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Materialdienst 7/2002
Theo Sundermeier

Christliche Identität angesichts der Vielfalt der Konfessionen und Religionen

Ein Werkstattbericht*

Die Frage nach der Identität ist neuerdings von verschiedenen Seiten zum Thema wissenschaftlichen Nachdenkens gemacht worden. Der von O. Marquard und K. Stierle herausgegebene Band VIII der Reihe "Poetik und Hermeneutik" hat früh (1979)1 darauf aufmerksam gemacht, welche gesellschaftliche Relevanz das Problem in einer vom Funktionalismus bestimmten Gesellschaft besitzt und hat die Identitätsproblematik im Blick auf Kunst, Psychologie, Soziologie und Religion erstmals durchgespielt, ohne allerdings zu endgültigen Ergebnissen zu kommen. Das konnte angesichts der steigenden Komplexität der Sache nicht erwartet werden, auch wenn es nicht von geringem Belang war, das Thema in die hermeneutische Diskussion zurückzubinden, nachdem über Jahre die soziologischen Analysen das Feld beherrscht haben und die Identitätsproblematik allein als soziales Schichtenproblem angesehen wurde, wenn man es denn überhaupt wahrgenommen hat. Mag es sich in diesem Sammelband noch um ein eher akademisches Unternehmen handeln, die gesellschaftliche Entwicklung zum diffusen Pluralismus hin hat das Thema auch für Theologen immer brisanter werden lassen. Der VIII. Europäische Theologenkongress hat sich ihm 1993 in Wien gestellt.2 Die Herausgeber der "Evangelischen Theologie" werden noch in diesem Jahr Stellung beziehen und jeweils persönlich sagen, was für sie evangelische Identität bedeutet. Dieser Aspekt mag im Blick auf die anderen christlichen Konfessionen weniger brisant sein, denn deren Konturen scheinen zu verschwimmen. Sie gewinnt jedoch an Aktualität angesichts der wachsenden Präsenz fremder Religionen und der Neigung vieler Zeitgenossen, sich der Religionen wie eines Supermarktes zu bedienen, um die religiösen Bedürfnisse zu befriedigen, denn im interreligiösen Dialog wird deutlich, dass die christliche Religion nicht mit einer Zunge sprechen kann. Die verschiedenen Kirchen und Konfessionen geben sehr unterschiedliche Auskünfte, wenn es um die Frage geht, wie die anderen Religionen zu bewerten sind und wie ihnen zu begegnen sei.
 
Ich möchte heute nicht so vorgehen, dass ich die verschiedenen Antworten der Konfessionen auf die Herausforderung durch die Religionen thematisiere, um zu einem theologischen Urteil zu kommen. Ich nenne den Vortrag einen Werkstattbericht. Ich möchte Sie teilnehmen lassen an Erfahrungen, die ich im Laufe vieler Jahre in Afrika, in der Lebenswelt anderer Kulturen und in der Begegnung mit anderen Religionen zum Thema christlicher Identität gemacht habe, und Sie auf den Weg mitnehmen, der sich mir in vielen Begegnungen eröffnet hat. Die dabei gewonnenen Einsichten sind, so hoffe ich, ein Anstoß, selbst sich der Begegnung mit anderen Religionen auszusetzen und seiner christlichen Identität immer gewisser zu werden.
Ich werde nun so vorgehen, dass ich

I. von meinen Erfahrungen berichte und erste Folgerungen daraus ziehe;

II. mich dem Thema der christlichen Identität aus theologischer Perspektive nähere;

III. versuche, den konfessionellen Erwartungen christlicher Identität nachzugehen; um

IV. den Religionsdifferenzen in ihrer Normativität nachzugehen. Dieser Abschnitt leitet über zu

V. einer kurzen Schlussbesinnung über die Begegnungsweisen aus evangelischer Perspektive.

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Anmerkungen

* Vortrag, gehalten auf der Ökumenischen Studientagung für evangelische und katholische Weltanschauungsbeauftragte und Referenten der Kirchenleitungen vom 22. - 24. April 2002 in Loccum. Die Tagung unter dem Thema "Christliche Zeitansage im Gegenüber zur Säkularität und zur neuen Religiosität" wurde ausgerichtet von der EZW, Berlin, in Kooperation mit der Katholischen Sozialethischen Arbeitsstelle, Hamm.
1 Resp. 1976, als die Tagung stattfand.
2
 J. Mehlhausen (Hg.), Pluralismus und Identität, Gütersloh 1995.

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