Islam

Dokumentarfilm „Der Imam und der Pastor“

Der mehrfach ausgezeichnete nigerianisch-britische Dokumentarfilm „Der Imam und der Pastor“ (2006, Regie: Alan Channer, 40 Min.) erzählt in eindrücklichen Bildern und überzeugenden Dialogen den Weg der beiden ehemals verfeindeten Milizenführer Imam Muhammad Ashafa und Pastor James M. Wuye, die aus Misstrauen, Hass und Verletzung zu einer gemeinsamen Friedens- und Versöhnungsarbeit zwischen Christen und Muslimen in Nordnigeria fanden. Die Region wird seit Jahren von gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen Christen und Muslimen erschüttert. Die beiden Geistlichen geben auf sehr persönliche Weise Einblick in die inneren und äußeren Konflikte, in die ihre ethnischen, kulturellen und religiösen Herkünfte sie geführt haben. Pastor Wuye verlor eine Hand, als Muslime ihn umbringen wollten, Imam Ashafa musste die Ermordung naher Angehöriger durch christliche Milizen mit ansehen. Heute leiten beide gemeinsam ein Mediationszentrum, dessen Dienste überregional gefragt sind.

Nach der deutschsprachigen Premiere der Dokumentation in Berlin vor knapp einem Jahr und dem Berlinbesuch der beiden Mediatoren im Juni 2008 wird der Film bei Dialogveranstaltungen, im Rahmen der Erwachsenenbildung und in Schulen gezeigt und diskutiert. Sicher ist dabei zu beachten, dass die Situation von Christen und Muslimen in Nigeria sich von derjenigen hierzulande in vielem unterscheidet. Doch die Auseinandersetzung mit den Fragen von Hass und Liebe, von Gewalt und Frieden aus dem Glauben heraus, die persönliche Veränderung beider Protagonisten über Vergebung zur Aussöhnung, der Rechtfertigungsdruck auch vor den eigenen Glaubensgemeinschaften, die Überzeugung von der Notwendigkeit, Probleme friedlich und im Respekt für Differenzen lösen zu müssen – all dies bietet wichtige Anknüpfungspunkte für neue Impulse. Der Film ist ohne Nigeria-Vorkenntnisse verständlich und eignet sich insbesondere für den Schulunterricht der Sekundarstufe II.

Produziert wurde der Film von Alan Channer im Auftrag des Netzwerks „Initiatives of Change“, das geschichtlich über die „Moralische Aufrüstung“ der Nachkriegszeit auf die „Oxford-Gruppe“ des Amerikaners Frank Buchman zurückgeht. Die deutsche Version des Films wurde vom Evangelischen Zentrum für entwicklungsbezogene Filmarbeit in Stuttgart (EZEF) erarbeitet.


Friedmann Eißler


Links

www.gep.de/ezef/index_500.htm;
www.evangelische-medienzentralen.de