Paranormale Heilung

100. Geburtstag von Bruno Gröning

Am 30. Mai 2006 wäre der „Wunderheiler“ Gröning 100 Jahre alt geworden. „Ein einfacher Mann mit besonderen Fähigkeiten“ – so preist ihn heute der Bruno-Gröning-Freundeskreis. Für ihn ist Gröning mehr als nur ein „spiritueller Heiler“. Auf der Internetseite www.bruno-groening.org heißt es: „So unglaublich es klingt: Durch das Hören und Beachten seiner Worte – seiner Lehre – wurden und werden Menschen, Tiere und Pflanzen gesund. Damals wie heute. Neben Hilfen und Heilungen ist auch eine positive Auswirkung auf die Lebenseinstellung und die Lebensführung zu beobachten. Dies wird durch viele Menschen bestätigt, die davon berichten und zu einer positiveren Persönlichkeitsentwicklung gefunden haben.“

Unter der Leitung von Grete Häusler (vgl. MD 12/2005, 472) hat der Bruno-Gröning-Freundeskreis, der 1979 (also lange nach dem Tod Grönings) gegründet wurde, in den letzten Jahren seine Werbeaktivitäten stetig ausgebaut. Bücher, Broschüren, Spiel- und Dokumentarfilme und nicht zuletzt die Werbung über Artikel und Veröffentlichungen unter dem Thema „Heilung auf dem geistigen Weg“ führen immer wieder Suchende zum angeblich göttlichen „Heilstrom“ und zur „Lehre“ Bruno Grönings – zumindest so wie sie der Bruno-Gröning-Freundeskreis vertritt. Zu ihm gehört auch die 1982 gegründete „Medizinisch-Wissenschaftliche Fachgruppe“ im Bruno-Gröning-Freundeskreis, in der 5000 Angehörige heilkundlicher Berufe, darunter 1000 Ärzte, tätig sein sollen. Über Vorträge im In- und Ausland gelingt es dieser – zumindest namentlich eher unverdächtigen – Organisation, im öffentlichen Rahmen für den „Heilstrom“ Grönings zu werben.

Zunächst begann alles viel bescheidener. Bruno Gröning (ursprünglich Grönkowski) wurde 1906 als viertes von sieben Kindern in Danzig-Oliva geboren. Der Vater war Maurerpolier. Bruno Gröning wuchs im katholischen Glauben auf. Er besuchte fünf Jahre die Volksschule und begann zunächst eine kaufmännische Lehre, die er nach zweieinhalb Jahren abbrach. Daraufhin trat er die Ausbildung zum Zimmermann an, die er ebenfalls nicht abschloss. Im Jahre 1925 machte Gröning sich als Bau- und Möbeltischler selbstständig. Doch der Erfolg blieb aus. So verdiente er sich in den folgenden Jahren mit Gelegenheitsarbeiten seinen Lebensunterhalt. 1921 heiratete er Gertrud Cohn. Aus der Ehe gingen zwei Söhne hervor, die jedoch früh verstarben.

Als Kriegsteilnehmer 1943 verletzt und zwei Jahre später aus russischer Kriegsgefangenschaft entlassen, gelangte er zunächst nach Dillenburg. 1949 sorgte er in Herford für Aufsehen, weil er dort bei dem unter einer Muskelkrankheit leidenden zehnjährigen Dieter Hülsmann einen angeblichen Heilungserfolg erzielt. Dies sprach sich schnell herum. Immer mehr Menschen fühlten sich von Grönings angeblichen Heilkräften angezogen. Als in Nordrhein-Westfalen gegen ihn ein Auftrittsverbot verhängt wurde, ließ er sich auf dem Traberhof bei Rosenheim nieder. Dort pilgerten Tausende von Hilfesuchenden zum „Wunderheiler“, der nun auch Vorträge hielt. 1953 gründete er den Gröning-Bund. In den Folgejahren geriet er immer wieder wegen seiner illegalen Heilungstätigkeit mit staatlichen Stellen in Konflikt. 1955 ließ er sich von seiner Frau scheiden und heiratete die Französin Josette Dufossé. Am 26. Januar 1959 verstarb Bruno Gröning in Paris an Magenkrebs.

