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Materialdienst 8/2002
Ki-Bewegungen

Falun Gong in nordost-chinesischen Kabelnetzen

(Letzte Meldung: 3/2001, 107f) Die 1992 von Li Hongzhi begründete, chinesische Neureligion Falun Gong, die im Juli 1999 in China verboten wurde und seither streng verfolgt wird, geht offenbar zu offensiveren Protestmethoden über. Nach Angaben des Falun Dafa Information Centre in New York haben in den ersten Monaten 2002 Anhänger in fünf großen Kabelnetzen Filme gegen die Verfolgung durch die chinesischen Behörden gezeigt. Im ersten international bestätigten Fall gelang es Falun Gong-Mitgliedern am 5. März 2002, das Kabelfernsehen in Chang-chun zu übernehmen und einen 50-minütigen Beitrag über die Verfolgung der Gruppe durch die chinesischen Behörden zu zeigen. Die 1,3-Millionen-Stadt ist Hauptstadt der nordost-chinesischen Provinz Jilin und Heimatstadt von Li Hongzhi. In der Folge wurden mehr als 25 Falun Gong-Mitglieder festgenommen. Vier Angeklagte wurden zu Gefängnisstrafen zwischen sieben und 16 Jahren verurteilt. Belegt ist ein weiterer Vorfall am 21. April 2002 in Harbin, der Hauptstadt von Heilongjiang an der russisch-chinesischen Grenze, wo ein fünfminütiger Beitrag in Tausenden von Kabelhaushalten zu sehen war. Die Falun Gong-eigenen Medien werden von der VR China konsequent blockiert. Text- und Audiofiles gibt es schon länger auf den Internetseiten der Bewegung (www.falundafa.org seit 1998; www.falundafa.de), doch wird der Zugang in China verhindert. Am 1. Juli 2000 begann Falun Dafa Radio (Fang Guang Ming Radio) mit Rundfunksendungen für die Volksrepublik China. Falun Gong war damit nach Aum Shinrikyo binnen weniger Jahre die zweite Neureligion aus dem Umfeld des Buddhismus, die zur Verbreitung ihrer Weltsicht internationale Rundfunksendungen aufgenommen hat. Die Erstsendung gab einen historischen Abriss der Falun Gong seit ihrer öffentlichen Gründung durch Li Hongzhi, betonte gesundheitliche Aspekte der Bewegung und setzte sich kritisch mit der Verfolgung durch die chinesische Regierung auseinander. Die Sendestunde wird von 20 Mitgliedern in den USA produziert und von geheim gehaltenen Standorten auf Kurzwelle ausgestrahlt. Die Sendezeit wird über einen belgischen Makler besorgt, der in den letzten Jahren Kurzwellensender in Bulgarien (2000/2001), dem GUS-Raum und Litauen buchte. Die Sendungen werden jedoch von der Volksrepublik massiv gestört, indem sich gleich mehrere chinesische Sender auf die jeweils benutzten Frequenzen setzen. Insgesamt bezeichnen auch unabhängige Beobachter die Inhalte nicht so sehr als religiös, sondern als regierungskritisch bis -feindlich.

Hansjörg Biener, Nürnberg

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