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Materialdienst 2/2004
Hansjörg Hemminger / Dieter Rohmann

Tierliebe, Mystik und Macht

Der Pferdeschamane Klaus Ferdinand Hempfling

Pferdekunde und Pferdemystik: Die Vorgeschichte

Klaus Ferdinand Hempfling, der sich selbst als Pferdeschamane bezeichnet, erregte die Aufmerksamkeit der Religions- und Sektenexperten erst nach 1998. Die Aufmerksamkeit der Pferdefreunde und Reitsportler hatte der gelernte Diplomingenieur (Jg. 1957) schon früher auf sich gezogen. Bei der Messe "Equitana" in Essen 1993 wurde sein Buch "Mit Pferden tanzen - Versammeltes Reiten am losen Zügel" vorgestellt und hatte großen Erfolg. Weitere Bücher erschienen 1995, 2000, 2001 und 2003.1 Sie sind Teil einer Bewegung, für die weltweit der amerikanische "Pferdeflüsterer" Mounty Roberts zur Leitfigur wurde. Durch das gleichnamige Buch von Nicholas Evans2 und den Film mit Robert Redford erreichte Mounty Roberts' gewaltlose, einfühlsame Methode des Umgangs mit Pferden eine enorme Popularität. Diese Popularität ist bis heute ungebrochen und hat viele Epigonen gefunden. Im Hintergrund stand und steht (neben einer Fortentwicklung von Methoden des Umgangs mit Pferden, die hier nicht bewertet werden soll) die Ökologiebewegung und ihre Sehnsucht nach einem Leben in Harmonie mit der Natur, aber auch die Esoterik-Bewegung mit ihrer Naturromantik und mystischen Spiritualität. Auf dem esoterischen Markt waren nach der Möwe Jonathan und den Delphinen die Pferde an der Reihe als tierische Realsymbole des spirituellen Bewusstseins. Im Herbst 2003 präsentierte die Zeitschrift Esotera zum Beispiel den indianischen "Pferdeflüsterer" GaWaNi Pony Boy und eine Textsammlung zum Thema "Kommunikation mit Tieren". Bei Esotera bedeutet dies vor allem die Kommunikation mit parapsychologischen Methoden mit Hilfe von angeblichen PSI-Fähigkeiten bei Mensch und Tier.3 Klaus Ferdinand Hempfling steht dieser Sichtweise ebenfalls nahe, obwohl Esotera ihn nicht einmal erwähnt - vermutlich aufgrund seiner weiteren Geschichte, die anschließend zu berichten sein wird. Wie Roberts vertritt Hempfling in seinen Büchern eine sanfte, verstehende Haltung den Pferden gegenüber, er spricht sich für Gewaltlosigkeit und einen respektvollen Umgang mit dem Tier aus. Dazu kommt bei ihm jedoch eine Verehrung des "mystischen Pferds" als Verbindung des Menschen zum Himmel und zu Gott. Hempfling nimmt im Vergleich zu Mounty Roberts damit die esoterischen Elemente deutlicher in seine Lehre auf und weitet sie von einer Methode zum Umgang mit Pferden zu einer Mystagogie4 für das ganze Leben aus. Er versteht sich nicht nur als Lebenshelfer und Lebensberater, sondern auch als spiritueller Meister. So wurde er vom deutschen "Pferdeflüsterer" zum Pferdeschamanen, ein Titel, den er sich selbst zulegte:

"Der Pferdeschamane beschäftigt sich mit dem 'Ursprung Pferd', also mit den Grundfragen nach dem Leben schlechthin. Das reale wie das mystische Pferd in seinem Schaffenszentrum - fasst Klaus Ferdinand Hempflings Lebensaspekte zusammen, integriert sie, betrachtet Kulturen global… Leben kann alles bedeuten - vor allem bedeutet es, sich Hindernissen zu stellen um zu wachsen, zu reifen. Das Auflösen von Hindernissen selbst kann dann schon Glück bedeuten - die Befreiung danach aber ist es erst recht. Pferde sind ein Synonym für das Wachsen, das Reifen, für Lebensglück durch aufgelöste Lebenshindernisse…"5

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Anmerkungen

1 Klaus Ferdinand Hempfling, Mit Pferden tanzen - versammeltes Reiten am losen Zügel, Stuttgart 1993; ders., Die Botschaft der Pferde, München 1998 (Stuttgart 1995); ders., Der Pferdeschamane - Erfülltheit leben - Erfüllung schenken, Saarbrücken 2000; ders., Frau und Pferd - Tanzen zwischen den Welten, München 2001; ders., Wenn sich Pferde offenbaren, Stuttgart 2003.
2 Mounty Roberts distanzierte sich wegen einiger dramatischer Elemente von dem Buch, obwohl es auf seinen Methoden und Erfahrungen beruht. Er veröffentlichte später eine eigene Biographie.
3 Esotera 6/2003, 68-77.
4 Mystagogie oder Mystagogik: Lehre von mystischen, übersinnlichen Erfahrungen und dem Weg, diese zu erreichen und zu deuten.
5 Aus einer Werbung (aus dem Jahr 2001) des "Vereins der Freunde des Pferdeschamanen" (Fischach, Schwaben) für dreitägige Kurse zum Preis von 980 Euro.

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