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Materialdienst 6/2004
Hinduismus

ISKCON und Narayana Maharaja

(Letzter Bericht: 5/2004, 195) Seit einigen Jahren schwelt ein Konflikt am Rande der ISKCON, der sich in den letzten Monaten als immer dramatischer erweist. Schon immer hatte es parallel zu dem ISKCON-Gründer Srila Bhaktivedanta Prabhupada konkurrierende Gurus der Gaudiya Vaishnava-Linie gegeben, die schiedlich-friedlich koexistierten, sich in der Linie des Ekstatikers Chaitanya aus dem 16. Jahrhundert sehen und sich zumeist als Schüler des Srila Prabhupada Bhaktisiddhanta Sarasvati Thakur betrachten.

In diese Familie gehört auch der am 19.2.1921 in Bihar/Indien geborene Srila Narayana Mahara-ja, der 1952 von seinem Gurudeva Maharaja Srila Kesava Sannyas empfing. 1948 traf er erstmalig Srila Prabhupada in Kalkutta und scheint bis zu dessen Tod im Jahre 1977 eine spannungsfreie Beziehung zu ihm unterhalten zu haben.

Es scheint, dass Narayana Maharaja 1996 seine erste Auslands- und USA-Reise nach Kalifornien machte, um dort New Vraja zu besuchen, eine Devotee Community in Badger. Damit fing offenbar die intensivierte West-Mission dieses Gurus an, die ab ca. 1998 in der ISKCON Irritationen auslöste: erste "Konversionen" fanden statt, die geringfügig liberalisierte Version des Regelwerks wurde immer attraktiver für ISKCON-Mitglieder, die sich ohnehin in der Trauerphase nach dem Abgang des zwar strengen, aber beliebten Swami Harikesa befanden.

Seit Jahren reißt die Kontroverse innerhalb der ISKCON nicht ab, sie wird u.a. in der ISKCON-nahen website www.oldchakra.com dokumentiert (www.oldchakra.com/mainpages/people/narayanmhrj/index.htm). Insbesondere 2001 äußerten sich eine Reihe von regionalen und nationalen ISKCON-Zweigen gegenüber dem Konkurrenz-Guru und forderten ihn offen auf, sich von ISKCON-Tempeln fernzuhalten (Los Angeles, Kanada, baltische Staaten u.a.). Wo immer er auftauche, sei Spaltung und Trennung die Folge, seine Lehre weiche von der Prabhupadas ab, er sei kein legitim initiierender Guru nach ISKCON-Richtlinien. Inzwischen haben manche ranghohe und auch ehemals führende ISKCON-Mitglieder sich von Narayana Maharaja einweihen lassen und wurden unverzüglich aus der ISKCON ausgeschlossen. Wohin dieser Zerfaserungsprozess die ISKCON führen wird, bleibt anzuwarten.

Ulrich Dehn

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