Ulrich Dehn

Zeiteinteilungen und Endzeiterwartungen in religiösen Traditionen

Zeiteinteilungskonzepte und der Blick auf das Ende sind Ausdrucksformen des Menschen in Anbetracht seines Bedürfnisses, mit dem Leben und der Zeit umzugehen: Die Zeit kann nicht einfach als unförmige, unstrukturierte Masse oder unkonturierte Linie „begriffen“ und gelebt werden, sondern sie will definiert und gezählt sein. Sie will Punkte haben. Das ist die Weisheit des 90. Psalms, dessen 12. Vers lautet: „Lehre uns bedenken, unsere Tage zu zählen, auf dass wir klug werden.“ Im Alten Testament wurde die Zeit, wie wir von Gerhard von Rad wissen, nicht linear an objektiven Parametern, sondern an Ereignissen und Menschen gemessen.2 Zeit passierte und wurde gefühlt. Sie verstrich nicht einfach so und konturenlos.

Ein Lehrstück zum Thema Umgang mit der Zeit war der Vorlauf zum Jahreswechsel 1999/2000: Mehr noch als der tatsächliche Jahrtausendwechsel ein Jahr später gab diese zeitliche Wende vielerorts Anlass zu einer Besinnung auf die Geschichte, auf das Ende der Zeit und auf die vorhandenen endzeitlichen religiösen Traditionen. Der Zufall wollte es, dass kurz vor dem prominenten Jahreswechsel auch die Sonnenfinsternis stattfand, die nach einschlägiger Ansicht bereits vor 450 Jahren den französischen Universalgelehrten, Arzt und Dichter Nostradamus beschäftigt haben soll. Der Vatikan erklärte das Jahr 2000 zum Heiligen Jahr, dessen Vorbereitung, so wird Papst Johannes Paul II. zitiert, geradezu als der hermeneutische Schlüssel zum Werk des damaligen Papstes verstanden werden kann.3

Endzeiterwartungen gehören zum Religiösen fast untrennbar hinzu. Dazu kommen Zeiteinteilungen, religiös qualifizierte Phasen, verbunden mit den entsprechenden „Vorzeichen“, die in der biblischen Apokalyptik, aber auch in anderen Kulturkreisen meist Zeichen des Leidens und der Verfolgung sind: Sie lassen sich in vielen Kulturkreisen und religiösen Traditionen finden. Vorstellungen von einem mehr oder weniger bald herannahenden Weltende sind typisch für Minderheitsreligionen und -gruppen weltanschaulicher Art, oft in Situationen der Verfolgung, der Unterdrückung, der Diskriminierung. Oder sie entstehen beim Zusammenstoß zweier Kulturen als Bewegung innerhalb der jeweils unterlegenen Kultur, die sich bedroht fühlt. Beide Phänomene sind eng miteinander verwandt.4 Auch das Christentum konstituierte sich bekanntlich als eine bedrohte religiöse Minderheit mit starker endzeitlicher Naherwartung. Millenaristische Hoffnung war Märtyrerhoffnung. In der metaphorischen Vorstellung eines „Tausendjährigen Reiches“ ging es darum, dass die vom römischen Antichrist Verfolgten vor Gott gerechtfertigt seien. Erst in der Kombination mit einer buchstäblichen Interpretation von Dan 7,27 konnte später aus Offb 20,1-6 eine Weltherrschaftserwartung herausgelesen werden. In der geschichtlichen Entwicklung hat sich die einstige Naherwartung der verfolgten Christen faktisch umgekehrt proportional zu ihrem Einfluss in der Gesellschaft abgeschwächt. Heute gelten Endzeit- und Naherwartung fast per se als „sektenhaft“ – ein wiederum korrekturbedürftiger Zeitgeisttrend, denn auch das Christentum lebt entsprechend seinem Bekenntnis nach wie vor in der Erwartung der Wiederkunft Jesu Christi, wenn auch nicht in chiliastischer Version. Der „Chiliasmus“ wurde, obwohl er seine Grundlage in einem kanonischen Text hat, vom mehrheitlichen Christentum nicht tradiert, d. h. er ist zutreffend als situationsbezogene theologische Aussage unter Verfolgungsverhältnissen begriffen worden.

Bei den sogenannten weltreligiösen Traditionen und den neueren Bewegungen sind grob gesprochen drei Typen zu unterscheiden: 1. ein rein finaler Typ (mit Endzeitvorstellung, aber ohne Phaseneinteilung), 2. ein Phasentyp (Phaseneinteilung ohne dramatische Endzeitvorstellung), 3. eine Kombination aus Typ 1 und 2. Zu differenzieren ist beim Typ 1 zwischen verschiedenen Endzeitansagen und ihrer jeweiligen Funktion, sei es zur gläubigen Aufrechterhaltung und Bestätigung einer biblischen Ansage, sei es zur Stabilisierung der Autorität eines weltanschaulichen Gruppenführers, sei es zur Herbeiführung von Gruppenselbstmorden oder zur aktiven Mitarbeit an einer sich selbst erfüllenden Prophezeiung, die sich als nicht „selbsterfüllend“ herausstellte wie im Fall der buddhistisch-hinduistischen Gruppe Aum Shinrikyō. In vielen religiösen Traditionen fließen Endzeiterwartungen und sozialethische Vorstellungen ineinander. Das mag geschehen in der Gestalt eines mutmaßlichen Endgerichts, wie es im Islam und im Christentum vorgesehen ist (Matth 25) und an dessen Maßstäben das jetzige Leben orientiert werden soll, etwa im Modus vorausabbildender perfektionistischer Lebensgemeinschaften.5

Im Zuge der „Verzeitgeistlichung“ von Endzeiterwartungen etwa in Japan ist das Thema in Comicserien, Zeichentrickfilmen und drittklassigen Bestsellern aus der New-Age-Bewegung aufgegriffen und trivialisiert worden. Für eine Renaissance der Nostradamus-Prophezeiungen hatte bereits 1973 der Schriftsteller Goshima (Gotō) Masaru (Ben) gesorgt, als er in einem Buch die Parole ausgab, im Juli 1999 werde die Welt untergehen.6 Diese Prophezeiung wurde 1999 in Weltgegenden, die von der Sonnenfinsternis betroffen waren, geringfügig zugunsten des entsprechenden Datums (11.8.1999) verschoben.

In Anbetracht der überdurchschnittlich intensiven Nostradamus-Rezeption in Japan werden wir uns kurz einigen japanischen Neureligionen zuwenden, zunächst aber einen Streifzug durch einige Grundlagen in den großen religiösen Traditionen machen. Ebenfalls zu den Grundlagen des hier zu Behandelnden gehört der persische Prophet Zarathustra, dessen paradigmatische Elemente wir in aller Kürze aufgreifen, um schließlich an Einzeldarstellungen die Typen zu veranschaulichen.

