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Materialdienst 3/2007
Johannes Kandel

Wie reden wir über "den Islam"?

Anmerkungen zur aktuellen Islam-Debatte

Vier Ereignisse der jüngsten Zeit

• Ein historisches Zitat in der „Regensburger Rede“ Papst Benedikt XVI. am 12. September 2006 löst in Teilen der islamischen Welt heftige Erregung aus. Wie nach der Veröffentlichung der Mohammed-Karikaturen in der dänischen Zeitschrift „Jyllands-Posten“, wenn auch nicht in gleicher Intensität und Nachhaltigkeit, bricht eine bewusst inszenierte und von Beleidigungen, Schmähungen und Gewalttätigkeiten begleitete „Empörung“ aus. In Deutschland bleibt es ruhig, der „Zentralrat der Muslime in Deutschland“ (ZMD) gibt sich damit zufrieden, dass der Papst sein Zitat betroffen erläutert und beschwichtigt.

• Die verunsicherte Opernintendantin der Deutschen Oper Berlin, Kirsten Harms, setzt –aufgescheucht von einer Gefahrenanalyse aus dem Landeskriminalamt Berlin, es könne islamistische Proteste und Anschläge geben – die Mozart-Oper „Idomeneo“ ab.

• Der britische Außenminister Jack Straw wird nach seiner Empfehlung, Musliminnen sollten auf den Schleier verzichten, von der „Islamischen Menschenrechtskommission“ in Großbritannien der „selektiven Diskriminierung“ bezichtigt. Eine neue „Empörungswelle“ schwappt durch Großbritannien.

• Ein ähnlicher Appell von mehreren deutsch-türkischen Politikern (darunter Ekin Deligöz von den Grünen und Lale Akgün von der SPD) an die muslimischen Frauen in Deutschland, das Kopftuch abzulegen, stößt auf scharfe Kritik in der Türkei und einigen muslimischen Verbänden in Deutschland. Ekin Deligöz wird in türkischen Zeitungen beschimpft und erhält Morddrohungen.

In Deutschland fegt eine neue, erregte Diskussion durch die Medien: Die bedauernswerte Opernchefin wird des „vorauseilenden Gehorsams“ bezichtigt. Heftig wird erörtert, wie weit das „Einknicken vor dem Islam“ noch gehen soll. Erst der Karikaturenstreit, dann die Papstrede, die abgesetzte Oper, die wütenden Reaktionen aus Kreisen des Verbandsislam nach dem „Kopftuchappell“ der deutsch-türkischen Politiker. Was kommt noch?

In der Tat fragt man sich, wer festlegt, was Muslime „beleidigen“ könnte, wann ihre „religiöse Identität“ in unerträglicher Weise verletzt wird? Wer bestimmt, wann die Grenze zur legitimen Freiheit der Meinungsäußerung überschritten ist? Die deutsche Rechtsordnung? Unsere (überaus pluralistischen) „moralischen“ Auffassungen zur Kritik an Religionen? Muslimische Rechtsgelehrte? Die Islamisten? Die von Al-Djazeera beeinflusste veröffentlichte Meinung in der islamischen Welt?

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