Gottlosigkeit brennt wie ein Feuer
Eine neocharismatische Verschwörungserzählerin kommentiert die Brände in Los Angeles
Im Zeitalter alternativer Medien und postfaktischer Wirklichkeiten folgt Katastrophen in der handfest-realen Welt ein Schwarm fantastischer Deutungen auf dem Fuß. Wo sich Ungewöhnliches und Erschreckendes ereignet, zumal wenn dabei Menschen zu Schaden kommen, lässt die Frage nach etwaigen Schuldigen nicht lange auf sich warten. Diese Frage verbindet sich gerne mit Sensationsgier und Spekulationssucht, und so ruft sie, befeuert durch politische und ideologische Interessen, eine Korona von Krisenunternehmern auf den Plan, die aus dem Augenblick der allgemeinen Aufregung und Verunsicherung Kapital zu schlagen versuchen – und sei es nur im populären Gesellschaftsspiel des Wettbewerbs um die skandalträchtigste Hypothese über verborgene Umstände und Gründe. Auch bei den Flächenbränden in Kalifornien, die im Januar 2025 ganze Stadtviertel von Los Angeles zerstörten, war dieses Phänomen reichlich zu beobachten. Und es haben sich daran auch nicht wenige Menschen mit religiösen Krisenfantasien beteiligt.1
Eine christliche „Lügenbrecherin“ aus Deutschland
Auch eine christliche Social-Media-Akteurin aus Deutschland äußerte sich ausführlich zu den kalifornischen wildfires. Es handelt sich um Inga M. Haase, die Gründerin der neocharismatischen „Global Video Church“ (GVC), einer digitalen Video- und Hauskirchenplattform, die während der Corona-Pandemie durch apokalyptische Verschwörungsnarrationen auffiel.2 Um dem „System Babylon“ zu entkommen, der immer mächtiger werdenden antichristlichen Welteinheitsregierung, zog Haase 2021 mit ihrem Mann nach Paraguay, um sich dort mit anderen Endzeitpionieren an einem christlichen Siedlungsprojekt zu beteiligen, als Keimzelle der zu begründenden „United Nations in Jesus Christ“ (UNIJC).
Von Paraguay aus postet oder streamt Haase nach wie vor in reger Folge (mitunter mehrmals täglich) Videos, in denen sie ihre Anhängerinnen und Anhänger an ihren Glaubensüberzeugungen, ihren Erfahrungen mit dem Siedlungsexperiment oder ihren Ansichten über das aktuelle Weltgeschehen (insbesondere in Deutschland und den USA) teilhaben lässt. Die Videos erscheinen auf dem YouTube-Kanal „Lügenbrecher“ (rund 35.000 Abonnenten), wie der neue Name des alten GVC-Profils lautet.3 Dem Vorstellungsvideo zufolge will der Kanal dazu verhelfen, „die Lügen in deinem Leben, die Lügen in der Kirche, die Lügen in der Gesellschaft zu erkennen“, indem „wir zusammen die Bibel danebenlegen“.4 In diesem Buch nämlich sei „die Wahrheit über die ganze Menschheitsgeschichte“ enthalten, aber auch die „Wahrheit über dich“.5
„Irgendwas stimmt da nicht“
Am 13. Januar 2025 hat die „Lügenbrecherin“ auf ihrem Kanal ein gut halbstündiges Video live gestreamt, in dem sie auf die Brände in Kalifornien eingeht, die bis dato schon große Teile von Los Angeles zerstört und mindestens zwanzig Menschenleben gefordert hatten. Bereits der Titel deutet an, in welche Richtung die Ausführungen gehen: „Feuer zerstört LA: Die Entdeckungen dahinter sind verstörend …“6 Was folgt, ist wenig originell, sondern eine Kolportage verschiedener Verschwörungsmythen, die das Internet zu diesem Zeitpunkt schon seit Tagen überschwemmten. Das Video ist dennoch interessant, weil es einen Einblick in die „irrationale Logik“ eines Verschwörungsdenkens unter christlichen, hier: unter pfingstchristlich-neocharismatischen Vorzeichen gewährt.
Haase zeigt sich besonders betroffen von den Bildern der Brände, weil sie selbst eine Zeitlang in Los Angeles gelebt hat, wie sie immer wieder betont. Die immense „Zerstörungskraft“ (0:20) des Feuers sei „einzigartig“ (0:24) und „unheimlich“ (1:48). Und „da denkt man so ein bisschen: 1 + 1 = 2. Irgendwas stimmt da nicht“ (0:42). Das extraordinäre Geschehen legt in seiner „Unheimlichkeit“ eine entsprechend extraordinäre Deutung nahe: Hier kann es nicht mit rechten Dingen zugehen. Es muss verborgene Umstände geben, die der dunklen Außerordentlichkeit der Geschehnisse gewissermaßen „würdig“ sind. „Also, es ist ein großes Rätseln, eine große Verwirrung. […] Jeder fragt sich wirklich: Wie konnte sowas passieren?“ (6:45). Eine sich infolge klimatischer Veränderungen verschärfende Trockenheit plus extreme Winde plus ein infolge knapper öffentlicher Finanzmittel entstandener Mangel an Maßnahmen zur Brandprävention und -bekämpfung plus womöglich unglückliche Umstände bei der Brandentstehung plus (womöglich) das hinlänglich bekannte Übel willkürlicher Brandstiftung – eine Erklärung anhand derartiger Gründe wäre zu banal. Vielmehr regt sich ohne Weiteres das Gefühl, es müssten „dahinter“7 andere, „hintergründigere“ Ursachen im Spiel sein: „Irgendwas stimmt da nicht.“
Dieses Verdachtsgefühl drängt sich erst recht auf, sofern generell vom Wirken verborgener Kräfte in der Welt ausgegangen wird und obendrein von der Misstrauenswürdigkeit der öffentlichen Institutionen – was beides bei Haase ausweislich mannigfacher religiöser und politischer Äußerungen zutrifft.8 Es drängt sich aber auch deshalb auf, weil es von vielen anderen in einer bestimmten religiösen, ideologischen oder politischen Szene geteilt wird. Zum Zeitpunkt des „Lügenbrecher“-Streamings sind jenem Gefühl in den sozialen Medien schon Hunderte oder Tausende gefolgt und haben verdächtige Beobachtungen zusammengetragen. So hat sich der Verdacht in der fraglichen Szene wechselseitig verstärkt und ist zu einem kollektiven Gefühl geworden, das sich infolge der geteilten Beobachtungen nachgerade zu einer kollektiven Gewissheit verdichtet. Dementsprechend lassen sich auch die Beobachtungen und deren Deutungen wie objektive Gewissheiten ansprechen: „Mittlerweile hat man so einige Sachen rausbekommen“ (0:02), sagt Haase. „Man“, ein kollektives Wissenssubjekt, hat Dinge „herausbekommen“, die nach solcher Entdeckung wie Tatsachen zutage liegen. Es herrscht das Bewusstsein, dass nicht subjektive Mutmaßungen angestellt, sondern objektive „Fakten“ (12:41) mitgeteilt würden.
