter den Herausgebern distanzierten sich von einzelnen Inhalten des Buches.11 Entsprechendes geschah im BEFG nicht. Dies ist einer der Hintergründe für die Vorwürfe des CFD gegen die BEFG-Bundesleitung.12 Deren Präsident, Michael Noss, machte auf der Bundesratstagung im Mai 2024 nochmals deutlich, warum der BEFG hier anders reagierte als der BFeG:
„Wenn mit dem Wunsch nach klarer Haltung und Orientierung seitens der Leitung des BEFG allerdings die Erwartung verbunden ist, dass wir ‚rote Linien‘ ziehen, Grenzen dessen formulieren, was in den Gemeinden, in den Initiativen, in den Arbeitskreisen und den Gremien noch gesagt oder gedacht werden darf, mithin dem Präsidium die Funktion einer Glaubenskongregation zugesprochen wird, solange es das sagt, was man selbst hören will, dann haben wir diese Erwartungen unseres Erachtens zurecht enttäuscht. Einen kongregationalistischen Gemeindebund von geistlich selbständigen Ortsgemeinden leitet man nicht hierarchisch, also von oben nach unten.“13
Vor zwei Jahren kam die Frage nach dem Wesen des Kongregationalismus und der möglichen Gestalt von Führung in einem kongregationalistisch verfassten Gemeindebund auch im BFeG auf. Denn kaum war dort das genannte Jugendbuch bzw. das Thema „Sühnetheologie“ erst einmal abgeräumt, gelangte eines der anderen notorischen Themen, die eben jetzt auch das CFD beschäftigen, auf den Tisch: Homosexualität. Auf einen Entwurf der Bundesleitung „antwortete ein ‚Offener Brief‘, der innerhalb weniger Tage von einer dreistelligen Zahl von gemeindeleitenden Personen, darunter über achtzig zumeist aktiven Pastorinnen und Pastoren, unterzeichnet wurde. In diesem Brief wurde Besorgnis darüber geäußert, dass in der Gesprächsvorlage eine Trennung von Gemeinden nahegelegt würde, die sich in Bezug auf Homosexualität anders positionieren als in der entsprechenden Orientierungshilfe des Bundes. Die Unterzeichner interpretierten das als Angriff der Bundesleitung auf die Bundesgemeinschaft […].“14 Im Folgenden wurde der Verfassungsstreit beigelegt und auch die Diskussion um die Homosexualität einigermaßen befriedet. Das Thema bleibt aber virulent, gerade an den beiden Rändern des Spektrums innerhalb des BFeG. Dem Vernehmen nach überlegen manche sehr konservative Freie evangelische Gemeinden, ob sie sich einem selbständigen CFD anschließen möchten.
CFD-Geschäftsführer Alexander Rockstroh sagte im Kontext seines Jahresberichts im April 2024, man stehe mit achtzig Gemeinden im Gespräch, die Interesse am CFD hätten und bisher zu anderen Bünden gehörten oder unabhängig seien. Die Liste sei und bleibe aber geheim. In einem Interview, das Huhn in zeitlichem Zusammenhang der CFD-Entscheidung mit Rockstroh führte, sagte dieser aber immerhin: „Vermutlich werden sich […] einige Baptistengemeinden anschließen; einige gehören zu den 80 Gemeinden, die Interesse signalisiert haben.“15
Trennung als Erfolgsmodell?
Im Fortgang des Interviews sagte Huhn seinem Interviewpartner: „Gewöhnlich stehen nach Scheidungen beide Partner schwächer da als zuvor.“ Darauf Rockstroh: „Die Gefahr ist da, es gibt aber auch Gegenbeispiele. Es besteht die Chance, dass nach einer Trennung beide Teile wachsen und besser dastehen als zuvor.“ Das bleibt abzuwarten.
