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Materialdienst 8/2013
Jörg Pegelow

Mit dem Gyalwang Drupka unterwegs zum Glück

Ein tibetisch-buddhistischer Orden fasst Fuß in Deutschland

Abgedunkelt war der große Ballsaal im Hamburger Curio-Haus. Knapp 200 Besucher erwarteten Seine Heiligkeit den 12. Gyalwang Drukpa am 9. November letzten Jahres für einen Abendvortrag, den er im Rahmen seines zweiten Hamburgbesuchs halten sollte. Ein umfangreiches Programm absolvierte das spirituelle Oberhaupt der in Deutschland derzeit etwa 100 eingetragene Mitglieder zählenden tibetisch-buddhistischen Drukpa-Linie; die Gesamtzahl der Anhänger dürfte um einiges höher liegen. Mit einigen begleitenden Lamas („attendant Lamas“) besuchte er eine Hamburger Frauenstrafanstalt, die Redaktion des Hamburger Abendblatts sowie die Haftanstalt „Santa Fu“. Darüber hinaus gehörten zum Programm eine Chöd-Tanz-Präsentation durch Nonnen des Drukpa-Ordens, die Vorführung eines Dokumentarfilms von einer Pilgerwanderung im Himalaya sowie zwei längere Publikumsveranstaltungen mit Lehrreden.

Das Medienecho auf diesen Besuch war erheblich: Viele Hamburger Zeitungen widmeten ihm längere Artikel1, der private Sender Radio Hamburg2 berichtete ebenso wie die Esoterik-Magazine „Körper, Geist und Seele“3 und „Visionen“4. Auch in „Buddhismus aktuell“ erschien Anfang dieses Jahres ein ausführlicher Bericht.5

Der 12. Gyalwang Drukpa war nach einer Visite im Jahr 2008 (Hofheim/Hessen) und einem ersten Hamburgbesuch vor drei Jahren, bei dem er auch vom damaligen Ersten Bürgermeister Ole von Beust empfangen wurde, zum dritten Mal offiziell in Deutschland. Neben dem Verbreiten buddhistischer Lehren zielte der Besuch sicherlich auch auf die Stärkung der zahlenmäßig noch recht überschaubaren deutschen Anhängerschaft.

„Der andere Pfad“ in Hamburg

Der von mir besuchte Vortrag stand unter der programmatischen Überschrift „Der andere Pfad“6. Begleitet von den „attendant Lamas“ und einem Dutzend buddhistischer Nonnen betrat das geistliche Oberhaupt den Veranstaltungssaal. Nach einer kurzen Einführung in das bis zum Vortragsabend durchgeführte Programm folgte der ins Deutsche übersetzte, rund 75-minütige Vortrag, dem man zuweilen anmerkte, dass bereits zwei anstrengende Tage absolviert waren.

Die Ausführungen des 12. Gyalwang Drukpa kreisten um die zentrale These, dass es darum gehe, das Leben richtig zu verstehen. Dies bedeute zu akzeptieren, dass alle Erfahrungen und Erlebnisse nur eine relative Wirklichkeit und Bedeutung hätten und alles im Leben diskontinuierlich und veränderlich sei. Um ein gutes Leben führen zu können, solle man sich also nicht an Dinge klammern, die verloren gehen könnten. Vielmehr solle man sich vollständig von allem befreien, wovon man abhängig sein könnte. Letztlich sei man auch nicht von einem Gott abhängig; vom Himmel Glück zu erwarten, sei töricht. Denn es komme darauf an, sich vom traditionell-konservativen Gedanken zu lösen, das Leben habe nur eine einzige Bedeutung.

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Anmerkungen

1 Welt-Online, 9.11.2012, www.welt.de/regionales/hamburg/article110877170/So-waechst-Hamburgs-Karma.html; Hamburger Abendblatt, 10.11.2012; BILD HAMBURG, 10.11.2012.
2 www.radiohamburg.de/Hamburg-aktuell/Menschen-in-Hamburg/2012/November/Hoher-Besuch-aus-Tibet-in-Hamburg-Buddhistisches-Oberhaupt-Gyalwang-Drukpa, 9.11.2012.
3 Körper, Geist und Seele (Hamburg) 11/2012, 20-22.
4 Visionen 10/2012, 30ff.
5 Buddhismus aktuell 1/2013, 20ff.
6 So auch der Titel des einzigen deutschsprachigen Buchs: Seine Heiligkeit der 12. Gyalwang Drukpa, Der andere Pfad. Ein Führer auf dem spirituellen Weg, Hamburg 2012.

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