Die destruktiven Folgen liberaler Ideologie
Und was hat die kollektive Scharfsicht der „Dahinterblickenden“ herausgefunden? Es sind „ein paar sehr ungewöhnliche Fakten“ (10:46), von denen Haase berichtet. „Ja, und dann werde ich euch noch mal einen Grund nennen – das war sehr unheimlich, als ich das gehört habe, ich konnte es kaum glauben“ (10:50).
Einleitend nennt die fromme Weltbeobachterin durchaus auch die unbestrittenen Wetterbedingungen der Brandkatastrophe, Trockenheit und Sturmböen, die dem Feuer zu seiner extremen Ausbreitung verholfen haben: „Ein großer Grund sind die Santa-Ana-Winde, das sind so Stürme, so trockene Stürme, die das Feuer, ja man könnte sagen: wie von Geisterhand – ich würde mal sagen: vielleicht auch Gotteshand – in die Richtung der Stadt wehen“ (9:42). Bloß mit den Wetterbedingungen (um die womöglich beteiligten übernatürlichen „Hände“ vorerst zu übergehen) kann die furchtbare Katastrophe aber noch nicht hinreichend erklärt sein, nicht zuletzt deshalb, weil das den Klimaaktivisten in die Karten spielen würde.9 Haase macht daher mit den von ihr zitierten Feuerdeutern noch einen Zusatzgrund geltend: Die Behörden hätten es versäumt, übliche Präventionsmaßnahmen durchzuführen, nämlich die Wälder von dürrem Unterholz zu reinigen und künstliche Sicherheitsschneisen zu schaffen. Diese Unterlassung, auch von Donald Trump zuvor schon ausdrücklich angeprangert,10 geschehe immer dann, „wenn es eine liberale Regierung gibt“ (13:44), „und zwar aus Naturschutzgründen“ (gemeint ist wohl das Bestreben, das Unterholz als Lebensraum für Tiere zu erhalten oder Ähnliches). „Zieht euch das mal rein: aus Naturschutzgründen!“ (13:27). Es ist klar: Die linke oder „liberale“ Naturschutzagenda kann die Brände nicht etwa zur Bestätigung ihrer Forderungen verbuchen, sondern hat sie selbst mit ausgelöst und sich damit ein für alle Mal disqualifiziert.
Hinzu kommt als zweiter Punkt ein verschiedentlich gemeldetes Funktionsdefizit bei Löschwasserhydranten (vgl. 23:53):11 Diese Defizite bei der Prävention wären an sich schon schwerwiegend genug, um die von der Partei der Demokraten gestellten Regierungen des Bundesstaates Kalifornien und der Kommune Los Angeles zu disqualifizieren. Die „liberale“ Ideologie ist damit schließlich selbst als katastrophaler Faktor der Katastrophe „erwiesen“. Damit aber begnügen sich Haase und ihre Stichwortgeber nicht.
Die Skrupellosigkeit liberaler Ideologie
Der Schritt von den fake news zum eigentlichen Verschwörungsdenken erfolgt mit der Unterstellung heimlicher Absicht. Er lässt auch bei Haase nicht lange auf sich warten – und wird von ihr ausdrücklich markiert:
Und jetzt fragt man sich: Okay, ist das jetzt wirklich, weil sie dumm waren […]? Oder – und diese, ich sag jetzt mal wirklich: Verschwörungstheorie wird in Amerika immer größer – man hat ganz bewusst auf so ein Feuer hingearbeitet. Und das wäre der Kracher, so nach dem Motto […]: Die großen Städte sind sowieso umweltschädigend, wir müssen sie reduzieren, wir müssen sie sowieso eigentlich platt machen, um diese 15-Minuten-Städte zu machen, damit man von diesen Einfamilienhäusern wegkommt auf große 15-Minuten-Wohnblöcke, damit […] man nicht so viel Umwelt schädigt. (15:44)
Auch die typisch verschwörungsmythische Unterstellung, gewisse Vorkommnisse dienten geheimen Plänen verborgener Akteure, wird mit einer ökologischen Agenda in Verbindung gebracht, nämlich mit dem Projekt der Schaffung umweltfreundlicher smart cities.12 Die verhasste Klimawandel-„Ideologie“ wird somit nicht nur aufgrund faktischer Folgen diskreditiert, sondern – mit einer historischen Erinnerung an den Brand Roms auf Geheiß Neros (vgl. 17:56) – überdies mit dem Verdacht verbrecherischer Zerstörungspläne belegt und damit auf monströse Weise kriminalisiert. Klimaschützer gehen über Leichen, so lautet die Botschaft.