Weltreligiöse Traditionen

Millenaristisch-eschatologische Hoffnungen verbinden die Weltreligionen, auch wenn die Traditionen jeweils einen verschiedenen Stellenwert haben. Der späte Mahayana-Buddhismus kennt die Zeiteinteilung in die Epoche des wahren Dharma (shōhō), des verblassenden und nur abgebildeten Dharma (zōhō) und des dekadenten Enddharma (mappō), die jeweils mit Zeitraumvorstellungen von 1000 oder 500 Jahren verbunden sind. In Japan, wo dieses Konzept entstand, geht eine weithin übliche Ansetzung von dem Jahr 1052 n. Chr. als dem Anfangsjahr von mappōaus. Im 13. Jahrhundert stützte der Prophet und Schulengründer Nichiren sich auf diese Vorstellung und verbreitete Endzeitstimmung. Aber auch typische apokalyptische Symptome wie Verfolgungen, allgemeine Unterdrückung und soziale Verelendung im damaligen Japan wurden als Zeichen des Endes gedeutet. Das mappō-Denken wurde zur Grundlage für buddhistisch-chiliastische Bewegungen.

Die Erwartung des Endzeitbuddha Maitreya wird nur in einigen Schulen aufrechterhalten und hat insbesondere in der koreanischen Volksreligiosität eine große Rolle gespielt: Die Tradition um den Miruk, der mit Maitreya identifiziert wird, wurde zum Kern von frühen endzeitlichen Befreiungsbewegungen.7 In Japan wurde die sozialrevolutionäre Yonaoshi-Bewegungu. a. aus dem Maitreya-Kult gespeist. In der alten Sri-Lanka-Chronik, dem Mahavamsa, wird folgende Zeitrechnung vorgelegt: Nach dem Eintritt des Buddha in das Parivirvana tritt eine Zeit des Niedergangs ein, die die Lehre des Buddha fast zum Erliegen bringt und die Lebensspanne des Menschen auf 5000 Jahre verkürzt. Das Blatt wendet sich, die Lehre des Buddha gewinnt wieder Einfluss, und die menschliche Lebensspanne dehnt sich erneut auf 8000 Jahre aus. Dieses Paradies wird von einem Chakravarti, einem designierten Herrscher, überwacht, bis Maitreya als neuer Buddha erscheint und wieder das wahre Dharma lehrt.8 Die Maitreya-Tradition ist jedoch heterogen, Maitreyas Anteil am Endzeitdenken im Buddhismus ist relativ gering und keineswegs mit der Rolle des wiederkehrenden Mahdi oder Christus im Islam bzw. im Christentum zu vergleichen.9

Mit großer Wahrscheinlichkeit in Abhängigkeit von den drei Dharma-Zeiten ist die Zeitaltereinteilung des alten Hindu-Weisen und Gesetzgebers Manu zu sehen, die sich ebenfalls im großen Krishna-Epos Mahabharata findet. Hier wird mit Götterjahren gerechnet, die jeweils für den Menschen mit 360 zu multiplizieren sind. Die Zeitalter sind 1. das ideale Krita- oder Satya-Yuga (1 728 000 Jahre), 2. das Treta-Yuga, in dem die Rechtschaffenheit um ein Viertel nachlässt und Opferhandlungen und Zeremonien notwendig werden (1 296 000 Jahre), 3. das Dvapara-Yuga: weiteres Nachlassen der Rechtschaffenheit auf die Hälfte, wenig Veden-Lektüre, zunehmende Krankheiten, Wahrheit verblasst (864 000 Jahre), 4. das Kali-Yuga (gegenwärtiges Zeitalter, 432 000 Jahre), in dem das Böse dominiert und wahre Erkenntnisse in Vergessenheit geraten. Kali, die Gattin des Gottes Shiva, steht u. a. für Zerstörung und Auflösung.10

Der jüdische Gelehrte Maimonides (1135 – 1204) schuf eine Liste aus 13 Glaubensartikeln, von denen der 12. lautet: „Ich glaube mit voller Überzeugung an das dereinstige Kommen des Messias, und ob er gleich säume, so harre ich doch jeden Tag auf sein Kommen“, und im jüdischen Gebetbuch heißt es: „Er schickt am Ende der Tage unseren Gesalbten, zu erlösen, die auf das Endziel der Erlösung harren.“ Die hebräische Bibel kennt zwei messianische Erwartungsstränge: die des strahlenden, siegreichen Königs, der das von Gottes Händen restaurierte Königsamt übernehmen wird, und die des leisen, demütigen Messias nach Sach 9,9, der im Kampf mit seinen Widersachern stirbt.

Der jüdische Freiheitskämpfer Bar Kochba, dessen Aufstand 135 n. Chr. niedergeschlagen wurde, war Gegenstand einer Messias-Identifikation. Schalom Ben-Chorin hat zwei Arten des jüdischen Messiasglaubens unterschieden: 1. den „restaurativen Messianismus“ nach dem 12. Glaubenssatz des Maimonides, der in der Zukunft ein verklärtes Königreich Davids erwarte, und 2. den „utopischen Messianismus“ auf der Basis von Jes 2 oder Micha 2, der ein universelles Reich des Friedens, der Liebe und der Gerechtigkeit herbeisehne. Ihnen entspreche in säkularisierter Version 1. der Zionismus und 2. der Sozialismus.11

Von apokalyptischen Vorstellungen ist die gesamte Botschaft des Muhammad12 durchzogen; besonders zahlreich sind die Gerichtspassagen in den mekkanischen Suren. Dabei greifen, wie auch in Matth 25,31-46, der Aspekt des Zukünftiges Ansagenden und der gegenwärtigen ethischen Mahnung ineinander (vgl. Sure 17,13-15). Mit diesem Thema war die Vorstellung einer Zweiteilung der Zeit in ein Diesseits (ad-dunya)und ein Jenseits (al-akhira) verbunden, die sich nach der Hidsch­ra nach Yathrib (Medina) abschwächte und im Laufe der Zeit der Erwartung eines wiederkehrenden Mahdi in verschiedenen Versionen wich: Ein rechtgeleiteter Mahdi wird eine Zeit des Wohlergehens und der Freiheit vom Bösen einleiten. Die späteren Schiiten gehen davon aus, dass es der im 9. Jahrhundert entrückte (12.) Imam sei, der wiederkehren und das Reich der gottgefälligen Gerechtigkeit errichten werde. Immer wieder haben sich diese Erwartungen auf „entrückte“ Gestalten gerichtet, auch die messianische Wiederkehr Jesu, dessen Kreuzigung der Koran nicht anerkennt, ist ein Element der Endzeiterwartung. Diese Wiederkehr-Erwartungen sind im Rang den messianischen Befrachtungen der jüdisch-christlichen Tradition nicht zu vergleichen; der Wiederkehrende wird im Modus eines Khalifen(Nachfolger des Propheten) bzw. Imam gedacht. Nach der iranischen Revolution 1979 gab es Stimmen, die Ayatollah Chomenei zum Mahdi erklärten.

Der Chiliasmus neuerer Bewegungen in aller Welt ist nur zu verstehen, wenn man sich die hier kurz angerissenen Überlieferungsstränge vergegenwärtigt.

