Monika Nawrot

Die „Hamsa Yoga Sangh“-Seelengemeinschaft

Es stellt sich immer wieder die Frage, was eigentlich die Faszination für indische Yogalehren im Westen ausmacht. Übermittelt wurden diese vor ungefähr hundert Jahren, ein breiteres Interesse erreichen sie erst seit einigen Jahrzehnten. Sicher liegt die besondere Faszination, die von Yoga (Wortbedeutung: Vereinigung, Verbindung, Kontakt) ausgeht, in der Kombination einer Einbettung in ein System östlicher spiritueller Denkweisen und deren körperbezogener Disziplin, aber gewiss auch in ihrer Erfahrbarkeit.

Im Laufe der Zeit haben sich im Westen verschiedene indische Yogameister etabliert, deren Unterrichtsmethoden und Schwerpunkte aber zum Teil erheblich voneinander abweichen, was wiederum die große Bandbreite des Yoga widerspiegelt. So umfasst Yoga spirituelle Denk- und Lebensweisen genauso wie Konzentrations- und Meditationsexerzitien oder Körper- und Atemübungen. Am weitesten hat sich im Westen heute der Hatha-Yoga verbreitet, welcher die Körper- und Atemübungen in den Mittelpunkt stellt.1

Eine weltweite Seelengemeinschaft

Einer der indischen Yogameister, die sich im Westen etabliert haben, ist Yogiraj SatGurunath2 Siddhanath3. Auf ihn beruft sich die „Hamsa Yoga Sangh“, eine weltweite „Seelengemeinschaft“ vieler tausend „Hamsas“ (Hamsa bedeutet Schwan oder Seele, in diesem Fall auch Schüler). In den offiziellen deutschen Hamsa-Yoga-Sangh-Zentren in Berlin, am Bodensee und in Wuppertal können sein klassischer Kriya-Yoga und auch Siddhanath Hamsa Yoga, Siddhanath Surya4 Yoga, Hamsa Asanas5 sowie die Erdfriedensmeditation6 erlernt werden. Hier unterstützen die 15 vom Yogiraj allein in Deutschland initiierten Lehrer7 seine Mission für Erdfrieden und unterrichten in den Zentren auf insgesamt fünf Stufen. Diese Stufen spiegeln die Techniken wider, welche die Lehrer unterrichten, und zeigen an, welche Einweihungen sie geben dürfen.

Die Erdfriedensmeditation nach Yogiraj SatGurunath bieten weltweit alle Zentren der Hamsa Yoga Sangh an jedem dritten Samstag eines Monats an. Die Übungsanleitung zu dieser Meditation kann von der Homepage siddhanath.de heruntergeladen werden. An Vollmondtagen führen alle Mitglieder und Freunde der Hamsa Yoga Sangh die Erdfriedensmeditation zu Hause durch. Die Lehrer und Lehrerinnen dienen auch als Ansprechpartner und helfen bei der Organisation der jährlichen Veranstaltungen mit Yogiraj Gurunath mit.

Ein Satsang mit dem Meister

Satsang (skrt. satsanga) bedeutet nach Martin Mittwede „Gemeinschaft, Gesellschaft der Guten, Gotthingegebenen, der Weisen; gute Gesellschaft oder guter Umgang; Kontakt mit den weisen und tugendhaften Menschen. Satsanga ist für den sâdhaka [d. i. Schüler; M.N.] eine wichtige Hilfe auf dem Weg der Entwicklung; denn die Menschen, mit denen man zusammen seine Zeit verbringt, haben bis in das Innere hinein einen tiefgreifenden Einfluß. Im satsanga ist in der gebündelten Kraft der Gemeinschaft ein Fortschritt möglich, der einem allein sehr schwerfiele, wenn nicht sogar unmöglich wäre. Letztlich geht es um das Erleben des Seins (sat), welches die grundlegende Wahrheit des Universums ist. So kann die Gegenwart eines Heiligen bewirken, dass der Funke der göttlichen Intuition von ihm auf die Anwesenden überspringt, während die Gemeinschaft mit anderen Gottsuchenden durch die gegenseitige Inspiration ebenfalls eine große Hilfe sein kann. Deshalb wird dem spirituell Strebenden der satsanga empfohlen.“8 Wenn der Meister den Ort des Geschehens betritt, erhebt man sich aus Respekt von seinem Platz und bleibt so lange stehen, bis er selbst Platz genommen hat. In der Regel sitzt der Meister in einer etwas erhöhten Position vor der Gruppe und eröffnet den Satsang mit einem Mantra, das von ihm gesungen wird.

