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Materialdienst 8/2007
Christian Ruch

Christentum und Zen-Buddhismus

Anmerkungen zu einer aktuellen Debatte

Schon seit einiger Zeit wird in katholischen Kreisen über die Vereinbarkeit von buddhistischen Meditationspraktiken und christlichen Inhalten diskutiert, genauer gesagt die Frage gestellt, ob es möglich ist, den Weg eines „christlichen Zen“ zu beschreiten. Diese Debatte erreichte nun auch den Deutschen Evangelischen Kirchentag in Köln, auf dem der katholische Weltanschauungsbeauftragte der Diözese Würzburg, Pfarrer Alfred Singer, zu dieser Kontroverse Stellung nahm.

Eigentlich ist die ganze Debatte nicht neu, denn bereits das im Februar 2003 veröffentlichte Vatikan-Dokument zum Umgang mit dem Phänomen „New Age“ stellte fest, dass „sogar in Bildungshäusern, Seminarien und Einrichtungen zur Ausbildung von Ordensleuten“ alternative spirituelle Traditionen und „neue Formen der psychologischen Erklärung des Individuums (...) sehr populär geworden“ seien.1

Dass die Diskussion nun wieder intensiver geführt wird, wurde nicht zuletzt von dem Schweizer Sekten-Experten Hugo Stamm verursacht, der im Zürcher „Tages-Anzeiger“ die esoterische und buddhistische Schlagseite katholischer Bildungshäuser gerügt hatte: „In ihrem Kursprogramm sind Begriffe wie Spiritualität, Meditation, Yoga und Zen inflationär gestreut. Das Christliche fristet beinahe ein Schattendasein.“2 Stamm kritisierte vor allem das Lassalle-Haus in der Nähe von Zug, eine auch außerhalb der Schweiz bekannte und durchaus renommierte Bildungsinstitution. Für sie hatte die Kritik weitreichende und durchaus unangenehme Folgen: Dem Vernehmen nach gab der Nuntius eine Untersuchung des Seminarprogramms in Auftrag und ein katholischer Weltanschauungsbeauftragter aus Deutschland riet von der Teilnahme an Kursen des Lassalle-Hauses ab.

Solch heftige Reaktionen von kirchlicher Seite überraschen insofern, als die Offenheit des Lassalle-Hauses und anderer Bildungseinrichtungen für den Zen-Buddhismus und andere spirituelle Traditionen, wie gesagt, keine neue Erscheinung darstellt.

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Anmerkungen

1 Päpstlicher Rat für die Kultur und Päpstlicher Rat für den Interreligiösen Dialog (Hg.), Jesus Christus, der Spender lebendigen Wassers. Überlegungen zu New Age aus christlicher Sicht / Jesus Christ – The Bearer of the Water of Life. A Christian Reflection on the ‘New Age’, abrufbar unter http://www.kath.ch/infosekten/pdf/new_age.pdf.
2 Tages-Anzeiger (Zürich), 3.10.2006. Der Artikel findet sich auch unter http://www.lassalle-haus.org/download/Hugo%20Stamm%203.10.2006.pdf (14.6.2007).

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