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Materialdienst 9/2004
Reinhard Hempelmann

Zur Bibelauslegung der Glaubensbewegung

In der Ausgabe Juni 2004 der Zeitschrift Come (Nr. 7, 28-29), die in ihrer Ausrichtung "charismatisch, prophetisch, gesellschaftsorientiert" bestimmt sein möchte, findet sich eine Auslegung zu dem paulinischen Satz: "Wenn wir im Geist leben, so lasst uns auch im Geist wandeln" (Galater 5, 25). Der Verfasser dieses Textes ist der ehemals als Internist tätige Dr. med. Wolfhard Margies, Pastor der Gemeinde auf dem Weg, Berlin. Diese Gemeinde bezeichnet sich selbst als eine "evangelische charismatische Freikirche". Margies schlägt vor, diesen paulinischen Satz anders zu verstehen, als dies üblicherweise der Fall ist: Nicht Gottes Geist sei in diesem Vers gemeint, sondern der menschliche Geist. "Hinter der Empfehlung von Paulus, durch den Geist zu leben und zu wandeln (die Übersetzung mit 'wandeln in' im Sinne des Dativus locativus bei Luther ist falsch), steht ein ganz anderer, provokativer Sachverhalt." Margies geht davon aus, dass der glaubende und wiedergeborene Christ "als Lebensmitte über einen neuen Geist verfügt und insofern selbst Geist ist". Die menschliche Seele und der Körper bleiben bei diesem Vorgang "zunächst in ihrer alten Verfassung", aber sie werden als den Menschen beherrschende Kräfte abgesetzt und "dem neuen Ich des wiedergeborenen Geistes untergeordnet". Da dieses Ich jedoch "durch und durch göttlich ist", schafft es in uns auch "göttliche Befähigungen, Resultate und Charakterveränderungen". Margies' Optimismus im Blick auf das neue Leben im Geist ist deshalb groß, ja grenzenlos.
 
Er ist sich darüber im Klaren, dass eine solche Interpretation nicht nur für das Verständnis des neuen Lebens, wie es von Paulus im Galaterbrief skizziert wird, von Bedeutung ist. Sie besitzt grundlegende Relevanz für zentrale Aussagen des Neuen Testaments zum Verständnis des Menschen, des Geistes und der Gnade. Die in Galater 5, 22 erwähnte "Frucht des Geistes" versteht Margies als "Beschreibung der Auswirkungen dieses ... mündig gewordenen Geistes in uns und nicht des Heiligen Geistes". Das Leben im Geist "schafft ein eigenartiges hoheitliches Selbstverständnis und ein Bewusstsein unserer göttlichen (wiedergeborenen) Natur". Das aus seiner Sicht verbreitete falsche Verständnis der neutestamentlichen Aussagen zum Geist führt Margies darauf zurück, dass "die biblische Lehre vom Menschen ... bei der Interpretation biblischer Texte viel zu wenig im Blick behalten" wird.

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