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Materialdienst 2/2015
Barbara Drossel

Die Evolution und der Designer

Eine kritische Rezension1 von Reinhard Junker (veröffentlicht auf der Internetseite der Studiengemeinschaft „Wort und Wissen“) des Buches von Barbara Drossel „Und Augustinus traute dem Verstand“2 war Ausgangspunkt einer heftigen Diskussion zum Thema Evolution und Kreationismus, die in den vergangenen Monaten in Beiträgen im Materialdienst (8/2014, 292-304; 10/2014, 381-385; 12/2014, 445-454) sowie auf den Webseiten von „Wort und Wissen“ ihren Niederschlag fand. Im Folgenden nimmt Barbara Drossel, die Autorin des Buches, das die Debatte ausgelöst hat, selbst zu der Thematik Stellung. Sie ist Professorin für Theoretische Physik an der TU Darmstadt und engagiertes Mitglied einer evangelischen Freikirche.


 

Die Hauptkritik an der Studiengemeinschaft „Wort und Wissen“ rührt daher, dass sie die Überzeugung vertritt, dass es vor dem Sündenfall des Menschen keinen Tod in der Welt gegeben habe, auch nicht bei den Tieren. Dies steht im Widerspruch zu den geologischen Belegen dafür, dass es lange vor den Menschen viele verschiedene Erdzeitalter gab und viele Spezies, die längst ausgestorben sind. Konsequenterweise muss „Wort und Wissen“ die wissenschaftlichen Erkenntnisse über das Alter der Erde und der verschiedenen geologischen Schichten ebenso leugnen wie die wissenschaftlich etablierte Entwicklungsgeschichte des Universums und des Lebens auf der Erde. Das bedeutet, dass ein wesentlicher Teil von 200 Jahren naturwissenschaftlicher Forschung abgelehnt wird. Die Studiengemeinschaft „Wort und Wissen“ sieht dies allerdings nicht so, da sie diejenige Forschung, die sich auf die Vergangenheit der Erde und des Universums bezieht, „Naturhistorische Forschung“ oder auch „Ursprungsforschung“ nennt und von der naturwissenschaftlichen Erforschung gegenwärtiger Sachverhalte trennt. Bei ersterer habe man es mit „Gottes ursprünglichem Schaffen“ zu tun, das einmalig und wunderhaft sei, beim zweiten mit seinem „erhaltenden Wirken“, das wir heute z. B. in Gestalt von Naturgesetzen beobachten können. Diese Trennung ist aus zwei Gründen nicht haltbar. Erstens fanden nicht nur in der Vergangenheit Entstehungsprozesse statt, sondern sind sie auch heute beobachtbar: Die Astrophysiker beobachten, wie Sterne und Planeten anderswo im Weltall entstehen, die Geologen beobachten, wie Inseln und Berge entstehen, und die Biologen beobachten, wie neue Arten entstehen. Zweitens arbeiten diejenigen Forscher, die sich mit vergangenen Prozessen befassen, nach denselben Prinzipien wie andere Naturwissenschaftler:3 Sie stellen sehr genaue Beobachtungen an, die wiederholbar und objektiv für jeden nachvollziehbar sind. Sie stellen Hypothesen auf, wie diese Beobachtungen erklärt werden können. Sie testen diese Hypothesen, indem sie weitere Messungen durchführen oder weitere Spuren suchen oder Modellrechnungen am Computer durchführen. Sie überlegen, welche Vorhersagen aus den Hypothesen ableitbar sind, und überprüfen diese Vorhersagen.

