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Materialdienst 10/2005
Buddhismus

"Sie sollten zu Gott beten, nicht über Karma nachdenken" – eine Bilanz des Dalai Lama-Besuchs in Zürich und Umgebung

(Letzter Bericht: 5/2004, 181ff; 9/2004, 353) Zwölf Tage lang lag die Schweiz am Meer, genauer gesagt am „Ozean der Weisheit“, so der ehrenvolle Titel des XIV. Dalai Lama, der vom 2. bis 14. August in Zürich und Umgebung weilte. Im Mittelpunkt stand dabei ein Belehrungszyklus über Shantidevas „Bo-dhicaryavatara“, eine Einführung in den Weg des Bodhisattva, und über Kamalashilas „Bhawanakrama“, ein Werk über die mittleren Stufen der Meditation. Im Rahmen dieser „Teachings“ führte der Dalai Lama außerdem Avalokiteshvara- und Rigzin Dondrup-Einweihungen durch. Zuvor war es zu interreligiösen Begegnungen im Kloster Einsiedeln und Zürich sowie zu Gesprächen mit Politikern und Wissenschaftlern gekommen. Begleitet wurde das Ganze von einem kaum mehr  steigerbaren Medienrummel und einem immensen Publikumsandrang. Die meisten Veranstaltungen mit dem Dalai Lama waren ausgebucht, und selbst die langatmigen und schwierigen Belehrungen, für die eigens das frisch renovierte Zürcher Hallenstadion angemietet worden war, füllten fast alle Plätze.

Das riesige Interesse darf aber nicht davon ablenken, dass abgesehen von der dürftigen, da banalen und inhaltslosen interreligiösen Feier auf dem Zürcher Münsterhof keine kuschelige „Das Herz aller Religionen ist eins“-Atmosphäre aufkam, sondern mitunter erstaunlich kritische und nuancierte Töne zu vernehmen waren. Die „Schweizerische Evangelische Allianz“ (SEA) und die ihr nahe stehende „Eidgenössisch-Demokratische Union“ (eine politische Partei) sprachen sich erwartungsgemäß am deutlichsten gegen den Dalai Lama aus: „Der Buddhismus ist eine Selbsterlösungsreligion, die perfekt zu unserer Multioptions-Gesellschaft zu passen scheint. Da es in dieser Weltanschauung keine Verantwortung einem Schöpfergott gegenüber gibt, ist der einzelne Mensch nur noch sich selbst gegenüber verantwortlich. Dies entspricht dem modernen Individualismus. … Die dazu gehörenden sexualmagischen und okkulten Hilfsmittel passen in unsere Gesellschaft mit ihren promisken Trugbildern und esoterischen Angeboten. Wer jedoch etwas tiefer hinter die Fassaden des tibetischen Buddhismus geschaut hat, wird rasch erkennen, wie lebensverneinend dieses System ist. Buddhisten brauchen besonders unser menschliches Mitgefühl, das wir ihnen als Ausdruck des liebenden himmlischen Vaters mitteilen dürfen.“1

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Anmerkung

1 „Buddhismus oder Christus? Der Dalai Lama in Zürich. Stellungnahme des Zentralvorstandes der Schweizerischen Evangelischen Allianz SEA“ (=sea dokumentation, stellungnahme nr. 43), 21.

Christian Ruch, Zürich

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