Neben dieser organisationssoziologischen Überlegung gibt es auch die Frage nach der Attraktivität von Formen und Inhalten. Die Zahlen, die während der Bundesratstagung im Mai 2024 in Kassel veröffentlicht wurden, sind auf den ersten Blick auffällig: Die Mitgliederzahl der baptistischen Gemeinden sank um 1.254, die der CFD-Gemeinden stieg um 405 auf 9.077, ein Zuwachs von 4,7 Prozent.16 Bei Betrachtung der längerfristigen Entwicklungen aber lässt sich auch in den CFD-Gemeinden in den letzten Jahren des vergangenen Jahrzehnts ein kontinuierliches Schrumpfen verzeichnen. Und die Zahl aus dem Jahr 2023 reicht noch nicht wieder an die von 2018 (9.137 Gemeindeglieder) heran.17
Wie groß der Aderlass für den BEFG am Ende ausfiele, wenn es wirklich zur Loslösung des CFD käme, ist noch nicht seriös prognostizierbar. Rechnerisch vorstellbar ist aber, dass der Bund seine jahrzehntelange Rolle als größte Freikirche innerhalb der Vereinigung Evangelischer Freikirchen (VEF) an den Bund Freikirchlicher Pfingstgemeinden abgeben müsste. Ob das CFD als „KdöR in spe“ einen Aufnahmeantrag in der VEF stellen wird, muss ebenfalls abgewartet werden. Deutlicher zeichnet sich aber schon jetzt ab, dass man sich mit Rücksicht auf die Gemeindemitglieder, die eine Vocatio für Evangelische Religionslehre besitzen, um ACK-Mitgliedschaft bemühen wird.
Unklar ist, ob und, wenn ja, wie schnell die juristischen Bemühungen des CFD um Körperschaftsrechte zum Erfolg führen werden. Rockstroh hält dies bereits 2025 für möglich.18 Dagegen hob während der Bundesratstagung ein „mit Körperschaftsrecht vertrauter Jurist […] hervor, dass die vom CFD genannten Wege zur Erlangung von eigenen Körperschaftsrechten Jahre dauern und auch scheitern könnten. Er warnte vor einer ‚jahrelangen Zitterpartie‘.“19
Organisatorische und konfessionelle Kontexte
Wie man am Beispiel CFD/BEFG sieht, ist die freikirchliche Landschaft in Deutschland nicht nur in ihren neocharismatischen, sondern auch in ihren traditionellen Sektoren in Bewegung. Allerdings wird nicht zufällig der Leiter der Geistlichen Gemeindeerneuerung (GGE) im BEFG, Matthias Lotz, zum Impulsreferat am Morgen des CFD-Entscheidungstags gebeten worden sein.20 Dem war eine Andacht vorausgegangen, die Martin P. Grünholz, ein zu „Bibel und Bekenntnis“ gehörender Theologe des Forums Wiedenest, gehalten hatte. Das sind die Kontexte, in denen die neue Freikirche sich verorten dürfte. Konfessionskundlich spannend ist unter anderem die Frage, wie viel brüdergemeindliche Tradition im nächsten Jahrzehnt im CFD noch zu erkennen sein wird – vermutlich nicht viel: „Heute besteht die Trennlinie nicht mehr zwischen ChristusForum und Baptisten, sondern zwischen theologisch konservativen und progressiven Gemeinden. […] Wir haben nicht nur unseren Namen, sondern auch unsere Kultur verändert. Wir wollen nicht in Gesetzlichkeit und Enge leben, sondern in Freiheit in Christus. Mit unserer Namensänderung binden wir uns nicht an eine Denomination, sondern an Christus. Das macht unsere Bewegung auch für andere Gemeinden attraktiv.“21 – Organisationssoziologisch ist interessant, ob es dem CFD gelingen wird, wie beabsichtigt „eine neue Körperschaft als Netzwerk und [sic!] Bekenntnisgemeinschaft“22 zu gestalten.
