Bernhard Lauxmann

Sympathie für Hexen

Petronella Apfelmus, Magnolia Steel und der mediale Hexenboom

Zum zehnjährigen Jubiläum der Kinderbuchreihe Petronella Apfelmus von Sabine Städing

Wer kennt sie nicht, Petronella Apfelmus? Seit zehn Jahren trifft man die Apfelhexe in Kinderzimmern – als Tonie-Figur, als Buch oder als Stimme von Nana Spier, die Eltern an Drew Barrymore erinnert. Das Staunen über den Erfolg der Buchreihe von Sabine Städing und die zahlreichen Spin-offs der Petronella-Welt ist groß. Woran liegt der Erfolg? Und wie verhält sich Petronella als literarische Figur zum aktuellen Hexenboom oder #WitchTok? Dieser Artikel widmet sich dem veränderten Hexenbild in der gegenwärtigen Jugend- und Kinderbuchliteratur und leistet einen orientierenden Beitrag auch zum Verständnis der sogenannten neuen Hexen, die nicht mehr im Verborgenen operieren, sondern sich um mediale Sichtbarkeit bemühen. Der Text steigt ein mit den kommerziell erfolgreichen Hexengeschichten Städings, geht den zentralen literarischen Hexendarstellungen in ihren Büchern nach und verortet diese mithilfe eines dreiteiligen Modells vor dem Hintergrund gegenwärtiger Bedürfnislagen und eingespielter Traditionslinien.

Die Hexenbücher Sabine Städings

Eine Autorin mit Faible für Hexenmagie

Sabine Städing (*1965) ist die „Erfinderin“ der Apfelhexe Petronella Apfelmus. Mit Petronella hat Städing ihre bislang bekannteste literarische Figur geschaffen. Seit Beginn der Buchreihe vor genau zehn Jahren wird Petronella von der Illustratorin Sabine Büchner ins Bild gesetzt. Städing teilt mit Büchner eine große Leidenschaft für Magie: „Ich mag es, wenn es ein bisschen magisch ist. Also ich mag den Funken Magie in der Welt; wenn ich weiß, dass es das vielleicht irgendwie gibt – das gefällt mir sehr gut.“1 Mit großer Offenheit erzählt Städing in Interviews von ihrer Kindheit in Hamburg, wo sie im damals noch wilden Moor mit magischen Wesen in Berührung gekommen sei: „Da sind wir als Kinder immer hingegangen und haben nach Spuren von Hexen und Kobolden gesucht. Meistens sind wir fündig geworden.“2 Bereits als Kind hätten sie Hexen und magische Wesen fasziniert.3 Es sei der „Schuss Magie“, der Hexen für sie spannend mache.4 Städing war stets klar, dass ihr erstes Buch – so sie je eines schreiben würde – eine magische Hexengeschichte sein müsse.5 Und so publizierte sie zunächst die Trilogie Magnolia Steel mit dem Hexenpaar Linette und Magnolia und bald darauf die Petronella-Buchreihe. In der Buchreihe Johnny Sinclair steht ein Geisterjäger im Zentrum.

Die ausgebildete Yoga-Lehrerin unternimmt neben Yoga vor allem Spaziergänge in der Natur, um sich zu fokussieren und zu entspannen.6 Ihre Spaziergänge führen sie häufiger über Streuobstwiesen, wo sie vor allem im Frühling und im Herbst die Natur beobachtet. Am liebsten würde sie selbst, wie Petronella, in einem großen Garten mit kleinem Haus leben.7

Die Trilogie Magnolia Steel

Ihr Erstlingswerk Magnolia Steel war laut Städing von Anfang an auf drei Bände angelegt.8 Der Dreiteiler lässt sich als gruseliger „Coming-of-Age-Roman“ für Hexenfans im frühen Teenager-Alter beschreiben. Die Lektüre wird ab einem Alter von zehn Jahren empfohlen. Die Trilogie gehört formal zum Genre der „fantastischen Literatur“, die als anheimelnde Populärliteratur nur selten in den Blick der literaturwissenschaftlichen, theologischen und religionswissenschaftlichen Forschung gerät.9 Den inhaltlichen Ausgangspunkt der Handlung bildet die Beziehung zwischen der 13-jährigen Magnolia und ihrer Tante Linette. Linette eröffnet Magnolia im ersten Band Hexendämmerung, eine Hexe zu sein: „Magnolia, Folgendes: Ich bin eine Hexe und du bist es auch.“10 Linette wird allmählich zu Magnolias persönlicher Lehrmeisterin in Sachen Magie und Hexerei. Magnolia entdeckt durch Linette ihre eigene Identität als Hexe. Im zweiten Band (Hexenflüstern) sind Linette und Magnolia in den USA unterwegs. Der weltgrößte Kongress für Hexen und Zauberwesen hält sie ebenso auf Trab wie eine Geheimmission und die Liebe. Magnolia übt sich in ihrer Rolle als Hexe in einer global vernetzten Hexengemeinschaft. Im dritten Band (Hexennebel ) muss sich Magnolia als Hexe beweisen und den Erzfeind ihrer Familie, einen Schwarzmagier, überlisten. Magnolia demonstriert im Kampf mit dem Rivalen, was sie als Hexe kann und gelernt hat.

Die Reihe Petronella Apfelmus

Petronella Apfelmus wurde von Beginn an als offene und erweiterbare Buchreihe konzipiert.11 Die Erfolgsgeschichte von Petronella begann im Jahr 2014 mit der Veröffentlichung des ersten Bandes Verhext und festgeklebt. Seither sind jährlich neue Bände erschienen, sodass die Reihe inzwischen zehn Bände umfasst. Auch der zehnte Band (Burggespenst und Hexensümpfe) markiert noch nicht das Ende der Petronella-Buchreihe. Für Herbst 2024 ist die Veröffentlichung des elften Bandes mit dem Titel Zauberei und Eulenschrei angekündigt. Die Bücher der Petronella-Reihe werden ab einem Alter von acht Jahren empfohlen.

Zusätzlich zu den bisherigen Bänden hat Städing gemeinsam mit ihrer Illustratorin mehrere Sonderbände veröffentlicht. Das Buch Überraschungsfest für Lucius (2017) und die Erzählung Wer schleicht denn da durchs Erdbeerbeet? (2020) richten sich an Erstleser:innen. Drei weitere Bücher sollen die vorweihnachtliche Zeit des Wartens durch kreative Aktivitäten mit Petronella-Charme und Petronella-Geschichten zum Vorlesen etwas erträglicher machen. Auch ein Freundebuch, ein Hausaufgabenheft und ein Schultütenbuch sind inzwischen erschienen.12

Die Bände der Petronella-Reihe sind längst Kinderbuch-Bestseller und wurden in mehrere Sprachen übersetzt. Im Fokus der Buchreihe steht die liebenswerte Apfelhexe Petronella Apfelmus. Sie wohnt in einem gemütlichen Apfelhaus. In einer Welt voller Magie stellt sie sich mit den Zwillingen Lea und Luis stets neuen Abenteuern. Petronellas treue Begleiter, die fünf Apfelmännchen, stehen ihnen ebenso zur Seite wie der Hirschkäfer Lucius. Der Verlag hat für das zehnjährige Jubiläum der Petronella-Buchreihe eine hochwertige Neuausgabe des ersten Petronella-Bands angekündigt: Die limitierte Sonderausgabe mit Farbschnitt und Stanze soll ab 25. Oktober 2024 erhältlich sein.13

Das Phänomen „Petronella“ reicht mittlerweile weit über die Buchwelt hinaus: So ist auch eine Hörspielreihe erhältlich, die von Nana Spier gesprochen wird. Die Reihe wird ab drei Jahren empfohlen. Am 11. Oktober 2020 wurde die TV-Serie „Petronella Apfelmus“ von KIKA erstausgestrahlt. Sie umfasst 39 Episoden und ist eine deutsch-französische Produktion unter der Regie von Emilie Rimetz. Diese Serie wird ab fünf Jahren empfohlen. Seit Erscheinen der TV-Serie hat die Vermarktung der Figur der Apfelhexe enorm zugenommen. Unzählige Spin-offs sind erschienen.