Zwanzig Jahre nach seinem Tod gründete die österreichisch Lehrerin Grete Häusler, die nach eigenen Angaben selbst von Gröning geheilt wurde, den bis heute umstrittenen Bruno-Gröning-Freundeskreis.

Seine Anhänger sind davon überzeugt, dass der von Gröning vermittelte göttliche Heilstrom auch jetzt noch wirke und erfahrbar sei. Letztlich gebe es keine unheilbare Krankheit. Die Kritik entzündet sich bis heute an dem überzogenen Heilungsanspruch der Gruppe und nicht zuletzt an der Hochstilisierung der Person Grönings. Gröning-Anhänger sind sogar von der magisch-heilenden Qualität seiner Portraitfotos überzeugt. Die innerhalb des Bruno-Gröning-Freundeskreises publizierten Kinderbücher (zum Beispiel „Bruno Gröning führt uns zum lieben Gott“) lassen die spiritistischen Kennzeichen der Lehre des Freundeskreises deutlich hervortreten. So heißt es, dass Bruno, wenn man ihn rufe, aus dem Jenseits erscheinen und helfen würde. Die regelmäßig publizierten „Erfolgsberichte“ angeblicher Heilungen bei Menschen und auch bei Tieren lassen einen völlig überzogenen Anspruch erkennen, der weder wissenschaftlich belegbar noch mit dem christlichen Glauben vereinbar ist. In den letzten Jahren werden junge Menschen als Zielgruppe entdeckt. „1001 Weg – Bruno Gröning in Tagebüchern junger Menschen“ heißt eine neuere Publikation sowie ein Werbefilm, der im Internet zum Herunterladen bereitsteht. An anderer Stelle heißt es, der Heilstrom Grönings könne auch von Drogensucht („von Alkohol bis Heroin“) befreien.

Die regelmäßige Präsenz des Bruno-Gröning-Freundeskreises mit dem Slogan „Heilung auf dem geistigen Weg“ im Rahmen von Esoterik-Messen, Vortragsangebote im In- und Ausland und nicht zuletzt der von Gröning-Anhängern produzierte dokumentarische Kinofilm „Das Phänomen Bruno Gröning“ (vgl. MD 11/2003, 433) sorgen weiterhin für die intensive Verbreitung dieses schillernden Heilungsangebots.

Bei ehemaligen Anhängern und heutigen Kritikern hat sich die Überzeugung durchgesetzt, dass der heutige Bruno-Gröning-Freundeskreis für manche Veränderung und eigenwillige Ergänzung der ursprünglichen Ideen und keineswegs systematisierten „Lehre“ Grönings verantwortlich zeichnet. Aus dem Heiler Gröning wird der Heilsmittler. Für Außenstehende und Heilungsuchende ist der sektiererische Anspruch des Freundeskreises nicht ohne weiteres zu erkennen. Die Risiken und Nebenwirkungen, die sich für diejenigen ergeben, die sich dem exklusiven Selbstverständnis der Gruppe über längere Zeit aussetzen und deren „Lehre“ unkritisch verinnerlichen, sind nicht zu unterschätzen. Dazu gehört vor allem die Entfremdung vom bisherigen sozialen Umfeld bis hin zu Trennungen von Partnern, die diesem Engagement skeptisch bis kritisch gegenüberstehen. Der Bruno-Gröning-Freundeskreis bleibt deshalb auch im „Gedenkjahr“ eine höchst frag- und kritikwürdige Heilungsgruppe.


Matthias Pöhlmann


Kritische Literatur

Andreas Fincke, Matthias Pöhlmann, Kompass Sekten und religiöse Weltanschauungen. Ein Lexikon, Gütersloh 2004, 40-43

Andreas Plagge, Art. Gröning, Bruno, in: Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon (BBKL), Band XXIV (2005), 736-739

Horst Reller, Hans Krech u. Matthias Kleiminger (Hg.), Handbuch Religiöse Gemeinschaften und Weltanschauungen, Gütersloh 52000, 258-265

Thomas Rigl, Art. Bruno-Gröning-Freundeskreis, in: Harald Baer u.a. (Hg.), Lexikon neureligiöser Gruppen, Szenen und Weltanschauungen, Freiburg i.Br. 2005, 158-162