Merkmale endzeitlicher Bewegungen

Viele der traditionellen Endzeitvorstellungen und der chiliastisch orientierten religiösen Bewegungen sind traditionsgeschichtlich auf die religiöse Umwälzung zurückzuführen, die der mythenumwobene persische Prophet Zarathustra13 anstieß. Es waren im Wesentlichen folgende Elemente, die er neu einführte: 1. eine enge familiäre Beziehung zwischen Gläubigen und verehrter Gottheit; 2. die monotheistische Ausrichtung auf ein einziges Höchstes, die Gottheit Ahura Mazda; von hier aus werden Spuren zum Entstehen des Jahwe-Monotheismus Israels vermutet. 3. Dem statischen Kosmos-Denken und dem zyklischen Zeitdenken stellte Zarathustra die Vorstellung einer begrenzten und zielgerichteten Zeit entgegen, mit einer Protologie (Schöpfung) und einer Eschatologie; hier hat auch die Idee eines Millennium-Zwischenreichs ihre Wurzeln. 4. Der einheitliche monis­tische und gute Kosmos, der von außen durch chaotische Kräfte bedroht ist, wird durch den Dualismus von Gut und Böse abgelöst, der auf einen Endkampf der beiden Prinzipien hinführt; hier entspringt die Vorstellung eines auserwählten Volkes, eines heiligen Rests; sie setzt sich motivgeschichtlich fort bis in die Ufo-Gruppen unserer Tage.14

In der Weiterentwicklung des zoroastrischen Gedankenguts wurde meist der Nah­erwartungsaspekt stärker betont: Zeichen, die auf das baldige Ende hindeuten, bis hin zu konkreten Datenangaben, die oft vorsichtshalber mit potenziellen Abwendungsmaßnahmen verbunden werden, um nicht allzu schonungslos der (fast unvermeidlichen) Falsifizierung preisgegeben zu sein.

Hillel Schwartz erwähnt einige weitere Merkmale millenaristischer Gruppen: einen sanften Anfang und ein „furioses Finale zu jedem Akt“; die beiden dualen kosmischen Kontrahenten werden meist als der imperiale und der sakramentale Part benannt; die Endzeit kann gleichzeitig als eine „Zugabe“ zum Bisherigen, als Intermezzo und als das Aufschlagen von Türen betrachtet werden. Sie bedient insofern nicht die pessimistischen Zeitgeiststimmungen.15

Interessant wäre es zu überprüfen, wie sich endzeitliches Gedankengut inden sich noch heute auf Zarathustra berufenden Religionsgemeinschaften erhalten hat (z. B. in der Mazdaznan-Bewegung). Wir würden dort eine ernüchternde Abstreifung solcher Elemente und eine Einkehr „normaler Religiosität“ zur Kenntnis nehmen.

Umgang mit Parusieverzögerung: Jehovas Zeugen

Als Endzeitgruppierung par excellence wurden von Charles Taze Russell (1852 – 1916) die „Ernsten Bibelforscher“ gegründet. Er war 1870 auf eine Splittergruppe der Adventisten gestoßen, die für 1874 die sichtbare Wiederkunft Christi erwarteten. Das Jahr 1874 verstrich ohne die erwartete Wiederkunft, und Russell formte daraus die erste wichtige Lehrmeinung, dass die Wiederkunft Christi erfolgt sei, aber unsichtbar. Kurz darauf gründete er gemeinsam mit seiner adventistischen Ehefrau, die er 1879 heiratete, noch im gleichen Jahr die Zeitschrift „Zion’s Watch Tower“ und 1881 die „Wachtturm-Bibel- und Traktat-Gesellschaft“. Dieser Verlag wurde zum Nukleus des späteren weltweiten Religionskonzerns der Zeugen Jehovas.

Nachdem die Zeugen die erste Erwartungsenttäuschung mit einer hermeneutischen Wendung überstanden hatten, wurde als nächstes das Jahr 1914 angepeilt. Erwartet wurde jeweils die „Schlacht von Harmagedon“, die ein tausendjähriges Friedensreich unter der Herrschaft Jesu Christi einleiten sollte. Dieses würde die Vervollkommnung des Menschen sowie die Heilung aller Gebrechen und die Abschaffung aller Einschränkungen und Belastungen der Menschheit heraufführen. Als auch 1914 verstrich, wurde das Datum auf 1915, auf 1916 verschoben, schließlich auf 1918. Russell verstarb 1916.16 Sein Nachfolger, Joseph Franklin Rutherford, bestimmte das Jahr 1925 als neues Endzeitdatum, zu dem sich die Auferstehung Abrahams, Isaaks
u. a. sowie die Auflösung aller gesellschaftlichen Ordnungen ereignen würden. Die Ankündigung bescherte der Wachtturmgesellschaft erheblichen Zulauf, der sie auch den Mitgliederschwund um ca. ein Drittel verschmerzen ließ, als sich auch diese Erwartung nicht bestätigte. Rutherford verzichtete auf eine Uminterpretation, er verschob die Erwartung lediglich auf unbestimmte Zeit, behielt jedoch die Naherwartung bei. Das Jahr 1914 wurde nun als Stichdatum einer himmlischen Regierung betrachtet, die Christus schon seit 1918 ausübe. 1918 seien die bereits Verstorbenen der 144 000 „Brüder Christi“ von Jehova auferweckt worden. Rutherford benannte die Gesellschaft 1931 in „Jehova’s Witnesses“ um, propagierte die Wachtturmgesellschaft seit 1932 als organisatorisches Zentrum einer theokratischen Weltgesellschaft und wandte sich in zunehmend offensiver Weise gegen die Kirchen.

Auch das 1966 neu angesetzte Datum 1975 für die Schlacht von Harmagedon ist nunmehr verstrichen; dieses Jahr war als der Ablauf von 6000 Jahren Menschheitsgeschichte in Augenschein genommen worden, womit man natürlicherweise auch die endzeitliche Schlacht erwartete. Die Jahre vor 1975 waren von erheblichem Konfliktpotenzial geprägt: Zeugen, die ihre gesicherte Existenz aufgaben, um sich ganz dem Predigtdienst zu widmen, wurden als Vorbilder präsentiert, es wurde dazu aufgerufen, vor „Harmagedon“ keine Kinder mehr zu zeugen, umso mehr aber danach.17

Heute gibt es keine neue datierte Erwartung. Offizieller Kurs ist die ständige Naherwartung sowie eine Annäherung an weltliche Verhältnisse einschließlich des inzwischen schon weitgehend erfolgreichen Bemühens, in Deutschland den Status einer Körperschaft des öffentlichen Rechts zu erlangen, ein Anliegen, das unter traditionellen ideologischen Vorzeichen der Staatsablehnung und Abstinenz vom öffentlichen Leben und seinen Entscheidungsprozessen undenkbar gewesen wäre.

Jehovas Zeugen lassen sich grundsätzlich dem Typ 1 der religiösen Minderheit zuordnen, der sich in seiner Geschichte millenaristisches Gedankengut zu eigen machte, um damit die Minderheits- und gegebenenfalls Diskriminierungssituation zu verarbeiten.

