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Materialdienst 8/2002
Ulrich Dehn

Sri Sri Ravi Shankar - der Unterhaltungswert des Banalen

Der Meister live

"Die Wiederkehr menschlicher Werte" - unter diesem Motto stand die Deutschlandtournee des Inders Sri Sri Ravi Shankar; in Berlin fiel sein Auftritt (24.6.2002) zeitlich fast zusammen mit einem Gastspiel seines Sitar spielenden erheblich älteren Namensvetters Ravi Shankar, 82. Dass in Berlin als Veranstaltungsort die evangelische Heilig-Kreuz-Kirche zur Verfügung stand, ist ein Thema der besonderen Art.
 
Schon beim Eintritt empfing den Besucher ein "indisches Flair": Hunderte freundlicher Menschen mit spirituell offenen, aufgeschlossenen Gesichtern, kein Gedränge trotz zunehmender Sitzplatzknappheit - eine höchst friedliche Atmosphäre. Auch ein SFB-Fernsehteam war da. Die Bücher, die ich am Bücherstand kaufte, duften noch jetzt nach Räucherstäbchen. Ein Gästeformblatt konnte an Ort und Stelle an Stehtischen ausgefüllt werden und würde dazu führen, weiterhin mit der Kunst des Lebens in Kommunikation zu stehen - wohlwollend ausgedrückt. Der Charakter der Veranstaltung schwankte zwischen etwas unprofessionell und informell, letzteres ist offenbar Programm.
 
Die einleitenden Worte der deutschen Repräsentanten lassen vermuten, dass sie sich in einem Meer von Sympathisanten wähnen (700 bis 800?). Ein amateurhafter Dokumentar-Videofilm (ca. 10 Minuten) wird auf eine viel zu kleine Leinwand gebeamt, und auch die Tonqualität lässt zu wünschen übrig. Geschildert werden die wunderbaren liebevollen Aktivitäten des netten Inders in nuce, Hilfsprojekte, Möbelverteilung im überschwemmten Oderbruch, Rehabilitationskurse für Strafgefangene und Suchtkranke, Schulen in Indien. Auch dass Sri Sri Ravi Shankar bereits mit vier Jahren die Bhagavad Gita rezitiert habe, wird hier verraten. Nach einigen Hinweisen auf Kontaktmöglichkeiten und nächste Kurse in der Kunst des Lebens kommt ER, von hinten, die Gemeinde steht auf wie beim Einzug der Konfirmanden, er tänzelt temperamentvoll hin und her, grüßt fröhlich nach links und rechts, quirlig und sympathisch. Und jetzt wird es so richtig locker, nur ein bisschen dadurch gestört, dass von nun an jeder indisch-englische Räusper von Sri Sri ("Isn't it so?") in einen deutschen Räusper übersetzt wird. Wir werden dazu aufgefordert, uns gegenseitig in den Stuhlreihen zu begrüßen, und dann gefragt, wie das denn war, und ob wir alle da sind. Sri Sri spricht jetzt darüber, dass Liebe wichtig ist, dass sie alles ist und überall, dass wir uns zuviel Stress machen, dass alles in uns steckt und nur rausgeholt werden muss. Lasst uns positiv denken und die Dinge einfach von ihrer schönen Seite sehen.

Dann wird darüber abgestimmt, was zuerst kommen soll: Meditation oder Fragen beantworten. Erst Meditation. Alles ist möglich. Wir sind sehr locker. Das ist auch schon der eindrucksvollste Teil des Abends. Die Meditation mit kurzer, durchaus kompetenter Anleitung dauert ca. zwanzig Minuten, in der riesigen Kirche ist es mucksmäuschenstill, nicht einmal ein Huster.

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