Auf einer Streuobstwiese des Frankfurter Lohrbergs haben sich am 23. Mai 2017 einige am Hatha-9 sowie am spezielleren „Siddhanath Hamsa“-Yoga10 des Meisters Interessierte zu einem Satsang mit Yogiraj SatGurunath Siddhanath eingefunden, der von seinen Anhängern liebevoll Gurunath genannt wird. Er eröffnet den Satsang mit einer Ansprache in einem gut verständlichen Englisch, welches aber auch noch ins Deutsche übersetzt wird.

Yogiraj SatGurunath erklärt, die Yogatradition des Kriya-Yoga sei die der praktischen Bemühung, welche zum Pfad des Nicht-Handelns (Akarma) führen soll. Kriya Yoga soll nicht ideologisch, nicht konfessionell, nicht dogmatisch, nicht sektiererisch und nicht religiös sein. Der Meister betont, dass bei vielen westlichen Yoga-Angeboten der spirituelle Aspekt zugunsten von Entspannungsübungen und Gymnastiken in den Hintergrund gerate. Des Weiteren erläutert er, einen stark hinduistisch geprägten Yoga in der Tradition von Babaji Gorakshanath zu lehren und jeden, der ihm sein Herz öffne, zu transformieren.

Bevor Gurunath zu einer Atemübung übergeht, berichtet er über das Geschenk Indiens an die Menschheit. „Ungefähr 300 Jahre n. Chr. gründete der buddhistische Patriarch Bodhidharma, ein indischer Yogi, den Shaolin-Tempel in China.11 Er begründete die Dhyana (Zen)-Schule des chinesischen und japanischen Buddhismus. Er lehrte auch die Kampfkunst Mushti Prahara, die Technik, mit der man die Lebenszentren (Marmashtana) angreift und den Feind sogar teilweise gefechtsunfähig macht. Er warnte seine Schüler gleichwohl, diese Fertigkeit niemals zu aggressiven Zwecken einzusetzen, sondern ausschließlich zur Selbstverteidigung. Später wurde dies zum Shaolin Kung Fu, zum Tai Chi Chuan und zum japanischen Karate. Indien ist seit undenklichen Zeiten die Quelle heiliger Weisheit und heilenden Wissens für die ganze Welt gewesen. Dieser selbstlose Dienst der erleuchteten Yogis wurde von den Völkern, die hierdurch spirituell, materiell und kulturell auf diese Weise profitiert haben, weitgehend ausgeblendet, vergessen oder ignoriert … Gegenwärtig findet ein Austausch zwischen Ost und West statt, da der Westen keine Wertschätzung für etwas hat, das kostenlos ist … Bei all meinen Reisen durch die ganze Welt habe ich erkannt, dass Indien trotz seiner Unzulänglichkeit der spirituelle Dynamo der Welt ist. Es wird der Welt im Laufe der Zeit immer mehr den Weg der Weisheit zeigen.“12

Bei der hohen Kunst des tiefen Atmens soll es um die Erkenntnis des innewohnenden Göttlichen gehen, da die Göttlichkeit im Wesenskern eines jeden Menschen liege. Die Atemtechniken sind laut Yogiraj SatGurunath so gestaltet, dass sich negative Syndrome auflösen sollen, ohne einen übermäßigen emotionalen Aufruhr zu verursachen. Auch während des Satsangs auf dem Frankfurter Lohrberg übt Gurunath zusammen mit den Teilnehmerinnen und Teilnehmern die rhythmisierte Atmung.