„Doomsday-Apokalyptik“

Die exakte Umkehrung des biblisch-apokalyptischen Gedankens wird im hochgradig religiös aufgeladenen politischen Milieu der USA vorgenommen. Die Vorstellung eines Erlöservolks mit Herrschaftsauftrag wird herrschende Ideologie. Dies ist von Franklin D. Roosevelt über John F. Kennedy, Lyndon B. Johnson und Ronald Reagan bis hin zu Bill Clinton und George W. Bush belegbar. Beibehalten wird mitunter die Vorstellung der Schlacht von Harmagedon in Gestalt einer „Doomsday-Apokalyptik“, so von Ronald Reagan artikuliert und auf den mutmaßlichen Endkampf mit dem Kommunismus angewandt, dem Reich des Bösen, einer direkt aus Offb 20 übernommenen Phraseologie.18 Diese Vorstellung ging nach dem Fall des real existierenden Sozialismus gleitend über in die vom Weißen Haus in Auftrag gegebene intellektuell geläuterte Vorstellung vom „Clash of Civilizations“, deren Schöpfer Huntington seitdem versuchte, die Geister wieder loszuwerden, die er gerufen hat.19

Furioses Finale: Ufo-Gruppen

Die bereits skizzierten Traditionen haben gegen Ende des vergangenen Jahrhunderts vermehrt zum Auftreten von Ufo-Kult-Gruppen geführt, die die Jahrtausendwende als astrologische Chiffre für den Weltuntergang betrachteten.20 Das Finale besteht meist in einem kollektiven Suizid, dem eine Abholung der Leiber durch ein Ufo und die Enthebung in eine schöne neue Welt folgen werden.

Eine kollektive rituelle Selbsttötung haben z. B. 39 Mitglieder der Ufo-Gruppe „Heaven’s Gate“ im März 1997 durchgeführt, die auf ihrer Internetseite darauf hinwiesen, dass im Schweif des Kometen Hale Bopp ein Ufo erwartet werde, das sie von San Diego, dem Ort des Freitods, in den Himmel transportiere. Ein knappes Jahr später, im Februar 1998, wurde ein ebensolcher Massenselbstmord unter Anleitung der deutschen Psychologin Heide Fittkau-Garthe auf der Insel Teneriffa im letzten Moment verhindert: Auch hier war es ein apokalyptisches Abholungsszenario, das die Anhänger und Anhängerinnen Fittkau-Garthes fast der freiwilligen Beendigung des Lebens aussetzte.

Typisch war in beiden Fällen ein ausgeprägtes Krisenbewusstsein, verstärkt durch das Ende des Jahrtausends, entladen in apokalyptischen Ängsten, Zukunftshoffnungen auf ein neues Zeitalter, den Durchgang durch ein „Himmelstor“ (heaven’s gate); zur Außenwelt der Nichtanhänger wird ein quasi gnostisch-manichäisches Verhältnis in hell-dunkel, gut-böse definiert; die Erretteten sind Auserwählte. Das Heil wartet fernab, auf fernen Planeten, wohin nur ein Ufo die Erwählten transportieren kann.

Auch der schon vorher bekannt gewordene Sonnentemplerorden wies diese Merkmale auf. Seit Oktober 1994 waren in der Schweiz, in Quebec (Kanada) und schließlich in Grenoble über 70 Leichen von Mitgliedern der Endzeitgruppe gefunden worden, die nach eigenen dokumentierten Angaben in den Freitod gegangen waren, um schließlich einen „Transit“ zum Stern Sirius zu erleben, wo sie „solare Körper“ annehmen würden. Beim Sonnentemplerorden handelte es sich nach eigenen Angaben um eine Gemeinschaft mit theosophischem Hintergrund, ferner mit einem synkretistischen Gemisch aus Glauben an die Große Weiße Bruderschaft und an den Heiligen Gral, an Reinkarnation, Homöopathie und geistige Heilung sowie schließlich an die Endkatastrophe, an das Ende dieses Zeitalters. Heide Fittkau-Garthe wiederum nährte sich aus anderen Quellen: Sie war prominentes Mitglied der indischstämmigen Bewegung Brahma Kumaris, bevor sie in den Bereich der ufologisch orientierten Esoterik umschwenkte.21

Gemeinsam war diesen Gruppen die Erwartung der Endkatastrophe im Blick auf die Symbolzahl 2000, die Ansicht, selbst zu den wenigen Auserwählten zu gehören, die davor gerettet werden und denen offenbart wurde, dass sie nachtodlich eines Ufo-Transportes zu einer neuen Welt teilhaftig würden, sei diese der Sirius, sei es der „Himmel“ als solcher.

Zahlensymbolik und Zahlenmagie: die Vereinigungskirche

Ein wichtiges Instrument in Endzeiterwartungen und Phasendenken ist die Zahl selbst, ihre Symbolik und ihre Magie. Am prominentesten im Gebrauch dieses Instruments hat sich die Vereinigungskirche bzw. „Familienföderation für den Weltfrieden“ des Sun Myung Moon erwiesen, die zwar aus Korea stammt, aber kraft ihrer starken Zweige in Japan, den USA und in anderen Ländern als internationales Phänomen betrachtet werden kann. Als konkretes Beispiel möchte ich deshalb das heilsgeschichtliche Konzept und die Zeit-Bilder dieser Bewegung aufgreifen.22

Zahlen mit symbolischer Bedeutung und heiligem Charakter sind die 3, die 4 und die 7 sowie ihre Vielfachen 12, 21, 40 bis hin zu 120, 210 und 400.23 Die Symbolik, die die Grundlage des „Göttlichen Prinzips“ und des gesamten Bibelverständnisses der Bewegung bildet, ist im Einzelnen in folgenden Zusammenhängen zu finden: Die Schöpfung Gottes ist ein mathematisches Gebilde. Die Zahl 3 repräsentiert sowohl Gott selbst als auch drei heilsgeschichtliche Phasen. Alle Prozesse der Menschheit auf allen Ebenen werden als Drei-Phasen-Prozesse interpretiert: Formation – Wachstum – Perfektion. Die Grundlage der Schöpfung bildet die Zahl 4, die aus der Entwicklung von einem Ursprung (Gott) über die beiden Positionen, die sich aus der Teilung ergeben (weiblich und männlich), zur vereinten vierten Position („union“) entsteht: 4 als „Erdzahl“. Alle weiteren Zahlenspiele entstehen aus 3 und 4 als Summe, Potenz etc. Die 7 wird zur Schöpfungszahl. Die Zahl 10 als 3 mal 3 plus 1 ist eine „zurückkehrende Zahl“ der Vollendung. Unter Benutzung der Zahl 3 als heilsgeschichtlicher Ordnungszahl wird nun die Geschichte in drei Phasen à 2000 Jahre eingeteilt: Am Anfang der Rechnung finden sich Adam und Eva und ihr Scheitern am Übergang in die Perfektionsphase, als sie der Verlockung des Sündenfalls erliegen und das Rad der Geschichte zurückdrehen. Es beginnt eine 2000-jährige Phase bis hin zu Abraham als Initiator der ersten Entwicklungsphase. Jesus leitet 2000 Jahre später die zweite Entwicklungsphase ein, die wiederum nach 2000 Jahren durch den „Herrn der zweiten Wiederkunft“ beendet und in das Stadium der spirituellen Vollendung überführt wird. Es geht nun darum, den Versuchungen durch Luzifer zu widerstehen und den Satan zu überwinden. Falls die Mission des „Herrn der zweiten Wiederkunft“ nicht erfüllt wird, steht ein erneuter Absturz bevor, wie bereits aus Anlass des Sündenfalls.

