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Materialdienst 12/2010
Claudia Knepper

"Ich gehör´ nur mir"

Eine Jugendfeier des Humanistischen Verbandes

Es ist Anfang Juni 2010. Wie andernorts zur Konfirmation versammelt sich vor dem Friedrichstadtpalast in Berlin eine säkulare „Gemeinde“ zu einer Jugendfeier des Humanistischen Verbandes Deutschlands (HVD). Eltern, Großeltern, Geschwister, Schulfreunde und Lehrer sind in freudig aufgeregter Stimmung. Langsam schieben sie sich mit ihren Eintrittskarten am Einlasspersonal vorbei durch das Nadelöhr der Eingangstür in das Foyer des traditionsreichen Berliner Revuetheaters. Bis 1992 wurden hier zahlreiche Folgen der bekanntesten Unterhaltungsshow des DDR-Fernsehens, „Ein Kessel Buntes“, aufgezeichnet. 1947 wurde im Vorgängerbau des Friedrichstadtpalastes die Jugendorganisation „Freie Deutsche Jugend“ (FDJ) gegründet. Auch durch andere gesellschaftliche Großveranstaltungen war das Haus in der ganzen DDR bekannt.

Acht Jugendfeiern des HVD an vier Samstagvormittagen fanden in diesem Frühjahr statt. Laut Pressemeldung des HVD wurden insgesamt 1650 Vierzehnjährige durch den HVD geehrt. Pro Jugendfeier waren etwa 210 Jugendweihlinge und gut 1700 Gäste im ausverkauften Haus anwesend. Für das Jahr 2011 haben sich bereits 1800 Jugendliche angemeldet. „Humanistische Jugendfeier“ nennt der weltanschauliche Verband seine Veranstaltungen. Nach Auskunft von Margrit Witzke, Abteilungsleiterin Jugend des Landesverbandes Berlin des HVD, will sich der HVD damit „vom Weihegedanken lösen und den selbstbestimmt-feierlichen Aspekt dieses Festes stärker in den Vordergrund stellen“. Auch möchte man sich mit dem neuen Namen von der Jugendweihe in der DDR kritisch abgrenzen. Mit dem Zusatz im Titel „die andere“ bzw. „die humanistische Jugendweihe“ stellt sich der HVD bewusst in die mehr als einhundertjährige Tradition der freireligiösen und freidenkerischen Jugendweihe.

Der Auftakt

Der im gedämpften Licht liegende Theatersaal empfängt seine Gäste ganz in Blau. Wie in einem Amphitheater erheben sich im Halbrund um die Bühne Sitze mit königsblauen Polstern und dunkler Holzrahmung. Die nach eigenen Angaben weltweit größte Theaterbühne liegt hinter einem durchsichtigen, straff gespannten Vorhang, der in seinem tiefen Blau mit weiß verwirbelten Farbflächen an einen Blick in die Weiten des Weltraumes erinnert.

Im Saal ist es recht laut. Aufgeregt wird in den Reihen getuschelt und gelacht, Plätze werden gesucht, Angehörigen wird gewinkt. Dann richten sich Scheinwerfer auf die vier Saaleingänge. Zum Marsch Nr. 1 „Pomp and Circumstance“ von Edward Elgar, der als die Einzugshymne von Schulabgängern an amerikanischen High-schools gilt, und eingeblasenem Nebel ziehen unter dem Applaus der Gäste in vier Reihen je 50 Mädchen und Jungen ein. Ein guter Teil des Publikums erhebt sich dazu. Es wird geklatscht, gepfiffen, gejubelt, gewinkt. Es ist eine mitreißende Stimmung. Flott hüpfen die Jugendlichen in einer Reihe hintereinander die Treppen hinunter. Alles wirkt sicher. Vorab wurde mit den Jugendlichen nicht geprobt, aber zahlreiche Helfer sorgen für einen reibungslosen Ablauf. Die gut 90-minütige Show ist professionell choreographiert und ausgeführt. Die Mitwirkenden sind professionelle Schauspieler, Moderatoren und Musiker. Gestaltet wurde die Feier unter der Regie von Axel Poike, Schauspieler, Regisseur und Autor, der auch schon Revuen für den Friedrichstadtpalast geschrieben hat, sowie von dem Musiker Frank Odjidja.

Während sich die Jugendweihlinge noch in die ersten Sitzreihen einfädeln, geht das Licht aus. In den Nebel hinein und unter zackiger Musik jagen Laserstrahlen durch den Saal. Der Vorhang hebt sich, das Licht auf der Bühne geht an.

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