Doch all diese Argumente stoßen bei der Studiengemeinschaft „Wort und Wissen“ auf einen fundamentalen Vorbehalt: Naturwissenschaftliche Erklärungen für die Entstehung der Sterne, der Erde und des Lebens seien atheistisch. Die Naturwissenschaften würden naturalistisch arbeiten und sich auf „blinde, ungelenkte Naturprozesse“ berufen. Somit sei „geistige Verursachung“ ausgeschlossen. Doch genau diese liege doch vor, wenn Gott als Schöpfer handelt. In der Tat gibt es viele Naturwissenschaftler, insbesondere auch Autoren von populärwissenschaftlichen Büchern, die aus den Erkenntnissen der Naturwissenschaft folgern, dass es keinen Schöpfergott gibt. Doch Reinhard Hempelmann weist in seinem Beitrag vom Dezember 20144 zu Recht darauf hin, dass diese Leute hiermit „wissenschaftliche Forschungsergebnisse im Sinne einer umfassenden materialistischen Weltanschauung“ interpretieren. In meinem Buch wird ebenfalls begründet, dass diese Sicht eine Grenzüberschreitung ist, und es wird aufgezeigt, wie christliche Wissenschaftler das Verhältnis von Naturgesetzen und Gottes Schaffen und Handeln sehen. Meine diesbezüglichen Ausführungen werden in Junkers Rezension meines Erachtens nicht wirklich verstanden, denn er folgert, ich würde ablehnen, dass man aus der (biologischen) Natur auf einen Designer schließen könne und dass es Wunder gebe, und ich würde den Evolutionsprozess als eine „Vorprogrammierung“ durch Gott verstehen. Doch dem ist nicht so. Um dies genauer zu erläutern, möchte ich im Folgenden einige Facetten der spannenden Frage, wie Gottes Handeln und die Naturgesetze zusammengedacht werden können, genauer diskutieren. Meines Erachtens sind einige Anfragen und Einwände von „Wort und Wissen“ und anderen Proponenten des „Intelligent Design“ durchaus ernst zu nehmen. Allerdings liegen die Antworten woanders, als sie meinen.

Großes oder kleines I?

Die Vertreter des „Intelligent Design“ (ID mit großem I) wollen durch naturwissenschaftliche Untersuchungen nachweisen, dass es einen intelligenten Input bei der Entstehung der biologischen Arten gegeben hat. Sie betrachten „geistigen Input“ als eine dritte Ursache neben den physikalischen Naturgesetzen und dem Zufall, die beide „natürlich“ und „blind“ seien. Die Komplexität und Zweckmäßigkeit von biologischen Zellen und Lebewesen könne nicht durch rein natürliche Prozesse zustande gekommen sein. Dies mit wissenschaftlichen Methoden nachzuweisen, ist ein wichtiges Ziel der Forschung und der Publikationen von „Wort und Wissen“.

Von dieser Sichtweise unterscheidet sich der allgemeine Glaube an Gott als Schöpfer. Man könnte ihn als Glauben an ein intelligentes Design (mit kleinem i am Anfang) bezeichnen. Denn wer glaubt, dass Gott alles geschaffen hat, glaubt, dass es eine intelligente Ursache und damit einen „Designer“ gibt. Doch ich und viele meiner christlichen Kollegen meinen, dass die Argumente für diesen intelligenten Designer nicht auf der naturwissenschaftlichen Ebene gemacht werden dürfen. Es handelt sich hierbei um eine philosophische Interpretation des wissenschaftlichen Befunds. Bei den Naturwissenschaften handelt es sich immer um eine innerweltliche Beschreibungsebene: Wir beschreiben auf Basis unserer Beobachtungen und Messungen, was in der Welt abläuft und in der Vergangenheit abgelaufen ist, und wir können daraus allgemeine Prinzipien und Zusammenhänge ableiten. Auf einer philosophischen oder theologischen Ebene werden diese Dinge dann interpretiert. Dies gilt übrigens nicht nur für regelhafte Abläufe. Auch einmalige Ereignisse oder solche, die den Rahmen des Üblichen sprengen, werden zunächst einmal innerweltlich wahrgenommen und beschrieben und lassen immer auch innerweltliche Erklärungen zu. Für Wunder kann man z. B. bisher unbekannte Gesetze oder krasse Zufälle, psychologische Effekte oder Täuschung heranziehen. Wenn Zellen tatsächlich spontan aufgetaucht wären, könnte man den Import mittels Kometen, bisher nicht nachweisbare Vorstufen, neuartige Selbstorganisationsprozesse oder einen der Natur innewohnenden Trieb zur Ausbildung von Leben dafür verantwortlich machen. Oder man könnte sagen, es gebe keine Erklärung und keine Ursache, es sei einfach so passiert. Die Folgerung, dass Gott diese Dinge getan hat, ist niemals zwingend und niemals Teil der innerweltlichen Beschreibung, sondern geht über sie hinaus.

