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Materialdienst 3/2010
Islam

Frauenfeindliche Literatur in Moscheen - ein bekanntes Problem

Mitte Januar 2010 hat die Polizei in einer bundesweiten Razzia in Moscheen, Verlagen und Privatwohnungen im Umfeld des Islampredigers Pierre Vogel verbotene Bücher beschlagnahmt. Thema: Gewalt gegen Frauen. Genannt wurde insbesondere das saudische Schriftstück „Frauen im Schutz des Islam“ von A. Al-Sheha, das neuerdings verbreitet werde. Es rechtfertige das Schlagen von Frauen als Züchtigung, sofern Verletzungen vermieden würden. Dabei konnte der Eindruck entstehen, es handele sich bei der öffentlichen Verbreitung solcher Publikationen um eine aufsehenerregende neue Entwicklung. Dazu ist zu sagen: Etwas mehr Aufsehen könnte sie durchaus vertragen, neu ist sie hingegen nicht.

Was relativ neu ist und in letzter Zeit deutlich zugenommen hat, ist die umfangreiche Präsenz islamisch-missionarischer Schriften saudischer Herkunft nicht nur in arabischsprachigen Moscheen, sondern breit gestreut auch im Bereich andersethnischer muslimischer Gruppen. Der in Saudi-Arabien publizierende Abdur Rahman ibn Abdul-Karim Al-Sheha ist dabei ein prominenter Autor, meist übersetzt von einem Dr. Ghembaza Moulay Mohamed. Daneben fallen weitere Namen auf, etwa Muhammad Nasiruddin al-Albani oder Muhammad Salih al-Munajjid. Die Schriften zu Themen wie das Leben Muhammads, Tradition und Sunna, Umgangsformen für Heirat und Ehe, Scheidung und Erbrecht, islamische Pflichten, Menschenrechte oder Islam ganz allgemein gehören zunächst in das Spektrum des strengen salafitischen Islam (Salafiyya). Vielleicht hängt die Offenheit auch nichtsalafitischer Moscheegemeinden für derartige Literatur damit zusammen, dass sie günstig (kostenlos?) angeboten wird, teilweise hübsch aufgemacht ist und vor allem auf Deutsch erscheint. Zu den Autoren wie zu den Inhalten wäre angesichts der ebenso rigiden wie im Blick auf bestimmte soziale Bereiche konfliktträchtigen Darstellungen manches zu sagen. Dennoch ist nicht zu übersehen, dass die intensivere salafitische Präsenz nur pointiert fortführt, was schon bisher nachhaltigen Niederschlag in unterschiedlichen Formen muslimischer Selbstdarstellung und damit auf den Büchertischen vieler Moscheen gefunden hat und bis heute findet. Einige wenige Beispiele allein zum Thema Frauen mögen genügen, um darauf hinzuweisen (sie ließen sich leicht vermehren und auf andere Themenbereiche ausdehnen).

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Friedmann Eißler

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