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Neues zu Shincheonji: „ZCMG“ und Ermittlungen in Südkorea

In den letzten Tagen machte die konfliktträchtige koreanische Neureligion Shincheonji erneut von sich hören – nicht nur in Korea, sondern auch in Deutschland ist Shincheonji wieder aktiv.

Oliver Koch
koreanischer 10.000-Won-Schein

Anrufe und E-Mails von „ZCMG“

Seit Ende Januar laden Vertreter:innen der „ZCMG“ (entweder „Zion Christliche Missionsgesellschaft“ oder „Zion Christliche Missionsgruppe“) telefonisch oder per E-Mail evangelische, katholische und freikirchliche Gemeinden zu einem „geistlichen Austausch“ oder zu einer „überdenominationalen Pastorenkonferenz“ ein. Mitunter geben sich Anrufende auch als Journalist:innen aus und bitten um ein Experteninterview, das sie dann aufzeichnen wollen.

Hinter der ZCMG verbirgt sich Shincheonji, genauer gesagt deren „theologische Abteilung“. Shincheonji ist eine hochumstrittene, konfliktbeladene Neureligion aus Korea, die besonders durch ihre intransparenten Missionierungsmethoden und die Instrumentalisierung kirchlicher, wie freier Träger für eigene Zwecke auffällt. Ihr Leiter, Man-Hee Lee, gilt innerhalb der Bewegung als „verheißener Pastor der Endzeit“, der die Menschen sammle, um sie auf das Wiederkommen Christi vorzubereiten.1

Ermittlungen gegen Shincheonji in Korea

In Korea steht Shincheonji erneut unter Druck – diesmal wegen des Verdachts auf Unregelmäßigkeiten. Zum einen sollen Anhänger:innen auf Weisung Man-Hee Lees der rechtspopulistischen Partei „People Power Party“2 des ehemaligen südkoreanischen Präsidenten Yoon Suk Yeol beigetreten sein.3 Zum anderen gibt es Vorwürfe der Geldwäsche und Bereicherung.
Laut den Anschuldigungen wurden Mitglieder der Bewegung genötigt, altes Fleisch im Wert von rund 1 Milliarde Won (etwa 581.800 Euro) zu kaufen. Als Begründung wurden der „Schutz koreanischer Rind- und Schweinefleischfarmen“ sowie die „Solidarität mit der lokalen Bevölkerung“ angegeben. Jedem Zweig Shincheonjis soll dabei eine feste Kaufquote zugewiesen worden sein; wer sie nicht erfüllte, wurde demnach unter Druck gesetzt. Viele Käufer:innen erhielten entweder gar keine Ware oder verdorbenes Fleisch. Es besteht der Verdacht, dass die so erzielten Einnahmen zur Finanzierung politischer und juristischer Lobbyarbeit genutzt wurden.4

2026 als „Jahr der Missionserfüllung“

Nach der internen Zeitrechnung Shincheonjis befindet man sich derzeit im Jahr 43 – gezählt seit der „Enthüllung der Offenbarung“ durch Man-Hee Lee. Dieses Jahr wurde als „Jahr der Missionserfüllung“ ausgerufen. Gerüchte besagen, dass dies andeuten könnte, Man-Hee Lee werde sich in diesem Jahr zurückziehen oder müsse es tun. Das scheint darauf hinzudeuten, dass man intern davon ausgeht, dass auch Lee-Man Hee nicht ewig leben wird.

Die Mottos der vergangenen drei Jahre lauteten:

 2024 (SCJ 41) Judgement of Babylon, Year of Victory (바벨론 심판! 승리의 해!)

2025 (SCJ 42) Year of love and blessings (사랑과 축복의 해)

2026 (SCJ 43) Year of Mission Accomplishment (사명 완수의 해)

Anmerkungen

  1. Oliver Koch, Johannes Lorenz: Shincheonii – „neuer Himmel und neue Erde“. Erläuterungen zu einer neureligiösen Bewegung aus Korea.
  2. en.Wikipedia.org: People Power Party:https://en.wikipedia.org/wiki/People_Power_Party, aufgerufen am 4.2.2026.
  3. Lee Seo-hyun, Kim Dong-gyu und Koo Ja-chang: „Beitritt zur People Power Party auf Anweisung von Lee Man-hee kurz vor der Präsidentschaftswahl“, auf: GoodNewspaper © Kookmin Ilbo (www.kmib.co.kr): https://www.kmib.co.kr/article/view.asp?arcid=1769417094, aufgerufen am 4.2.2026.
  4. Min So-woon: „Shincheonji im Verdacht, mit verdorbenem Fleisch Lobbygelder zu beschaffen“, auf Nocut News: https://www.nocutnews.co.kr/news/6462879 , aufgerufen am 4.2.2026.

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Ansprechpartner

Judith BodendörferDr. phil. Judith Bodendörfer
Wissenschaftliche Referentin
Evangelische Zentralstelle für Weltanschauungsfragen
Auguststraße 80
10117 Berlin