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Materialdienst 4/2004
Michael Nüchtern

Die Verwandlung des Gewöhnlichen

Warum boomen Kochsendungen im Fernsehen?

Erscheinungen des Zeitgeistes gleichen einer Bilderschrift, die sich entziffern und übersetzen lässt. So unterschiedliche Phänomene wie die Zunahme von geländegängigen Allrad-Pkws auf Straßen in einem Land, in dem selbst Feldwege geteert sind, die Harry-Potter-Hysterie oder die atemberaubende Karriere eines Begriffs wie Wellness sind nicht gänzlich zufällig, sondern lassen sich interpretieren und auch ein Stück weit deuten.

Von Bio bis Vincent Klink

Zu den Auffälligkeiten der Zeit gehört die Zunahme der Kochsendungen im Fernsehen. Prominente Köche raspeln, schneiden, rühren, kneten, mischen mit anderen Prominenten plaudernd an Küchenblock und Herd-Ensemble vor einem Millionenpublikum. Wer nennt und kennt die Namen nicht: Lafer, Schuhbeck, Klink, Biolek … Kochduelle ergänzen das Spektakel. In Reisesendungen über ferne, vorwiegend mittelmeerische Länder verraten der Küchenchef oder die Großmama das alte landestypische Rezept.

An einem gewöhnlichen Freitag, z. B. 10. Oktober 2003, können Kochhungrige in Pro Sieben um 11:25 Uhr mit "Zacherl: einfach kochen!" beginnen. Um 11:35 Uhr sollte man aber schnell und unbedingt zu "Johann Lafer - Genießen auf italienisch" ins ZDF umschalten. Ab 16:30 Uhr gibt es in Alfredissimo (ARD) Quetsch-Kartoffeln und Wirsing-Rouladen mit Ted Herold. Nach kurzer Pause beginnt um 18:15 Uhr das "Kochduell" in Vox. Versäumt wurden dabei die Reisewege Bodensee, wo es diesmal unter anderem auch Rezepte von "helvetischen Ufern" gab. Biolek lässt sich natürlich auch am Samstag in diversen dritten Programmen verfolgen. Auf Video aufgenommen werden sollte dagegen wegen der Überschneidung mit dem Kochduell unbedingt in SWR 3 ab 18:15 Uhr "Lafers Himmel und Erd". Glücklicherweise steht an diesem Freitag nicht "Kochkunst" mit Vincent Klink auf dem Programm. Schuhbecks bayerische Hausmannskost für Feinschmecker lässt sich gemütlich und konkurrenzlos am Sonntag als Dessert genießen. Kochen ist - berücksichtigt man die Medienpräsenz - offenbar enorm wichtig und selbst ein Star im Fernsehen. Warum?

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