Ob es einen Designer gibt, ist also keine naturwissenschaftliche Frage, sondern eine Frage auf einer übergeordneten Meta-Ebene. Auch Fragen nach Ziel, Planung und Sinn sind nicht Gegenstand der Naturwissenschaft. Dies bedeutet aber nicht, dass man ausgehend von der Naturbeobachtung nicht sinnvoll über die Existenz Gottes oder von Zielgerichtetheit diskutieren und Argumente darüber austauschen kann. Man darf allerdings nicht vergessen, dass man hierbei einen naturwissenschaftlichen Befund weltanschaulich interpretiert. Man darf meines Erachtens auch die Argumente für Gott plausibler oder „besser“ finden als die Argumente gegen Gott. Aber man darf sie nicht als „Beweise“ darlegen.

Ist die Welt der Physik kausal geschlossen?

Mir scheint die Auffassung weit verbreitet, dass dort, wo die Gesetze der Physik gelten, Gott nicht gleichzeitig schaffend und handelnd tätig sein könne, weil ja dann allein die Physik bestimme, was passiert. Auch in der Rezension von Junker wird mehrfach Gottes Schaffen im Gegensatz gesetzt zu natürlichen Abläufen, die als „blind“ und „nichtgeistig“ charakterisiert werden und in die Gott „eingreifen“ müsse, wenn er schaffend handelt. Meine Auffassung, dass selbst bei der Entstehung der biologischen Arten die Gesetze der Physik gelten, würde auf ein naturalistisches Weltbild hinauslaufen, und ich würde annehmen, alles in der Welt sei „durch Naturgesetz plus physikalisch beschriebene Zufallsprozesse bestimmt“. Also würde ich Gottes Schaffen auf ein anfängliches „Programmieren“ der natürlichen Abläufe reduzieren. Hier wird ein Verständnis der Physik angenommen, das zu meinem Leidwesen von vielen Physikern geteilt und gelehrt wird. Sie glauben, dass im Prinzip die fundamentalsten physikalischen Gesetze, nämlich die der Quantenmechanik, alles vollständig bestimmen, was in der Welt passiert. Doch dies ist eine sehr starke Annahme, die nicht beweisbar ist und viele Probleme mit sich bringt. Die Geschichte der Physik legt nahe, dass jedes physikalische Gesetz seinen beschränkten Gültigkeitsbereich hat und nur eine Annäherung an die Realität ist, aber keine vollständige Beschreibung. Ich zitiere gerne die Aussage der Wissenschaftsphilosophin Nancy Cartwright, die Natur sei wahrscheinlich unterbestimmt durch die Gesetze der Physik. Dies bedeutet, dass auch wenn wir sehr erfolgreich das Verhalten aller Materie durch die Gesetze der Physik beschreiben können, diese Gesetze nicht vollständig alles festlegen, was passiert. Der Physiker und Theologe John Polkinghorne spricht hier von der „kausalen Offenheit“ der physikalischen Natur. Nur so ist es zum Beispiel zu erklären, dass bei den in unserem Gehirn ablaufenden Denkprozessen die Bewegungen der Atome durch die Gesetze der Physik beschrieben werden können, während der Denkprozess als Ganzes den (nicht physikalischen!) Gesetzen der Logik folgt und der kreative Akt einer Person ist. Ganz analog ist es plausibel, dass bei der Evolution die elementaren, mikroskopischen Prozesse den Gesetzen der Physik folgen, während der Prozess als Ganzes von höheren Prinzipien geleitet wird und das kreative Handeln Gottes ist. Martin Neukamm verweist meines Erachtens in dieser Hinsicht zu Recht auf die Parallele zwischen der Evolutionstheorie und der Meteorologie.5 Die Meteorologie arbeitet sehr erfolgreich naturalistisch, also ohne Gottes „Eingreifen“ als kausale Kraft heranzuziehen. Aber die Bibel sagt an vielen Stellen, dass Gott Gewitter, Wolken und Regen macht. Es gibt auch genügend persönliche Zeugnisse von Christen der Vergangenheit und Gegenwart, die einen Wetterumschwung o. Ä. als Gebetserhörung schildern. Genau wie bei der Evolution lassen sich die verschiedenen Perspektiven miteinander vereinbaren, wenn man von der kausalen Offenheit der physikalischen Natur ausgeht. Ich würde gerne von „Wort und Wissen“ eine Diskussion der Frage sehen, wie Gott im Wettergeschehen „eingreift“!

Was ist Evolution?

