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Materialdienst 5/2016
Buddhismus

Erstes buddhistisches Zentrum für Spiritual Care in Deutschland eröffnet

Am 25. Februar 2016 wurde in Bad Saarow (Brandenburg) mit einem Vortrag und einem anschließenden Empfang ein Modellprojekt eröffnet, in dem eine umfassende spirituelle Begleitung in Krisenzeiten und am Lebensende angeboten wird. Als Inspiration für das Zentrum dienten die buddhistischen Übungen des 1992 erschienenen Klassikers „Das tibetische Buch vom Leben und vom Sterben“ von Sogyal Rinpoche (geb. 1948).

Das Projekt wurde ab 2008 mit dem Ziel entwickelt, die Lehren der tibetisch-buddhistischen Weisheitstradition in die Praxis umzusetzen. Menschen mit Burnout, Verlusterfahrungen, Krankheiten und im Sterben sollen hier zu einem Perspektivwechsel auf ihr Leben angeleitet werden. Sogyal Rinpoche gab dem Zentrum den Sanskrit-Namen „Sukhavati“, der Wohlbefinden, Glück und Zufriedenheit bedeutet (www.sukhavati.eu).

Nach ihrem Eröffnungsvortrag über die Lehren von Buddha Shakyamuni stellte Almut Göppert, Fachärztin für Strahlenmedizin und Palliativmedizin und Leiterin der Sukhavati-Akademie, die verschiedenen Arbeitszweige und die Mitarbeiter des Zentrums vor. Durch eine großzügige Spende konnte ein barrierefreies und behindertengerechtes Gebäude mit 3400 Quadratmetern Nutzfläche direkt am Scharmützelsee errichtet werden. Das Besondere an diesem Projekt besteht darin, dass hier Spiritual Care zugleich gelehrt und angewendet wird. Die Akademie richtet professionelle Trainings und Seminare in Spiritual Care aus. Im Wohnbereich werden Appartements für Menschen in Lebenskrisen oder mit großer Pflegebedürftigkeit, z. B. am Ende ihres Lebens, angeboten.

Der Geist des Zentrums soll von den buddhistisch praktizierenden Bewohnern bestimmt werden. Durch ihre Meditationen wollen sie eine mitfühlende und heilsame Atmosphäre stiften. Drei Räume im Zentrum sind eigens für Meditation, Gebet, Stille und zum Abschiednehmen vorgesehen. Regelmäßige Angebote sind Meditationen, die Praxis der Liebenden Güte und des Mitgefühls, Lesungen und Austausch, Videoabende mit ausgewählten Belehrungen zu bestimmten Themen (z. B. Heilung, Umgang mit Trauer). Angeboten wird außerdem die Teilnahme an Heilungspraxis und Gebeten für Heilung.

Im christlichen Bereich machte schon die Benediktinerregel Krankenpflege für die Mönche zur Pflicht, und die ersten Krankenhäuser und Hospize entstanden im Umfeld von christlichen Klöstern. Heute ist Spiritualität zu einem wichtigen Thema in der Palliativmedizin und der Hospizarbeit geworden, oft ist sie buddhistisch geprägt. In dem beschriebenen Modellprojekt wird buddhistisch-spirituelle Praxis konkret auf Krisenbewältigung und die Sterbebegleitung angewendet. Welchen Stellenwert buddhistisch geprägte spirituelle Begleitung im interreligiös angelegten Konzept von Spiritual Care einnehmen wird und wie sie sich zu anderen religiösen und weltanschaulichen Ansätzen positioniert, wird spannend zu beobachten sein.

Michael Utsch

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