Zur täglichen spirituellen Praxis brauche der Schüler Durchhaltevermögen in allen Lebensphasen, vor allem in schwierigen Zeiten voller Ängste und Zweifel. Gurunaths Wunsch ist es, dass seine Schüler das Taschenbuch „Gurunath Gita“ mit einer Auswahl seiner meisterhaften „Poetries“ stets bei sich tragen, da es ihnen in ihrer sadhana (spirituellen Praxis) helfen soll.

Yogiraj SatGurunaths Werdegang

Gurunath wurde am 10. Mai 1944 in Indien geboren. Seine Mutter beschäftigte sich mit Astrologie und glaubte, dass seine Geburt dem Willen von Shiva Goraksha Babaji entsprochen habe und von diesem gesegnet sei. Sie sagte ihm stets, seine Sterne stünden so, dass er nicht umhin könne zu meditieren und später das Leben eines yogischen Familienvaters zu führen.

Gurunath wuchs nach eigener Darstellung in einer hochstehenden aristokratischen Familie im Staat Gwalior auf und hatte viel Zeit, den großen Epen wie dem Ramayana und dem Mahabharata, welche in Indien von Eltern und Großeltern erzählt werden, zu lauschen. Beeindruckt wurde er jedoch von den Buddha-Legenden und den Erzählungen Ramas und Krishnas. Inspiriert durch ein Bild Shivas, auf dem dieser sich in tiefer Meditation befindet, begann er, nachts lange zu meditieren.

Das umfangreiche Wissen seines Vaters über die Bhagavadgita bewog ihn, die Philosophie Indiens zu studieren. Die Bhagavadgita (der Gesang des Erhabenen, das Lied Gottes, Ausschnitt aus dem 13. Buch des Mahabaratha) ist ein philosophisches Lehrgedicht, das von vielen Menschen als heilig betrachtet wird. Sie ist ein Gespräch zwischen Krishna, der den ewigen Geist repräsentiert, und seinem Schüler Arjuna, der für das Denken steht. Krishna zeigt ihm die Wege von Erkenntnis, Gottesliebe, selbstlosem Tun und Meditation, welche die klassischen Hauptwege des Yoga sind. Vor allem das sechste Kapitel stellte eine große Unterstützung für Gurunaths Yoga-Übungen bereit. Eliade betont, die Bhagavadgita erkenne dem Yoga eine hervorragende Bedeutung zu. „Allerdings ist der von Krsna in diesem Meisterwerk indischer Spiritualität dargestellte und empfohlene Yoga weder der klassische Yoga des Patanjali noch eine Summe der ‚magischen‘ Techniken …, sondern ein dem visnuitischen religiösen Erleben angepasster Yoga, eine Methode zum Erreichen der unio mystica.“13

Gurunath soll bereits im Alter von drei Jahren spontane erleuchtete Zustände erlebt haben. Auch wird behauptet, er habe mit vier Jahren viele Stunden allein in der Meditation verbracht, und eigenen Angaben zufolge hat er Visionen von Shiva und Krishna erhalten. Bei Sonnenaufgang meditierte er zusammen mit seinem Großvater.

Für eine Weile wohnte die Familie auf ihrem Anwesen, das Gai Ghat hieß und am Ufer des Ganges in der Stadt Benares (Varanasi) lag. Über seine Schulzeit schreibt er, dass abgesehen von dem christlichen Einfluss auf sein Denken, den er durchaus schätzte, diese mit Streichen, Spaß und Lernen verging.14

Im Jahr 1967 beendete Gurunath seine Ausbildung am staatlichen Fergusson College in Poona und bewarb sich bei einem Industrieunternehmen. Als er feststellte, dass er am Schreibtisch mehr meditierte als arbeitete, kam es zu einem Wendepunkt in seinem Leben. Er kündigte seinen Arbeitsplatz, um fortan dem Göttlichen zu dienen. Im Anschluss brach er zu der alten Stadt Vrideshwar auf, um Shiva Goraksha Babaji zu begegnen. Dort fühlte er in seinem Innersten, dass er imstande sei, die Energie seines denkenden Geistes anderen zu übertragen sowie die Gabe der Heilung zu besitzen. Er vermutet, dass sich aufgrund seiner Samskaras (Übergänge) aus den vergangenen Leben sein Innerer Meister entwickelte.

