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Erich von Dänikens Vermächtnis

Am 10. Januar 2026, verstarb der schweizerische Schriftsteller und bekannteste Vertreter der so genannten Prä-Astronautik Erich von Däniken im Alter von 90 Jahren. Ein Nachruf.

Judith Bodendörfer
UFO

Erich von Däniken war zeitweise allgegenwärtig. Laut eigenen Angaben verkaufte er im Laufe seines Lebens 75 Mio. Bücher.1 Sowohl meine katholische Großmutter als auch mein protestantischer Vater hatten sein zentrales Erstlingswerk Erinnerungen an die Zukunft (1968) im Bücherschrank stehen, denn von Däniken wusste zu faszinieren. Im Jahr 2016 bin ich ihm einmal persönlich begegnet, als er von Jens Schlieter, Professor für Religionswissenschaft, an die Universität Bern eingeladen wurde. Die Begegnung hat mein Verständnis davon, was Esoterik ausmacht, nachhaltig geprägt. Von Däniken hielt damals in dem schlichten, weißen Vorlesungssaal, in dem er durch sein Markenzeichen, das elektrisch blaue Sakko, dramatisch hervorstach, einen Vortrag über seine Interpretation des biblischen Henoch. Nichts davon erschien mir als Doktorandin der Religionswissenschaft schlüssig, aber sein Vortrag war pure Unterhaltung, wie ein Besuch im Kino bei einem wirklich fesselnden Film. Das Programm beinhaltete neben dem Vortrag von Erich von Däniken einen weiteren religionswissenschaftlichen Vergleichsvortrag. Meine Erinnerung an diesen ist aber neben von Dänikens lebhafter Schilderung der Entführung Henochs durch Außerirdische völlig verblasst. Dies war für mich bereits vor der Beschäftigung mit Fake News, alternativen Wissenschaften und Verschwörungserzählungen ein Schlüsselmoment. Mir wurde klar: Das Erzählen ist die Stärke esoterischer und pseudowissenschaftlicher Persönlichkeiten. Im Gegensatz zur bewusst nüchternen Wissenschaft, schildern sie ihre Inhalte so, dass die Menschen wünschen, dass die Berichte wahr wären, auch wenn ihr Verstand sie eines Besseren belehrt. Auf den Punkt gebracht hat das vermutlich am besten die popkulturell äußerst einflussreiche, US-amerikanische Science Fiction Serie Akte X mit dem berühmten Credo „I want to believe!“

Erich von Däniken wurde am 14. April 1935 in Zofingen im Aargau geboren. Er besuchte eine Jesuitenschule und dort habe es „auch alles angefangen mit diesen Außerirdischen, mit den Ideen. Wegen Religionszweifeln in der Schule“.2 Sein Ziel sei es gewesen selbst zu denken und der Menschheit ihre Selbstüberschätzung als „Krone der Schöpfung“ oder „Spitze der Evolution“ auszutreiben. Die Menschen müssten bescheidener werden, um den „Götterschock“ zu vermeiden, wenn sich die Außerirdischen, die bereits auf der Erde seien, eines Tages wirklich zeigen würden. 3 Über den Menschen, den er dann doch als Krone zumindest der Erde setzte, stellte er außerirdische Zivilisationen, die er für zentrale archäologische Funde verantwortlich sah. Dass er mit dieser Weltdeutung nicht nur vielen historisch belegten Kulturen ihre Fertigkeiten absprach, sondern auch sich selbst als allein fähigen Interpreten der Menschheitsgeschichte über alle Wissenschaftler:innen stellte, die sich mit denselben Texten und Orten beschäftigten, schien ihm dabei kein Widerspruch zu sein.

Verlegt wurde Dänikens erstes Buch laut eigener Aussage aufgrund seiner persönlichen Beziehung zum Wissenschaftsredakteur Thomas von Randow von „Die Zeit“, der ihn dem Verleger Erwin Barth von Wehrenalp empfahl.4 Däniken punktete mit Charisma.