Apropos Bekenntnisgemeinschaft: Der letzte Satz vor der Schlussformel der Barmer Theologischen Erklärung von 1934 lautet: „Sie [sc. die Bekenntnissynode] bittet alle, die es angeht, in die Einheit des Glaubens, der Liebe und der Hoffnung zurückzukehren.“ Da ging es um Landeskirchen im Rahmen des nationalsozialistischen Staates. Andreas Liese, der selbst aus einer Brüdergemeinde stammende Vorsitzende der Historischen Kommission des BEFG, der die Ursprünge des Zusammenschlusses von Brüdergemeinden und Baptisten akribisch erforscht hat, schließt seinen diesbezüglichen Aufsatz mit den Worten:
Ab 1937 wurde die Existenz verschiedener freikirchlicher Denominationen radikal in Frage gestellt. Teilweise geschah dies auf einem hohen theologischen Reflexionsniveau. Auch wenn es sich dabei um eine Gemengelage verschiedenster Motive und Begründungen mit einer erschreckenden Nähe zum NS-Staat handelte, könnten viele Argumente heute noch als Impulse für ein intensiveres Miteinander der Freikirchen dienen.23
Solches Miteinander aber wird nach dem Willen des CFD für dieses selbst in Zukunft in anderen Zusammenhängen stattfinden als im Kontext des BEFG. Dieser wiederum hat auf der erwähnten Bundesratstagung im Mai mit 90,7 Prozent der Stimmen dem Lehrgesprächsergebnis von BEFG und VELKD zugestimmt.24 Präsident Noss sagte dazu, dass „solch eine ‚Kirchengemeinschaft auf dem Weg‘ in einer Zeit, in der eher die Unterschiede als die Gemeinsamkeiten betont werden, […] ein starkes Zeichen für die versöhnende Kraft des Evangeliums“ sei.25
Lothar Triebel, Bensheim (August 2024)
Anmerkungen
- Zur Entwicklung vgl. die Darstellung auf der Netzseite des CFD, „ChristusForum Zukunftsprozess“, https://tinyurl.com/yht7ju2u (letzter Abruf aller in diesem Beitrag genannten Netzseiten am 28.8.2024), insbesondere das dort abgelegte 15-seitige Papier „Klärungsdokumentation ‚Wo stehen wir?‘. Das ChristusForum im und mit dem Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden in Deutschland K. d. ö. R.“, März 2024, https://tinyurl.com/2s445pka. Vgl. auch den Blick auf die eigene Geschichte unter dem Titel „Einer ist Euer Meister, der Christus. Ihr aber seid Brüder. Die Geschichte der Brüderbewegung von den Anfängen bis zum ChristusForum Deutschland“, https://tinyurl.com/5n68zd26.
- Wie es einst zum Zusammenschluss gekommen ist, hat Andreas Liese erforscht: „Auf dass sie alle eins seien. Freikirchliche Vereinigungsbemühungen 1937 bis 1941“, in: Sabine Hübner und Kim Strübind (Hg.), Entgrenzungen. Festschrift zum 60. Geburtstag von Andrea Strübind (Berlin: Duncker & Humblot, 2023), 151–191.
- Vgl. BEFG-Präsident Michael Noss und Generalsekretär Christoph Stiba, „Enttäuschung und Schmerz über die angestrebte Trennung. Stellungnahme des BEFG zum Beschluss des ChristusForum Deutschland“, 16.4.2024, https://tinyurl.com/3tk8hbv8.
- Vgl. CFD, „Das Theologische Herz im Christusforum. Wertekanon ChristusForum Deutschland. Textstand 07.12.2023“, https://tinyurl.com/43cb3hxj. Die folgenden Zitate stammen aus diesem Text.
- Wie in der BTE handelt es sich um sechs Themen; während den Barmer Thesen jeweils ein Bibelwort vorangestellt wird, steht am Ende der CFD-Kernwerte jeweils eine Liste von sechs bis zwölf „Bibeltexte[n] und fokussierte[n] Aussagen“. Anders als bei der BTE, die eben präzise „Theologische Erklärung“ heißt, wird im CFD-Text nicht klar, warum er nicht ähnlich, zum Beispiel „Theologischer Leitfaden“, benannt worden ist. In seiner Präambel heißt es zunächst genauer als im Titel „gemeinsame Glaubensüberzeugungen und Werte“, danach allerdings wieder „biblisch-theologische Werte“, „Kernwerte“ etc. Was dann entfaltet wird, sind teils Dogmata bzw. Lehrsätze, teils tatsächlich Werte. Was führte zur Wortwahl der CFD-Verantwortlichen? Rhetorische Absichten oder Abneigung gegen exakte akademisch-theologische Ausdrucksweise? „Herz“ ist eine Lieblingschiffre aktueller evangelikaler Äußerungen zu jedweden Themen in verschiedensten Genera; „Werte“ klingt weniger akademisch als „Thesen“; „Kanon“ impliziert Autorität.
