publikationen_keyvisual.jpg
Materialdienst 2/2005
Lutz Lemhöfer

"Was gut und böse ist"

Über Religion im Kriminalroman

Kaum ein literarisches Genre erfreut sich solcher Beliebtheit wie das des Kriminalromans. Ca. 60 Krimis erscheinen pro Monat auf dem deutschsprachigen Büchermarkt, und den Ruf der trivialen Hintertreppen-Lektüre haben sie längst hinter sich gelassen; Krimis sind ein Thema auch des seriösen Feuilletons. Ähnliches gilt für die elektronischen Medien. Sowohl im Vorabend- wie im Abendprogramm der öffentlich-rechtlichen wie des privaten Fernsehens finden sich reichlich Kriminalfilme; einige Serien, wie die ZDF-Reihe um die Hamburger Kommissarin "Bella Block", mit spröder Faszination gespielt von Hannelore Hoger, haben mittlerweile Kult-Charakter. Zudem adaptieren sie mit erstaunlicher Schnelligkeit die jeweils aktuellen Fragen von Politik und Gesellschaft. Ob es der Streit um die Wehrmachtsausstellung war, die Diskussion um den Sex-Tourismus nach Fernost oder die mühsame deutsche Ost-West-Annäherung nach 1989 - alle diese Themen spiegelten sich rasch auf der Folie neuer TV-Kriminalfälle wider und wurden im Rahmen einer spannenden Geschichte  auf durchaus hohem Niveau ins Bewusstsein gebracht. Da kann es nicht überraschen, dass auch religiöse Themen und Fragestellungen in der Kriminalliteratur auftauchen. Immer geht es schließlich um gut und böse. Da mag die Zunft der Theologinnen und Theologen aufhorchen: Ist das nicht ihr Metier? Für die theologische Betrachtung hat das Genre Kriminalroman einen weiteren entscheidenden Vorzug: Es geht nie um Banalitäten. Per definitionem beschäftigt er sich mit extremen Situationen: Mord und Totschlag, Schuld und Sühne, Leidenschaft und Verzweiflung. Situationen also, in denen es ums Ganze geht; Situationen, die nicht selten moralische und philosophische Fragen aufwerfen. Da findet das Geistliche und der Geistliche durchaus Raum.

Dies kann auf dreierlei Art und Weise geschehen. Entweder durch einen geistlichen Fahnder, der die Maßstäbe seines Berufsstandes in die Suche nach dem Täter einbringt und damit unerwartete Perspektiven eröffnen kann. Oder durch ein religiöses Milieu, in dem oder vor dessen Hintergrund ein Verbrechen stattfindet; höchst spannend wird dann die Frage, ob dieses Milieu (Kloster, Gemeinde, Kirchentag) lediglich die zufällige Kulisse einer kriminellen Tat darstellt oder ob diese ihre Wurzeln in eben diesem religiös begründeten Beziehungsgeflecht findet. Und last not least gibt es Gewalttäter, die mit einer göttlichen oder religiösen Legitimation umgehen - da wird die dunkle Seite der Religion zum Thema.

Lesen Sie weiter im Materialdienst.

Inhaltsverzeichnis, Bestellung und Download

Materialdienst Archiv

Die Ausgaben der Jahrgänge 1970-2015 sowie die Jahresregisterhefte 1970-2017 sind für alle Internetnutzer als pdf-Dateien abrufbar.

Eine schnelle Orientierung bieten die Jahrgangsübersichten mit den Schwerpunktthemen, die einzelnen Ausgaben sind über vollständige Inhaltsverzeichnisse erschlossen.

Allen, die den Materialdienst abonniert haben, stellen wir die aktuelle Ausgabe am Anfang des Monats zusätzlich als pdf-Datei zur Verfügung. Außerdem ist ein exklusiver Zugang zu den jeweils letzten zwei Jahrgängen (2016 u. 2017) eingerichtet.

Materialdienst abonnieren

So verpassen Sie keine Ausgabe: Abonnieren Sie den Materialdienst!