Zur Abhängigkeit der beiden Werke

Petronella Apfelmus bewegt sich direkt in einer Spur, die Städing in Magnolia Steel ausgelegt hat. Die Apfelhexe tritt bereits im 330 Seiten starken Vorgängerwerk in Erscheinung, wenngleich nur am Rande. In Interviews hat Städing mehrmals auf diesen literarischen Erstbeleg hingewiesen:

Sie [sc. Petronella Apfelmus] ist in meinem allerersten Buch, Magnolia Steel, in einem einzigen Satz vorgekommen. Meiner Lektorin hat der Name sehr gut gefallen. Sie hat mich gefragt, ob ich daraus nicht mehr machen kann. Aus diesem einen Satz hat sich nach und nach in meinem Kopf eine Geschichte gesponnen.14

Die einschlägige Stelle in Magnolia Steel, in der Petronella mit dem Namen „Petronella Appeldorn“ als Figur eingeführt wird, lautet wie folgt:

Herr Mühlstein war sicher, dass in seinem Apfelbaum eine Hexe hauste. Solange er ihr diesen Platz überließ, wollte sie sein Haus und die Mühle verschonen, klagte er. „Petronella Appeldorn“, murmelte Tante Linette und riet dem Müller zu tun, was die Hexe von ihm verlangte. Das war das Allerletzte, was der Müller hören wollte. Böse stapfte er hinaus und schimpfte: „Eine Hexe kratzt der anderen kein Auge aus!“15

In welchem Zusammenhang steht das Zitat? Welche Rolle spielt der Konflikt der Apfelhexe mit Herrn Mühlstein in Magnolia Steel für die Petronella-Buchreihe? Es handelt sich um eine Schlüsselszene: Magnolia beobachtet Tante Linette heimlich dabei, wie sie als Hexe daheim praktiziert. Sie berät und behandelt völlig unterschiedliche Menschen: Eine Frau namens Christina erhält von ihr nach Befragung der Kristallkugel ein Liebespulver samt Zauberspruch zur erbetenen Rückeroberung ihres untreuen Geliebten. Der Hintern eines Abteilungsleiters in Nadelstreifenanzug wird mit einer Salbe alternativmedizinisch behandelt. Und Giesbert Mühlstein erhält, wie zitiert, einen für ihn wenig erfreulichen Ratschlag für den Konflikt mit einer Apfelhexe.16

Besagter Konflikt bildet den Ausgangspunkt für die Handlung der Reihe Petronella Apfelmus. Der erste Petronella-Band Verflixt und festgeklebt setzt damit ein, dass Petronella nach der erfolgreichen Vertreibung von Gisbert Mühlstein die Ruhe im alten Mühlgarten genießt: „Seit Petronella den letzten Müller vergrault hatte, stand [nämlich] die alte Mühle still und das dazugehörige Müllerhaus leer.“17 Umso mehr ist sie verärgert, als plötzlich Familie Kuchenbrand mitsamt den Kindern ins Müllerhaus einziehen will. Sie versucht diese Ruhestörung mit dem Hirschkäfer Lucius und den Apfelmännchen zu verhindern, freundet sich aber schließlich mit den Zwillingen an.

Angesichts des Ursprungs der Figur Petronella Apfelmus in Magnolia Steel und der verlegerischen Empfehlung, diese Randfigur auszubauen und ihre Geschichte gesondert und ausführlich zu erzählen, verwundert es nicht, dass die erzählte Welt und das Hexenbild der Buchreihe Petronella Apfelmus viele Anklänge an Magnolia Steel besitzen und einige Parallelen aufweisen. Dies wird die nach­fol­gende Analyse deutlich machen.eng2

Städings Hexendarstellungen

Linette Kater

Die Figur Linette Kater ist für das Verständnis des Hexenbilds in Magnolia Steel zentral. Linette ist in allen drei Bänden der Trilogie eine Hauptfigur. Magnolia lernt an Linettes Vorbild und unter ihrer Anleitung, was es heißt, Hexe zu sein. Die Rolle von Linette ist aber nicht nur aus werkimmanenten Gründen für das Verständnis des Hexenbilds von großer Bedeutung, sondern auch aus produktionsästhetischen. Städing hegt für Linette besondere Sympathie und sieht in ihr biografische Anteile verwirklicht. Danach gefragt, wer aus ihren Büchern ihr am ähnlichsten sei, antwortet Städing: „Wer mir […] sehr, sehr sympathisch ist, […] das ist die Tante Linette aus meinem allerersten Buch.“18 Es gibt also mehrere Gründe, das Hexenbild in Magnolia Steel über die biografisch wie literarisch bedeutende Figur Linette Kater zu erschließen.19

Linettes Naturnähe

Linette steht am Beginn unter Magnolias Beobachtung. Bei der Charakterisierung der Figur fällt ihre große Naturnähe und Pflanzenkenntnis ins Auge. Linette nutzt zum Sammeln von Wildkräutern eine Weidenkiepe, einen aus Zweigen geflochtenen Rucksack (38). Sie trägt derbe Wanderschuhe und besitzt ein großes Wissen über Pflanzen und seltsame Tiere (39). Mit dem Saft von Alraunen und den Kräutern heilt sie Krankheiten (58). Ihr zentrales Refugium ist ein nach Rosen und Kräutern duftender und von Holundersträuchern gesäumter Naturgarten (27f.), ein „prächtiger Wildwuchs“ (19). Ihre dunkelgrüne Kleidung zieren Pflanzenmotive: „Als Kräuterhexe hatte ihr Mantel das kräftige, dunkle Grün von Rosmarin und war über und über mit silbernen Sträußchen bestickt“ (231). Der erste Auftritt von Linette erfolgt am Beginn des Prologs: „Fröstelnd trat Linette von einem Fuß auf den anderen und blies sich auf die klammen Finger. Sie stand gut versteckt zwischen hohen Rhododendronbüschen“ (7), heißt es da. Dass Linette im Schutz von Sträuchern und im Freien agiert, unterstreicht ihre Nähe zur wilden Natur. Sie wird von Beginn an als Charakter mit großer Affinität zur Natur dargestellt.

Linettes Hexenkunst

Linettes zentraler Wirkungsbereich, der auch Magnolia magisch anzieht, liegt hinter einer Tür, die von einem dicken, roten Samtvorhang verborgen, mit schwarzem Leder beschlagen und von magischen Symbolen gesäumt ist (35). Im „roten Zimmer“ wird zwischen Nebelschleiern mit Artefakten wie Totenschädeln, Tarotkarten oder Kristallkugeln hantiert, Liebespulver hergestellt und das den deckenhohen Bücherregalen entnommene Wissen in rituelle Praxis überführt (vgl. 73–82). Dabei finden auch extravagante Zutaten wie das schwarze Basiliskenblut Verwendung (185). Angesichts dieser Tätigkeiten kann der Eindruck entstehen, der Teufel selbst würde hier Sabbat feiern (162).