Noch bis ins hohe Alter bot von Däniken neben dem Verfassen seiner zahlreichen Bücher Reisen zu historischen Ausgrabungsstätten an. Die Mitreisenden konnten sich dort vor Ort alles ansehen und mitdiskutieren. Durch die Reise wurden sie nicht nur Konsument:innen historischer Fakten und Theoriebildung, sondern selbst Teil der Geschichte(n), die Däniken erzählte. Dänikens Mystery Park in Interlaken, der Filme zu seinen Theorien zeigte, wurde allerdings bereits nach 6 Jahren wegen finanzieller Probleme zum Jungfrau Park und musste 2021 im Zuge der Corona-Pandemie endgültig schließen.5

Von Däniken kann als Blaupause für andere gesehen werden, die mit ähnlichen Erzählungen und der Lust auf Abenteuer bunte Parallelwelten aufbauten und damit ihr Geld verdienten, etwa der berüchtigte Hansi Hauck, der bis heute unter seinem Pseudonym Tatunca Nara, im Amazonas Gebiet lebt und der durch das vom damaligen ARD-Korrespondenten in Rio de Janero Karl Brugger verfasste Sachbuch Aufbruch der Götter. Die Chronik von Akakor (1981), das auf Haucks Erzählungen beruht, berühmt wurde. Haucks erfundene Lebensgeschichte, der zur Hälfte von einem deutschen Wehrmachtsoffizier, der sich mit einem U-Boot im Amazonasgebiet verfahren habe, abstammende Prinz eines in Höhlen lebenden Amazonas Volkes, das wiederum von Außerirdischen abstamme, zu sein, ähnelte in vielem den Geschichten von Erich von Däniken.6 Vermutliche auch deshalb, weil Hauck zahlreiche Bücher von Däniken im Regal stehen hatte.7 Von Däniken sah sich zunächst durch Haucks Geschichten über außerirdische Artefakte im Amazonas bestätigt, nach einer persönlichen Begegnung im Jahr 1977 finanzierte Däniken immer wieder Expeditionen in den Amazonas-Regenwald. Als diese aber wiederholt zu nichts führten, wurde von Däniken zunehmend misstrauisch und bezeichnet Haucks Geschichten schließlich als „Lug und Trug“.8

Auch auf Semir Osmanagić, den Pseudo-Archäologen hinter dem „Bosnischen Tal der Pyramiden“, scheint Däniken gewirkt zu haben. Nachdem Osmanagić behauptet hatte, bei dem Berg Visočica handle es sich in Wahrheit um die verschütteten Pyramiden einer uralten Zivilisation und dort 2005 mit Grabungsarbeiten begonnen hatte, löste dies unter Ufobegeisterten und Esoteriker:innen gleichermaßen einen wahren Tourismusboom nach Bosnien aus. Däniken besuchte die Grabungsstätte um die „Pyramiden“ 2014, distanzierte sich aber bald darauf auch wieder.9 Dennoch formulierte Osmanagić nach dessen Tod auf der Facebookseite der bosnischen Pyramiden einen Nachruf auf von Däniken, in dem er dessen enormen Einfluss auf die Popkultur hervorhob.10 Es liegt nahe anzunehmen, dass Däniken auch Osmanagić beeinflusst hat. In seinem Buch Das Geheimnis der Anasazi (2015) verbreitet Osmanagić jedenfalls unter anderem Verschwörungserzählungen über die angebliche internationale Geheimorganisation Advanced Contact Intelligence Organization (ACIO), deren „Top-Secret-Spezialisten [..] mit Zeitreise, Dimensionswechsel und außerirdischen Zivilisationen vertraut“ seien.11

Obwohl die Medien Däniken einst zu seiner Karriere verholfen hatten, wurden sie zunehmend zu seinem Feindbild. Über ihn dürfe nur kritisch berichtet werden. „Die sind alle gaga“ schimpfte von Däniken in einem SRF-Dokumentarfilm über Journalist:innen.12 Auch Wissenschaft und Religion, standen immer wieder in seiner Kritik, als angebliche Vertreter:innen eines Zeitgeists, der den Menschen vorschreibe, was vernünftig sei.13 Zugleich wurden von Dänikens Bücher unter anderem im rechtsesoterischen Kopp-Verlag publiziert14 und eine extrem rechte Ufologie-Szene schätzte ihn. Von Däniken schloss sich hier nicht eindeutig an, aber er distanzierte sich auch nicht. Er verstand sich als politisch und religiös neutralen Suchenden, dem allerdings das Wort „woke“ als Kampfbegriff einer alles gleichmachen wollenden Ideologie galt.15 Er war ein großartiger Geschichtenerzähler, ein Entertainer, aber er wurde damit auch Vorbild für eine Industrie, die dem Vertrauen in Wissenschaft, Journalismus und demokratische Strukturen derzeit nachhaltigen Schaden zufügt.

