Pfingstbewegung

Yonggi Cho verurteilt

Der südkoreanische Pastor David Yonggi Cho, Leiter der größten Pfingstgemeinde der Welt, der „Yoido Full Gospel Church“ (ca. 800000 Mitglieder), wurde im Februar 2014 zu drei Jahren Haft wegen der Veruntreuung von Kollektengeldern und Steuerhinterziehung verurteilt. Aufgrund seiner gesellschaftlichen Verdienste wurde die Strafe zur Bewährung ausgesetzt. Den finanziellen Schaden, den er seiner Gemeinde zugefügt hat, muss er ausgleichen und zusätzlich eine Geldstrafe zahlen. Sein Sohn Cho Hee-jun wurde ebenfalls zu drei Jahren Haft verurteilt, da er offenbar an dem Finanzskandal beteiligt war. Yonggi Cho soll Mitarbeiter seiner Kirche angewiesen haben, mit Geldern, die der Kirche gespendet worden waren, seinem Sohn zu helfen, der Verluste durch Börsenspekulationen zu verbuchen hatte. Der ursprünglich im Buddhismus beheimatete Südkoreaner Cho konvertierte mit 17 Jahren zum Christentum. Nach der Genesung von einer Tuberkuloseerkrankung, nach Visionen und spirituellen Erfahrungen, vor allem den Erfahrungen von Glossolalie und Prophetie, fühlte er sich zum Verkündigungsdienst berufen. Er besuchte eine Bibelschule der pfingstlerischen „Assemblies of God“. Seine zunächst nur aus fünf Personen bestehende Gemeinde wuchs schnell und zählte zehn Jahre später ca. 8000 Mitglieder. Da er so viele Gläubige unmöglich allein betreuen konnte, führte er das System der „Zellversammlungen“ ein, das weitere Missionserfolge in Seoul ermöglichte: Er unterteilte die Stadt in 20 Gebiete, in denen er je einen Prediger einsetzte. Sobald die Zahl der Gemeindeglieder in einer „Zelle“ so stark angewachsen war, dass diese von einem Geistlichen allein nicht mehr versorgt werden konnte, wurde sie wiederum geteilt. Als die Zahl der Gottesdienstbesucher weiter wuchs, baute Cho 1973 auf der Insel Yoido eine Kirche mit 10000 Plätzen. 1976 gründete er „Church Growth International“, um seinen Dienst international auszuweiten. Er wurde weltweit Vorbild für viele Pastoren. Auch in Deutschland wirkte seine Missionsarbeit, so predigte er etwa im „Christlichen Zentrum Berlin“, das in den 1980er Jahren von dem „Jesus-People“-Pastor Volkhard Spitzer geleitet wurde. Außerdem veranlasste er durch Kontakte mit Siegfried Müller seit 1970 den Ausbau des „Missionswerks Karlsruhe“, das ein vielseitiges Angebot im Tätigkeitsbereich der Evangelisation aufweist, inklusive Gottesdienstübertragungen im Privatfernsehen (v.a. auf Tele 5 und Bibel TV).

Chos Theologie ist von umstrittenen mystischen Motiven mitbestimmt, die häufig Anlass zur Kritik an ihm und seiner Lehre waren, vor allem ausgehend von Persönlichkeiten, die einem konservativen Evangelikalismus zuzurechnen sind, wie Michael Horton und Dave Hunt. Die Konflikte führten sogar dazu, dass Cho für einige Zeit von den koreanischen Assemblies of God, deren Vorsitzender er seit 1966 war, die Befugnis zur Leiterschaft entzogen wurde. Er musste sich wiederholt gegen Vorwürfe des Ahnenkultes und des Schamanismus verteidigen.

Vor dem Gerichtsverfahren hatten enge Vertraute versucht, Cho von seinen Straftaten abzubringen, die bereits seit Jahren intern bekannt waren. Reue zeigte er erst nach der Anzeige im November 2013. Der Pfingstprediger sagte, er hoffe, auch weiterhin für den Dienst im Königreich Gottes eintreten zu dürfen. Welche Auswirkungen das Urteil auf seine Gemeinde und die internationale pentekostale Bewegung haben wird, bleibt abzuwarten.


Carsten Baumgart, Leipzig