So vergingen viele Jahre in Meditation, Hingabe und Dienst an den Menschen. Die Anleitung durch Meister wie Gagangiri Maharaj, Swami Satyanandagiri, Hariharananda, Shiva Bal Yogiri, Neemkaroli Baba sowie Anandamayi Ma half Gurunath nach eigener Aussage, sein Selbst in seinen Meditationen und Avastas (Bewustseinsebene oder -zustand) zu festigen.15 Die shramischen16 Lehren der Nath Yogis führten ihn durch den Amanaska17 Yoga von Gorakshanath zum Bewusstsein eines sogenannten stillen Geistes. Durch diesen Yoga wurden die Lehren des Hamsa18-Yoga inspiriert. Er lehrte den sich fortan als spirituellen Meister erkennenden Schüler, im Hier und Jetzt zu sein.19

Gurunaths Erfahrung mit dem Christus

Das Ziel aller indischen Philosophien und Mystiken ist es, sich vom „Leiden“ zu befreien. Die große Bedeutung, welche alle indischen Metaphysiken bis zur Askesetechnik und Kontemplationsmethode des Yoga fundamental der „Erkenntnis“ beimessen, erklärt sich aus den Gründen menschlichen Erleidens. Der Yogi glaubt im Unterschied zum Psychoanalytiker, dass das Unterbewusste durch Askese beherrscht und mittels der Technik einer Einung von Bewusstseinszuständen völlig unterworfen und somit kontrolliert werden könne.20

Während Gurunath in Indien die Schule und später auch das College besuchte, kam er immer wieder persönlich oder in seinen Visionen mit großen Weisen oder Yogis des Himalaya in Kontakt. Um Menschen in ihrem Glauben zu inspirieren und damit sie sich in der Kunst der Bewusstseinsentwicklung üben, berichtet er gerne über diese Erfahrungen und Begegnungen21– so auch zum Thema „Die Erfahrung mit dem Christus in Jesus“.

„Um 22 Uhr hatte ich eine wunderbare Erfahrung, einen Traum, in dem ich Jesus den Christus sah, wie er zu seinen Schülern sprach, unter denen auch ich saß. Er kam auf mich zu, lächelte und sagte: ‚Mach die gute Arbeit weiter, die Bemühung, die Menschheit in einer Religion und einem Bewusstsein zusammenzuführen.‘ Mit diesen Worten legte er sanft seine Hand auf meine Stirn und segnete mich. Mir war bewusst, dass ich träumte, und ich sagte zu Christus: ‚Bin ich nicht mehr wert, dass du mich nur im Traum segnest? Bitte lass diesen Segen Wirklichkeit werden.‘ Nach einer Weile endete mein Traum. Ich öffnete meine Augen und zu meiner großen Überraschung ... lag die Hand, die mich gesegnet hatte, immer noch auf meiner Stirn. Ich bekam einen Schweißausbruch und wusste nicht, was ich sagen sollte. Die Göttliche Gestalt sprach ebenfalls nicht. Seine Gesichtszüge waren scharf geschnitten, er hatte eine markante, lange Nase und tiefliegende braune Augen, die ein Göttliches Licht ausstrahlten. Es war, als ob seine Augen zu mir sprachen: ‚Komm, ich werde dir den Weg zeigen.‘ Er hatte dunkelbraune, etwas lockige Haare, die zu seiner goldbraunen Hautfarbe passten. Zuerst hielt ich ihn für einen Inder königlichen Geschlechts, für den großen König Vikramaditya. Später wurde mir seine sanfte, liebevolle Erscheinung bewusst. Seine Aura erfüllte mein Herz mit einer süßen Liebe. Er trug ein jüdisch-palästinensisches Gewand, und seine Hände waren ebenso warm wie sein Lächeln. Still segnete er mich, indem er jene Hände aus Fleisch und Blut auf meinen Kopf legte. Ich war außer mir und konnte meine Liebe zu ihm kaum beherrschen. Ich war völlig wach und versuchte mich zu bewegen, doch ich konnte mich nicht vom Bett erheben. Wellen von Energie strömten durch meinen Körper. Dann begann sich der Göttliche Körper von Christus in Jesus vor meinen Augen aufzulösen, bis er nicht mehr sichtbar war. Die Erscheinung war plötzlich zu Ende und sie bestärkte eine karmische Verbindung zwischen ihm und mir aus meinem vergangenem Leben, in dem ich ihn im Himalaya im Ashram eines Nath Yogis getroffen hatte ... Den großen Yogi hatte ich nicht kennenlernen können, doch es war klar, dass Jesus in diesem Ashram Nath Yoga lernte.“22

