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Materialdienst 11/2007
Werner Thiede

Multiple religiöse Identitäten

Zur Fragwürdigkeit ihrer Legitimität aus christlich-theologischer Sicht

1

Im Kontext des religiösen Pluralismus2 unserer Zeit kann man Menschen begegnen, die von sich selbst sagen, dass sie mehreren religiösen Bekenntnissen zugleich angehören oder sich zumindest zugehörig fühlen. Das mag im multikulturellen Horizont als gar nicht einmal allzu ungewöhnlich erscheinen. Und wer da meint, kritisch nachfragen zu müssen, wie denn das sein könne, gerät womöglich unter den Verdacht der Intoleranz. Ist nicht im Zeitalter der Postmoderne die Wahrheitsfrage schlechthin obsolet geworden?3

Ob man die Wahrheitsfrage allerdings intellektuell redlich verabschieden kann, ist selbst schon wieder eine Wahrheitsfrage. Zweifellos gibt es vielerlei religiöse Perspektiven, aber zu all den unterschiedlichen Blickwinkeln gehört eben auch immer wieder der eines Insistierens auf Wahrheit, gehören in Europa und weltweit faktisch nach wie vor Absolutheitsansprüche auf weltanschaulichem und spirituellem Gebiet. Manche Paradigmen relativieren religiöse Standpunkte grundsätzlich; doch werden auch sie selber wieder relativiert durch andere Paradigmen, innerhalb derer Absolutheitsansprüche ihren legitimen Platz haben.

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Anmerkungen

1 Für die Drucklegung erweitertes Manuskript, das ich auf dem vom Ev. Bund Hessen und Nassau veranstalteten Symposion „Kann ein Christ auch Hindu sein?“ in Frankfurt a. M. am 18.11.2006 vorgetragen habe. An dieser Stelle sei an den Frankfurter Stadtrat und Integrationsdezernenten Dr. Albrecht Magen erinnert, der bei dieser Veranstaltung engagiert auf dem Podium vertreten war und wenige Tage später verstarb.
2 Zum Begriff vgl. meinen Art. „Pluralismus“ im TRT5 (Göttingen 2007, im Druck).
3 Vgl. Joachim Kunstmann: Christentum in der Optionsgesellschaft. Postmoderne Perspektiven, Weinheim 1997, 13. „Die Kirchen sind nicht mehr die alleinigen Wahrer religiöser Wahrheit … Sie stellen – der religiösen Marktlogik entsprechend – selbst noch einmal Teilsegmente im religiösen Sektor, ein Angebot, eine verpflichtungsfreie wählbare Option unter vielen anderen dar“ (18).

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