„YouthAlive“: Adventistische Initiative zur Stärkung der psychischen Resilienz

Die Gesundheitsabteilung der adventistischen Weltkirchenleitung reagiert mit dem umfassenden Hilfsprogramm „YouthAlive“ auf die in der Corona-Pandemie steigende Zahl von Jugendlichen und jungen Erwachsenen mit seelischen Störungen. Mit Informationen, Videos und einem digitalen Betreuungsprogramm möchte sie ein niederschwelliges Angebot für (potenziell) Betroffene schaffen.

Claudia Jetter
Ein Rettungsring hängt an einem Geländer.

Im Dezember 2021 berichtete der adventistische Pressedienst (APD) von der neuen Initiative „YouthAlive“, die jungen Mitgliedern der Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten helfen soll, ihre psychische Resilienz zu stärken.1 Mit dem umfassenden Hilfsprogramm reagiert die Gesundheitsabteilung der adventistischen Weltkirchenleitung auf die in der Corona-Pandemie steigende Zahl von Jugendlichen und jungen Erwachsenen mit seelischen Störungen.

Die Initiative bietet in unterschiedlichen Formaten fachliche Informationen über psychische Gesundheit, Kurse wie auch ein Betreuungsprogramm an. Neben Artikeln, die Themen wie erdrückende Schönheitsideale in den sozialen Medien oder ungesunden Leistungsdruck diskutieren, befinden sich auf der Website von „YouthAlive“ auch Links zu einer Reihe von YouTube Videos, in denen sich Fachleute direkt mit jungen Menschen über bestimmte Aspekte psychischer Gesundheit austauschen. Alle Informationen wie auch die Schulungen und das Betreuungsprogramm, sind über das Online-Portal frei zugänglich.

Gerade die YouTube Videos zeigen die enge Verbindung von Religiosität und fachlicher Expertise, die bei „YouthAlive“ charakteristisch ist: Nach einer kurzen Vorstellung der Gäste folgt ein gemeinsames Gebet. Daran anschließend beginnen die Moderatorinnen und Moderatoren das Gespräch mit Fragen an die Expert*innen. Diese klären zunächst über grundlegende Merkmale einer Krankheit wie z.B. Essstörungen auf, bevor Betroffene mit persönlichen Erfahrungsberichten zu Wort kommen. Somit bietet jede Folge Informationen zu psychischen Belastungen und das Thema wird zugleich verständlich und lebensnah aufbereitet.

Moderiert werden die Folgen von jungen Adventist*innen sowie u.a. von der stellvertretenden Direktorin der GC Health Ministries, Dr. Katia Reinert, die „YouthAlive“ mit initiiert hat. Im Gespräch mit dem Adventistischen Pressedienst betonte Reinert, dass auch bei psychischen Krankheiten Gebete allein nicht ausreichen: „In unseren Vorträgen über psychische Gesundheit sprechen wir ganz offen darüber, wie Spiritualität bei psychischen Problemen hilfreich sein kann und wie Gott eine Quelle der Hoffnung ist. Das ändert aber nichts an der Tatsache, dass auch Medikamente und professionelle Behandlung notwendig sein können. Das Gebet kann bei der Bewältigung hilfreich sein, aber das Gebet allein wird Depressionen oder Angstzustände nicht heilen, so wie auch Bluthochdruck oder Diabetes nicht unbedingt geheilt werden können.“2

Ziel der Initiative sei es „die Widerstandsfähigkeit von Jugendlichen und jungen Erwachsenen gegenüber riskanten Verhaltensweisen zu stärken“ und „eine heilungsfördernde Kultur zu schaffen“, durch die jungen Menschen Problemlösungsstrategien an die Hand gegeben werden. Auch wenn das Angebot leider nicht auf Deutsch verfügbar ist, so ist es in seiner Aufmachung sehr ansprechend, leicht verständlich und vor allem als erste Anlauf- und Informationsstelle für (potenziell) Betroffene sehr niederschwellig. Schaut man sich das Themenspektrum auf „YouthAlive“ an, bemerkt man, dass hier die Lebenswelt junger Menschen mit all ihren Schwierigkeiten und Problemen in Zeiten von sozialen Medien und Pandemie wahr- und vor allem ernstgenommen wird. Dass die Siebenten-Tags-Adventisten mit einem so umfassenden Programm auf die zunehmende seelische Belastung unter jungen Menschen reagieren und mit „YouthAlive“ dadurch aktiv gegen die nach wie vor weit verbreitete Stigmatisierung von psychischen Krankheiten vorgeht, macht sie zu einem Vorreiter in freikirchlichen Kreisen.

Claudia Jetter
 
Quellen
APD, „Initiative der adventistischen Weltkirchenleitung zur Stärkung der psychischen Resilienz in der Pandemie“, 13.12.2021, https://www.adventisten.de/news/artikel/go/2021-12-13/initiative-der-adventistischen-weltkirchenleitung-zur-staerkung-der-psychischen-resilienz-in-der-pand/8/. (Abgerufen am 13.01.22).
YouthAlive Website, https://youthaliveportal.org/en. (Zuletzt besucht am 13.01.22).
YouthAlive, “Conspiracy Theories and Mental Health”, December 2021, https://www.youtube.com/watch?v=_5Y4rK-XZCk. (Abgerufen am 13.01.22).
 YouthAlive, “Do I have an eating disorder?”, 2021, https://www.youtube.com/watch?v=gSAeh5OX_pw. (Abgerufen am 13.01.22).
 
Anmerkungen
1 Vgl.: „Initiative der adventistischen Weltkirchenleitung zur Stärkung der psychischen Resilienz in der Pandemie“. APD. 13.12.201. https://www.adventisten.de/news/artikel/go/2021-12-13/initiative-der-adventistischen-weltkirchenleitung-zur-staerkung-der-psychischen-resilienz-in-der-pand/8/. (13.01.2022).
2. Zitiert aus Ibid.

Ansprechpartner

Claudia Jetter M.A.
Wissenschaftliche Referentin
Evangelische Zentralstelle für Weltanschauungsfragen
Auguststraße 80
10117 Berlin