Die Dekadenz liberaler Gesellschaften
Reimen sich die ausgeführten Mutmaßungsaspekte – die behaupteten Unterlassungen bei der Brandprävention und die dabei unterstellte Absicht – bei ausreichend ausgeprägter Verdächtigungsbereitschaft noch einigermaßen zusammen, steht dazu der dritte Aspekt in deutlicher Spannung. Haase bezieht sich auf die in Los Angeles tatsächlich stark angewachsene Zahl von Obdachlosen, die sie zu Recht auf die verschärfte Drogen- und Opioid-Krise in den USA zurückführt. Diese Krise wiederum leitet sie – mit ausdrücklicher Warnung an ihre Heimat: „Jetzt passt alle auf in Deutschland!“ (21:22) – von der Cannabis-Legalisierung her: „In den ganzen liberalen Städten ist das innerhalb von drei bis sieben Jahren so schlimm geworden, das Drogenproblem zerstört die junge Generation“ (21:29). Daraufhin stellt die „Lügenbrecherin“ fest: „Jetzt ist Winter in Kalifornien, es ist kalt in Kalifornien, die machen sich Lagerfeuer, um sich warm zu halten, und durch diese Feuer entstehen diese großen Stadtbrände“ (12:10). Und dem fügt Haase noch hinzu: „Ja diese ganze psychische Verwirrung mit Gender und so weiter, […] das ist ja wie ein Puzzlestück, da kommen so viele Dinge zusammen, die es noch nie gab“ (22:38).
Die Gesamtaussage der Redepassage ist unmissverständlich: Die liberale Ideologie führt zu einem sozialen Niedergang, der katastrophale Nebenwirkungen für die ganze Gesellschaft hat. Man könnte sich allerdings fragen, wie sich diese Verursacherthese zur „Nero-These“ einer bewussten Herbeiführung der Brände durch die liberalen Eliten verhält. Haben diese Eliten mit den Obdachlosenfeuern als Brandursache gerechnet, so dass sie sich auf die bewusste Unterlassung von Präventionsmaßnahmen beschränken konnten? Solche Fragen werden von Haase nicht gestellt, ein kohärentes Bild der Geschehnisse gar nicht gesucht. Es genügt, verschiedene Aspekte aneinanderzureihen, welche allesamt die inkriminierte Ideologie und ihre Anhänger in irgendeiner Weise unter Verdacht stellen.
„Gott lässt seiner nicht spotten“
Die logischen Spannungen verstärken sich noch mit der „sehr, sehr erschreckenden Tatsache“ (25:17), die in dem Enthüllungsvideo an letzter Stelle angesprochen wird. Bewegte sich Haase bei den zuvor aufgegriffenen Mutmaßungen auf der Ebene der (durchaus religiös grundierten) politischen Diffamierung, betritt sie nunmehr das eigentlich religiöse Feld. Auch dort bezieht sie sich auf eine Interpretation der Brandkatastrophe, die sich in den sozialen Medien der religiös hochgradig deutungsfreudigen USA in den Tagen zuvor wie ein Lauffeuer verbreitet hatte.
Der Auslöser war ein bedeutendes Celebrity-Event innerhalb der lokalen Unterhaltungsindustrie, die Verleihung der Golden Globes in Beverly Hills, einer Stadt innerhalb des Los Angeles County (oftmals als Stadtteil von L.A. bezeichnet). Die Filmpreisverleihung fand in der Nacht vom 5. auf den 6. Januar statt, also unmittelbar vor Ausbruch der Feuer am 7. Januar 2025. Bei der in TV und Internet übertragenen Gala zeigte die Moderatorin Nikki Glaser nach einer Werbepause in einem Rückblick auf die erste Hälfte eine Übersicht über die in den Reden der Preisträgerinnen und Preisträger vorgebrachten Dankesadressen: die Filmservicefirma „Cast & Crew“ – elf Nennungen; die „Mütter“ der Ausgezeichneten – drei Nennungen; „Gott, der Schöpfer des Universums“ – null Nennungen. Diesem ihren (abseits von Hollywood vielleicht nicht ganz leicht nachvollziehbaren, aber von den Anwesenden mit herzlichem Lachen quittierten) Witz13 fügte Glaser noch den Satz an: „Das ist keine Überraschung in dieser gottlosen Stadt.“14
Es dauerte nicht lange, bis in christlichen Medien Stimmen laut wurden, die Kritik an diesem joke „auf Kosten Gottes“ übten.15 Als sich wenig später die Feuer um und in Los Angeles immer weiter ausbreiteten, wurde bald auch ein Zusammenhang zwischen beiden Ereignissen hergestellt. So wurde in den sozialen Medien die einschlägige Sequenz der Golden-Globes-Gala mit (häufig KI-generierten) Bildern der brennenden Stadt kombiniert und mit Tonausschnitten aus Gerichtspredigten unterlegt, unter Hashtags wie #GodWillNotBeMocked (angelehnt an Gal 6,7: „Gott lässt sich nicht spotten“; King James Bible: „God is not mocked“).16 Eine Facebook-Userin fasste die Message ihres Videos mit den Worten zusammen: „Man hat Witze über Gott gemacht und ihn ausgelacht. Darum hat er eine kleine Lehrstunde gegeben für Leute, die nicht an ihn glauben.“17
„Gottlosigkeit brennt wie ein Feuer“
Einige Tage später nimmt auch Haase in ihrem Streaming diese Deutungslinie auf. Sie zeigt den einschlägigen Ausschnitt aus der Gala und kommentiert: „Das, was sie jetzt sagt, find’ ich richtig krass. […] Alter, habt ihr das gehört? Die sagt: Naja, es ist kein Wunder von dieser gottlosen Stadt, es ist kein Wunder, dass Gott null Punkte bekommen hat. Denn es ist so eine gottlose Stadt. Das sagt diese Frau. Ich weiß nicht, was ihr denkt. 1 + 1 = 2“ (28:16). Die offen bekundete Gottlosigkeit von L.A. (einschließlich Beverly Hills) auf der einen, die unmittelbar im Anschluss ausgebrochenen Brände in der Stadt auf der anderen Seite – wer hier eins und eins zusammenzählt, muss, so wird insinuiert, auf einen kausalen Zusammenhang zwischen beidem schließen, zumal da in Naturphänomenen wie Winden mitunter auch Handlungsmittel Gottes zu erblicken sind, wie mit der Metapher von der „Gotteshand“ zuvor angedeutet worden war.
