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Materialdienst 8/2016
Gesellschaft

Religiöse Zugehörigkeiten von Asylsuchenden

Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) hat in seinem Bericht zum Thema Asyl 2015 auch zur ethnischen Herkunft und zur Religionszugehörigkeit der Asylsuchenden aussagekräftige Zahlen publiziert („Das Bundesamt in Zahlen 2015“, www.bamf.de). 2015 wurden 441899 Asylerstanträge und 34750 Asylfolgeanträge gestellt. Im Vergleich zum Jahr 2014 ist dies eine Erhöhung der Zahlen der Erstanträge um 155,3 %.

Seit 2005 gehört Syrien zu den zehn zugangsstärksten Herkunftsländern. 2015 betrug die Zahl der Erstanträge von Asylsuchenden aus Syrien (u. a. von Arabern 66,6 %, Kurden 24,9 % und Aramäern 0,4 %) 158657, aus Albanien 53805, aus dem Kosovo 33427, aus Afghanistan 31382 (u. a. 36,4 % Tadschiken, 21,7 % Hazara, 16,5 % Paschtunen), aus dem Irak 29784, aus Serbien 16700, aus Eritrea 10876, aus Mazedonien 9083, aus Pakistan 8199. Ungeklärt blieb die Frage des Herkunftslandes in 11721 Fällen.

Zu religiösen Zugehörigkeiten werden Angaben gemacht, die auf Selbstauskünften der Asylsuchenden im Zusammenhang ihrer Antragstellung beruhen. 73,1 % sind Muslime, 13,8 % Christen, 4,2 % Jesiden, 1,4 % sind konfessionslos, 7 % fallen unter die Kategorie sonstige/unbekannt.

Bei der Zuordnung der Religionszugehörigkeit zu den zugangsstärksten Herkunftsländern wird u. a. deutlich, dass aus Ländern wie Syrien, Albanien, Kosovo, Afghanistan, Mazedonien, Pakistan zwischen 74,8 % und 90,9 % Menschen muslimischen Glaubens kamen. Aus Serbien und Eritrea kamen mehrheitlich Christen (60 % und 72 %). 47,9 % der Erstanträge aus dem Irak wurden von Jesiden gestellt. Prozentual war Konfessionslosigkeit insgesamt kaum verbreitet, am höchsten war der Anteil Konfessionsloser bei Antragstellern aus Albanien (2,3 %) und Serbien (2,5 %).

Bei Altersgruppen und Geschlecht sind die Altersstufen bis unter 16 Jahre und von 18 bis 25 Jahren am häufigsten vertreten. Es überwiegt der Anteil der männlichen Antragsteller in nahezu allen Altersgruppen, bis auf die Gruppe 65 Jahre und älter. 71,1 % der Asylsuchenden sind jünger als 30 Jahre.

Der Bericht des BAMF enthält auch statistisches Datenmaterial darüber, wie auf europäischer Ebene unter Berücksichtigung des Dublin-Verfahrens mit Asylanträgen umgegangen wird. Die Gesamtschutzquote, die sich aus Asylanerkennungen, Flüchtlingsanerkennungen, der Gewährung von subsidiärem Schutz und der Feststellung eines Abschiebungsverbots ergibt, lag 2015 bei 48,5 % (bei einer Gesamtzahl der Entscheidungen im Jahr 2015 von 282726). Die höchsten Entscheidungsquoten für die Rechtsstellung als Flüchtling wurden im Blick auf Syrer (95,8 %), Iraker (86,4 %) und Menschen aus Eritrea (88,9 %) getroffen.

Hinter solchen Zahlen und Quoten stehen Menschen, die ein persönliches Gesicht und eine individuelle Geschichte haben. Sie sind vor Krieg und Gewalt geflohen, haben sich auf den Weg nach Europa und Deutschland gemacht und sind unsere Nachbarn geworden, zumindest zeitweilig. Auswanderung und Flucht sind in der Religionsgeschichte immer schon zentrale Faktoren der Ausbreitung religiöser Traditionen gewesen. Fragen des respektvollen und friedlichen Zusammenlebens von Menschen unterschiedlicher kultureller und religiöser Zugehörigkeit rücken in den Fokus kirchlicher, staatlicher und gesellschaftlicher Aufmerksamkeit.

Reinhard Hempelmann

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