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Religiöse Mikroaggressionen beeinträchtigen Therapieerfolg

Michael Utsch berichtet über eine neue Studie zur Bedeutung von Religion für die Psychotherapie.

Michael Utsch
Mann sitzt aufrecht und mit mit gefalteten Händen auf einer Couch

Alltagsrassismus erschwert nicht nur das friedliche Zusammenleben im persönlichen Umfeld. Trotz seiner erwiesenermaßen schädlichen Wirkungen ist sie auch in der Berufsgruppe der psychotherapeutisch Tätigen nachzuweisen, obwohl dies der offiziellen Berufsethik widerspricht. Klischees und Vorurteile betreffen nicht nur kulturelle Unterschiede, sondern auch die Religion und Weltanschauung. In einer neuen Untersuchung an der Universität Potsdam wurde festgestellt, dass religiöse Mikroaggressionen wie beispielsweise subtile Vorurteile oder Abwertungen gegenüber bestimmten Glaubensrichtungen psychotherapeutische Behandlungen negativ beeinflussen. Knapp 600 religiöse deutsche Teilnehmer*innen, davon über die Hälfte hochreligiös, wurden dazu mit zuverlässigen Messinstrumenten befragt. Die Studie bestätigt Ergebnisse aus dem amerikanischen Kontext und zeigt, wie wichtig die vorurteilsfreie Einbeziehung von Fragen des Glaubens und der Weltanschauung für den Behandlungserfolg einer Psychotherapie ist. Damit Behandler diskriminierungssensibel vorgehen, empfehlen die Autoren der Studie psychotherapeutisch Tätigen, Fragen des Glaubens und Religion einfühlsam anzusprechen und eigene Stereotype kritisch zu hinterfragen. Es wird die Entwicklung einer Fehlerkultur empfohlen. Wenn es zu Missverständnissen oder als verletzend empfundenen Aussagen komme, sollten diese offen angesprochen und korrigiert werden.

Diese Studie ist ein weiterer Hinweis dafür, dass auch in Deutschland religiöse Themen in der Psychotherapie heute vorurteilsfreier und offener behandelt werden.

Quelle und Link zur Studie

Nina Burau et al., The negative relationship of religious microaggressions in psychotherapy. Counselling & Psychotherapy Research 26/2026, open access zugänglich unter https://doi.org/10.1002/capr.70127

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Ansprechpartner

Foto Dr. Michael UtschProf. Dr. phil. Michael Utsch
Wissenschaftlicher Referent
Evangelische Zentralstelle für Weltanschauungsfragen
Auguststraße 80
10117 Berlin