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Materialdienst 3/2007

Christliche Identität, alternative Heilungsansätze und moderne Esoterik

Grundsätze zur Orientierung für Kirche und Gemeinde (erster Teil)

Im Zusammenhang der Studientagung „Christliche Identität und alternative Heilungsansätze heute“, die im Christian Jensen Kolleg, Breklum, stattfand (31.10.06 - 2.11.06), haben Reinhard Hempelmann (Evangelische Zentralstelle für Weltanschauungsfragen, EZW), Dietrich Werner (Nordelbisches Missionszentrum, NMZ), Harald Lamprecht (Evangelisch-Lutherische Kirche Sachsen) und Ulrich Läpple (Arbeitsgemeinschaft Missionarische Dienste, AMD) ein Grundsatzpapier vorgestellt, das im Folgenden in seinen ersten 13 Thesen dokumentiert wird. Der MD 4/2007 wird die Dokumentation mit einem zweiten Teil fortsetzen. Im Rahmen der EZW-Texte werden weitere Beiträge der Tagung im Frühjahr 2007 publiziert werden.


1. Ausgangspunkte und Ziele

Wenn Menschen heute krank werden, suchen sie oft nicht nur Hilfe beim Arzt, sondern auch bei Heilpraktikern, Heilern, Therapeuten, Meditationslehrern und Energetikern. Das Feld ist unübersehbar geworden. Angeboten wird Heilung durch geheimnisvolle Strahlung von Steinen, Rebalancing von Seele und Körper durch Qi Gong, Heilung der Aura durch Duftöle, Lösung von „Energieblockaden“ durch Reiki … Auch vor den Türen der christlichen Kirchen macht diese Entwicklung nicht Halt. Doch wie sind ihre Wirksamkeit, ihre Seriosität oder ihre weltanschaulich-religiösen Voraussetzungen zu beurteilen? Für Mitglieder der christlichen Kirchen stellt sich dabei die Frage, welchen Behandlungsformen sie persönlich ihr Vertrauen schenken möchten. Zum anderen sind Gemeinden als ganze herausgefordert zu klären, wie sie sich zu Heilungsansätzen einer bestimmten Richtung verhalten, wenn z.B. in kirchlichen Räumen oder kirchlichen Bildungsstätten entsprechende Kurse angeboten werden. Dabei sind zwei idealtypische Reaktionen  zu beobachten:

• Einerseits die pauschale Ablehnung, die getragen und motiviert ist von der Erfahrung, dass viele dieser Verfahren mit außerchristlichen religiösen Vorstellungen und Praktiken verknüpft sind. Die berechtigte Sorge vor einer Verfremdung des christlichen Glaubens führt dazu, vorschnell das zu verdammen, was der eigenen Kulturprägung nicht entspricht.

• Auf der anderen Seite steht eine kritiklose Annahme. Sie ist bestimmt durch die zunächst berechtigte Einsicht, dass es zwischen Himmel und Erde mehr als das gibt, was wissenschaftlich beweisbar ist, dass auch andere Völker hilfreiche Erfahrungen und eigene Ansätze in der Behandlung von Krankheiten gewonnen haben. Die Offenheit für neue Techniken und Therapien geht mit einer weitgehenden Unfähigkeit einher, religiöse Vereinnahmungen und psychosoziale Abhängigkeiten zu erkennen, die sich aus manchen dieser Verfahren ergeben können.

Der vorliegende Grundsatztext möchte aus der Mitte der christlichen Heilsbotschaft Orientierungsperspektiven und Kriterien für den Umgang mit alternativen Heilweisen aufzeigen und dafür plädieren, die berechtigten Anliegen beider Reaktionsmuster aufzugreifen, ihre Übertreibungen und Irrtümer jedoch zu vermeiden. Dabei können nicht alle einzelnen Diagnose-, Therapie- und alternativen Heilungsverfahren bewertet werden. Vielmehr werden aus der Perspektive des evangelischen Verständnisses von Gott, Mensch und Welt Kriterien benannt, die zu einer differenzierten Beurteilung befähigen sollen. Damit verbindet sich die Hoffnung, dass diese Einsichten für die kirchliche Praxis fruchtbar werden:

• sowohl für anstehende Entscheidungen, zum Beispiel in einem Kirchenvorstand oder in einer Gemeinde im Blick auf alternative Heilungspraktiken (Binnenorientierung: Selbstverständigung),

• wie auch für den immer wichtiger werdenden Dialog mit Menschen, die durch alternative Heilungspraktiken einen neuen Zugang zu spirituellen Vollzügen gefunden haben (Außenorientierung: Dialog).

Der Orientierungstext möchte auch zu einem interdisziplinären Dialog über Gesundheit, Heilung und Spiritualität beitragen, der in anderen Regionen wie Südafrika, Norwegen und Amerika bereits seit längerem unter dem Motto „Religious Health Assets“ bekannt ist und auch in Deutschland eine wichtige Zukunftsaufgabe und Chance für kirchliches Handeln darstellt.

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