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Materialdienst 9/2007
Burkhard Guntau

Möglichkeiten und Grenzen der Religionsfreiheit

Religiöse Bindung und Verantwortung

Der Wandel der religiös-weltanschaulichen Situation in Deutschland schlägt sich auch in verfassungsrechtlichen Neubestimmungen nieder. Nach Meinung von Experten lasse sich eine Entwicklung beobachten, die vom Staatskirchenrecht zum Religionsverfassungsrecht führt. Mit den Hintergründen und den sich daraus für die kirchliche Weltanschauungsarbeit ergebenden Folgen befasste sich die EZW-Jahrestagung für landeskirchliche Beauftragte für Weltanschauungsfragen und Referenten der Kirchenleitungen, die vom 7. bis 9. Mai 2007 in Bad Urach (Württemberg) stattfand. Im Rahmen der Tagung, die unter dem Thema „Religionsrechtliche Auseinandersetzungen“ stand, erläuterte der Vizepräsident des Kirchenamtes der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Burkhard Guntau, das Verhältnis von Staat und Religion und die Folgen, die sich daraus für die christlichen Kirchen ergeben. Wir danken dem Autor, dass er seinen Vortrag für die Veröffentlichung im MD zur Verfügung gestellt hat.


Jede Religion erhebt den Anspruch, das gesamte Verhalten an ihr auszurichten. Es gibt keine Religion, die ohne Konsequenzen für die Lebensführung wahrhaftig gelebt werden kann. Insofern hat jede Religion stets auch eine politische Dimension. Sie betrifft nicht nur das private, sondern auch das öffentliche Leben. Die offene Gesellschaft westlicher Prägung lebt von der Vielfalt von Basisorientierungen, Meinungen, Lebensvorstellungen, Weltanschauungen und Religionen, deren Beziehungen zueinander im Prozess der zivilgesellschaftlichen Öffentlichkeit auf der Grundlage gegenseitiger Toleranz gestaltet werden müssen.

Die Erfahrungen aus der Katastrophe der Religionskriege im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation im 16. Jahrhundert haben gelehrt, Toleranz als das Komplementärprinzip zur Religionsfreiheit zu begreifen. Religionsfreiheit ist damit per se eine gebundene und nicht eine absolute Freiheit. Toleranz ist dabei nicht gleichzusetzen mit: alles für richtig halten und jedem Recht geben. Wenn alles gleich gültig ist, wird alles gleichgültig, beliebig und verliert an Bindungs- und Überzeugungskraft. Religiöse Toleranz meint das Aushalten und Austragen von Differenzen in Anerkennung der Gleichrangigkeit. Die freiheitliche, offene Gesellschaft lebt dabei nicht davon, dass man sich gegenseitig in Ruhe lässt; sie braucht die wache, selbstbewusste Toleranz, die den Dialog einfordert, um Antworten auf die die Menschen bewegenden Fragen zu suchen.

Spätestens die Ereignisse des Terrors seit 2001 haben deutlich gemacht, wie unausweichlich der Dialog ist, um die religiöse Toleranz auch in unserem Lande nicht zu gefährden.

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