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Materialdienst 8/2007
Helmut Obst

Ein anderer Gott?

Zum Gottesbild christlicher Sondergemeinschaften. Mormonen - Christian Science - Zeugen Jehovas

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Theologie ist, wie der Name sagt, im Kern immer Lehre von Gott. Aus dem Gottesbild entwickeln sich die grundlegenden dogmatischen und ethischen Prinzipien jeder Religion. Das gilt selbst dort, wo es keinen Gott gibt, wie im Buddhismus! Christliche Gotteslehre basiert auf der Selbstoffenbarung Gottes in Jesus Christus auf der Grundlage alttestamentlicher Gottesoffenbarung. Im Mittelpunkt des christlichen Gottesbildes steht die Lehre von der Dreieinigkeit, der Trinität, Gottes. Zu ihr bekennen sich alle im Ökumenischen Rat der Kirchen zusammengeschlossenen Kirchen und Gemeinschaften.

Die Trinitätslehre als Zentrum der christlichen Lehre von Gott hat sich erst allmählich in einem spannungsreichen theologischen Ringen, das seinen Niederschlag vor allem in den altkirchlichen christologischen und trinitarischen Streitigkeiten fand, herausgebildet. Auch nach dem Abschluss dieser Auseinandersetzung gab es in den Kirchen, welche die altkirchlichen Lehrentscheidungen zur Trinitätslehre und Christologie übernommen haben, immer wieder Kräfte, die an der Trinitätslehre Anstoß nahmen und neue Wege jenseits von Interpretation und Neuakzentuierung gehen wollten. Noch mehr war dies an den Rändern der Kirche der Fall. Die Antitrinitarier der Reformationszeit signalisierten einschließlich ihrer vielfältigen Nachwirkungen den neuzeitlichen Wiederbeginn des theologischen Kampfes um die Trinität und damit um die christliche Gotteslehre. Vor allem außerhalb der Kirchen, in religiösen Reform- und Protestbewegungen, die sich nicht nur als christlich verstehen, sondern mit dem Anspruch auftreten, das wahre Christentum in zeitentsprechender Fortentwicklung zu repräsentieren und damit die wahre Kirche Jesu Christi in unserer Zeit zu sein, entwickelten sich trinitarische und christologische Häresien, die Anliegen der altkirchlichen Häresien aufnahmen.

Die Zahl dieser Gruppierungen nahm vor allem seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts rasch zu. Nicht wenige von ihnen kamen aus den USA. Meist unbemerkt von den großen und etablierten Kirchen, ganz gleich ob Konfessionskirche oder Freikirche, erfolgten völlige Neuinterpretationen oder Korrekturen der christlichen Gottes- und Trinitätslehre.

Massive Umdeutungen des traditionellen Gottesbildes finden wir mit Ausnahme der apostolisch-neuapostolischen Gemeinschaften2 in den meisten der großen religiösen Sondergemeinschaften, die im 19. Jahrhundert entstanden, sich exklusiv als wiederhergestellte Kirche Jesu Christi verstehen und heute weltweit verbreitet sind.

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Anmerkungen

1 Diesem Beitrag liegt weitgehend ein Aufsatz zu Grunde: „Trinität? – Zur Gotteslehre christlicher Sondergemeinschaften (Mormonen, Christian Science, Zeugen Jehovas), in: Denkwürdiges Geheimnis. Beiträge zur Gotteslehre, Festschrift für Eberhard Jüngel zum 70. Geburtstag, hg. v. Ingolf U. Dalferth / Johannes Fischer / Hans-Peter Großhans, Tübingen 2004, 405–416.
2 Innerhalb der neuapostolischen Gruppen bildet die kleine, nur in Deutschland vertretene „Gemeinschaft des göttlichen Sozialismus – Apostelamt Juda” eine Ausnahme.

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