Untermauert wird die mutmaßliche Kausalität anhand der Bibel: „Ich will gar nicht zu viel rausschälen damit. Ich will nur mit Bibelstellen antworten. Und zwar heißt es im Dritten Mose 24 [Lev 24,15f.]: ‚Und sage zu den Israeliten: Wer seinem Gott flucht, muss seine Schuld tragen. Wer den Namen des Herrn lästert, soll unbedingt getötet werden. Die ganze Gemeinde soll ihn steinigen. Ob Fremde oder Einheimische: Wenn er den Namen lästert, soll er getötet werden‘“ (29:08). Zwar schränkt Haase mit Berufung auf Jesus ein, diese Stelle sei für Christen nicht mehr im Sinne einer Aufforderung zur Tötung solcher Lästerer zu verstehen. Aber davon abgesehen spricht doch das Bibelwort für sich: Gotteslästerung fordert harte Strafe, und wenn nicht durch Menschen-, so doch durch Gotteshand.
Diese Botschaft wird noch durch eine zweite Bibelstelle bekräftigt: „Noch eins, das ist richtig krass. Da heißt es hier in Jesaja 9, Vers 18: ‚Denn die Gottlosigkeit brennt wie ein Feuer. Sie verzehrt Dornen und Disteln.‘ (Dornen und Disteln stehen übrigens für Sünde.) Ja, also: ‚Die Gottlosigkeit brennt wie ein Feuer, sie verzehrt die Sünde und sie zündet das Dickicht des Waldes an, dass es in hohen Rauchwolken aufgeht‘“ (30:34). Nachdem Nikki Glasers Spott mit Lev 24 als strafwürdige Gotteslästerung qualifiziert ist, wird die von Glaser selbst herausgestellte Gottlosigkeit des liberalen Los Angeles anhand des Jesaja-Verses mit dem Bild des „Dornen und Disteln verzehrenden Feuers“ verknüpft.
Fügt man dies alles zusammen, ist das Ergebnis tatsächlich „richtig krass“. Mit der Bibel, dem Buch der Wahrheit, genauer: mittels der Kombination geeigneter Bibelstellen, springt die (mindestens wahrscheinliche) Wahrheit der aktuellen Geschehnisse ins Auge: Die Brände sind die Strafe für die Gottlosigkeit der Menschen, insbesondere im liberalen Los Angeles. Ob die Strafe durch direktes göttliches Eingreifen in die Welt ausgeführt wurde oder aufgrund des göttlichen Gesetzes eines heimlichen Zusammenhangs von Gottlosigkeit und Verderben, bleibt in der Schwebe. Zu guter Letzt nimmt das „Lügenbrecher“-Video dann noch eine evangelistisch-appellative Wendung.18 Dem Verderben sei zu wehren durch „Erweckung“ (31:28) von Menschen zum Glauben. Darum, so heißt es gegen Ende, „rufe ich euch auf, an Jesus zu glauben, ganz simpel“ (32:07).
Eine Liaison von christlichem Glauben und Verschwörungsglauben
Die referierte Redepartie ist ein keineswegs außergewöhnliches Beispiel für die Neigung einer Spielart von Bibelfrömmigkeit, in passend aufgegriffenen Bibelstellen gewisse Motivkonvergenzen zu gegenwärtigen Ereignissen zu entdecken, um damit das Wirken Gottes in ihnen aufzuweisen. Kraft solcher Schriftauslegung wird für die betreffenden Gläubigen die geglaubte Präsenz Gottes in der Geschichte und im eigenen Leben augenfällig. Die bei distanzierter Betrachtung nicht weniger augenfällige Beliebigkeit, oft auch Gewaltsamkeit bei der Applikation der Heiligen Schrift kommt den applikationswilligen Frommen angesichts der gewonnenen Erbauung und der bewiesenen Deutungsmacht als „Bibelwahrheitsbesitzer“ in der Regel nicht zu Bewusstsein.
Darüber hinaus erhält Haases Katastrophenkommentierung dadurch einen charakteristischen Zug, dass in ihr die religiösen mit verschwörungstheoretischen Mutmaßungen über das „Dahinter“ der Geschehnisse verknüpft sind. Mit dieser wie mit zahlreichen analogen Wortmeldungen vermittelt die „Lügenbrecherin“ das Bild einer Frömmigkeit, in der die biblisch-religiöse mit einer verschwörungsmythischen Deutungsneigung Hand in Hand geht.19 Das ist eine aufschlussreiche Charakteristik, weil sie einen inneren Zusammenhang nahelegt – erst recht in der Summe einschlägiger Äußerungen, von Haase selbst,20 aber auch von einer Vielzahl anderer christlicher Stimmen gerade im Verschwörungsmythenboom der Coronakrise.21 Die bibelfromme Praxis, aktuelle Ereignisse mit dem biblischen „Wahrheitsschlüssel“ auf das hinter der Außenseite des Wirklichen waltende Handeln Gottes hin zu dechiffrieren, scheint einen Hang zu begünstigen, im Hintergrund der Geschehnisse auch das geheime Handeln menschlicher Akteure zu vermuten. Als verbindendes Element der bibelreligiösen Vertrauens- und der verschwörungsmythischen Verdachtshermeneutik fungiert dabei offenbar der strukturanaloge Bezug des jeweiligen Glaubens auf eine verborgene „Hinterwelt“.