Linettes Wissen um Macht und Begabung

Linette ist Teil eines organisierten Netzwerks aus mächtigen Hexen: Es gibt eine Hexenkammer mit Prüfungsrecht (103), einen autoritativen Hexenrat (236f.), eine Schule für Hexerei (100) und die Institution der Hexenweihe auf dem Blocksberg (227ff.). „Mächtige Hexe“ (241) begegnet in diesem Kontext auch als Anrede. Linette wird zu Missionen beauftragt. Andererseits agiert sie in vielerlei Hinsicht eigenmächtig, etwa beim „Privatunterricht in Sachen Hexerei“ (100) für ihre Nichte, der sie deutlich macht: Du bist „kein gewöhnliches Kind“ (14)! Trotz der Notwendigkeit des Studiums der Magie, vor allem auch der Beherrschung des kleinen wie großen Hexeneinmaleins sowie der Algebra für Hexenmeister (102f.), ist ihr letztlich klar: „Es gibt kein magisches Wissen, das überprüft werden könnte“ (239). Was Hexen auszeichnet, sind schließlich „angeborene Fähigkeiten, die Normalsterbliche nicht besitzen“ (239). Diese Fähigkeiten, tief im Innern verborgen, gilt es herauszukitzeln (vgl. 239). Zentral ist also die Begabung der Hexen, mit der auch ihr Gespür für magische Wesen einhergeht, nicht der Unterricht (vgl. 114). Hexen unterscheiden sich demzufolge qua Begabung von Normalsterblichen, auch hinsichtlich der Sterblichkeit. Die Unsterblichkeit der Hexen wird vereinzelt im Buch inszeniert, wobei Legenden aus dem historischen Kontext der Hexenverbrennungen zitiert werden: „Mit hämmerndem Herzen stieg sie ins Feuer und wurde nicht verbrannt“ (245), heißt es etwa in einer Szene, in der Magnolia ins Feuer tritt – ermutigt von ihrer wissenden Tante. Solche von Linette angestoßenen Lernprozesse verdeutlichen Magnolia, über welch übernatürliche Macht sie als Hexe verfügt.

Petronella Apfelmus – eine Hexe mit Sympathiewert

Zwischen den Figuren Petronella Apfelmus und Linette Kater gibt es literarische Abhängigkeiten. Auch Städing selbst sieht eine Ähnlichkeit der beiden Figuren: „[I]ch glaube, dass die Petronella auch leichte Züge von der Tante Linette in sich trägt.“20 Trotzdem lohnt es sich, Petronella zunächst eigenständig zu betrachten.21

Petronella ist eine sympathische und fehlbare Apfelbaumhexe.22 Sie hantiert mit Zaubersprüchen, Zauberstab und magischen Hilfsmitteln, etwa mit ihrer Kristallkugel (HuS 123.169f.; HuW 75) oder Zauberbüchern (ZuB 147–150). Nicht immer haben ihre häufig im Affekt durchgeführten Zauber den gewünschten Erfolg, was sie umso sympathischer macht. Sie „verhext“ sich nicht selten und ist keineswegs nur Helferin, sondern oft genug auch auf die Hilfe oder das Verständnis anderer angewiesen. Sie besitzt einen Hexenbesen, den sie bei Notwendigkeit mit optionalen Sitzen und Gurten für mitreisende Passagiere versehen und verlängern kann (ZuB 140–143). Am liebsten reist sie aber auf dem Rücken von Hirschkäfer Lucius; das sei „achthundertmal bequemer als auf einem wackeligen alten Besen“ (ZuK 8). Sie trägt gelegentlich einen Hexenhut (ZuB 147). Von besonderer Bedeutung ist für sie die magische Strickleiter, die sie (wie ihre Gäste) beim alltäglichen Weg in ihr Apfelhaus schrumpfen und beim Abstieg hinunter in den Garten wieder wachsen lässt (vgl. ZuK 7f.46.96; ZuB 11 u. ö.). Unterwegs nutzt sie magische Apfelkerne fürs diskrete Schrumpfen und Wachsen (vgl. HuW 54.137 u. ö.). Die Apfelhexe ist von Beginn als Hexe erkennbar, mit magischer Praxis vertraut und lässt einige eigenwillige Züge erkennen.

Petronellas doppelte Wirklichkeit

Die Welt, in der sie agiert, ist einerseits ohne jeden Zauber: Es gibt kommerzielle Interessen und Wettbewerbe, Arbeitslosigkeit und Kündigungen sowie Schulnoten und Nachhilfeunterricht. Zu dieser Welt gehört zunächst auch Familie Kuchenbrand mit ihren zwei Kindern. Petronellas Freundin Susann, eine obdachlose ehemalige Lehrerin (ZuK 13–16), ist zu Beginn ebenfalls Teil dieser Welt. Genauso verhält es sich bei ihrem ersten Widersacher, dem geldgierigen Herrn Kümmerling. Zugleich wird Petronellas Welt aber von unzähligen Fabelwesen und magischen Kreaturen bevölkert. Petronella bekommt es etwa mit einem Waldschrat zu tun – einer distelgrünen, zotteligen Gestalt, die in einer undichten Hütte zwischen toten Mäusen und gerösteten Käfern haust (HuS 123–125) und seinen Kobel durch sieben magische Schlösser vor Eindringlingen schützt (HuS 171–175). Nebelgeister sind milchige Wesen mit eisigen Geisterfingern und grünen Augen, die Petronella für ihre Zwecke nutzt, weil sie ihr Unwesen vergleichsweise zielgerichtet treiben (ZuK 73–77). In mehreren Büchern entlässt Petronella solche Nebelgeister aus ihren Gläsern (vgl. HuW 51; Vuf 79f.). Auch geschäftstüchtige Trolle, die gern lachen und witzeln (HuW 119), Klopfer-Zwerge (HuW 75), Bergwerkszwerge (SuH 107) und Gartenzwerge (SuH 7) sowie Kobolde (HuW 11), Wichtel (SuH 7), Heinzelmännchen (ZuK 205), Waldfeen (ZuK 207), Däumlinge (ZuK 207) oder sprechende Karpfen (ZuB 128–130) gehören zu ihrer Welt. Die wichtigsten magischen Kreaturen sind für Petronella neben dem Hirschkäfer Lucius aber die fünf Apfelmännchen: Gurkenhut, Rübenbach, Spargelzahn, Karottenwams und Bohnenhals. „Gurkenhut und seine Männer“ (ZuK 37) stehen bereit, wenn Petronella Hilfe braucht. Durch Petronella entdecken die Zwillinge Lea und Luis Kuchenbrand diese zwei unterschiedlichen Seiten der Wirklichkeit und lernen die magische Seite im Laufe der Handlung immer besser kennen.

Petronellas Liebe zur Natur

Petronella ist zutiefst mit der (wilden) Natur verbunden, die sie umgibt. In ihrem alten Obstgarten unweit der alten Mühle mit all seinen magischen Geheimnissen fühlt sie sich wohl. Es dauert nicht lange, bis auch die Zwillinge durch Petronella „wussten, dass er voller Zauber steckte“ (ZuK 18). Hier wachsen „Wildkräuter, aus denen Petronella Heiltrünke, Salben und andere Tinkturen herstellt“ (SuH 109). Die ihr vertrauten Apfelmännchen sind äußerlich perfekt an ihre natürliche Umgebung angepasst und mit ihr verbunden: „Wenn man nicht genau hinsah, konnte man sie leicht übersehen. Denn Apfelmännchen hatten verblüffende Ähnlichkeit mit einem Stock“ (ZuK 27). Bäume wie die majestätische Rotbuche und Pflanzen wie der Bärlapp sind nicht nur Teil ihrer natürlichen Umwelt, sondern dienen zugleich als Werkzeuge in der Welt der Magie (vgl. ZuK 107.150).