Mir ist es sehr wichtig, drei verschiedene Bedeutungen des Begriffs „Evolution“ zu unterscheiden, wie dies in meinem Buch auch ausführlich erklärt wird:

1. die „Tatsache“ Evolution, also die gemeinsame Abstammung aller Lebewesen von denselben gemeinsamen Vorfahren, die durch die empirischen Daten meines Erachtens so gut belegt ist, dass jeder, der diese Daten kennenlernt und keine anderslautende vorgefasste Meinung hat, dadurch überzeugt werden müsste.

2. die „Theorie“ der Evolution, die sich seit Darwin stark weiterentwickelt hat und sich auch heute angesichts der vielen neuen Erkenntnisse aus Molekularbiologie, Entwicklungsbiologie, Ökologie etc. noch verändert. Hier wird diskutiert, welches die Mechanismen und Kräfte sind, die die Veränderung und Anpassung der Arten ermöglichen und vorantreiben, und hier gibt es meines Erachtens viele spannende Fragen, von denen längst nicht alle zufriedenstellend geklärt sind.

3. die „Weltanschauung“ Evolution, die Evolution als einen sinn- und ziellosen, ungeplanten und ungewollten, ausschließlich materiellen Prozess sieht.

Leider werden diese drei Bedeutungen oft in populärwissenschaftlichen Büchern über Evolution durcheinandergeworfen, und deshalb wird oft mit der Evolutionslehre auch eine atheistische Sicht der Natur vermittelt. „Wort und Wissen“ und viele andere Evolutionsgegner scheinen dieses Verständnis von Evolution zu übernehmen, denn sie vertreten ebenfalls die Meinung, dass Evolution eine atheistische Theorie sei, weil für Gott kein Platz sei oder er bestenfalls am Anfang als Programmierer der ganzen Sache fungieren könne. Die Hauptenergie im Kampf gegen Evolution wird dann allerdings gegen die Evolutionstheorie (also gegen die zweite Bedeutung des Begriffs „Evolution“) geführt, und man weist auf all die vermeintlichen und zum Teil auch echten Lücken und offenen Fragen hin. Dies wiederum führt im Gegenzug dazu, dass viele Wissenschaftler sich darauf versteifen, der Evolutionsprozess sei schon vollständig verstanden, und sogar die Entstehung des Lebens sei im Wesentlichen verstanden. Ich wünsche mir einen entspannteren und offeneren Umgang mit diesen Fragen. Nicht jede Anfrage und Kritik von kreationistischer oder ID-Seite ist unberechtigt.

Geistiger Input

Die Vertreter des ID-Ansatzes und auch „Wort und Wissen“ verweisen darauf, dass es bei der Entstehung des Lebens einen „intelligenten“ oder „geistigen“ Input gegeben haben müsse. Dieser geistige Input wird von den gesetzmäßigen und den zufälligen physikalischen Prozessen unterschieden. Also wird (zumindest implizit) behauptet, dass während des „geistigen Inputs“ das übliche Naturgeschehen suspendiert wird oder dass es durch den geistigen Input auf einen anderen Verlauf umgelenkt wird.

Die Frage nach dem Verhältnis von Geist und Materie ist eine sehr berechtigte Frage, die auch in der akademischen Wissenschaft kontrovers diskutiert wird, wie man zum Beispiel der Debatte über das menschliche Bewusstsein oder die Willensfreiheit entnehmen kann. Die meines Erachtens beste Sichtweise hierzu ist die oben beschriebene „kausale Offenheit“ der physikalischen, materiellen Welt. „Geistiger Input“ geschieht nicht punktuell unter Aussetzung oder Veränderung der ansonsten geistlos ablaufenden physikalischen Prozesse, sondern die physikalisch beschreibbaren Abläufe werden durchwegs von „geistigen“ Prinzipien regiert! Die physikalischen Gesetze selbst sind mathematisch und nichtmateriell. Diejenigen Theorien, die die fundamentalen Bestandteile der Materie, also die Elementarteilchen beschreiben, beruhen auf Symmetrien und Erhaltungsgrößen, also auf mathematischen Konzepten. Theorien, die Systeme aus vielen Teilchen beschreiben, wie die Thermodynamik, die Hydrodynamik oder die Festkörperphysik, werden ebenfalls auf Basis von Symmetrieüberlegungen und Erhaltungsgrößen aufgestellt. Sie sind nicht von allen mikroskopischen Details abhängig, sondern nur von einigen relevanten Eigenschaften. Dies bedeutet, dass sie ebenfalls von nichtmateriellen Prinzipien bestimmt werden und nicht allein von ihren materiellen Bausteinen. Man spricht hier von „Emergenz“. So ist es auf jeder Hierarchieebene, auch wenn man über die Physik hinausgeht: Atome, Proteine, Zellen, Gehirne, Individuen, Staaten werden jeweils durch eigene Gesetze und Konzepte beschrieben.