Die Erfüllung der Mission ist Aufgabe der gesamten „Familie“, d. h. aller Mitglieder der Vereinigungskirche, keineswegs nur Moons, der Schöpfer des Gedankengebäudes ist und auf den natürlich diese Geschichtskonstruktion zuläuft.24 Ihm werden mithin messianische Qualitäten zugesprochen. So werden sich die Vollendung der „zweiten Entwicklungsphase“ und das Zeitalter der spirituellen Vollendung rechnerisch mit dem Eintritt in das dritte Jahrtausend decken. Präzise Jahreszahlen werden nicht genannt, und auch ein ausdrückliches apokalyptisches Szenario ist nicht vorhanden, ein Umstand, der sich ähnlich wie bei Jehovas Zeugen als schrittweiser Normalisierungsprozess deuten lässt.

Endzeiterwartungen in Japan

Die Zeugen Jehovas haben sich gleichsam Zug um Zug dem äußerlichen Ausbleiben des Endes gebeugt und fast unmerkliche Adaptionen an die herrschenden und mutmaßlich real existierenden Verhältnisse betrieben, bis hin zu der Erlaubnis an die Mitglieder, nun auch an Wahlen teilzunehmen. Auch in Japan hat es religiöse Bewegungen wie etwa die shintoistische Vereinigung Tenrikyō gegeben, die in der Mitte des 19. Jahrhunderts mit eschatologischen Lehrsätzen aufbrachen, diese aber inzwischen bis zur Unkenntlichkeit abgeschwächt haben. Anders ist es bei der buddhistischen Gruppe Aum Shinrikyō, die die Katastrophe in Kauf nahm und sie auch aus bis jetzt noch weithin ungeklärten Gründen teilweise selbst inszenierte.

Das Nahen des Jahres 2000 hat die Rekurse auf Nostradamus25 häufiger werden lassen, auch wenn dies naturgemäß nicht die einzige Quelle für Endzeitdenken ist. Namentlich haben außer Aum die Gruppe Agonshū, eine der wenigen theravada-buddhistischen Bewegungen in Japan, sowie die synkretistische Gruppe Kōfuku no Kagakuund die eher shintoistisch orientierte Gruppe Tenshokyo nostradamische Prophezeiungen adaptiert.

Nostradamus, seit einigen Jahren wieder eine der beliebtesten und meistzitierten Figuren der esoterischen Szene, wurde 1503 in St. Remi als Sohn ursprünglich jüdischer, später katholischer Eltern geboren, war Universalgelehrter, insbesondere aber Arzt und verfasste von 1555 bis zu seinem Tod 1566 insgesamt zehn Gruppen von je 100 vierzeiligen Prophezeiungsgedichten. Als er starb, wurde er damit Opfer seiner eigenen Berufung, denn auch seinen Tod hatte er vorausgesagt. Nostradamus benutzte unzählige Symbole und Metaphern, um der Verfolgung durch Inquisitoren zu entgehen, und auch am sonstigen stehenden Text werden durch Interpreten Änderungen vorgenommen mit dem Hinweis, lediglich das offenzulegen, was Nostradamus in seiner Verfolgungsangst verborgen hätte. So wurde inzwischen vom Aufstieg Adolf Hitlers bis hin zur Erfindung des Automobils, der Ermordung John F. Kennedys und der Einführung des Pentium-Chips und des Weltuntergangs am 11. August 1999 fast alles auf Nostradamus zurückgeführt.26 Nos­tradamus’ (mutmaßliche) Prophezeiung für 1999 lautet: Im Jahr 1999, im siebten Monat, wird vom Himmel ein großer König des Schreckens kommen, der den großen König der Mongolen wieder zum Leben erwecken wird, bevor und nachdem Mars mit gutem Glück regiert hat.27

Das Buch „Die Prophezeiungen des Nostradamus“von Ben Gotō (1973), dem wegen seines Erfolges schnell weitere desselben Autors folgten, lief auf die Botschaft hinaus, dass die Prophezeiungen des Nostradamus im christlichen Kontext erfolgt seien und dass deshalb nur aus der östlichen Spiritualität, insbesondere aus dem Buddhismus, die Wendung kommen könne.

1981 veröffentlichte die 1978 gegründete Gruppe Agonshū ein Buch mit dem Titel „Escape from Harmful Spirits and the Karma of1999“. Der Gründer der Gruppe, Kiriyama Seiyū, entstammte ursprünglich der esoterischen Shingon-Schule des japanischen Buddhismus, wobei hier „Esoterik“ im traditionellen Sinne von geheimen Elementen der Lehre und der Riten gemeint ist, die nur an geweihte Priester weitergegeben werden. Er entwickelte sich bald zum Autor von gut verkauften Büchern im Bereich der Esoterik, wie sie auch im Westen verstanden wird, schrieb über die Entwicklung von psychischer Macht u. a. und entdeckte das Agama-Sutra, das zur Grundlage der neu gegründeten Agonshū wurde. Rituelle Grundlage ist die aus dem Shingon-Buddhismus übernommene Goma-Feuer-Zeremonie.

Kiriyama macht sich einige der auf Nostradamus zurückgeführten Prophezeiungen zu eigen, u. a. die Polsprung-Theorie, die auch im Zusammenhang der Sonnenfinsternis wieder eine Rolle spielte. 1991 schildert ein Buch in Romanform mit dem lapidaren Titel „1999“ seine wichtigsten Positionen und endet damit, dass Menschen, die mit der Lage der Welt höchst unzufrieden sind, ein Atomkraftwerk sprengen und damit der Menschheit insgesamt das Ende bereiten.28 1995 kommt im Anschluss an das Erdbeben von Kobe ein Buch mit dem Titel „Der Juli 1999 nähert sich“ heraus, in dem Kiriyama eine eigene Prophezeiung eines Erdbebens in Tokio im Mai 1995 für nunmehr falsifiziert erklärt. Es werde jedoch ein neues, grauenhaftes Erdbeben 1999 geben, das ein Kernkraftwerk zerstören und atomare Asche auf die ganze Erde regnen lassen werde.