Petronellas Liebe zur Natur zeigt sich auch in ihrem sorgsamen Umgang mit Tieren und Pflanzen. Als ein Zwerg die Wildblumenwiese niedermäht, weil er nicht um Naturkräuter weiß, gerät sie beinah aus der Fassung (SuH 107–111). Auf ihrer Fensterbank stehen Blumentöpfe voller Osterglocken, die sie mit ihrem Zauberstab zum Klingen bringen kann: „Die Osterglocken klingelten und bimmelten so wunderschön, dass es eine Pracht war. Und man konnte ganz leicht das Lied ‚Komm lieber Mai und mache …‘ erkennen“ (ZuK 47f.). Petronella flüstert in der Sprache der Hühner (ZuK 100). Sie steht dem Karpfen Bommel zur Seite und beschützt das Gewässer als natürlichen Lebensraum von Stichlingen, Schmerlen, Rotaugen und anderen Fischen (ZuK 69.95.104.162). Auf diese Weise ist Petronella nicht nur eine Hexe, sondern auch eine Hüterin der Natur und ihrer Geheimnisse.

Petronellas öko-sozialer Gerechtigkeitssinn

Bemerkenswert ist Petronellas Gerechtigkeitssinn: Mit derselben Entschlossenheit und Leidenschaft, mit der sie zunächst die Familie Kuchenbrand verscheuchen will, damit das Leben im Mühlgarten weiterhin seinen natürlichen Lauf nehmen kann, setzt sie sich später dafür ein, dass Herr Kümmerling die Familie nicht weiter unter Druck setzt. Bommel, „ein dicker alter Karpfen“ (ZuK 29), wird von ihr nicht nur aus einem gefährlichen Netz befreit, das ein Widersacher ausgelegt hatte, sondern sie trifft prompt den Entschluss, „dem abscheulichen Fischräuber das Handwerk zu legen“ (ZuK 59). Sie sieht nicht nur Leid und Ungerechtigkeit, sondern rückt auch aus, um das Übel an der Wurzel zu packen und es zu beseitigen. Ihr Einsatz ist leidenschaftlich, sie agiert stets mit innerer, emotionaler Beteiligung: „Die Apfelhexe hatte vor Wut ganz rote Wangen“ (ZuK 175). Dass die Hexe oft ungehalten reagiert und im Affekt handelt, zeigt überdies ihr manchmal vorschneller Griff zum Zauberstab.23 Wenn sich ein Widersacher der guten Sache Petronellas entgegenstellt, muss er damit rechnen, „einen Zauber [zu] erleben, dass ihm Hören und Sehen vergeht“ (ZuK 65). Insgesamt geht es Petronella um Leidenschaft für die gute Sache, öko-soziale Gerechtigkeit und konkrete Hilfestellung sowie um die Bewahrung der Natur. Sie rettet ein Mädchen bei einem missglückten Salto mit einem blitzschnellen Zauberspruch und einem rettenden Netz, hält ihre Fähigkeiten aber diskret zurück (ZuK 145f.). Sie kümmert sich nicht nur um die Obstbäume in ihrem Garten, sondern auch um verletzte Tiere, vom Maikäfer bis zum Waschbären, indem sie ihr naturkundliches Wissen und ihre magischen Fähigkeiten einsetzt: „Petronella wusste genau, wie man ein eingerissenes Waschbärenohr näht, die verdorbenen Mägen von Wanderratten heilt und mit welchem Sirup man einen Feldhamster aus dem Winterschlaf weckt, wenn es längst wieder Frühling ist“ (ZuK 157).

Grundsätzliche Einordnung

Hexen als unübersehbare Medienphänomene

Allein schon der Erfolg der Kinder- und Jugendliteratur mit ihren Hexen und Fabelwesen zeigt überdeutlich, dass die neue Hexenbewegung längst Teil der pluralen Religionskultur der Gegenwart ist.24 Die Kinder- und Jugendliteratur, einschließlich der Bilderbücher, ist mit Abstand das umsatzstärkste Segment des deutschen Buchmarkts. Allein Kinder- und Bilderbücher machen mehr als die Hälfte des Gesamtumsatzes des Buchhandels aus.25 Angesichts der Relevanz, der Reichweite und der tiefen lebensweltlichen Verankerung von Kinderbüchern im Alltag vieler Familien sollte die Präsenz von Hexen in diesem Feld als Indiz für den beachtlichen Stellenwert der Hexen in der gegenwärtigen Religionskultur ernstgenommen werden. Wenn man sich vor Augen führt, dass 52 Prozent der Kinder mindestens einmal in der Woche in einem Buch lesen und 14 Prozent sogar täglich,26 erscheint eine deutlich intensivere Auseinandersetzung mit Hexen in der literaturwissenschaftlich eher vernachlässigten Kinder- und Jugendliteratur angezeigt. Der „Klangraum“ Kinderzimmer wird heute vielerorts auch vom erfolgreichen Petronella-Apfelmus-Universum mitgeprägt, sei es durch regelmäßiges Vorlesen oder durch das Streaming von Hörspiel- oder Hörbuchfassungen.

#WitchTok ist ebenfalls ein boomendes zeitgenössisches Medienphänomen. Die „neuen Hexen“ bewegen sich heute vielfach selbstbewusst auf TikTok, Instagram und anderen digitalen Plattformen und binden hier Aufmerksamkeit.27 In vielen Fällen zeigen die Akteur:innen eine große Affinität zur digitalen Kommunikation und zum Selbstmarketing. In der im Digitalen sichtbar werdenden Hexenbewegung boomt die frei flottierende Form. Einzelne Hexen werden mit ihrem besonderen Profil sichtbar. Sie agieren meist ohne Anbindung an einen „Coven“ (Hexenzirkel). Sie zeigen sich als Hexe, demonstrieren ihre Praxis vor Publikum und kommunizieren mit interessierten Followern. Ferner sind sie bereit, angstfrei mit der Medienöffentlichkeit ins Gespräch zu kommen. Sie geben Fernseh- und Zeitungsinterviews.28 Die konkrete Hexenpraxis folgt dabei den Logiken spätmoderner Hybridisierung; sie ist „Pick-and-Mix“.29

Nicht nur die besonderen Profile der im Social-Media-Kontext agierenden „neuen Hexen“, sondern auch ihre lebenspraktisch ausgerichteten Rituale sind oft öffentlich zugänglich. Dass sie auf so große Resonanz stoßen, liegt an der Einsehbarkeit und Zugänglichkeit ihrer vielfach authentischen Darstellungen. Als spätmoderne Medienphänomene finden ihre Impulse auch individuelle Nachahmer:innen und provozieren Berichterstattung in traditionellen Printmedien. Anders als die literarischen Hexen in der Kinder- und Jugendbuchliteratur stehen die „Social-Media-Hexen“ mittlerweile häufig im Fokus einschlägiger Medienberichterstattung. Dabei handelt es sich in beiden Bereichen um interessante Phänomene eines Wandels in der Darstellung und Repräsentation von Hexenbildern.