Prana-Heilung mit Sonnenkraft

Indische Asketen kennen vier Modalitäten des Bewusstseins: das Tagesbewusstsein, das Bewusstsein des Schlafes mit Träumen, das des traumlosen Schlafes und das „kataleptische“ Bewusstsein. Durch allmähliches Verlängern der Aus- und Einatmung (pranayama), wobei das Ziel ein möglichst großes Intervall zwischen diesen beiden Teilen der Atmung sein soll, ist es dem Yogi möglich, in alle Bewusstseinsmodalitäten einzudringen.23 Eliade betont, dass die experimentelle Erprobung der vier Bewusstseinsmodalitäten, denen natürlich ein bestimmter Atemrhythmus entspricht, sowie die Einung des „Bewusstseins“, welche sich daraus ergibt, dass der Yogi die Diskontinuität zwischen diesen vier Modalitäten aufhebt, jedoch erst nach langer Praxis erreicht werden kann.24

Gurunath entwickelte im Laufe seines Yogawegs einen dynamischen Vorgang der Selbstheilung, den er Otaprot Surya (osmotische Sonnenheilung) nannte. Da jedoch bestimmte Übungen als zu fortgeschritten erscheinen mögen, können diese Techniken nicht allen Menschen vermittelt werden. Seine Schüler müsse er eine einfachere solare Selbstheilungstechnik lehren. Die Surya-Selbstheilungstechnik wirke vor allem reinigend und verjüngend, denn wenn man die Energie der spirituellen Sonne aufnehme, sollen alle Gifte aus dem System ausgeschieden werden. Während der Praxis des solaren Pranayamas (Atemregulierung) kommen tiefliegende Syndrome und negative Verhaltensmuster an die Oberfläche. Nach SatGurunath ist die Sonne unser unmittelbarer Gott, weil die Sonne die Eine sei, unter der wir uns bewegen und leben.

Auf der Homepage ist zu lesen, dass von Sonnenlicht und Prana durch das dritte Auge (skrt. Shakra) die Sekretion von Melatonin in der Zirbeldrüse gesteigert werde und damit die natürliche Fähigkeit des Körpers zur Selbstheilung gegeben sei. Wie auch beispielsweise in der japanischen religiösen Organisation Mahikari wird hier angenommen, die Zirbeldrüse sei das Organ, in dem Leib und Seele (Psyche) interagieren. Auch ist hier eine Parallele zum ontologischen Dualismus (Descartes) erkennbar: Geist und Materie bilden zwar zwei miteinander zusammenhängende, aber in wesentlichen Zügen autonome Seinsbereiche.25

Eine verstärkte Heilenergie des Meisters soll an den Meisterfeiern wirken. Diese finden im Zentrum Bodensee statt. Zu den Meisterfeiern wird um eine Blume und eine Geldspende gebeten. Die Blume ist ein Symbol der Hingabe an Gott und an den Meister. Die Geldspende, die Gurunath persönlich übergeben wird, manifestiert die treue Ergebenheit aller Anhänger. Auch an den Vollmondtagen soll eine Shaktipat-Übertragung26 stattfinden.

