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Materialdienst 12/2007
Hermann Brandt

"The Sound of Silence". Zwischen Prophetie und Wellness

Die akustische Inszenierung der Stille

Den Anstoß zu den folgenden Betrachtungen verdanke ich – Gerhard Polt! Wenigen ist bekannt, dass dieser „urbayerische“ Kabarettist Skandinavistik studiert hat und fließend Schwedisch spricht. Am 5. Mai 2007 sendete das Bayerische Fernsehen im Dritten Programm ein „Porträt zum 65. Geburtstag des Kabarettisten und Autors Gerhard Polt“. Es wurde u.a. ein Ausschnitt eines Programms gezeigt, das Polt auf Einladung der schwedisch-deutschen Handelskammer in Stockholm gegeben hatte und das von ihm in einem späteren Interview kommentiert wurde. Das Fernsehen hatte nicht nur Polt als den Star des Abends gezeigt, sondern auch den im Publikum anwesenden schwedischen König und seine deutsche Ehefrau, die beide Polts Pointen offensichtlich genossen.

Aber Polt hob weniger die durchaus bemerkenswerte Tatsache hervor, dass sogar der König die Vorstellung mit seiner Gegenwart beehrt hatte, sondern vor allem, dass dieser kein einziges Wort sagte. Der König schwieg. Und eben dies, dass der König schweigend anwesend war, habe das Besondere dieses Abends ausgemacht, sagte Polt. Gerade die Anwesenheit des schweigenden Königs habe der Vorstellung einen einzigartigen Charakter verliehen. Das Schweigen des Königs sei durch das Kabarettprogramm sozusagen noch verstärkt worden. Polt erläuterte dies – als Filmemacher und Schauspieler – anhand der Art und Weise, wie die Stille inszeniert wird, auf der Bühne, der Leinwand oder auch in der katholischen Messe.

Die tiefe Stille werde gleichsam hörbar gemacht: Es tropft ein Wasserhahn, es tickt eine Uhr, und in der Messe wird der Höhepunkt, die Wandlung, während der alle knien und schweigen, durch den Ton eines Glöckchens angezeigt. Die Stille kann gehört werden. In solchen Inszenierungen durchbricht ein Laut die Stille nicht, sondern verstärkt sie und macht sie als solche wahrnehmbar.

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