Merkmale: Sichtbarkeit – Öffentlichkeit – Diskontinuität

Ganz gleich, ob es sich um literarische Hexen in Print- und Hörbuchmedien handelt oder um Hexen im Feld von Social Media, die Öffentlichkeit ihrer (Selbst-)Darstellung und ihre zunehmende Sichtbarkeit, die meist bewusst angestrebt wird, gehören zu den wichtigsten Merkmalen der spätmodernen Hexenbewegung, vor allem in ihren popularisierten Erscheinungsformen. Genau diese Öffentlichkeit und Sichtbarkeit lässt die etablierten weltanschaulichen Einordnungen problematisch werden. Diese Schwierigkeit verweist auf die erstaunliche Diskontinuität zwischen den Hexen von heute und denen von „damals“.

Während der 2022 verstorbene Weltanschauungsexperte Hansjörg Hemminger das Phänomen der Hexen noch vor zwanzig Jahren unwidersprochen im Feld von „Esoterik und Okkultismus im Alltag“ verhandeln konnte,30 ist eine solche Verortung heute hochgradig problematisch: Weder bei den literarischen Hexen in Kinder- und Jugendbüchern noch bei den „neuen Hexen“ auf TikTok und Instagram handelt es sich strenggenommen um Phänomene aus dem Bereich von Okkultismus oder Esoterik. Warum? Okkultismus bezeichnet, entsprechend der Wortherkunft (lat. occultus), „Okkultes“: Es geht um verborgene, verdeckte und geheime Praktiken oder Gruppen. Esoterik verweist, gemäß des Begriffsursprungs (griech. esōterikós), auf den Innenbereich des Menschen sowie auf ein spezifisches und zu einem inneren Kreis gehöriges Wissen, das vor Außenstehenden geheim gehalten werden soll. Es geht um „Insiderwissen“. Die neuen Hexen, die sich heute frei flottierend auf Social-Media-Plattformen präsentieren, machen jedoch kein Geheimnis mehr aus ihrem Selbstverständnis als „Hexe:r“ und geben öffentlich Einblick in ihre rituell-spirituellen Praktiken – vom Bannkreislegen bis zur Portalversiegelung. Die Hexen in der Kinder- und Jugendliteratur sind ohnedies per definitionem öffentlich, weil sie Figuren in literarischen Veröffentlichungen sind. Aber auch auf der Ebene der erzählten Welt geben sie ihr Wissen mittlerweile gern und häufig preis: Petronella teilt bereitwillig ihre „Rezepte, die von Hexengeneration zu Hexengeneration weitergegeben werden“ (Vuf 101), mit „normalsterblichen“ Freund:innen. Beide Phänomene konfligieren also mit dem, was die Begriffe „Okkultismus“ und „Esoterik“ bezeichnen.31

Die Schwierigkeit begrifflicher Einordnungen hängt mit der Diskontinuität zusammen, die zwischen dem besteht, was einst als „Hexe“ galt, und dem, was heute als „Hexe“ in Erscheinung tritt: „Die Frauen, die unter dem Vorwurf der Hexerei in der frühen Neuzeit verbrannt wurden, haben außer der Bezeichnung so gut wie nichts mit den Frauen gemeinsam, die sich heute bewusst Hexe nennen.“32 Diese knapp zwanzig Jahre alte Einschätzung stimmt immer noch, sogar noch mehr als damals. Im Hintergrund steht ein grundlegender Begriffs- und Kulturwandel. Jahrhundertelang war eine Selbstidentifikation als Hexe tabuisiert, gefährlich und unüblich. Erst Ende des 20. Jahrhunderts ist „Hexe:r“ von einer zu fürchtenden Fremdbezeichnung zu einer bewusst gewählten Selbstbezeichnung geworden. Die qualitative Umdeutung des Begriffs „Hexe:r“ von einer negativen Fremdbezeichnung, die den Tod bringen kann, zu einer positiv besetzten Selbstbezeichnung, die spirituelle Freiheit und Unabhängigkeit anzeigt, war die Voraussetzung dafür, dass sich die „neuen Hexen“ heute so präsentieren können, wie sie es mittlerweile tun: Sie treten selbstbewusst und öffentlich als „Hexe:r“ in Erscheinung. Sie führen ihre magische Praxis samt Artefakten stolz vor einem (Medien-)Publikum vor. Ihre Selbstpräsentationen stoßen dabei – das ist eine besondere Pointe und neu – in zunehmendem Maße auf Interesse, Sympathie und positive Resonanz. Warum die „neuen Hexen“ in der medialen Öffentlichkeit kaum noch für Irritationen sorgen, sondern mehr und mehr positives Echo erhalten, lässt sich aus veränderten Bedürfnislagen erklären.

Bedürfnisse – Traditionslinien – Typen

Die Attraktivität der „neuen Hexen“ wird durch drei starke Bedürfnisse im religiös-spirituellen Feld der Gegenwart befördert. Diese Bedürfnisse berühren jeweils eine bestimmte Traditionslinie des Hexendiskurses. Sie kulminieren in bestimmten Idealtypen der Hexe, deren jeweilige Aspekte intensiv rezipiert, stabilisiert und auch produktiv weiterentwickelt werden:

  • (1) Es gibt in der Gegenwart zunächst ein ausgeprägtes Bedürfnis nach Naturverbundenheit, Nachhaltigkeit und alternativen Medizin- und Wellnessprodukten. Auf das Bedürfnis nach einem möglichst „natürlichen Lebensstil“ reagiert die öko-spirituelle Linie der neuen Hexenbewegung.
  • (2) Es gibt ferner ein Bedürfnis nach wirksamen Ritualen, die man selbst durchführen kann, die zur eigenen Weltanschauung passen und mit denen man den als unbefriedigend erlebten „Status quo“ hinter sich lassen kann. Hier setzt die schöpferisch-magische Linie der neuen Hexenbewegung an.
  • (3) Zusätzlich gibt es ein Bedürfnis nach religiöser Selbstermächtigung und Emanzipation von traditionellen Gatekeepern im religiösen Feld. Dieses Selbstermächtigungsbedürfnis betrifft vor allem Frauen, die als Frauen auch in religiös-spiritueller Hinsicht als Akteurinnen auftreten und als Entscheiderinnen fungieren wollen. Auf dieses Bedürfnis, das auf Unterdrückung und mangelnde Repräsentation reagiert, antwortet die emanzipatorisch-feministische Linie der Hexenbewegung.

Der Erfolg der modernen Hexen erklärt sich aus der Gemengelage dieser Bedürfnisse. In der neuen Hexenbewegung kommen also drei Linien zusammen: Die öko-spirituelle Linie mit dem Idealtyp der weisen Kräuterhexe, die schöpferisch-magische Linie mit dem Idealtyp der grenzgängerischen Hagazussa und die emanzipatorisch-feministische Linie mit dem Idealtyp der mächtigen bzw. sich selbst ermächtigenden Frau. Die unten folgende Tabelle illustriert diesen Zusammenhang, der den gegenwärtigen Erfolg der „neuen Hexen“ und den Boom entsprechender Literatur erklären kann. Die heutige Hexenbewegung erweist sich demnach als bestens anschlussfähig an aktuelle Bedürfnisse, vor allem auch junger Menschen. Zugleich ist sie in der Lage, einschlägige Hexentraditionen und entsprechende Motive aus der Vergangenheit aktiv fortzuführen.33

Die öko-spirituelle „Kräuterhexe“

Die öko-spirituelle Linie lässt sich politisch eher im „links-grünen“ Feld verorten, kann aber bei stärker ausgeprägter Skepsis gegenüber etablierten Institutionen auch in rechte Polemik umschlagen und ins Verschwörungsdenken abdriften.34 Diese Linie, in der die Rückkehr zu einem nachhaltigeren Leben und eine Einbettung der eigenen Identität in natürliche Wirkmechanismen angestrebt wird, hat ihren Idealtypus in der „Kräuterhexe“. In dieser Gestalt sind Traditionen verdichtet, in der Hexen als Pflanzenkundlerinnen mit einem „grünen Daumen“ auftreten oder sich durch das Wissen um Naturzyklen oder Heilkräuter auszeichnen.