Asahara Shōkō, Gründer und Leiter der Gruppe Aum Shinrikyō29, hat sich 1986 erstmalig in einer Veröffentlichung auf Nos­tradamus und seine 1999-Prophezeiung berufen und Vulkanausbrüche, Erdbeben und Dürre vorausgesagt. 1989 reiste er nach Frankreich, um die Nostradamus-Texte im Original zu lesen und angeblich autoritativ zu übersetzen. Seine tatsächliche Absicht war wohl, seine eigenen Prophezeiungen an denen von Nostradamus verifizieren zu lassen. Noch im selben Jahr und 1991 erschienen einschlägige Bücher von ihm, die auf dieser Beschäftigung beruhten. Asahara führt die Voraussagen seines französischen Vorgängers auf meditationsinduzierte Flüge durch die astrale Welt zurück und beansprucht diese auch für sich selbst. Interessanterweise erklärt er die berühmte 1999-Prophezeiung als späteren Zusatz zum Werk des Nostradamus und seine eigene Weltuntergangsvoraussage mithin als originell: Am 1. August 1999 ereigne sich eine Katastrophe, die ihrerseits der Vorbote einer noch schrecklicheren, endgültigen Katastrophe sei. Es sei jedoch nicht deterministisch von unabwendbaren Ereignissen auszugehen, sondern von durch menschliches Karma beeinflussten und beeinflussbaren Geschehnissen. Bereits 1987 hatte Asahara einen Atomkrieg vorausgesagt, der sich unter bestimmten Umständen ereignen werde, nämlich dass Japan sich ab 1993 wieder aufrüsten und dass zwischen 1999 und 2003 ein Atomkrieg ausbrechen werde. Falls jedoch Aum bis 1993 in jedem Land der Erde wenigstens ein bis zwei Zentren errichtet habe, könne die Katastrophe abgewendet werden. Die Vermehrung von Bodhisattvas wird erwähnt, d. h. die intensive Übung in buddhistischer Praxis. Schon Gotō hatte sich ja in dieser Richtung geäußert. Mit der bedingten Katastrophenanzeige und dem Hinweis auf Abwendungsmechanismen stand Asahara in einer langen Tradition bereits der alttestamentlichen Propheten und kann sich auch auf den japanischen Propheten und Schulgründer Nichiren berufen, dessen Prophezeiungen im 13. Jahrhundert durch die Mongolenstürme ebenfalls verifiziert wurden. Davon hat Nos­tradamus vielleicht Kenntnis gehabt, wenn er in seinem besagten Vierzeiler auf den „Mongolenkönig“ verweist.

Die relativ optimistische Sicht, in der mindestens grundsätzlich die Abwendbarkeit von Katastrophen vorgesehen ist, nimmt Asahara stückweise zurück und sagt bereits 1989 in seinem Buch „Tag des Untergangs“ ein „Harmagedon“ in Gestalt eines Krieges zwischen Russland und Amerika für die Zeit nach 1995 voraus.30

In einer Rede vom Mai 1990 kündigt Asahara an, im Blick auf das durch zeitgeschichtliche Zeichen unausweichlich angekündigte Harmagedon eine „Einrichtung“ (Bunker) für 1500 bis 2000 Menschen zu bauen, die diesen den Eintritt in das Abhasvara (Himmel von Licht und Klang) gewährleisten. Auch Ufo-Visionen und Kometen­erscheinungen werden von ihm erwähnt. Die in der Folgezeit erbauten „Bunker“ der Aum-Gruppe sollten vor allem vor Giftgasangriffen schützen, konventionellen Bombenangriffen hätten sie nicht standgehalten. Die Bunkerfabrik der Sekte in Kamikuishiki war ein funktionales Schutzgebäude, kein postmoderner, aufwendiger Glitzerpalast, wie er sonst für japanische neureligiöse Bewegungen typisch ist.

Die Gruppe trat seit 1990/1991 in ein introvertiertes Stadium ein, in dem es nicht mehr darum ging, den Untergang abzuwenden, sondern bis zum unabwendbaren Untergang möglichst viel zu praktizieren, gutes Karma zu sammeln und nach dem Verlassen des physischen Leibes in höheren Sphären wiedergeboren zu werden. Von dieser nunmehr definitiven Erwartung des Endkrieges bis zur synergis­tischen Mitarbeit und aktiven Herbeiführung der Katastrophe ist es ein kleiner qualitativer Schritt.31 Ob es dieser Schritt war, den die Gruppe am 21. März 1995 getan hat, oder ob andere Motive zum Giftgasanschlag geführt haben, lässt sich letztlich nicht klären. Der faktische Umfang des Anschlags – der sich jedenfalls für einen Weltuntergang nicht eignete – lässt am ehes­ten auf einen präventiven Rachefeldzug in der Interaktion mit der Tokioter Polizei schließen, deren Pläne für eine Aum-Razzia durchgesickert waren.

Die Introversion der Aum-Gruppe und ihre Entscheidung zur aktiven Destruktion beruhten auf für Asahara und seine Biografie spezifischen Umständen, die nicht verallgemeinert werden können. Typisch aber waren die an bestimmte Bedingungen geknüpften Endzeiterwartungen, die schließlich en vogue mit zahlreichen Ufo-Gruppen in Vorbereitungen zur Rettung der auserwählten Gruppenmitglieder in eigens gebauten bunkerähnlichen Gebäuden mündeten. Die Errettung selbst blieb buddhistisch-traditionellem Gedankengut treu und wurde im Falle des physischen Todes als Eintritt in das Abhasvarabzw. Parinirvana vorgestellt.

Eine Konkurrenzreligion im engsten Sinne ist die Gruppe Kōfuku no Kagaku.32 Ihr Gründer Okawa Ryūhō hat allerdings im Unterschied zu Asahara und Kiriyama keine Versager-Laufbahn hinter sich, sondern brach vielmehr eine verheißungsvolle Karriere in der Wirtschaft ab, um religiöser Führer zu werden. Die Gründung seiner Gruppe datiert ebenso wie die von Aum ins Jahre 1986 (Okawa ist 1956 geboren, Asahara 1955) und war von Anfang an von glamourösen Veranstaltungen und einem aufwendigen Veröffentlichungsprogramm begleitet: Okawa hat nach eigenen Behauptungen mehr als 200 Bücher geschrieben, und das dogmatische Œuvre seiner Bewegung reicht von den großen Gestalten der japanischen buddhistischen Geschichte über Konfuzius bis hin zu Jesus Christus. Zu Nostradamus äußerte sich Okawa erstmalig in seinem Buch „Die neuen Prophezeiungen des Nostradamus“ (jap. „Nosutoradamusu no shinyogen“) von 1988. Das Buch ist Teil einer Serie über spirituelle Botschaften der wichtigen religiösen Gestalten; er greift im Wesentlichen die Anliegen von Gotō auf, wendet sie aber optimistischer im Sinne einer Abwendbarkeit der Katastrophe durch die Aneignung höherer spiritueller Kräfte und Energien. Auch die zivilisationsideologischen Aspekte des Gotō’schen Denkens macht er sich zu eigen.

Die Akzente verschieben sich geringfügig in einem Buch, das er gleichzeitig mit dem Golfkrieg 1991 veröffentlichte.33 Hier findet eine scharfe Kritik der amerikanischen Zivilisation und der US-Parteinahme für Israel statt. Ähnlich wie bei Asahara um diese Zeit finden sich nun pessimistischere Töne mit Hinweis darauf, dass es für einen großen Teil der Menschheit keine Zukunft gebe. Zugleich aber schlägt sich der Nationalismus nieder, für den die Gruppe seitdem notorisch ist: Teil des Endzeitszenarien ist, dass Japan sich im letzten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts als große Militärmacht entfaltete und zwischen 2010 und 2020 die Welt erobern werde, um ein goldenes Zeitalter anbrechen zu lassen. Okawa relativiert seine eigenen Prophezeiungen jedoch mit dem Hinweis, dass die Weissagungen des Nostradamus nur zu ca. 70 bis 80 Prozent zuträfen.34

Die Endzeitvisionen stehen hier nicht im eigentlichen Mittelpunkt, was schon die eher mittelfristigen Szenarios zeigen, und sie zeichnen im Vergleich zu den lapidaren Katastrophenerwartungen ein eher differenziertes, wenngleich politisch wirres Bild der Zukunft.