Die innere Affinität zum Verschwörungsdenken dürfte noch einmal stärker ausgeprägt sein, wenn biblizistische Christen in Aufnahme biblischer Anschauungen nicht nur mit dem Handeln Gottes, sondern auch mit dem Wirken gegengöttlicher, satanisch-dämonischer Mächte rechnen, was vornehmlich in der pfingstlich-neocharismatischen Sphäre gang und gäbe ist.22 Vom okkulten Einfluss der Dämonen zum sinistren Unwesen menschlicher Verschwörungsagenten ist es nur ein Schritt, zumal wenn beide zusammen in einer gottlos-gegengöttlichen „Welt“ lokalisiert werden, die sich insgesamt gegen die Herrschaft Gottes und deren menschliche Repräsentanten auflehnt – ein weiteres Merkmal des dualistischen Weltbildes, das im pfingstlich-charismatischen Christentum verbreitet ist. Sofern sich der Glaube dann auch noch in einem apokalyptischen Endkampf (spiritual warfare)23 zwischen den göttlichen und den gegengöttlichen Mächten wähnt, müssen die letzten Barrieren nüchterner Sachlichkeit gegenüber dem freien Flug der Verschwörungsfantasie fallen. Denn dann fordert die Teilnahme an diesem Gefecht just zur Wachsamkeit gegenüber den im Dunkel agierenden Gottesfeinden auf – und sonach auch zur gespannten Ausschau nach den Spuren ihres heimlichen Treibens.
Die Logik der Konsistenzindifferenz
Das „Lügenbrecher“-Video ist ein typisches Beispiel für die strukturelle Nähe von neocharismatischem Bibelglauben und Verschwörungsdenken (die wohlgemerkt kein notwendiges Zusammenfallen bedeutet). Einen Aspekt des betreffenden „Verschwörungschristentums“ indes kann man sich an ihm besonders deutlich vor Augen führen: dass es im Neben- oder Ineinander seiner bibel- und verschwörungsgläubigen Deutungsproduktion in keiner Weise auf Konsistenz ankommt. So schwer dies für Außenstehende nachzuvollziehen sein mag, gewährt es doch einen tieferen Einblick in die eigentümliche „Logik“ dieses Typs von Frömmigkeit.
Haase zeigt keinerlei Hemmung, die Schuld an den Flächenbränden in L.A. liberalen (und mithin gottlosen) Politikern mit einer ökologischen Städtebauagenda zuzuschreiben und selbige Brände zugleich als göttliche Strafe für die Gottlosigkeit der liberal geprägten Westküstenmetropole einzustufen. Nun könnten zwar theologisch tiefsinnige Überlegungen über das Vermögen Gottes, sich in seinem Handeln auch seiner Feinde zu bedienen, die offensichtliche Spannung für manche Gläubige womöglich abmildern. (Dabei bliebe dann allerdings immer noch das Störmoment übrig, dass umgekehrt die göttliche Strafe für die Gottlosigkeit zugleich die Agenda der Gottlosen verwirklichen hülfe – selbige wüssten sich, in Umkehrung der theologischen Dialektik, noch des göttlichen Strafhandelns für ihre Zwecke zu bedienen.) Es ist nichtsdestoweniger bemerkenswert, dass es der christlichen YouTuberin allem Anschein nach gar nicht in den Sinn kommt, es könnten Zuseherinnen und Zuseher zwischen den dargebotenen Deutungen einen erklärungsbedürftigen Widerspruch empfinden. Inkonsistenz ist für sie keine Frage, kein Problem, Konsistenz folglich kein vordringliches Anliegen. Aber wie ist dieser Befund zu erklären, will man sich nicht mit der geläufigen Auskunft zufriedengeben, es handle sich eben um „fromme Spinnerei“?
Ahnung des Anderen
Ein Ansatzpunkt für ein näheres Verständnis dürfte in einer Eigenheit zu finden sein, die das Phänomen der Verschwörungsspekulation insgesamt kennzeichnet: Einem großen Teil der Szene genügt es, Mutmaßungen anzustellen oder weiterzuverbreiten, ohne selbige weiterzuverfolgen und empirisch zu erhärten oder sie gar zu einer geschlossenen Alternativtheorie des Geschehens auszubauen und zu „beweisen“. Zwar gibt es auch solche „Verschwörungsempirikerinnen“ oder „Verschwörungstheoretiker“ im genuinen Sinn, sie stellen aber insgesamt eine avantgardistische Minderheit dar. Das „Fußvolk“ der Verschwörungsspekulanten gibt sich mit der bloßen, oftmals auch sehr unkonkreten Verdächtigung, oder besser: mit der Sammlung verschiedener Verdächtigungen zufrieden. Hier schon gelangt für die meisten das Spekulieren über die „alternative Wahrheit“ bestimmter Vorkommnisse an sein Ziel.
Aber was ist dieses Ziel? Woher die Bescheidung im „Theorieanspruch“? Ein Grund für die Zurückhaltung ist natürlich darin zu erblicken, dass sich weitergehende Ansprüche allermeist schwer einlösen ließen – der theoretische Nachweis für die Mutmaßungen könnte kaum erbracht werden. Aber es gibt noch einen maßgeblichen zweiten Grund, und zwar in der Funktion der Verschwörungsspekulation: Schon mit der Mutmaßung über mögliche alternative Umstände und Gründe wird in der Vorstellung eine „Hinterwelt“ aufgebaut, welche die „offizielle“ eindimensionale Wirklichkeit der „Ungläubigen“ infrage stellt. Wie die vorgestellte Hinterwelt im Einzelnen aussieht, ist demgegenüber zweitrangig. Es genügt, sie mit einigen halbwegs konkreten, wenn auch nur möglichen Inhalten auszustaffieren, um ihr eine gewisse, für eine Hinterwelt völlig hinreichende imaginative Konturiertheit zu verleihen und damit auch hinreichende imaginative Stabilität. Schon die halbkonkrete Vorstellung, die „Ahnung“ eines potenziellen Anderen, öffnet in der Fantasie eine Tür zu einer (wenn auch vagen) alternativen Wirklichkeit und erschließt einen Raum für die fiktionale Flucht aus dem oberflächlichen Hier und Jetzt. Wo es aber vorwiegend um das „Dass“ (samt ungefährem „Was“) des Glaubens an eine andere, tiefere Wirklichkeit geht, da müssen Inkonsistenzen innerhalb der Fantasie nicht stören – sie verschwimmen im Halbdunkel der Ahnung zur nebulösen Einheit des „Dahinter“.
