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Materialdienst 11/2002
Esoterik

Fürchtet die Kirche den Reinkarnationsglauben?

(Letzter Bericht: 5/2002, 155f) Eine wissenschaftlich zwar widerlegte, in Esoterik-Büchern jedoch immer wieder vertretene These, wonach der Reinkarnationsgedanke aus der Bibel bewusst entfernt wurde, findet nach wie vor Anklang - und nachhaltige Verbreitung. Jüngstes Beispiel dafür ist ein Interview mit Dr. Jan Erik Sigdell, das in der Zeitschrift "Die Andere Realität - Wissenschaftliche Zeitung für Parapsychologie, bodenständige Esoterik und spirituelle Ökologie" erschienen ist (Nr. 4/2002, 1+4). Sigdell (Jg. 1938), Diplom-Ingenieur für Elektronik und Medizintechnik und später in der pharmazeutischen Industrie tätig, lernte eigenen Angaben zufolge in den USA durch Bryan Jameison die Reinkarnationstherapie kennen und arbeitet seither als "Rückführungs-Therapeut". Im letzten Jahr erschien sein Buch "Reinkarnation, Christentum und das kirchliche Dogma", Wien 2001.

Im Interview mit der Esoterik-Zeitschrift vertritt Sigdell die Auffassung, dass der Reinkarnationsgedanke nicht "bewusst aus der Bibel entfernt worden" sei, "aber dass er durch Übersetzungen verschleiert wurde". Angeblich hätte man "in neuzeitigen und bereits in mittelalterlichen Übersetzungen aus dem Griechischen wichtige Textabschnitte tendenziös nach dogmatischer Vorgabe übersetzt, so wie man diese nach dem Dogma verstehen ‚soll'". Dementsprechend könnten neutestamentliche Textstellen auch anders verstanden und übersetzt werden. In den folgenden Passagen werden gängige antikirchliche Affekte und übliche esoterische Klischees bedient: Paulus habe Jesu ursprüngliche Lehre "verfälscht": "Sinngemäß ist deshalb das kirchliche Dogma viel mehr paulinisch als christlich!" Einige wenige "urchristliche Gnostiker" - u. a. Katharer und Manichäer - hätten die wahre Lehre noch einigermaßen bewahrt, seien aber von der Kirche verfolgt und schließlich mundtot gemacht worden. Deshalb bekennt Sigdell: "Ich empfinde mich als Christ! Aber als Anhänger des wahren Christentums, das im Kirchentum nicht mehr vorhanden ist." Allen Ernstes ist er davon überzeugt, dass die Kirche, würde sie die Reinkarnationsvorstellung akzeptieren, ihre Machtstruktur verlieren würde. Aber sie hätte zugleich auch die Chance, sich einer "urchristlichen Wahrheit" zu öffnen und könnte durch ihre innere Erneuerung "Achtung und neue Zuwendung" erleben. Sigdell hält denn auch den Reinkarnationsgedanken für "gerechter als die Lehre des kirchlichen Dogmas von einer ewigen Verdammnis". Hiervon könnte Hoffnung für die Menschheit ausgehen: "Keine Seele  ist für immer verloren, sondern jede Seele wird am Ende errettet." Sie sei gar "ein Stufenweg zurück zur göttlichen Welt, aus der wir als Seelen einmal herausgefallen sind".

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Matthias Pöhlmann

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