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Materialdienst 7/2007
Hartmut Noll-Arukaslan

Erfolg und Erfolgsdenken

In einer an Gewinn orientierten Gesellschaft spielen strategische Ziele und Erfolge eine zentrale Rolle. Deshalb ist es nicht verwunderlich, dass sich die Nachfrage nach Erfolgstrainings als erstaunlich stabil erweist. Im Zusammenhang von Beratung und Coaching gelten Erfolgsversprechen heute meist als unverzichtbar, um sich gegen die Konkurrenz behaupten zu können. Wie nützlich oder gar schädlich Positives Denken jedoch sein kann, wird nach wie vor sehr unterschiedlich bewertet. Der folgende Text stammt von einem Finanzberater, der seine Berufstätigkeit von einem christlichen Menschenbild her reflektiert.

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Was ist Erfolg?

Was ist Erfolg? Das Brockhaus-Lexikon definiert ihn als ein „von Anspruchsniveau und Leistungsmotivation bestimmtes Bestätigungserlebnis bei der geglückten Verwirklichung von Zielen, das seinerseits motivierende und anspruchssteigernde Wirkung hat“.2 Erfolg motiviert, so die Definition, aber das nächste Erlebnis muss auch das vorherige übertreffen. Der „Erfolgstrainer“ Roland Arndt bestätigt dies: „Auf den Einsatz kommt es sicherlich auch an. Aber das Ergebnis ist entscheidend für unser eigenes Erfolgsgefühl.“3 Interessant ist hier die Betonung des Gefühls: Erfolg will als solcher empfunden werden. Gewissensbisse wären zum Beispiel ein Beleg für ein fehlendes Erfolgsgefühl. Nietzsche meint: „Der Erfolg gibt oft einer Tat den vollen ehrlichen Glanz des guten Gewissens, ein Misserfolg legt den Schatten von Gewissensbissen über die achtungswürdigste Handlung.“4

Zielklarheit und Erreichung der Ziele zeichnet den Erfolg aus. Meyers Konversationslexikon sagt: „Erfolg ist die fortschreitende Verwirklichung von klar definierten, selbst bestimmten und erstrebenswerten Zielen.“5 Erfolg ist also immer ein subjektives Geschehen. Jeder Mensch legt die Messlatte unterschiedlich an, sie ist abhängig von den eigenen Erwartungen und denen der anderen.6 Zudem kann man zwischen persönlichem, also individuellem Erfolg und dem Erfolg einer Gruppe, zum Beispiel einer Firma, unterscheiden. Letzterer kann sogar dann als eigener Erfolg gesehen werden, wenn es keine Eigenbeteiligung gibt. Zum Beispiel kann sich nach dem Sieg einer Fußballmannschaft ein Erfolgsgefühl bei den Fans einstellen, das aber meist nicht von allzu langer Dauer ist.

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Anmerkungen

1 Ich danke Herrn Dr. Hansjörg Hemminger für den konstruktiven Austausch und die Ermöglichung dieses Artikels.
2 2002 Bibliographisches Institut & F. A. Brockhaus.
3 Vgl. Arndt, 62.
4 Vgl. Nietzsche, 80.
5 Vgl. Jenni in „Noch erfolgreicher!“ mit seinem Zitat von Paul Meyer, 33.
6 Vgl. Pietka in ihrem Artikel.
7 Vgl. Lasch, 76ff.

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