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Materialdienst 2/2004
Christian Ruch

Ahnenkult und Totentaufe

Zur genealogischen Datenerfassung durch die Mormonen

In vielen Archiven und Bibliotheken spielt sich derzeit ein stilles Drama ab, das unabsehbare Folgen für die Kultur haben könnte: der sogenannte "Säurefraß" zerstört langsam aber sicher unzählige Bücher und Aktenbestände. Papier wurde ab Mitte des 19. Jahrhunderts größtenteils industriell und unter Beigabe von Säure produziert, was heute zur Folge hat, dass diese Säure das Papier allmählich zerstört. Schon jetzt sind in vielen Archiven ganze Aktenbestände gesperrt, weil ihre Benutzung den Zerfallsprozess nur noch beschleunigen würde. Zwar gibt es mittlerweile ein Entsäuerungsverfahren, doch ist dies ebenso aufwendig wie teuer. Vielen Archiven bleibt deshalb nur die Verfilmung ihrer Bestände als Ausweg. Da aber Länder, Kommunen und Kirchen in Zeiten leerer Kassen dafür immer weniger Mittel zur Verfügung stellen und die Verfilmungsunternehmen ohnehin völlig überlastet sind, scheint der Kampf gegen den Aktenschwund von vornherein verloren.

Warum sich also nicht an die Mormonen, genauer gesagt die "Kirche Jesu Christi der Heiligen der letzten Tage" (HLT) wenden? Schließlich betreibt die HLT bzw. ihre 1894 gegründete "Genealogical Society" zum Zwecke reger Ahnenforschung eine Datenerfassung gigantischen Ausmaßes, indem sie vor allem Kirchenbücher (also Geburts- und Sterberegister) ausleiht, sie verfilmen lässt und ihrem Inhaber gratis eine Kopie des Films zur Verfügung stellt. Beispielsweise wurden schon zu Beginn der siebziger Jahre die Kirchenbücher der Erzdiözese Freiburg verfilmt, so dass sich heute im weltgrößten Ahnenforschungszentrum der HLT, der in Salt Lake City ansässigen Family History Library und dem mit ihr verbundenen FamilySearch Center, selbst die Kirchenbuchfilme kleinster Schwarzwaldgemeinden finden lassen. Gehortet werden die Daten außerdem in atombombensicheren Stollen, die eigens dafür in einem Granitfelsen 32 km südöstlich von Salt Lake City angelegt wurden.

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