- So sagt es auch der Text selbst am Ende des Abschnitts „Gemeinde“.
- Die Moderatorin, Steffi Herhaus, ist ordinierte Pastoralreferentin im BEFG. – So sehr die CFD-Führung zum Leitungsdienst von Frauen ermutigt, ist dieser für manche Gemeinden die „Gretchenfrage“, deren Antwort sie möglicherweise nolens volens akzeptieren müssen, um Mitglied in der angestrebten KdöR werden zu können.
- Vgl. zuvor schon Präsidium, Bundesgeschäftsführung und Leiterinnen und Leiter der Landesverbände des BEFG, „Gemeinsam sind wir Bund! Statement zum Zukunftsprozess des ChristusForum Deutschland“, 18.11.2023, https://tinyurl.com/bdenj6b6.
- Karsten Huhn, „Kommentar. ,Wenn ihr gehen wollt, dann geht!‘“, IDEA, 16.4.2024, https://tinyurl.com/38mjjkyx.
- Vgl. Volkmar Hamp, Johannes Krupinski, Andreas Schlüter und Simon Werner (Hg.), glauben | lieben | hoffen. Grundfragen des christlichen Glaubens verständlich erklärt (Witten: SCM, 2021). Die Artikelbeschreibung des Verlags lautet: „Wenn du deinen Glauben auf eine solide Grundlage stellen willst, ist dieses Buch genau das Richtige für dich. Es ist ein Sammelwerk zum Tiefergraben und Verstehen. Du findest darin Antworten auf die 103 spannendsten Fragen rund um den christlichen Glauben – für dich selbst und zum Weitergeben“ (https://tinyurl.com/4usa4z4z).
- Vgl. Geschäftsführende Bundesleitung [BFeG], „Zum Buch ‚glauben | lieben | hoffen‘“, FeG Deutschland, 19.10.2021, https://tinyurl.com/3cat35fz. Auch der Verlag reagierte: Er zeigt das Buch auf seiner Netzseite zwar noch an, aber als „Vergriffen, nicht mehr lieferbar“.
- Vgl. das Interview von Karsten Huhn mit Alexander Rockstroh, „Die evangelikale Welt wackelt“, IDEA, 16.4.2024, https://tinyurl.com/yc4usuyh; dort sagt der CFD-Geschäftsführer Rockstroh: „Das Buch war ein Stich in das evangelikale Herz, weil es biblische Wahrheiten infrage stellt.“
- Michael Noss und Christoph Stiba, [mündlich gegebener] „Bericht bei der Bundesratstagung des BEFG“, 9.5.2024, Kassel (unveröffentlichtes Typoskript), zitiert in: Michael Gruber, „Bundesrat: ChristusForum erläutert Trennungsbeschluss“, BEFG, 10.5.2024, https://tinyurl.com/227s7nk8. In einem Interview mit IDEA-Reporter Karsten Huhn vom 9.5.2024 unter dem Titel „BEFG: Ein Bruch, der wehtut“ sagte Noss: „Distanzierung ist nicht unsere Art. Es ist schon verrückt: Das Buch wurde vom Verlag als eine Art Katechismus beworben – so haben wir das nie verstanden. Das Buch enthält 103 Artikel unterschiedlicher Autoren. Von diesen 103 Artikeln gibt es einen Artikel, der kritisiert wird. Dem Autor wird vorgeworfen, den Sühnetod Christi zu leugnen. Wenn man den Artikel liest, stellt man fest, dass er für eine andere Art des Denkens spricht, das übrigens so alt ist wie die Kirchengeschichte. Ob ich das teile oder nicht: Man muss daraus nicht gleich eine Leugnung des Sühnetodes machen. Eine Distanzierung vom ganzen Buch wegen eines einzelnen Artikels finde ich einfach falsch. So etwas klären wir nicht durch Stellungnahmen von der Kanzel, sondern im Dialog. Wir sind durch die Lande gezogen und haben ‚Dialog zum Kreuz‘-Veranstaltungen durchgeführt. Das ist unsere Art.“
- Lothar Triebel, „Ökumenischer Lagebericht 2022: Freikirchen“, Materialdienst des Konfessionskundlichen Instituts 74,1 (2023), 30–39, 32f.