Die schöpferisch-magische „Hagazussa“

Die schöpferisch-magische Linie begegnete zuletzt prominent im Feld der Ritualratgeber, geht aber mittlerweile über entsprechende Printprodukte im Spiritualitätsregal der Buchhandelsketten hinaus. Sie zielt insgesamt auf eine magische, rituelle oder liturgische Praxis, die aus dem Vollen schöpft, sinnlich involviert und die eigene Kreativität nutzt. Im Fokus stehen Rituale für konkrete Zwecke, Zauberei und magische Praktiken. Durch Kartenlegen oder Energiearbeit wird zwischen diesseitiger und jenseitiger Welt vermittelt. Im Social-Media-Kontext lässt sich beobachten, dass Ritualdesign, Tutorials für magische Handlungen und Do-it-yourself-Praktiken zur Produktion von Ritualgegenständen gefragt sind. Die benötigten Artefakte werden ebenso wie die „Grammatik“ der Rituale, d. h. deren Skript, vielfach eigenständig und kreativ hervorgebracht, obwohl sie den Eindruck von „altem Wissen“ vermitteln sollen. Solch erfahrungsorientiertes Ritualdesign für eine Praxis, die innere wie äußere Potentiale freisetzen soll, entspricht dem Idealtyp der „Hagazussa“, die als „Zaunreiterin“ an der Grenze von Ordnung (innen) und Chaos (außen) operiert.35 Die Hagazussa ist Liminalitätsexpertin par excellence. Der Begriff „Liminalität“ stammt aus der Ritualtheorie im Gefolge von Victor Turner und verweist auf kreative, rituelle Arbeit an den Rändern, an denen Transformationen möglich werden. Die Hagazussa will durch solche Schwellen- und Grenzgänge ein kreativ-schöpferisches Potential freilegen oder neue Welterfahrungen ermöglichen.

Die emanzipatorisch-feministische „Unbesiegbare“

Die emanzipatorisch-feministische Linie reagiert auf ein Unrechtsbewusstsein und Erfahrungen der Unterdrückung. Die Antwort auf problematische Machtstrukturen lautet hier „Selbstermächtigung“. Obwohl Frauen in westlichen Gesellschaften die zentralen Akteurinnen für religiöse Sozialisierung und spirituelle Praxis sind, müssen sie sich bis heute in den etabliert-christlichen Glaubenskulturen oft als nicht hinreichend ermächtigt oder unterrepräsentiert erleben. Hexen verorten sich daher vielfach in kritischer Absetzung vom Christentum in Traditionen, die Identifikationsangebote wie das der „Unbesiegbaren“ oder der „Mächtigen“ bereithalten. Historisch ist festzuhalten, dass sich Frauen bereits in den 1970ern bewusst als „Hexe“ bezeichneten, um vor allem ihren Protest gegenüber patriarchalen Strukturen auszudrücken. Einschlägig für die emanzipatorisch-feministische Linie ist Mona Chollet, die das Ideal einer von jeglicher Dominanz und Begrenzung befreiten Frau ins Zentrum ihres Hexenverständnisses stellt.36 Die religiöse Selbstermächtigung von Frauen ist ein zentrales Motiv der gegenwärtigen Hexenbewegung.

Zur Attraktivität der Hexenspiritualität

Kai Funkschmidt fasst zusammen: „Hexenspiritualität ist von Naturfrömmigkeit, Feminismus und der Suche nach persönlichem Machtgewinn gekennzeichnet.“37 Seine Einschätzung lässt sich angesichts der neuesten Entwicklungen und der geschilderten Beobachtungen präzisieren: Wo sich die öko-spirituelle, die schöpferisch-magische und die emanzipatorisch-feministische Linie schneiden, liegt der Kern dessen, was das Phänomen der „neuen Hexen“ heute ausmacht, und ein zentraler Grund für deren steigende Attraktivität. Die nachfolgende Tabelle versucht diesen Gedanken darzustellen:

Tabelle 1: Aspekte und Merkmale gelebter Hexenspiritualität

IdealtypkleinKräuterhexeHagazussaUnbesiegbare
BedürfnisBedürfnis nach „natürlichem LebensstilBedürfnis nach wirksamen RitualenBedürfnis nach religiöser Selbstermächtigung
TraditionHeilerinnen mit Wissen um Naturzyklen und die Wirkmechanismen in Fauna und FloraGrenzgängerinnen und magische Vermittlerinnen zwischen Diesseits und Jenseitsverfolgte und unterdrückte Frauen, gefährliche Außenseiterinnen mit mächtigen Verbündeten
Linieöko-spirituelle Linieschöpferisch-magische Linieemanzipatorisch-feministische Linie
ReaktionReaktion auf die globale Umwelt- und KlimakriseReaktion auf mangelnde Einflussmöglichkeiten und ResonanzlosigkeitReaktion auf problematische Machtstrukturen und Unterrepräsentation von Frauen
Gefühlökologisches Verantwortungsgefühl, Harmonie- und VerbundenheitsgefühlGefühl wiedererlangter Kontrolle und EinflussmöglichkeitenGerechtigkeitsgefühl, Machtgefühl, Solidaritätsgefühl
BoomNachhaltigkeit, Naturverbundenheit, AlternativmedizinRitualdesign, neue Rituale, SchwellenarbeitEmpowerment, Anti-Establishment-Bewegungen, Protestbewegungen

 

Bündelung des Hexenbilds in Magnolia Steel und Petronella Apfelmus

Auf Basis des vorgeschlagenen Modells mit seiner dreiteiligen Typologie soll nun das Hexenbild in den beiden Werken Sabine Städings erneut in den Blick rücken. Wie verhalten sich die in ihren Werken dargestellten Hexen zu den zentralen Aspekten und Merkmalen der neuen Hexenspiritualität, die die Hexenbewegung der Gegenwart auszeichnen?

Zwischen Kräuterhexe und Hagazussa

Die Präsentation von Linette mit ihrer Weidenkiepe, dem prächtigen Wildgarten, ihrem Kräuterwissen und der Kenntnis über Naturheilverfahren folgt zweifellos weithin dem Idealtyp der Kräuterhexe. Sie wird sogar explizit als Kräuterhexe bezeichnet.38 Auch Petronella ist als Apfelhexe ein Wesen der wilden Natur, das auf Fauna und Flora angewiesen ist und aktiv für den Schutz von Wiesen, Gärten, Wäldern und Gewässern eintritt. Ihr ökologisches Verantwortungsgefühl ist stark ausgeprägt und sie versteht sich auf Heiltrünke, Salben und Tinkturen aus Wildkräutern. Petronella fügt sich also ebenfalls gut in die öko-spirituelle Linie des Hexendiskurses ein.