Dualistische Dramatisierung des Glaubens
Die Widersprüche im „Lügenbrecher“-Video wurden oben angesprochen. Schon die verschiedenen Deutungsangebote auf der Ebene des Politischen stehen untereinander in Spannung, ohne dass dies irgendwie problematisiert würde. Hinzu kommt der zuletzt thematisierte Widerspruch zwischen der verschwörungsmythischen und der biblisch-religiösen „Theorie“ über die eigentlichen Gründe der Feuerkatastrophe. Dieser doppelte Inkonsistenzbefund lässt sich anhand der skizzierten Charakteristik des Verschwörungsmythischen in seiner „irrationalen Logik“ gut verständlich machen.
Haases Mutmaßungen dienen nach dieser Interpretation sämtlich der Konstruktion einer imaginären Hinterwelt, die innerhalb ihres religiös-politischen Mindsets (und innerhalb ihrer entsprechenden YouTube-Propaganda) mehrere Funktionen erfüllt. Die Hypothese einer Verschwörung liberaler Eliten zwecks ökologischer Umgestaltung der Großstadt bevölkert jene Hinterwelt mit gottlosen Politikerinnen und Politikern, die im Namen ihrer Ideologie vor keinem noch so infamen Verbrechen zurückschrecken. Sie dient damit einer politisch-ideologischen Feindbildkonstruktion, welche die eigene Rolle in der Welt in eine dualistische Konfrontation von Gut und Böse einzeichnet und damit stark moralisch auflädt.
Die aus den beigezogenen Bibelstellen herausgelesene Hypothese vom Flächenbrand als göttlicher Strafaktion wiederum statuiert demgegenüber die überlegene Macht Gottes, der die Gottlosen zur Rechenschaft zieht (und dabei selbst vor beträchtlicher und wenig zielgenauer Grausamkeit nicht zurückschreckt). Sie dient mithin der Beglaubigung des souveränen Steuerungshandelns Gottes im Hintergrund der Welt und mithin dem frommen Zuspruch, dass Gott „im Regimente sitzt“ (wenn auch auf Kosten der Güte Gottes): „Er hat einen Plan und in dieser wilden Zeit gibt er dir Hoffnung und Trost“ (32:37). Nimmt man beide Deutungsaspekte zusammen, wird die imaginäre Hinterwelt als Schauplatz eines Kampfes zwischen göttlichen und gegengöttlichen Mächten imaginiert, in dem zwar Gott am Ende den Sieg davontragen wird, an dem es aber jetzt schon als sein Mitstreiter/seine Mitstreiterin teilzunehmen gilt. So mündet das dualistische Bild des unheimlichen Welthintergrunds, das in der Summe der Mutmaßungen schemenhaft aufscheint, in den nachdrücklichen Appell zum Glauben.
Berücksichtigt man diesen evangelistischen Aufruf als Fluchtpunkt des Ganzen, lässt sich auch die Gesamtfunktion des frommen Kommentars zu den Los Angeles wildfires bestimmen. Die Fantasiekonstruktion der dualistischen Hinterwelt mit dem dramatischen Kampf zwischen Gott/Gottesfreunden und Gottesfeinden zielt insgesamt auf eine imaginative Dramatisierung des Glaubens, die für diese Art von Erweckungschristentum unverzichtbar erscheint. Kraft solcher Dramatisierung wird zum einen – das ist der Effekt nach außen – die Aufforderung zur Glaubensentscheidung eindringlicher, nicht zuletzt aufgrund dadurch befeuerter Angst: Im endzeitlichen Kampf zwischen so bedrohlichen Mächten sollte man besser auf der richtigen Seite stehen. Zum anderen – das ist der Effekt nach innen – wird die Gemeinschaft der Gläubigen durch die immer neue Beschwörung der endzeitlichen Dramatik dazu aufgerufen, die Reihen im (Kultur-)Kampf gegen die Gottlosigkeit zu schließen und die je eigene Entschiedenheit im Glauben zu verstärken.
Die Aporie der Kritik
Die Kritik an der exemplarisch vorgestellten „Verschwörungsfrömmigkeit“ ist leicht. Ohne Weiteres lassen sich Dutzende von Gründen anführen, politische, moralische, erkenntnistheoretische, psychologische und nicht zuletzt theologische Gründe, welche die fragliche Erscheinungsform von Christentum als eine indiskutable Option der Welt- und Lebensorientierung erweisen. Diese Gründe liegen großenteils so sehr auf der Hand, dass es sich eigentlich erübrigt, sie vorzutragen.
Die Kritik ist aber zugleich schwer – sofern sie den Anspruch erhebt, auch die Anhängerinnen und Anhänger eines derart hinterweltorientierten und verschwörungsspekulationsoffenen Christentums erreichen zu wollen. Denn wer einmal dahinein geraten ist und sich für diese Form von biblizistisch begründeter Fantasiefrömmigkeit entschieden hat, hat längst Immunisierungsstrategien entwickelt, um alle von den „Weltmenschen“ (einschließlich den bloßen „Namenschristen“) erhobenen Einwände mit Berufung auf Gottesbeziehung, Bibeltreue, Geistbesitz und Glaubensgewissheit von sich abperlen zu lassen. Auch deshalb erübrigt es sich im Grunde, die kritischen Argumente vorzutragen.
