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Materialdienst 11/2012

Macht, Ruhm und Geld

Die Moon-Bewegung aus der Sicht eines ehemaligen Mitglieds

Am 3. September 2012 starb Sun Myung Moon im Alter von 92 Jahren (vgl. MD 10/2012, 381-383). Im Folgenden schildert ein ehemaliges „Gesegnetes Mitglied“, das der Vereinigungskirche 21 Jahre lang angehört hat, seine Sicht der Bewegung. Der Autor/die Autorin ist der Redaktion persönlich bekannt. (Zur Vereinigungskirche vgl. auch das „Stichwort“ in diesem Heft, S. 434-438.)


Der Glaubenskern für jedes Mitglied der Moon-Bewegung ist, dass Sun Myung Moon der neue Messias ist, die Erfüllung der versprochenen Wiederkunft Christi. Deshalb dürfen und wollen Moons Anhänger weder an seiner Lehre noch an seinen autoritären und absolutistischen Anweisungen zweifeln. Das gesamte Leben und die Energie von vielen tausenden Anhängern werden durch Moon vereinnahmt, nur wenige wissen, was tatsächlich mit dem vielen Geld geschieht. Der selbsternannte Messias kann sich alles leisten, kann alles als den Willen Gottes ausgeben und sich jeglicher Kritik seiner Anhänger entziehen.

Viele Berichte der ersten Nachfolger geben Aufschluss darüber, dass Moons Biografie geschönt ist, dass seine angebliche Wahrheitslehre kopiert wurde von anderen, die es vor ihm niedergeschrieben hatten, und dass er ein Ehebrecher war mit vielen unehelichen Kindern. Auch nach der Heirat mit seiner letzten Frau Hak Ja Han, die als die biblisch prophezeite „Hochzeit des Lammes“ angesehen wird, musste Moon zugeben, außereheliche Affären und zumindest noch ein uneheliches Kind gezeugt zu haben. Wegen eben solcher Vergehen war er in den Anfangsjahren seiner Bewegung in Korea immer wieder inhaftiert worden, nachdem er viele Frauen missbraucht, ihr Geld benutzt und ihre Familien zerstört hatte.

Als wir 1998 von der Moon-Bewegung angewiesen wurden, Spenden zu geben, damit unsere Vorfahren nicht mehr in der Hölle schmoren brauchten, ging mir ein Licht auf: Gott braucht für Heilung sicherlich kein Geld, seine Liebe ist unendlich und bedingungslos. Bei Moon ist das anders: Alles hat seinen Preis. Mir wurde immer mehr bewusst, dass Sun Myung Moon für mich persönlich kein von Gott gesandter Messias mehr sein konnte, sondern ein Egozentriker, der den guten Glauben und den Idealismus vieler Menschen missbraucht, um sein irdisches Imperium zu errichten. Seinen ursprünglichen Namen (Yong Myung Moon), der „Drache“ bedeutet, hatte er auch geändert, denn offensichtlich sollten seine zukünftigen Nachfolger nicht an die biblische Warnung vor dem „Drachen“ der letzten Tage erinnert werden.

Während Moon in den früheren Jahren noch sehr viel über das „Leid Gottes“ predigte, sprach er in den letzten 20 Jahren nur noch über sich selber. Gemäß Insiderberichten war für den 13. Januar 2013 geplant, dass Moon sich der Welt als Gott deklariert, nachdem ihm der Titel „König des Universums“ nicht mehr genügte. Soweit sollte es allerdings nicht mehr kommen, Gott rief Sun Myung Moon am 3.9.2012 endgültig zu sich.

Nun zeichnen sich innerhalb der Moon-Familie und der Organisation viele Machtkämpfe ab. Viele von Moons Kindern hatten bereits das Moon-Imperium verlassen, als sie erkennen mussten, dass Moon selbst nicht lebte, was er predigte. Andere von Moons Kindern übernahmen die Einstellung ihrer Eltern, Mitglieder wie Leibeigene zu behandeln, sie zu beschimpfen und zu bevormunden.

Zeugnis davon legt Nansook Hong in ihrem Buch „Ich schaue nicht zurück“ (1998–2000) ab. Sie war bereits als 15-Jährige mit Moons ältestem Sohn Hyo Jin Moon verheiratet worden. Sie lebte in dem luxuriösen Gebäudekomplex der Moon-Familie in der Nähe New Yorks und berichtet von dem ausschweifenden Lebensstil der Moons. Hyo Jin Moon nahm Drogen, betrog Nansook fortwährend und schreckte auch nicht vor körperlicher Gewalt und Morddrohungen zurück. Nansook musste um ihr Leben bangen, durch eine heimliche Flucht gelang es ihr jedoch schließlich 1995, sich und ihre fünf Kinder in Sicherheit zu bringen. In ihrem Buch zeigt Nansook auf, welcher Korruption die Moons verfallen waren und welche hohen Summen von Spenden gutgläubiger Mitglieder für schändliche Zwecke missbraucht wurden. Sun Myung Moon, an den sie als Messias geglaubt hatte, stellte sich für Nansook nicht als „Wahrer Vater“, sondern als ein ganz irdischer, unehrlicher und unmoralischer Patriarch heraus.

Tragisch ist auch, dass sich der damals 21-jährige Young-Jin, ein weiterer Sohn Moons, 1999 das Leben nahm, indem er sich vom 17. Stock eines Hotels in Reno in die Tiefe stürzte. Warum sollte das einem Sohn des Messias und seiner „Wahren Familie“ widerfahren? Verfehlungen seiner eigenen Familie wie auch Todesfälle wurden von Moon schändlichst ausgebeutet: Die Mitglieder wurden dafür gerügt und noch mehr unter Druck gesetzt, stärker an ihn zu glauben, noch mehr zu opfern; das bedeutete auch, noch mehr zu spenden!

Für die Tsunami-Katastrophe in Japan 2011 machte die Moon-Bewegung die japanischen Mitglieder verantwortlich. Als „Bedingung“ und Zielvorgabe sollten 40000 Familien je 13500 US-Dollar an die Moon-Bewegung spenden, also eine Summe von insgesamt 540 Millionen (es sei vermerkt: nicht an die Tsunami-Opfer), selbst wenn die Mitglieder ihr eigenes Haus verkaufen müssten! Bei Erfüllung dieser „Bedingung“ würde Japan gemäß der Sektenführung von weiteren Naturkatastrophen verschont bleiben.

Ironischerweise scheint es sich zu bewahrheiten, dass Moon genau dem verfallen ist, wovor er Mitglieder immer gewarnt hat: der verhängnisvollen Leidenschaft für Macht, Ruhm und Geld.

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