Zugleich folgt die Darstellung von Linette in weiten Teilen dem Idealtyp der Hagazussa. Über das Motiv der Schwelle lässt sich ein Großteil ihrer Praxis beschreiben. Linette praktiziert etwa hinter einer verhangenen Tür. Als Privatlehrerin vermittelt sie zwischen zwei Welten, der gewöhnlichen und der magischen. In einer stark verdichteten Schlüsselstelle im Prolog operiert sie wohl kaum zufällig im Zwischenraum von dunkler Nacht (draußen) und hell erleuchteter Wohnung (drinnen). Die Szene changiert zwischen Todesgefahr und Lebensbeginn. Zu alledem stellt sie mithilfe von Tarot oder Glaskugeln Verbindungen zwischen Diesseits und Jenseits, Sichtbarem und Unsichtbarem her. Auch Petronella vermittelt zwischen den beiden Seiten ihrer Wirklichkeit. Durch ihre Zaubersprüche und mithilfe magischer Artefakte durchkreuzt sie den erwartbaren Lauf der Dinge in guter Absicht. Sie wechselt die Körpergröße und die Gestalt. Dass solche Grenzgänge nicht ohne Risiko sind, demonstriert ihr Tun mehrfach.

Das Hexenbild in Magnolia Steel und Petronella Apfelmus wird also von dem ersten und zweiten Idealtyp dominiert. Der Fokus liegt auf dem Typus der naturnahen Kräuterhexe einerseits und der grenzgängerischen Hagazussa andererseits. Dieser Befund deckt sich mit Ausführungen Städings, die ihr persönliches Hexenverständnis so pointiert:

Ursprünglich bedeutet das Wort Hexe „die Zaunreiterin“ oder „die auf der Hecke sitzt“ – also mit einem Bein in der sichtbaren, mit dem anderen Bein in der unsichtbaren Welt. Mir gefällt dieses Bild. Eine Hexe als Mittlerin zwischen den Welten. Noch lieber mag ich sie aber in ihrer Eigenschaft als „weise Frau“, als „Kräuterkundige“ und „Heilerin“. Diese Eigenschaften habe ich auch Tante Linette und Petronella mitgegeben.39

Mit ihrer Bezugnahme auf das Motiv der Zaunreiterin verweist Städing ausdrücklich auf den Idealtyp der Hagazussa, mit ihren Überlegungen zur weisen, kräuterkundigen Heilerin auf den Idealtyp der Kräuterhexe. Dass ihr persönliches Hexenbild die Figurencharakterisierung in ihren Werken beeinflusst hat, kann angenommen werden.

Starke Frauen, „fiese Weiblichkeit“ und männliche Widersacher

Trotzdem sind Linette und Petronella in nicht zu vernachlässigendem Maße auch als mächtige, sogar unsterbliche Frauen im Blick. Der Idealtyp der Unbesiegbaren legt sich aus dem Textbefund in einigen Teilen durchaus nahe. Petronella wird zweifellos als eine mächtige und regelrecht unbesiegbare Frau inszeniert, die ihre Gegner – fast ausnahmslos Männer oder männlich gelesene Personen40 – besiegt und überlistet. Der äußerliche Ersteindruck, Petronella sei ein „liebes Kind“, täuscht grundlegend. Petronella ist eine Frau, die nicht nur eine empathische, sondern auch eine listige und beinah garstige Seite hat, die sie wirkmächtig auslebt. Dieser „fiese“ weibliche Charakterzug Petronellas stellte auch die Illustratorin vor große Herausforderungen:

Sie ist auf der einen Seite sehr […] weiblich, natürlich; eine Hexe, eine Frau. Und auf der anderen Seite hat sie die Größe von einem Kind. Und dann ist sie irgendwie sehr liebevoll und mütterlich – und auf der anderen Seite […] auch ein bisschen fies. […] Das alles in eine Figur zu bekommen, ist gar nicht so leicht gewesen.41

Linette gehört ihrerseits zu einem Netzwerk, in dem die Anrede „mächtige Hexe“ verbreitet ist. Als Teil dieses Netzwerks ermutigt sie Magnolia, ihre angeborenen, übernatürlichen Fähigkeiten zu erkennen und aktiv zu nutzen. Sie handelt auch eigenmächtig und lehrt, dass Hexen dem Feuer widerstehen können, weil ihnen eine besondere Begabung zukomme, die Normalsterblichen vorenthalten sei. Sie verkörpert so Empowerment und Selbstermächtigung und weiß um die angeborene, übernatürliche Macht von Hexen. Der Erzfeind von Magnolia und Linette ist wohl kaum zufällig ein Mann. Dass der Protagonistin in Magnolia Steel partout ein grimmiger Pfarrer mit ausgestreckten Armen und Kruzifix in den Weg tritt und ihr gar mit dem Scheiterhaufen droht, woraufhin sich (verständlicherweise) ihr Widerstandsgeist regt, fügt sich ins Bild einer von starken Frauenfiguren geprägten Geschichte.42
 

Fazit

Das in Petronella Apfelmus und Magnolia Steel dargestellte Hexenbild profitiert, so mein Fazit, von einer konkreten, aber für Adaptionen offenen Mischung aus Traditionen und Motiven, die gegenwärtigen Bedürfnissen stark entspricht und so zur Attraktivität von Hexen in der Gegenwart beiträgt. Angesichts dessen ist wohl zu erwarten, dass Städings Hexengeschichten auch weiterhin kommerzielle Erfolge verbuchen und auf positives Echo stoßen werden. Städings Hexen lassen sich nicht nur als literarische Figuren beschreiben, sondern ebenso als relevante Ausdrucksgestalten einer neuen, medienaffinen und öffentlich präsenten Hexenspiritualität, die von der „neuen Hexenbewegung“ getragen und mittlerweile multimedial inszeniert wird. Das Label „neue Hexen“ oder etwa der Hashtag #WitchTok verweisen auf entsprechende Akteur:innen, die auf Instagram und TikTok in ihrem Selbstverständnis als „Hexe:r“ agieren und ihre Anliegen auch in traditionellen Medien transportieren. Durch die Aktivität und Medienkompetenz dieser Akteur:innen kommt den Hexen heute eine vergleichsweise große Sichtbarkeit zu. Dass sie als öffentlich agierende und in den Medien sichtbar werdende Hexen zunehmend positive Resonanzen hervorrufen, liegt an dem, wofür sie heute als „neue Hexen“ stehen, und an der Kompatibilität dieser Ausdrucksformen mit verbreiteten Bedürfnissen. Die Präsenz sympathischer Figuren in den Kinderzimmern dieses Landes, welche die Stoßrichtung und die Zentralmotive der „neuen Hexenbewegung“ weithin teilen, mag zum jüngsten Hype um Hexen beigetragen haben. Auch meine Sympathie hat die Apfelhexe ja längst gewonnen. Daher: Ad multos annos, Petronella!