- Rockstroh im in Anm. 12 genannten Interview.
- Vgl. „Baptisten schrumpfen, ChristusForum wächst“, IDEA, 9.5.2024, https://tinyurl.com/bdhrcvnp.
- Vgl. die BEFG-Statistik für 2019, die die Zahlen für 2016 bis 2019 nennt, „Zusammenfassung der Landesverbände. Statistikjahr: 2019“, https://tinyurl.com/548a9yyz.
- Vgl. Rockstroh im in Anm. 12 genannten Interview.
- Gruber, „Bundesrat“ (s. Anm. 13).
- Vgl. auch den Kommentar des GGE-Leitungskreises zum Körperschaftsbeschluss des CFD („Information zur Entscheidung des ChristusForums“, https://tinyurl.com/2vms2m4z); dort heißt es unter anderem: „Auf der Bundesratstagung 2023 hat Alexander Rockstroh die wesentlichen inhaltlichen Fragen benannt. Die theologischen Gründe teilen wir.“
- So Alexander Rockstroh im in Anm. 12 genannten Interview.
- „ChristusForum Zukunftsprozess“ (s. Anm. 1). Auch in der Begründung des Namenswechsels 2017 von „Arbeitsgemeinschaft der Brüdergemeinden“ zu „ChristusForum Deutschland“ finden sich mehrere Größen, von denen nicht ganz klar wird, auf welchen Ebenen (Theologie, Soziologie, Politik) sie liegen, und wie sie sich zueinander verhalten: „Wir sind eine Christuszentrierte Gemeinschaft, die in einem Forum die unterschiedlichen Angebote und Beziehungen fördert und sich als Bewegung in Deutschland versteht“ („Klärungsdokumentation“ [s. Anm. 1], 10; Kursivierungen LT). Für die Gegenwart (d. h. Frühjahr 2024) wird nun ausgeführt: „Aus dem ChristusForum Deutschland ist eine Bewegung geworden. Auch wenn Strukturen gelegt wurden, hat sich weniger die Organisation etabliert, sondern das ChristusForum als dynamische Bekenntnisgemeinschaft“ (ebd., 13). In der „Vision“ des CFD tritt dann noch ein weiterer Begriff hinzu: „Als Gemeindefamilie bieten wir Gemeinden ein Zuhause“ (ebd., 14). Man darf davon ausgehen, dass „Bekenntnisgemeinschaft“ hier nichts mit der BEFG-Verwendung dieses Begriffs zu tun hat (vgl. BEFG, „Ordnung für rechtlich selbständige Einrichtungen im Status der Bekenntnisgemeinschaft mit dem BEFG“, 20.5.2023, https://tinyurl.com/3xbmcykd), sondern mehr mit der Welt von „Bibel und Bekenntnis“.
- Liese, „Vereinigungsbemühungen“ (s. Anm. 2), 189.
- Vgl. Jasmin Jäger, „Bundesrat votiert für ‚Kirchengemeinschaft auf dem Weg‘ zwischen BEFG und VELKD“, BEFG, 11.5.2024, https://tinyurl.com/2d9j772x, und Kirchengemeinschaft auf dem Weg. Abschlussdokument zu dem Lehrgespräch zwischen dem Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden und der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands in den Jahren 2017 bis 2023, Edition BEFG 10 (Kassel: Oncken, 2024), https://tinyurl.com/ys3nz544
- Michael Noss und Christoph Stiba, [mündlich gegebener] „Bericht bei der Bundesratstagung des BEFG“, 9.5.2024, Kassel (unveröffentlichtes Typoskript), vgl. die Wiedergabe bei Julia Grundmann, „Zusammenfassender Bericht für Gemeindebriefe. Bundesratstagung: ‚Dein Reich komme! gerecht anders leben‘“, BEFG, https://tinyurl.com/puk88jps.