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Materialdienst 7/2010
João Carlos Schmidt

Tore für Jesus

Fußballstars und ihr missionarischer Einsatz für den christlichen Glauben

Fußball und Glaubensbekenntnis

Das Bild ist vielen Fußballfans bekannt: Nach einem Tor zieht der Torschütze sein Trikot aus und zeigt auf seinem Unterhemd Aufschriften wie „Jesus liebt dich“ oder „I belong to Jesus“. Diese Kundgabe religiöser Botschaften auf dem Spielfeld, das vor einigen Jahren vom Weltverband Fifa verboten wurde, war gängige Praxis brasilianischer Fußballstars wie Kaká (Real Madrid), Lúcio (Inter Mailand) oder Zé Roberto (Hamburger SV). Der brasilianische Abwehrspieler Marcelo Bordon (FC Schalke 04) hat sich auf dem Rücken das Tattoo „Jesus ist meine Kraft“ stechen lassen.

Auf ihren Internetseiten bekennen sich diese und andere Spieler, wie z. B. der Torjäger Cacau vom VfB Stuttgart, zu ihrem Glauben an Jesus Christus als „Herrn“ und „Heiland“. Sie berichten von Bekehrungserlebnissen und betonen die Überzeugung, ihr Erfolg als Fußballspieler sei dem Segen Gottes zu verdanken. Das Angebot und die Leitung von Gebets- und Bibelkreisen in ihren Fußballclubs, die Zugehörigkeit zu brasilianischen freien Gemeinden in Deutschland und das Engagement in sozialen Projekten gehören ebenfalls zum Profil einiger dieser Spieler. Sie stammen aus verschiedenen brasilianischen Kirchen und Gemeinden evangelikaler und neupfingstlerischer Prägung und sehen es als ihre Aufgabe an, mithilfe ihres Erfolgs im Profi-Fußball in Europa den Glauben an Jesus Christus zu verbreiten und damit Menschen für diesen Glauben zu gewinnen. „Wenn Du auch, so wie ich, ein erfolgreiches und friedliches Leben wünschst, nimm Jesus Christus als Deinen Herrn und Heiland an“, heißt der Bekehrungsappell auf der Internetseite des deutschen Nationalspielers Cacau (www.cacau.de, Rubrik: Glaube).

Einige Spieler wie z. B. Lúcio sind Mitglieder des in den 1970er Jahren gegründeten brasilianischen christlichen Vereins „Atletas de Cristo“ („Athleten Christi“). Dabei handelt es sich um ein Missionswerk mit dem Ziel, den christlichen Glauben unter Profisportlern zu verbreiten. Der Verein ist in regionalen Gruppen organisiert, bietet unter anderem Seminare für missionarisches Training an und arbeitet in Kooperation mit Kirchen und Gemeinden. Die Arbeit des Vereins hat sich mittlerweile über die brasilianischen Grenzen hinaus in andere lateinamerikanische Länder ausgebreitet.

Die „Athleten Christi“ haben aber noch ehrgeizigere Ziele: Während der Fußball-Weltmeisterschaft werden sie mit 200 ehrenamtlichen Mitarbeitern in Südafrika missionarisch tätig sein. Dafür wurde eine DVD mit Glaubenszeugnissen von Fußballspielern aus Brasilien und anderen Ländern produziert.

Ambivalente Resonanz

Die Resonanz auf öffentliche Bekenntnisse religiöser Überzeugungen bei sportlichen Veranstaltungen, v. a. bei Fußballspielen, ist sehr unterschiedlich. In christlichen bzw. evangelikalen und pfingstlerischen Kreisen werden solche Bekenntnisse als legitime Äußerungen des Glaubens und als Erfüllung des persönlichen Missionsauftrags gläubiger Sportler gesehen. So wie in anderen Bereichen des Lebens wird auch im Sport kein Unterschied zwischen „religiösem“ und „profanem“ Lebensbereich gemacht. Außerdem schätzen Kirchen, Gemeinden und Missionswerke den Ruhm erfolgreicher Fußballspieler als wirksames Instrument für die Missionsarbeit vor allem unter Jugendlichen.

Ganz anders wird der missionarische Eifer gläubiger Sportler in der Presse und bei sportlichen Verbänden gesehen, nämlich als Vermischung von Sport und Religion und als Missbrauch sportlicher Veranstaltungen für religiöse Zwecke. So kritisierte die Fifa letztes Jahr die brasilianische Nationalmannschaft anlässlich des Confederation Cup in Südafrika, weil die Spieler nach dem Finale mitten auf dem Spielfeld einen Gebetskreis bildeten und auf den Knien Gott für den Sieg dankten. Der Fußball-Weltverband forderte daraufhin den brasilianischen Fußballbund auf, dafür zu sorgen, dass brasilianische Spieler in Zukunft solche religiösen Praktiken unterlassen. Die Fifa will damit verhindern, dass Fußballspiele zu religiösen Kundgebungen benutzt werden oder es – wenn z. B. Spieler muslimischen Glaubens dasselbe machen – zu einem Wettbewerb zwischen Religionen kommt und Stadien zum Schauplatz religiösen Fanatismus werden.

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