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Materialdienst 1/2002
Ulrich Dehn

Religionstheologie in einer multireligiösen Welt

Die Religionsgeographie ist unübersichtlich geworden, Migrantenbewegungen der letzten Jahrzehnte haben die meisten westeuropäischen Länder zu religiös bunten Teppichen werden lassen. Die gegenseitigen Durchdringungsprozesse demographischer und gedanklicher Art haben den Druck erhöht, theologisch über das Verhältnis des christlichen Glaubens zu den anderen Religionen nachzudenken. Auch existieren die Anhänger der jeweiligen Religionen nicht wie erratische Blöcke nebeneinander: Viele Menschen sind auf der Suche im Bereich benachbarter oder als benachbart empfundener Spiritualität, und es gibt, wie von Ulrich Schoen attestiert und analysiert, Menschen mit "Bi-Identitäten" als Gratwanderer zwischen und in zwei Welten1. Es gibt nicht mehr viel Selbstverständliches, fraglos Übernehmbares.

Sich über ein mögliches Verhältnis des christlichen Glaubens zu anderen religiösen Traditionen gewiss zu werden ist eine Aufgabe, an der die systematische Theologie, die Religionswissenschaft und die Religionsphilosophie einander zuarbeiten müssen. Wenn allerdings nach wie vor zu beherzigen wäre, dass nicht der Dialog zwischen den Religionen, sondern seine Verweigerung und Behinderung begründungsbedürftig sind, müsste auch eine Theologie der Religionen nicht erforderlich sein, sofern sie die vorauslaufende Grundlegung eines solchen Dialogs darstellen soll. Ich gehe aber davon aus, dass zu einer überzeugenden innerchristlichen Sprachregelung und zu einer tendenziellen Konsensusbildung in der Sache der interreligiösen Kommunikation die fundamentale theologische Vergewisserung als theologische Durchdringung der Welt des Religiösen hinzugehört. Diese muss nicht zwingend zu einem religionstheologischen Konzept führen, falls dies aus theologischen Gründen nicht möglich erscheint, aber auch die Verweigerung bedarf der kommunikablen Reflexion. Kann die Begegnung zwischen den Gläubigen verschiedener Religionen ganz aus sich heraus leben und in ihrer jeweiligen Eigendynamik aufgehen, oder sollten die (meist unterschwellig vorhandenen) theologischen Rahmenbedingungen geklärt sein?

Die wichtigsten Argumente im Bereich einer Theologie der Religionen sollen vor Augen geführt werden anhand der üblicherweise prominenten Beispiele. Die Diskussion der letzten Jahre seit ca. 1990 hat insbesondere der pluralistischen Religionstheologie gegolten, aber die komplexe Kontroverse gebietet, dass wir uns auch dem widmen, was nach Ansicht vieler Befürworter der pluralistischen Option als überwunden gilt.

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Anmerkung

1 Vgl. Ulrich Schoen, Bi-Identität. Zweisprachigkeit, Bi-Religiosität, doppelte Staatsbürgerschaft, Zürich/ Düsseldorf 1996.

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