Spätestens wenn es um das Thema „Bewusstsein“ geht, geben all diejenigen Wissenschaftler, die keine rein materialistische Sicht der Natur haben, zu, dass sich nicht alles auf grundlegende physikalische Gesetze reduzieren lässt. Am Beispiel des menschlichen Bewusstseins wird der „geistige Input“ in die materielle Welt am augenscheinlichsten: Pläne, Absichten, Ziele, Kreativität, Entscheidungen, Werte, und vieles mehr beeinflusst uns Menschen und durch uns auch unsere nichtbelebte Umgebung. Dabei werden an keiner Stelle physikalische Gesetze verletzt. Auf mikroskopischer Ebene beobachten wir im Gehirn elektrische und chemische Aktivität, die bekannten elementaren Gesetzen gehorcht und bei der wie immer bei nichtverschwindender Temperatur viel Zufall beteiligt ist. Wer auf dieser mikroskopischen Ebene den „geistigen Input“ sucht, sucht an der falschen Stelle, da man das ganze System betrachten muss. Auf mikroskopischer, physikalischer Ebene sieht man nun mal nur Gesetze und Zufall. Ähnlich ist es bei der Evolution: Wer den geistigen Input bei den elementaren Prozessen, also den Interaktionen der Biomoleküle oder den Mutationen sucht, sucht an der falschen Stelle.
Unberührt von all diesen Überlegungen ist die Frage, ob es Wunder im Sinne von singulären Abweichungen von den gesetzmäßigen Abläufen geben kann. Hierzu habe ich in meinem Buch geschrieben, dass ich die Auferstehung Jesu von den Toten als ein solches Wunder betrachte. Sie sprengt den Rahmen der üblichen Abläufe und folgt sozusagen einer tieferen Logik oder tieferen „Gesetzen“.

Vorwärtsgewandt argumentieren

Die obigen Überlegungen und Themen bieten ein riesiges Betätigungsfeld, da sie mit vielen offenen Fragen verbunden sind. Wer aus christlicher Perspektive einen konstruktiven Beitrag zu einer Einordnung der Theorien zur Entwicklung des Universums und des Lebens leisten möchte, sollte nicht an seit 200 Jahren überholten Thesen über das Alter der Erde oder die Datierung der Dinosaurier festhalten, sondern auf Basis der neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse arbeiten. Meines Erachtens können und müssen christliche Wissenschaftler dazu beitragen, dass in den Naturwissenschaften atheistische, reduktionistische, deterministische oder materialistische Auffassungen nicht überhand nehmen. Da die Studiengemeinschaft „Wort und Wissen“ mit ihren Beiträgen im universitären Umfeld nicht ernst genommen wird, kann sie hierzu leider keinen Beitrag leisten.

Anmerkungen

1 Reinhard Junker, „Den Verstand benutzen und der Bibel trauen“, www.wort-und-wissen.de/info/rezens/b51.pdf.
2 Barbara Drossel, Und Augustinus traute dem Verstand. Warum Glaube und Naturwissenschaft keine Gegensätze sind, Gießen 2013.
3 Darauf weist auch Martin Neukamm in seinem Beitrag „Bemerkungen zur wissenschaftstheoretischen Position der Studiengemeinschaft „Wort und Wissen“, in: MD 8/2014, 296-304, hin.
4 Reinhard Hempelmann, Christlicher Schöpfungsglaube und Kreationismus, in: MD 12/2014, 445-454.
5 Vgl. Martin Neukamm, Bemerkungen zur wissenschaftstheoretischen Position der Studiengemeinschaft „Wort und Wissen“ (s. Fußnote 3), 301; vgl. auch Hansjörg Hemminger, Mit der Bibel gegen die Evolution, EZW-Texte 195, Berlin 2007, 68ff.

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