Eine religionspsychologische Studie der Berliner Charité hat die Auswirkungen des regelmäßigen Rosenkranzgebets untersucht. Michael Utsch stellt einige Ergebnisse vor und erinnert daran, dass neben vielen modernen Bewusstseinstechniken auch das klassische Gebet noch weit verbreitet ist.
Neue Studie belegt heilsame Auswirkungen regelmäßigen Gebets

In Europa werden Bewusstseinstechniken der Meditation und Yoga, säkulare Achtsamkeitstechniken und esoterische Praktiken des Tarots, der Astrologie und des Manifestierens und der Affirmationen zunehmend ausprobiert und angewendet. Neben diesen zeitgenössischen Trends sind traditionelle christliche Rituale in Gottesdiensten und Festen kulturell fest verankert und weiterhin präsent. Deshalb hat eine Forschergruppe der Berliner Charité in einer aktuellen Studie untersucht, welche Auswirkungen die persönliche Praxis des Rosenkranzgebets auf Wohlbefinden und Gesundheit der Betenden hat. Beim Blick in die Forschungslage erstaunte die Studienleitung, dass zwar differenzierte religionspsychologische Befunde zur buddhistischen Meditation und des muslimischen Gebets vorliegen, die Datenlage zum christlichen Gebet aber dünn ist, obwohl es nach wie vor häufig praktiziert wird. Erstaunt waren sie auch darüber, dass in Deutschland offensichtlich weniger gebetet wird als in europäischen Nachbarländern.
Die Online-Befragung der aktuellen Studie richtete sich an deutschsprechende Erwachsene, die mindestens seit einem halben Jahr das Rosenkranzgebet praktizieren. Von den 164 Studienteilnehmern waren 92 Prozent römisch-katholischen Glaubens und 61 Prozent weiblich. Die meisten Teilnehmenden empfanden das Gebet als eine beruhigende und entspannende Übung, die die Atmung verlangsamte und die Aufmerksamkeit auf die Inhalte der symbolischen Gebetsperlen konzentrierte. Diese Übung stärkte ihr Gottvertrauen.
Die Forschergruppe folgerte, dass positive Gebetserfahrungen als emotionale Bestätigung des eigenen Glaubens wirken können, wodurch das generelle Wohlbefinden gestärkt werde. Sie empfehlen, die Wechselwirkungen zwischen Gebet, Wohlbefinden und anderen meditativen Techniken besser zu erforschen.
Die Studie hat methodische Grenzen, weil ein Online-Fragebogen verwendet wurde und nur die Auswirkungen vom Rosenkranzgebet und nicht etwa das Herzensgebet der orthodoxen Tradition oder die ökumenischen „Perlen des Glaubens“ untersucht wurden. Die Studie weist auf die positiven Gesundheitswirkungen traditioneller christlicher Glaubenspraxis hin. Es wäre spannend, die Motive der Praktizierenden und ihre Anwendungspraxis mit denen moderner säkularen, esoterischen oder buddhistischen Bewusstseinstechniken zu vergleichen.
Quelle:
Teut, M., Brinkhaus, B., Stöckigt, B., Binting, S., Elies, M. K., Zwingmann, C., & Jeserich, F. (2025). Religion, spirituality, well-being and praying the Rosary: Results of a cross-sectional study from Germany. Journal of Religion and Health, 64(2), 1195–1221. https://doi.org/10.1007/s10943-024-02210-5
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Prof. Dr. phil. Michael UtschAuguststraße 80
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