Es mag daher am Ende dieser exemplarischen Analyse genügen, exemplarisch auf einen Kritiker zu verweisen – auch wenn er das untersuchte Phänomen noch gar nicht kennen konnte. Im Jahr 1924 hat sich der früh verstorbene Publizist Carl Christian Bry in dem Buch Verkappte Religionen an einer „Kritik des kollektiven Wahns“ versucht.24 Dabei hat er auch ein Schlüsselkriterium für die Unterscheidung zwischen ernstzunehmender und obskurer oder „verkappter“ Religion formuliert. Er erkennt es in der Frage, ob sich der oder die Religiöse wesentlich auf eine „Überwelt“ richtet, von der die Welt ihr Licht und ihren Sinn erhält, oder auf eine „Hinterwelt“, die einen okkulten Hintergrund der Welt abgibt und allem Geschehen in ihr einen dunklen Hintersinn verleiht. Zwar handelt es sich bei dieser Differenz nicht um ein Beurteilungskriterium im strengen Sinn. Aber sie lässt ahnen, was bei der Wahl zwischen unterschiedlichen Formen von Christentum zur Debatte steht. Die Grundalternative lautet: aufgeklärte, vernunftoffene Religion oder hermetisch-religiöser Obskurantismus.
Martin Fritz (Berlin), Februar 2025
Anmerkungen
- Siehe dazu Martin Fritz, „Desinformation und Verschwörungsspekulation anlässlich der Brände in Los Angeles“, in diesem Heft, S. ###.
- Siehe Svenja Hardecker und Philipp Kohler, „Die ‚Global Video Church‘. Neucharismatische Plattform mit apokalyptischer Gegenwartsdiagnose“, ZRW 85,1 (2022), 32–34 (https://tinyurl.com/bdehven3); Judith Brosel, „‚Global Video Church‘. Radikalisierung einer Online-Kirche“, tagesschau.de, 10.3.2022, tinyurl.com/4v6ux9n6. Das Attribut „global“ im Namen entspricht mehr einer Zielfantasie als einer Realität. Die Website (https://gvc-globalvideochurch.de) nennt aktuell neun Hauskirchen im deutschsprachigen Bereich, die sich der GVC zuordnen; die Resonanz der meisten Videos auf dem zugehörigen YouTube-Kanal (s.u.) ist bescheiden (letzter Abruf aller im Beitrag genannten Internetquellen am 31.1.2024).
- Die meisten Videos haben eine niedrige bis mittlere vierstellige Klickzahl. Die Reichweite ist also begrenzt.
- Lügenbrecher, „Lügenbrecher stellt sich vor“, YouTube, 5.5.2023, https://youtu.be/BaGIFUhwyO4, bei Minute 3:18.
- „Lügenbrecher stellt sich vor“, 3:51 und 3:58.
- Siehe https://www.youtube.com/live/8tFuluyIfXo (Zeitangaben im Text beziehen sich auf dieses Video). Der Titel zum Video ist noch sensationsheischender, er verheißt eine „Unheimliche Entdeckung“. Das Video ist im Laufe der ersten drei Tage nach dem Hochladen schon fast 40.000-mal angesehen worden.
- Vgl. den erwähnten Titel des Videos „Feuer zerstört LA: Die Entdeckungen dahinter sind verstörend …“
- Vgl. Hardecker und Kohler, „Global Video Church“; Brosel, „Radikalisierung“.
- Vgl. 10:30: „Viele nutzen das natürlich, um den Klimawandel ein bisschen voranzutreiben.“ Gemeint ist der Kampf gegen den Klimawandel bzw. die Berufung auf den Klimawandel als Begründungsschema für umweltpolitische Maßnahmen.
- Siehe dazu Ella Nilsen, „Trump Says California’s Mismanagement of Forests and Water Is to Blame for Wildfires. Here’s the Reality“, CNN, 24.1.2025, tinyurl.com/36th28ux.
- Vgl. dazu Fritz, „Desinformation“.
- Vgl. Laura Doan und Erielle Delzer, „Wildfire Conspiracy Theories Are Going Viral Again. Why?“, CBS News, 16.1.2025, https://tinyurl.com/3rycapww. Vgl. zu dem von Haase gebrauchten Ausdruck z.B. Carlos Moreno, Die 15-Minuten-Stadt. Ein Konzept für lebenswerte Städte (Berlin: Alexander Verlag, 2024); Annika Reketat, „Die 15-Minuten-Stadt. Das steckt hinter der Idee“, utopia.de, 19.12.2024, https://tinyurl.com/v4vdmeeu. Kurz gesagt handelt es sich der Idee nach um Städte, in denen alles Lebensnotwendige in fünfzehn Minuten zu Fuß, mit dem Fahrrad oder per öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen ist, so dass sich Autos erübrigen.
- Der Witz erschließt sich vielleicht als Anspielung auf eine wohl auch in Hollywood relativ bekannte acceptance speech – ein vielfach ironisiertes und persifliertes Redegenre. Der britische Schauspieler John Cleese, Mitglied der Komikergruppe „Monty Python“, war 1989 für den Film „A Fish Named Wanda“ (dt. „Ein Fisch namens Wanda“) beim British Academy Film Award als bester Schauspieler ausgezeichnet worden. Er schließt seine Rede, eine Aufzählung einer langen Liste von Dankesadressaten (darunter u.a. seine Mutter, Søren Kierkegaard, die Blechbläsergruppe des London Symphony Orchestra, Bismarck, Mutter Teresa und der Planet Saturn samt seiner Ringe): „… and last but, of course, not least: God“ (https://youtu.be/7_JUBgPHYmY).