Zusammenfassende Bemerkungen

Wir haben in den unterschiedlichen Beispielen sowohl die Verstärkung von Endzeiterwartungen im Blick auf das Jahrtausendende als auch ihre Abschwächung aufgrund von gruppenspezifischen Dynamiken beobachten können. Ein Krisenbewusstsein, wie es als Nährboden apokalyptischen bzw. millenaristischen Gedankenguts beschrieben wurde, kann in bemerkenswerter spiralförmiger Eigendynamik allein schon durch die Hysterie, die sich an bestimmten Daten festmacht, erzeugt bzw. bestärkt werden. Krisenhaftigkeit, so ist schon ironisch festgestellt worden, ist bisher noch fast jeder Zeit attestiert worden.

In dem im engeren Sinne religiösen Umfeld der Endzeiterwartungen ist bemerkenswert, dass der mutmaßliche Ziehvater chiliastischen Gedankenguts, Zarathrustra, keine spürbare Rolle mehr spielt. Er wurde von der astrologischen Nostradamus-Renaissance abgelöst, die allein in der New-Age- und neureligiösen Szene in Ostasien und in der westlichen Welt zu einem beispiellosen Boom millenaristischen Bewusstseins im Blick auf das Jahr 1999 beigetragen hat. Selbst wenn der von Nos­tradamus visionierte Schreckenskönig im Sommer und im Umfeld der Sonnenfinsternis nicht erschien, müssen die sich in dieser Revitalisierung von apokalyptischen Visionen Raum schaffenden Stimmungen ernst genommen werden: „Wahrscheinlich ist das Bild vom letzten Abgrund das beinahe notwendige Gegenbild zum anderen Bild der ewigen Vollendung und Harmonie.“35 Endzeitängste und -erwartungen bedürfen der Aufarbeitung und Rationalisierung. Sie bedürfen insbesondere einer Entmythisierung und Vernüchterung geschichtlicher Abläufe. Sofern endzeitliche Visionen etwas mit dem Bedürfnis zu tun haben, sich individuell oder kollektiv „zeitliche Geborgenheit“ in Zeiten der seelischen Enthausung zu verschaffen, stellt die apokalyptische Hochkonjunktur auch ein Warnsignal an die Gesellschaft und ihre Organe dar, diese Geborgenheit und Qualität des Lebens auf anderem als „apokalyptischem“ Wege herzustellen.

Endzeiterwartungen und geschichtliche Phaseneinteilungen haben nur selten wirklich etwas mit „Zeit“ zu tun. Die Entstehung des Gedankenguts platzierte die Schöpfer der Konzepte allemal in die Zeit der ultimativen Dekadenz, sei es das dem Mythos nach im Jahre 3102 v. Chr. begonnene Kali-Yuga, sei es das im Mittelalter entstandene buddhistische Dreiphasenkonzept, das die zeitgenössische Jetztzeit als Beginn des dekadenten letzten Zeitalters betrachtete. Hier wurde in Gestalt einer Geschichtstheologie ethisch-homiletische Rede geboten. Das verbindet diese Phasenmodelle partiell mit dem Tenor der Gerichtsansagen in den biblischen Traditionen und im Koran. Zugleich ging es etwa im Gedanken des mappōum die ethische Demokratisierung des Buddhismus im Japan des 12. und 13. Jahrhunderts.36 Hier also tritt die tröstend-seelsorgerliche Funktion apokalyptischer Texte im Angesicht von Verfolgung und Leiden hinter der ethisch-strukturellen Funktion zurück und wird erst wiederbelebt im Modus der dramatischen Finale-Visionen von Ufo-Gruppen37 oder in den an Nostradamus angelehnten Endzeitszenarien japanischer Neureligionen.

Gleichzeitig bleibt die andere Komponente endzeitlichen Denkens wahr: Der Mensch braucht Grenzen sowohl räumlicher als auch zeitlicher Art. Das Wissen um Grenzen und Strukturen macht ihn klug (Ps 90,12). So ist die Projektion einer geschichtlichen Grenze immer schon das Eintragen seiner selbst in ein Koordinatensystem gewesen, das für Sinnsuche, Orientierung, „Behausung“ wichtig ist. Das Fühlenwollen „grenzenloser Freiheit“, so gerne von der Werbung heraufbeschworen, ist allenfalls temporär und nie die wirkliche und permanente Sehnsucht, es sei denn die Sehnsucht, die sich allenfalls auf eine sehr wohl „begrenzte“ Freiheit richtet, die den „Freien“ wissen lässt, dass er jederzeit in heimische Grenzen zurückkehren und sich wieder ins Lot bringen kann. Dabei ist die quantitative Erstreckung von geringer Relevanz: Ob es die unspezifizierte christliche Hoffnung, die vierstellige Erwartung des verfallenden Dharma im Mahayana-Buddhismus oder das in Hundertausenden Jahren gerechnete Kali-Yuga sei, sie alle dienen als Metaphern der jetzigen Befindlichkeit des Sinn suchenden Menschen. Dem gleichen Zweck dient Zeitmessung mithilfe der „Uhr“, immer schon ein sekundäres Konstrukt gegenüber dem natürlichen, ungemessen dahinfließenden Prozess des Werdens und Verfallens. In diesem Sinne ist auch die christliche Zeit zwar „offen“ (im Sinne des Aufbrechens eines mythisch-zyklischen Zeitgefüges38), sie ist aber vom „Advent“ bestimmt und lässt den Menschen in dieser Hoffnung „beheimatet“ sein.


Ulrich Dehn, Hamburg


Anmerkungen

1 Vortrag auf der EZW-Jahrestagung für landeskirchliche Sekten- und Weltanschauungsbeauftragte in Hamburg im Mai 2011.

2 Vgl. Gerhard von Rad, Theologie des Alten Testaments, Bd. 2: Die Theologie der prophetischen Überlieferungen Israels, München 1960, 108-133.

3 So im apostolischen Schreiben „Tertio Millennio Adveniente“, 1995, IV, 40-55, wo auch eine starke Verbindung zwischen dem Millenniumswechsel und den Marienerscheinungen (drittes Geheimnis von Fatima etc.) hergestellt wird (vgl. Damian Thompson, The End of Time: Faith and Fear in the Shadow of the Millennium, London 1996).

4 Vgl. Hillel Schwartz, Millenarianism: An Overview, in: Mircea Eliade (Hg.), The Encyclopedia of Religion, Bd. 9, New York 1987, 521-532, 527.

5 Vgl. Art. „Perfektionisten“, in: Evangelisches Kirchenlexikon, Bd. 3 (L-R), Göttingen 31992, 1120-1123.

6 Hinweis von Inken Prohl, Mit japanischer „Spiritualität“ ins nächste Jahrtausend?, Referat auf der Jahrestagung der Deutschen Vereinigung für Religionsgeschichte, Tübingen 1.-10. Oktober 1999.

