publikationen_keyvisual.jpg
Materialdienst 1/2007
Harald Lamprecht

Anthroposophie und christlicher Glaube

Tagung der EZW mit Vertretern der Anthroposophie und der Christengemeinschaft

Anthroposophie und christlicher Glaube stehen in einem spannungsvollen Verhältnis zueinander. Rudolf Steiner, der Begründer und die bis heute unangefochtene geistige Autorität der Anthroposophie, hat im Gegensatz zur indischen Theosophie Christus einen zentralen Stellenwert in seinem Lehrgebäude zugewiesen. Betont spricht Steiner ein feierliches „Ja“ zu Jesus als dem Christus. Von daher ist Steiner als Streiter für eine christliche Form der Esoterik und die Anthroposophie durchaus als die christlichste Richtung der Theosophie anzusehen.

Auf der anderen Seite ist Steiners gesamte Redeweise von Christus so von den Prämissen des theosophischen Entwicklungsdenkens durchdrungen, dass er zentrale christliche Inhalte esoterisch umbiegt. Die Anthroposophie vertritt ein monistisches Konzept der Emanation alles Seienden aus dem Göttlichen und integriert den Menschen in eine letztlich geistig gedachte Natur, in der alle Materie lediglich „gefrorenen Geist“ darstellt. Dies bringt es mit sich, dass sich die Anthroposophie auch in ihrem Heilsverständnis signifikant von den im ÖRK verbundenen Kirchen unterscheidet. Trotz ihrer Christusbezogenheit steht die Anthroposophie darum am äußeren Rand des Christentums. Identische Begriffe bezeichnen in Kirche und Anthroposophie zum Teil sehr unterschiedliche spirituelle Sachverhalte, die aus einem jeweils anderen Deutungsrahmen verstanden werden. Auf diese Spannung hat Werner Thiede in seinem Referat zum Abschluss einer Tagung der EZW zum Thema „Anthroposophie und christlicher Glaube“, die vom 13. bis 15. November 2006 in Berlin stattfand, hingewiesen.

Vorangegangen waren zwei Tage tief schürfender Beschäftigung mit anthroposophischen Auffassungen und intensiver Gespräche mit den anwesenden Vertretern von Anthroposophie und Christengemeinschaft. Ein großer Teil der über 40 Teilnehmer dieser hochkarätig besetzten Fachtagung bestand aus Multiplikatoren: theologische Hochschullehrer, Pfarrer und Waldorflehrer, Presse- und Fernsehjournalisten, Beauftragte für Weltanschauungsfragen in den Landeskirchen und Bistümern, Funktionäre der Waldorfbewegung und Pfarrer der Christengemeinschaft sowie Mitarbeiter staatlicher Sektenberatungsstellen in Deutschland und Österreich.

Theosophie und Historismus

War Rudolf Steiner in erster Linie Theosoph oder Anthroposoph? Mit großer Einfühlsamkeit und Sachkenntnis befasste sich der einführende Vortrag von Helmut Zander (Bonn) mit den historischen und geistesgeschichtlichen Wurzeln der Anthroposophie.

Lesen Sie weiter im Materialdienst.

Inhaltsverzeichnis, Bestellung und Download

Materialdienst Archiv

Die Ausgaben der Jahrgänge 1970-2015 sowie die Jahresregisterhefte 1970-2017 sind für alle Internetnutzer als pdf-Dateien abrufbar.

Eine schnelle Orientierung bieten die Jahrgangsübersichten mit den Schwerpunktthemen, die einzelnen Ausgaben sind über vollständige Inhaltsverzeichnisse erschlossen.

Allen, die den Materialdienst abonniert haben, stellen wir die aktuelle Ausgabe am Anfang des Monats zusätzlich als pdf-Datei zur Verfügung. Außerdem ist ein exklusiver Zugang zu den jeweils letzten zwei Jahrgängen (2016 u. 2017) eingerichtet.

Materialdienst abonnieren

So verpassen Sie keine Ausgabe: Abonnieren Sie den Materialdienst!