- Golden Globes, „Nikki Glaser’s Mid Show Recap/82nd Annual Golden Globes“, YouTube, 6.1.2025, https://youtu.be/ZRWeZzN9nmQ: „No surprise in this godless town.“
- Vgl. z.B. Tré Goins-Phillips, „‚No Surprise in This Godless Town‘. Comedian Jokes at Golden Globes That No Stars Thanked God“, CBN, 8.1.2025, https://tinyurl.com/yc2w5sh8; Ryan Foley, „Golden Globes Host Says No Winners Thanked God. ‚No Surprise in This Godless Town‘“, The Christian Post, 8.1.2025, https://tinyurl.com/bdekwsnk.
- Vgl. Good Loop, „They try to mock God again“ (Video), Facebook, 11.1.2025, https://tinyurl.com/atrm4tjf; ferner Keepgodfirst, „Gastgeber der Golden Globes sagt, dass kein Gewinner Gott gedankt hat“ (Reel), Facebook, [Datum?], https://tinyurl.com/yvh88rfy.
- Judy Caballero, „joked and laughed at the lord. so he just gave a little lesson to people who don’t believe in him“ (Video), Facebook, 11.1.2025, https://tinyurl.com/bs3yn6nj. Vgl. z.B. God Gift, „The Los Angeles Wildfire happened because of Nikki Glaser mocking God during the 82nd Annual Golden Globes“ (Video), Facebook, 24.1.2025, https://tinyurl.com/n9u7jvvn (mit Übereinanderstellung der Golden-Globe-Rede Glasers mit Videos von den Bränden).
- Zuvor wird aus Anlass des Gesprächs vom 9.1.2025 zwischen Elon Musk und Alice Weidel auf der Plattform „X“, das auch die Gottesfrage berührte, noch eine Einladung an die AfD-Vorsitzende zu einem Interview auf dem „Lügenbrecher“-Kanal ausgesprochen (vgl. 31:33). Auch die Wunschfantasie dieses Interviews wird vermutlich unerfüllt bleiben.
- Eine Neigung bestimmter Religiositätstypen zur Verschwörungsspekulation wurde auch in einer Studie aufgrund einer (allerdings nicht repräsentativen) quantitativen Befragung im Jahre 2020 festgestellt. Vgl. Carolin Hillenbrand und Detlef Pollack, „Die gerechte Strafe Gottes“, faz.net, 7.1.2021, https://tinyurl.com/mryeuuh7; vgl. dazu Hanna Fülling, „Macht Religiosität anfällig für Verschwörungsmythen?“, ZRW 84,2 (2021), 99–100 (https://tinyurl.com/56t25duw). Der innere Zusammenhang bleibt in der Studie aber sehr vage. Weitgehend im Dunkeln bleibt damit auch der Grund für ihr Resultat, der Hang zum Verschwörungsmythischen sei im freikirchlichen Christentum höher als im großkirchlichen. Samuel Epp, „Verschwörungsglaube im evangelikal-pietistischen Milieu. Eine Analyse von Narrativen und theologischen Hintergründen“, in: Hans-Ulrich Probst u.a. (Hg.), Topoi und Netzwerke der religiösen Rechten. Verbindende Feindbilder zwischen extremer Rechter und Christentum (Bielefeld: transcript, 2024), 295–314, macht als Ursachen für die fragliche Affinität vornehmlich einen verbreiteten apokalyptischen Dualismus und das gebrochene Verhältnis biblizistischen Christentums zur Wissenschaft geltend, außerdem die Isolation der eigenen Grundansichten insbesondere auf dem Feld der Sexual- bzw. Genderethik. Er analysiert dafür exemplarisch die „Christen im Widerstand“ (Christian Stockmann), den „Arbeitskreis Christliche Corona-Hilfe“ (Tobias Riemenschneider) und das „Netzwerk bibeltreuer Christen – Jakob Tscharntke“. Diese Akteure sind allesamt sehr speziell und repräsentieren selbstverständlich nur einen schmalen Ausschnitt des „evangelikal-pietistischen Milieus“.
- Vgl. z.B. Lügenbrecher, „Totaler Lockdown? Was sagt die Bibel?“, YouTube, 13.4.2021, https://www.youtube.com/live/CwlshTr485U.
- Siehe z.B. Dominik Lenze, „Gottesfürchtig und verschwörungsgläubig. Ein Pastor glaubt an die große Verschwörung“, Zeit online, 10.12.2021, https://tinyurl.com/2p8k8kee; vgl. Martin Fritz, „‚Christen im Widerstand‘. Ein Pfingstpastor bei den Berliner Corona-Demonstrationen“, MdEZW 83,6 (2020), 450–453 (https://tinyurl.com/kaen88rn).
- Vgl. z.B. Lügenbrecher, „Dämonen in der Endzeit?“, YouTube, 4.7.2020, https://youtu.be/8ULEMSzFOm0.
- Die neocharismatische Vorstellung der „geistlichen“ oder „geistigen Kriegsführung“ (engl. spiritual warfare) in dem Kampf, der im „geistigen Reich“ oder der „geistlichen Welt“ (spiritual realm) tobt, verweist nicht etwa auf eine geistig-geistliche Innerlichkeit des Glaubens, sondern auf einen Krieg zwischen göttlichen und gegengöttlichen „Geistern“ oder Mächten. Dieser Krieg findet in einer „Geisterwelt“ statt, die durchaus – etwa im Sinne des oben gebrauchten Ausdrucks „Hinterwelt“ – die irdisch-menschliche Welt berührt und auf sie mitunter ganz handfest einwirkt. Siehe dazu z.B. Maria Hinsenkamp, Visionen eines neuen Christentums. Neuere Entwicklungen pfingstlich-charismatischer Netzwerke (Bielefeld: transcript, 2024), bes. 140–146, https://tinyurl.com/mrjv9ut4.
- Carl Christian Bry, Verkappte Religionen. Kritik des kollektiven Wahns (1924), hg. von Martin Gregor-Dellin (München: Ehrenwirth, 1979).