7 Vgl. Jochen Hiltmann, Miruk. Die heiligen Steine Koreas, Frankfurt a. M./New York 1987.

8 Vgl. Lewis R. Lancaster, Maitreya, in: Mircea Eliade (Hg.), The Encyclopedia of Religion, Bd. 9, a.a.O., 136-141, bes. 140.

9 Vgl. Joseph M. Kitagawa, The Many Faces of Maitreya, in: Alan Sponberg/Helen Hardacre (Hg.), Maitreya, the Future Buddha, Cambridge 1988, 7-22, 7.

10 Allerdings ebenso für die Aufrechterhaltung der Weltordnung und die Segnung und Befreiung derer, die nach wahrer Gotteserkenntnis streben!

11 Vgl. Schalom Ben-Chorin, Jüdischer Glaube. Strukturen einer Theologie des Judentums anhand des Maimonidischen Credo, Tübinger Vorlesungen, Tübingen 21979.

12 Zu diesem Abschnitt vgl. Olaf Schumann, Die Apokalyptik im Islam, in: Wolfgang Vögele/Richard Schenk (Hg.), Apokalypse, Vortragsreihe zum Ende des Jahrtausends, Loccum 2000.

13 Zeitliche Ansetzung zwischen dem letzten Viertel des 2. vorchristlichen Jahrtausends und dem 6. Jahrhundert.

14 Vgl. Livia Kühn, The Beginnings and Cultural Characteristics of East Asian Millenarianism, in: Japa­nese Religions 23, 1+2/1998, 29-51, 29f.

15 Vgl. Hillel Schwartz, Millenarianism, a.a.O., 524.

16 Vgl. Günther Pape, Zeugen Jehovas, in: Hans Gasper/Joachim Müller/Friederike Valentin (Hg.), Lexikon der Sekten, Sondergruppen und Weltanschauungen, Freiburg i. Br. 51997, 1178-1186, 1178f.

17 Vgl. Klaus-Dieter Pape, Die Zeugen Jehovas und das Ende der Welt, in: Joachim Finger (Hg.), Vom Ende der Zeiten. Apokalyptische Visionen vor der Jahrtausendwende, Freiburg (Schweiz) 1999, 52-59.

18 Vgl. Jürgen Moltmann, Das Kommen Gottes. Christliche Eschatologie, Gütersloh 1995, 193f; Paul Boyer, When Time Shall Be No More: Prophecy Belief in Modern American Culture, Cambridge, MA/London 1992.

19 Vgl. Samuel P. Huntington, Kampf der Kulturen (The Clash of Civilizations). Die Neugestaltung der Weltpolitik im 21. Jahrhundert, München 1996; in kritischer Replik dazu Martin Riesebrodt, Die Rückkehr der Religionen. Fundamentalismus und der „Kampf der Kulturen“, München 2000; Christoph Butterwegge, Fundamentalismus und Gewalt als Grundmuster der Weltpolitik? Zur Kritik an Samuel P. Huntingtons These vom „Kampf der Kulturen“, in: Wolf-Dietrich Bukow/Markus Ottersbach (Hg.), Der Fundamentalismusverdacht. Plädoyer für eine Neuorientierung der Forschung im Umgang mit allochthonen Jugendlichen, Opladen 1999, 36-49.

20 Vgl. Andreas Grünschloß, Wenn die Götter landen ... Religiöse Dimensionen des UFO-Glaubens, EZW-Texte 153, Berlin 2000.

21 Vgl. Reinhart Hummel, Sektiererische Selbstvernichtung: Ein Rückblick auf das Ende des Sonnentemplerordens, in: MD 2/1998, 50-53.

22 Für eine umfassende Information vgl. Reinhart Hummel, Vereinigungskirche – die „Moon-Sekte“ im Wandel, Neukirchen-Vluyn 1998; Thomas Kern/Carsten Wippermann, Interview mit Hwang Sun-Jo, Präsident der koreanischen „Familienföderation für den Weltfrieden“, in: MD 1/1999, 13-22; dies., Das „neue“ Gesicht der Vereinigungskirche San-Myung Moons, in: MD 2/1999, 40-50.

23 Vgl. Philipp Flammer, Gruppen unter Zeitdruck – Wie in Sekten Zeit-Bilder gemeinschaftsregulierend funktionieren, in: Joachim Finger (Hg.), Vom Ende der Zeiten, a.a.O., 171-192, bes. 175-179.

24 Vgl. ebd., 180ff.

25 Vgl. Robert Kisala, 1999 and Beyond. The Use of Nostradamus’ Prophecies by Japanese Religions, in: Japanese Religions 23, 1-2/1998, 143-157.

26 Vgl. ebd., 144.

27 Gedicht Nr. CX-72, in: Edgar Leoni, Nostradamus and His Prophecies, New York 1982.

28 Vgl. Rainer Waßner, Japanische Religiosität heute, EZW-Informationen 122, Stuttgart 1993, 25ff.

29 Zu Aum Shinrikyō allgemein vgl. Martin Repp, Aum Shinrikyō. Ein Kapitel krimineller Religionsgeschichte, Marburg 1997; Ulrich Dehn: Aum Shinrikyō. Radikalisierung einer Sekte, in: MD 2/1996, 43-49.

30 Vgl. Robert Kisala, 1999 and Beyond, a.a.O., 150f.

31 Vgl. Martin Repp, Aum Shinrikyō, a.a.O., 34-38.

32 Grundlegend vgl. Trevor Astley, The Transformation of a Recent Japanese New Religion: Ōkawa Ryūhō and Kōfuku no Kagaku, in: Japanese Journal of Religious Studies 22, 3-4/1995, 343-380.

33 Nosutoradamusu senritsu no keiji (Die schrecklichen Offenbarungen des Nostradamus).

34 Vgl. Robert Kisala, 1999 and Beyond, a.a.O., 151f; Ulrich Dehn, Neue religiöse Bewegungen in Japan, Berlin 1996.

35 Georg Schmid, Leben am Abgrund, in: Joachim Finger (Hg.), Vom Ende der Zeiten, a.a.O., 9-14, 12.

36 Die Schrift „Mappotomyoki“, in der die Idee der drei Phasen entfaltet wird, wird allgemein dem japanischen Mönch Saichō (767 – 822) zugeschrieben. Volker Zotz (Geschichte der buddhistischen Philosophie, Reinbek 1996, 327, Anm. 24) meldet daran Zweifel an.

37 Vgl. Andreas Grünschloß, Wenn die Götter landen, a.a.O.

38 Vgl. Wolfgang Achtner/Stefan Kunz/Thomas Walter, Dimensionen der Zeit. Die Zeitstrukturen Gottes, der Welt und des Menschen, Darmstadt 1998, 168. An anderer Stelle habe ich darauf hingewiesen, dass auch vermeintlich rein lineare Zeit- und Geschichtskonzeptionen zyklische Elemente haben, als alle Erwartungen sich aus bereits Dagewesenem nähren und dies kreativ neu formulieren. Eine allzu starke Kontrastierung zyklischen und linearen Geschichtsdenkens erscheint geistesgeschichtlich nicht sinnvoll (vgl. Ulrich Dehn, Geschichte und Eschatologie im Gespräch zwischen Buddhismus und Christentum, in: Evangelische Theologie 4/1994, 347-361, bes. 356).