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Materialdienst 8/2005
Apostolische Gemeinschaften

Wiedervereinigung vorerst gescheitert

Die seit einigen Jahren angestrebte Wiedervereinigung der beiden Kirchenhauptämter des Apostelamt Jesu Christi (AJC) mit den Amtssitzen in Cottbus (AJC K.d.ö.R.) und Berlin (AJC e.V.) und der Berliner Gemeinschaft der Apostel Jesu Christi (GdAJC) ist vorläufig gescheitert. Die Apostel der drei Gemeinschaften konnten sich auch nach mehreren gemeinsamen Treffen bislang nicht über die zukünftige Zusammenarbeit einigen.

Unterschiedliche Auffassungen gab es zuletzt vor allem über die kürzlich erfolgte Einsetzung eines „Leitenden Apostels“ für das AJC – Körperschaft des öffentlichen Rechts (K.d.ö.R.). Die führenden Amtsträger der drei Gemeinschaften wollen jedoch auch künftig miteinander in Kontakt bleiben. So sollen in diesem Jahr zwei Apostelversammlungen stattfinden, an denen auch die jeweiligen Propheten teilnehmen werden. Ferner wollen sich Arbeitsgruppen zu den Themen Musik und Jugendarbeit treffen. Im Herbst soll ein gemeinsames Jugendtreffen in Ostdeutschland stattfinden.

Das Apostelamt Jesu Christi mit seinen rund 18.000 Mitgliedern ist vor allem in Berlin und den neuen Bundesländern vertreten. Es gibt aber auch einige Gemeinden in Westdeutschland. Die Gemeinschaft ist keine direkte Abspaltung von der Neuapostolischen Kirche, sondern gewissermaßen ein „Enkelkind“ – so Helmut Obst in „Apostel und Propheten der Neuzeit“.

Das AJC entstand aus dem Apostelamt Juda, das der frühere Binnenschiffer und neuapostolische Bezirksälteste Julius Fischer (1867-1923) vor mehr als hundert Jahren gegründet hatte. Fischer war offenbar „eine sehr dynamische Persönlichkeit mit starker Ausstrahlungskraft“, der von einem „massiven Spiritualismus“ geprägt war.1 Nach einiger Zeit schlug der eigenwillige Bezirksälteste jedoch eigene Wege ein. So lehnte er die leibliche Wiederkunft von Jesus Christus ab und vertrat die Auffassung, dass Jesus im Fleisch der Apostel bereits wiedergekommen sei. Die entsprechenden biblischen Verheißungen deutete er allegorisch. Im Jahr 1902 wurde Fischer daher wegen Lehrdifferenzen über die Wiederkunft Christi durch Stammapostel Friedrich Krebs aus der Neuapostolischen Gemeinde ausgeschlossen. Nach seiner prophetischen Berufung zum „Apostel in Juda“ gründete er am 2. Mai 1902 eine eigene Gemeinschaft – das „Apostelamt Juda“. Nach seinem Tod am 2. März 1923 kam es zu Nachfolgestreitigkeiten, so dass zwei miteinander verfeindete Gemeinschaften entstanden.

Wie bei allen apostolischen Gemeinschaften prägten auch hier die führenden Amtsträger die weitere Entwicklung. Während der frühere Binnenschiffer Adolf Tschach (1891-1981), der im September 1922 von Fischer zum Apostelbischof berufen worden war, die Gemeinschaft unter dem Namen „Apostelamt Juda – Gemeinschaft des göttlichen Sozialismus“ weiterführte (zu ihr zählen heute unter der Leitung des „Apostel in Juda“ Heinrich Matschenz, Berlin, noch zirka 2.000 Mitglieder), gründete der frühere Ziegeleiarbeiter Hermann Krüger (1869-1933) aus Teilen des Apostelamtes Juda im Frühjahr 1923 das „Apostelamt Simeon in Juda“. Später nannte sich die Gemeinschaft „Apostelamt Simeon in Jacobs Geschlecht“, seit 1947 „Apostelamt Jesu Christi“.

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Anmerkungen

1 Helmut Obst, Apostel und Propheten der Neuzeit. Gründer christlicher Religionsgemeinschaften im 19. und 20. Jahrhundert, Göttingen, 2000, 146f. – Zur Geschichte des Apostelamtes Juda, des Apostelamtes Simeon und des Apostelamtes Jesu Christi vgl. Obst, 2000, 143-184, sowie Karlheinz Kabus, Ein Beitrag zur Geschichte des Apostelamtes Jesu Christi, in: Baum des Lebens, Monatsschrift hg. vom Apostelamt Jesu Christi e.V., Ausgaben März bis Juni 2005.

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