Bernhard Lauxmann, Berlin (Juli 2024)

 

Anmerkungen

  1. Südpolshow, „Interview mit Sabine Städing und Sabine Büchner“, YouTube, 20.1.2019, 4:45–4:55, https://youtu.be/T7MnFFfGoEQ (letzter Abruf aller in diesem Beitrag genannten Internetseiten: 11.7.2024).
  2. Mirai Mens, „Eine Schreibblockade hatte ich noch nie!“, Interview mit Sabine Städing, Lass mal lesen! (Blog), tinyurl.com/yc6z974d.
  3. Vgl. das Baumhaus-Autorenprofil der Autorin auf der Webseite von Bastei Lübbe, https://tinyurl.com/4uz34jce.
  4. Vgl. Mens, „Eine Schreibblockade hatte ich noch nie!“
  5. „‚Magnolia Steel‘ musste einfach eine Hexengeschichte werden“ (Mens, „Eine Schreibblockade hatte ich noch nie!“).
  6. Vgl. den Eintrag „Über mich“ auf der Webseite von Sabine Städing, https://tinyurl.com/336hnd8f.
  7. Vgl. BaumhausBande. Der Kinderbücher-Podcast, Ep. 31: „Sabine Städing und SaBine Büchner über Petronella Apfelmus“, 23.2.2018, 3:53–4:29, https://tinyurl.com/5n7m6f55.
  8. Vgl. Mens, „Eine Schreibblockade hatte ich noch nie!“
  9. Vgl. Bernhard Lauxmann und Vera Schirl, „Opfern – Morden – Ertränken. Ein interdisziplinärer Beitrag zu fiktiven Glaubenskulturen und individuellen Glaubensformen am Beispiel des Bestsellers A Song of Ice and Fire“, in: Wilfried Engemann (Hg.), Glaubenskultur und Lebenskunst. Interdisziplinäre Herausforderungen zeitgenössischer Theologie (Göttingen: V&R unipress, 2014), 87–120, 91–96.120.
  10. Sabine Städing, Magnolia Steel. Hexendämmerung (Köln: Bastei Lübbe, 2014), 86. Der Satz wird auch im Klappentext zitiert.
  11. Vgl. Mens, „Eine Schreibblockade hatte ich noch nie!“
  12. Vgl. die Produktübersicht auf der Verlagswebseite von Bastei Lübbe, https://tinyurl.com/y4cwcpc2.
  13. Sabine Städing, Petronella Apfelmus. Verhext und festgeklebt. Jubiläums-Ausgabe mit Farbschnitt (Köln: Bastei Lübbe, 2024). Mehr Informationen auf der Webseite des Verlags, https://tinyurl.com/3t5m3pxp (Produktseite).
  14. Helmut Atteneder, „‚Wer die Petronella zur Freundin hat, muss sich keine Sorgen machen‘“, Interview mit Sabine Städing, Oberösterreichische Nachrichten, 6.11.2021, https://tinyurl.com/mjuf2afs.
  15. Städing, Hexendämmerung, 81.
  16. Vgl. Städing, Hexendämmerung, 73–82.
  17. Städing, Verhext und festgeklebt, 6.
  18. Südpolshow, „Interview mit Sabine Städing und Sabine Büchner“, 5:54–6:01.
  19. Die nachfolgenden Seitenzahlen beziehen sich auf Städing, Hexendämmerung.
  20. Südpolshow, „Interview mit Sabine Städing und Sabine Büchner“, 6:11–6:16.
  21. Die folgenden Seitenzahlen beziehen sich auf Sabine Städing, Petronella Apfelmus, Bd. 1–11 (Köln: Bastei Lübbe, 2014–2024). Dabei werden folgende Band-Abkürzungen verwendet: Vuf = Verhext und festgeklebt (2014); ZuK = Zauberschlaf und Knallfroschchaos (2015); ZuB = Zauberhut und Bienenstich (2016); HuS = Hexenbuch und Schnüffelnase (2017); SuH = Schnattergans und Hexenhaus (2018); HuW = Hexenfest und Waldgeflüster (2019).
  22. „Petronella Apfelmus war eine Baumhexe. Genauer gesagt, eine Apfelbaumhexe“, lässt der Erzähler am Beginn präzise wissen (VuF 5f.), während später meist schlicht von einer „Hexe“ oder „Apfelhexe“ die Rede ist.
  23. „Wütend griff die Hexe zu ihrem Zauberstab“ (ZuK 77).
  24. Vgl. zur Einführung den Online-Artikel „Hexen-Bewegung“ im Lexikon von relinfo, https://tinyurl.com/48rtwpbk, sowie Kai Funkschmidts Stichwort „Neue Hexen“ im Online-Lexikon der EZW, Oktober 2015, https://tinyurl.com/5n6buk6a.
  25. Vgl. „Umsatzanteile der einzelnen Sparten im Markt für Kinder- und Jugendbücher in Deutschland in den Jahren von 2019 bis 2022“, statista, 26.1.2024, https://tinyurl.com/4zfxvx4r.
  26. Medienpädagogischer Forschungsverbund Südwest, „KIM-Studie 2022. Kindheit, Internet, Medien. Basisuntersuchung zum Medienumgang 6- bis 13-Jähriger“, Stuttgart, 2023, 21, https://tinyurl.com/2s4hv2uw.
  27. Vgl. Lydia Huckebrink, „#WitchTok. Eine junge Generation von Hexen beschwört auf TikTok das Übersinnliche“, SWR Kultur, 21.4.2023,https://tinyurl.com/yc66n7t9.
  28. Vgl. hierzu Claudia Jetter, „#witchlife. Moderne Hexen zwischen Naturfrömmigkeit und Feminismus“, Vortragsaufzeichnung, relilab, 27.4.2023, https://tinyurl.com/5bjkwjhr.
  29. Vgl. Bernhard Lauxmann, „Synkretismus/Hybridisierung“, ZRW 87,3 (2024), 232–241, 233; ferner Marta R. Jabłońska, Slavic Witches and Social Media (Routledge: New York, 2024).
  30. Vgl. Hansjörg Hemminger, Geister, Hexen, Halloween. Esoterik und Okkultismus im Alltag (Gießen: Brunnen, 2004).
  31. Vgl. die Stichwörter „Esoterik“ und „Okkultismus“ von Matthias Pöhlmann (August 2021) und Kai Funkschmidt (Dezember 2018) im Online-Lexikon der EZW, https://tinyurl.com/4c4affp5 und https://tinyurl.com/4a9nubp4.
  32. Harald Lamprecht, „Neue Hexen. Zwischen Kommerz, Kult und Verzauberung“, MdE⁠ZW 69,1 (2006), 34f., 34.
  33. Erste Überlegungen hierzu habe ich im Vorfeld eines Interviews mit dem Pro Medienmagazin über TikTok-Hexen und Instagram-Magie angestellt. Der entsprechende Artikel liegt noch nicht vor.
  34. Vgl. Bernhard Lauxmann, „Linke Esoterik auf dem ‚Pioneers of Change Online Summit‘?“, ZRW 87,3 (2024), 220–225. Im Umfeld der COVID-19-Protestbewegung war ein solches Abdriften bei einzelnen Akteur:innen bereits zu beobachten.
  35. Vgl. Matthias Pöhlmann, „‚Jeder ist sein eigener Priester‘. Neue Hexen zwischen Esoterik und Neuheidentum“, Weltanschauung 2/2007, https://tinyurl.com/mucrp9km.
  36. Vgl. Mona Chollet, Hexen. Die unbesiegte Macht der Frauen (Hamburg: Edition Nautilus, 2020).
  37. Kai Funkschmidt, „Neue Hexen (Wicca)“, MdEZW 78,10 (2015), 392–396, 394.
  38. Städing, Hexendämmerung, 231.
  39. Interview mit Sabine Städing zu „Petronella Apfelmus“ im „magazin“ von bücher.de, 1.5.2021, https://tinyurl.com/aewxf5pn.
  40. Spitzbartrix, Herr Kümmerling, der Waldschrat, der Weihnachtswichtel etc.
  41. BaumhausBande, „Sabine Städing und SaBine Büchner über Petronella Apfelmus“, 2:47–3:13.
  42. Vgl. Städing, Hexendämmerung, 81.