Anmerkungen

  1. SRF-Play, „Eine Reise mit Erich von Däniken – Den Ausserirdischen auf der Spur“, 08.11.2023 auf: https://www.srf.ch/play/tv/reporter/video/eine-reise-mit-erich-von-daeniken---den-ausserirdischen-auf-der-spur?urn=urn:srf:video:ab2b3621-13fa-40ce-a931-f83d9ba1b230, 22:15 – 22:35. Zugriff: 29.03.2026.
  2. Ebd. 5:39 - 6:04.
  3. Ebd. 6:19 – 7:00.
  4. Erich von Däniken. Erinnerungen an die Zukunft. Ungelöste Rätsel der Vergangenheit. München: Bertelsmann, 1992, S. 8f.
  5. SRF-Play, „Eine Reise mit Erich von Däniken – Den Ausserirdischen auf der Spur“, 08.11.2023, auf: https://www.srf.ch/play/tv/reporter/video/eine-reise-mit-erich-von-daeniken---den-ausserirdischen-auf-der-spur?urn=urn:srf:video:ab2b3621-13fa-40ce-a931-f83d9ba1b230. 28:30 – 29:13. Zugriff: 29.03.2026.
  6. ARD-Mediathek: Tatunca Nara und die Toten im Dschungel: Folge 1: Aufbruch ins Ungewisse, 25.07.2025. https://www.ardmediathek.de/video/Y3JpZDovL2hyLW9ubGluZS8zODIyMDEyNV8yMDI0LTA2LTI2LTIyLTAw. 24:05 – 22:15. Zugriff: 29.03.2026.
  7. Ebd. 22:10 – 22:46.
  8. Ebd. 24:16 – 28:05.
  9. Argauer Zeitung, „Die Pyramiden des blonden Indiana Jones“, 10.09.2016, auf: https://www.aargauerzeitung.ch/schweiz/die-pyramiden-des-blonden-indiana-jones-ld.707166. Zugriff: 29.03.2026.
  10. Bosanska piramida Sunca, Facebook „ON THE OCCASION OF THE DEATH OF ERICH VON DÄNIKEN. By: Dr. Sam Osmanagich,“ 12.01.2026, auf: https://www.facebook.com/Pyramid.of.the.Sun.Official/posts/on-the-occasion-of-the-death-of-erich-von-d%C3%A4nikenby-dr-sam-osmanagichon-january-/1317881150366937/. Zugriff: 29.03.2026.
  11. Semir Osmanovic: Das Geheimnis der Anasazi - Eine technische Hochkultur, die nach 300 Jahren so plötzlich verschwand, wie sie aufgetaucht war - AMRA Verlag Shop.
  12. SRF-Play, „Eine Reise mit Erich von Däniken – Den Ausserirdischen auf der Spur“, 08.11.2023, auf: https://www.srf.ch/play/tv/reporter/video/eine-reise-mit-erich-von-daeniken---den-ausserirdischen-auf-der-spur?urn=urn:srf:video:ab2b3621-13fa-40ce-a931-f83d9ba1b230. 01:14 – 01:25. Zugriff: 29.03.2026.
  13. Ebd. 20:08 – 21:44.
  14. Für das Gesamte Sortiment der Bücher von Dänikens im Verlagsprogramm siehe: www.kopp-verlag.de
  15. SRF-Play, „Eine Reise mit Erich von Däniken – Den Ausserirdischen auf der Spur“, 08.11.2023, auf: https://www.srf.ch/play/tv/reporter/video/eine-reise-mit-erich-von-daeniken---den-ausserirdischen-auf-der-spur?urn=urn:srf:video:ab2b3621-13fa-40ce-a931-f83d9ba1b230. 02:41 – 03:04. Zugriff: 29.03.2026. 2:41 – 3:04.

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Ansprechpartner

Judith BodendörferDr. phil. Judith Bodendörfer
Wissenschaftliche Referentin
Evangelische Zentralstelle für Weltanschauungsfragen
Auguststraße 80
10117 Berlin