Spirituelles Netzwerk

Netzwerke führen Menschen zusammen. Im Internet kann man die rasche Zunahme von spirituellen Netzwerken feststellen, welche mannigfache Möglichkeiten zur Meditation, begleitete Unterstützung in Krisen, Krankheits- oder Umbruchphasen oder ein unmittelbar (inter-)aktives Mitwirken bieten.

Auch Gurunath entwickelte ein spirituelles Netzwerk. Dieses Netzwerk des Lichts und des Atems soll eine astrale Lichtverbindung (Hamsanet) darstellen, und alle Schüler (Hamsas) mit dem Satguru und untereinander verbinden: Es handelt sich hierbei um spirituelle Lichter, welche den Menschen die Erkenntnis ermöglichen, dass die Menschheit auf der Ebene des Seelenbewusstseins ein Eines sei. Gurunath nimmt an, dass die Zentren jener Schüler, die sich auf diese Weise entwickeln möchten, mit den Zentren des Meisters verbunden sind, und deshalb werde der Geist seiner Schüler mit seinem Geist vereint. Diese Verbindungen befänden sich hauptsächlich an den drei Hauptzentren von Nabel, Herz und drittem Auge. Der Meister verbindet sich mit den Schülern auf diesen drei Ebenen, weil er mit ihnen arbeiten und sie entwickeln möchte.27

Er erklärt dies folgendermaßen: „Ich, der ich nicht als getrennte Wesenheit existiere und damit mit dem größeren Selbst der Menschheit übereinstimme, werde zum vorbestimmten Zeitpunkt in das Bewusstsein eines jeden Einzelnen eintreten, der sich auf mich eingestellt hat. Es ist, als würde ich ein Zeichen geben und in die Hände klatschen und genau in dem Moment wird mein Bewusstsein in den Geist all jener Menschen eingehen und ihr Geist wird sich so verwandeln, dass er am geeinten Bewusstsein teilhat … Diejenigen, die mit mir in Einklang sind, werden das geeinte Feld des Bewusstseins spüren. Dieses Ziel des Erdfriedens durch inneren Frieden hat mich dazu veranlasst, in der ganzen Welt Konferenzen zum geeinten Bewusstsein (Unified-Consciousness Conferences/U.C.C’s) zu veranstalten.“28

Diese Form von spiritueller Verbindung wird auch in einigen japanischen religiösen Organisationen praktiziert. So starteten beispielsweise nach der Katastrophe vom 11. März 2011 in Japan zahlreiche religiöse Organisationen, die nicht unmittelbar helfen konnten, Gebetsaufrufe und Ketten, um den Betroffenen durch geistige Kraft Beistand zu leisten.

Yoga wird in der Hamsa Yoga Sangh im Kontext hinduistischen Gedankenguts verstanden und ist weit mehr als Gymnastik und Entspannung. Der Schüler braucht zur täglichen spirituellen Praxis Durchhaltevermögen in allen Lebensphasen. In seinen New Life Awakening Retreats verspricht Gurunath die Wiederherstellung körperlicher Energie, die Linderung körperlicher und emotionaler Leiden sowie die Steigerung von Kreativität und geistiger Klarheit.


Monika Nawrot


Anmerkungen

  1. Siehe hierzu Eißler 2009, 192.
  2. Nach Yogiraj SatGurunath 2011, 387, 382, bedeutet Satguru: „Der spirituell Gewichtige“, ein Meister, der das im Menschen wohnende spirituelle Licht freisetzt, ein erleuchteter Aspekt des Göttlichen. Nath: „Herr“, Bezeichnung der Meister des Yoga, der Herren aller Yoga-Formen.
  3. Siddha: „fähig“, eine Person, die das wahre Selbst erkannt oder Selbsterkenntnis erreicht hat.
  4. Surya (skrt.): „Sonne“, Name des Sonnengottes.
  5. Asana (skrt): „der Sitz“: Bezeichnung für Sitz- und andere Positionen im Yoga. Wenn diese für längere Zeit als bequem empfunden werden und stabil sind, bewirken sie beides: die Beständigkeit der körperlichen Position und die innere, im Herzen erblühende Freude.
  6. An dieser Stelle erscheint eine Parallele zur griechisch-hellenischen Kultur, deren „Gaia“-Vorstellung den Planeten Erde als ein seinen eigenen Lebensraum definierendes Lebewesen ansieht. Dieser Ansatz floss in die Anthroposophie Rudolf Steiners ein.
  7. Siehe hierzu www.siddhanath.de/hamsa-yoga-sangh-deutschland/kriya-yoga-lehrer (Abruf: 9.8.2017).
  8. Mittwede 1992, 204.
  9. „Kraftvolles Yoga“, eine Hauptrichtung des Yoga, die von Gorakshanath entwickelt wurde und die körperlichen Aspekte des Transformationsweges betont, vorwiegend die Haltungen (Asana) und die Reinigungstechniken (Shodana), doch vor allem die Kontrolle der Lebensenergie (Pranayama).
  10. „Yoga des Schwans“, ein alter Text in Form eines Gesprächs zwischen Sanatana Kumar und seinem Schüler Gautama. Es handelt sich um Kundalini Kriya Yoga, das die Manifestationsebenen des Ômkar-Klangs vermittelt.
  11. Sowohl im Hinduismus als auch im (ursprünglich ebenfalls indischen) Buddhismus spielen Yoga-Traditionen eine wichtige Rolle.
  12. Yogiraj SatGurunath 2011, 338f.
  13. Eliade 1960/1988, 162.
  14. Yogiraj SatGurunath 2011, 25-36.
  15. In vedischen Texten wird oft von vier avastas gesprochen: Wachbewusstsein, Traum, Tiefschlaf und reines Bewusstsein.
  16. Shrama: Anstrengung, Bürde, Streben, Bemühung.
  17. Ohne Denken und Sinneseindrücke seiend. Amanaska nennt man die Erfahrung, wenn man die Glückseligkeit des göttlichen Selbst im meditativen Zustand erfährt.
  18. Der himmlische Schwan ist Brahmas Gefährt und soll die Fähigkeit besitzen, Milch von Wasser zu trennen, womit die Fähigkeit spiritueller Unterscheidungskraft gemeint ist. Des Weiteren ist der Schwan mit seinen weißen Federn ein Symbol der Reinheit. Hamsa ist auch eine Bezeichnung für die Seele.
  19. Yogiraj SatGurunath 2011, 54-74.
  20. Vgl. Eliade 1960/1988, 19-22.
  21. Yogiraj SatGurunath 2011, 106.
  22. Ebd., 117f.
  23. Nach Eliade 1960/1988, 64.
  24. Ebd., 65.
  25. Vgl. Nawrot 2015, 85.
  26. Herabsteigen göttlicher Energie.
  27. Vgl. Nawrot 2015, 78.
  28. Yogiraj SatGurunath 2011, 79.


Literatur und Internetseiten

Bergunder, Michael (Hg.): Westliche Formen des Hinduismus in Deutschland, Halle 2006

Eißler, Friedmann: Yoga, in: MD 5/2009, 192-195

Eliade, Mircea: Yoga. Unsterblichkeit und Freiheit, Frankfurt a. M. 1960/1988

Mittwede, Martin: Spirituelles Wörterbuch, Bonn 1992

Nawrot, Monika: Das Phänomen des Heiligen in japanischen Religionen, Berlin 2015

Yogiraj SatGurunath Siddhanath: Flügel zur Freiheit. Reise eines Nath Yogis, überarbeitete Version, Hamm 2011

www.hamsa-yoga.org 

www.siddhanath.de 

www.youtube.com/hamsayogi 

www.youtube.com/satgurutv