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Materialdienst 8/2012
Eva-Maria Schmolly-Melk

Die Christlich Essenische Kirche (CEK)

Entstehung

Die Christlich Essenische Kirche (CEK)1 wurde 1971 von einer Gruppe von Personen unterschiedlichen Glaubens gegründet.2 Zu den Gründungspersonen gehört der Industriekaufmann und Reiki-Meister F. E. Eckard Strohm, das heutige Oberhaupt der CEK. Die anderen sind nach Auskunft der CEK bereits verstorben. Der spanische katholische Priester Raimon Panikkar3 soll dazugezählt haben.4 Die Namen der weiteren Gründer werden geheim gehalten.5 Ein jüdischer Rabbiner, ein buddhistischer Lama, drei katholische Bischöfe, ein evangelischer Bischof und ein muslimischer Imam sollen dazugehören. Der Gründung vorausgegangen seien seit 1948 Treffen von Menschen mit außergewöhnlichen spirituellen Fähigkeiten, wie beispielsweise Hellsichtigkeit oder der Begabung, Verstorbene und Engel zu sehen und mit ihnen zu sprechen. Sie praktizierten, so heißt es in der CEK, gemeinsam die Kommunikation mit Engeln, wie es von den Essenern berichtet sei, und erfuhren über die Engel den Willen Gottes.

Die CEK versteht sich zugleich als christliche und als erste interreligiöse Kirche der Welt mit dem Ziel, die Einheit der Religionen zu fördern. Sie sieht sich in großer Nähe zur römisch-katholischen Kirche, da nach ihrer Ansicht die Bischöfe der CEK in der apostolischen Sukzession stehen. Aber auch die Verbundenheit mit der evangelischen Kirche sei gegeben. Für die CEK liegen die Wurzeln des Christentums im Essenertum. Die Lehre und die Praxis der etablierten Kirchen würden in diesem Punkt vom Urchristentum und den Lehren Jesu abweichen. Die Essener seien es nämlich gewesen, die den geistigen Boden für die Ankunft des Messias vorbereitet und ihr geheimes Wissen unter der Anleitung und Führung der Engel in den Dienst der Menschheit gestellt haben.6 Auch der Marienverehrung kommt in der CEK ein sehr hoher Stellenwert zu.

Seit 1999 wird die CEK durch „Seine Heiligkeit PAX Immanuel II.“ (F. E. Eckard Strohm) geleitet.7 „Nach Rücksprache mit den Engeln“ und „geführt durch den Heiligen Geist“ ist er durch die „Internationale Bischofskonferenz“ in einem feierlichen Akt durch dazu bestimmte Bischöfe zum Kirchenoberhaupt erwählt und geweiht worden.8 Durch PAX Immanuel II. sind dann weitere Ämter in der CEK eingeführt worden, darunter das Amt des Kardinals oder des Nuntius. Erst unter der Leitung von Eckard Strohm begann die CEK nach außen in Erscheinung zu treten.

2001 wurde die Ungarisch Essenische Kirche gegründet, die ursprünglich in Ungarn staatlich anerkannt war. Nach der Änderung des Gesetzes über das Recht auf Freiheit des Gewissens und der Religion und der Kirchen, Religionen und Religionsgemeinschaften vom 29. Februar 20129 hat sie ihre staatliche Anerkennung verloren. In den Folgejahren entstanden Niederlassungen in vielen europäischen Ländern, in Südamerika, den USA und Afrika. Heute gibt es die CEK in 23 Ländern. 2004 nahm die Christlich Essenische Kirche am „Parlament der Weltreligionen“ der UNESCO teil. 2005 entstand die „Akademie für Theologie und Religionslehre“ und wurde der „Orden der Königin des Himmels“10 mitbegründet. Die einzelnen Landeskirchen sind alle in der „CEK International“ vertreten. Eigenen Angaben zufolge verfügt die CEK über Landeskirchen in Deutschland, Spanien, Ungarn, der Schweiz, Österreich, Rumänien, Argentinien, Serbien und der Slowakei. Der deutschen „Bischofskonferenz“ gehören 14 Mitglieder (männlich und weiblich) an, darunter 8 Kardinäle und 6 Bischöfe. 23 weitere (nebenamtliche) Priesterinnen und Priester zählt die Homepage mit Adresse auf. Folgt man einer Pressemeldung im „Trierischen Volksfreund“ vor einigen Jahren, so hat man damit auch schon die Mitgliederzahl dieser Kirche erfasst: lauter Würdenträger, aber keine Gemeinden. In Österreich wurde die CEK zuerst in der Steiermark 2005 als Verein gegründet. Außer in Kärnten und Tirol gibt es heute in allen österreichischen Bundesländern eine Niederlassung der CEK. Der offizielle Sitz der CEK ist in Erfurt, eigene Räumlichkeiten gibt es dort jedoch nicht.

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Anmerkungen

1 Die Charismatisch Episkopale Kirche in Luzern, die 1992 in den USA gegründet wurde, verwendet dieselbe Abkürzung für ihre Gemeinschaft.
2 Der Verfasserin ist zur Christlich Essenischen Kirche außer zwei Artikeln von Lutz Lemhöfer (Plastikblume im Garten Gottes. Die Christlich-Essenische Kirche, in: MD 2/2006, 65-67; Die christlich-essenische Kirche. Bekenntnisgemeinschaft oder esoterisches Kunstprodukt?, www.bistum-trier.de: A-Z/Weltanschauungsfragen/Informationen zu Gruppen und Phänomenen) keine weitere Sekundärliteratur bekannt. Die vorliegende Darstellung beruht weitgehend auf den von der CEK bereitgestellten mündlichen und schriftlichen Informationen. Es fanden Gespräche statt mit Gertrud Rotheneder (Bischöfin der CEK für das Bistum Vorarlberg und Kleines Walsertal), Siegfried Heimböck (Landeserzbischof der CEK für Österreich) und Eckard Strohm, dem Kirchenoberhaupt. Internetseiten der Christlich Essenischen Kirche: www.cek-aut.org (Österreich); http://cek-deu.org/Home_DE.shtml (Deutschland).
3 Raimon Panikkar (1918-2010) gilt als bedeutender Vertreter des interreligiösen (christlich-hinduistischen) Dialogs. Er stammte aus Barcelona. Seine Mutter war eine katholische Katalanin, sein Vater, der aus Südindien kam, ein Hindu. Panikkar war dreifach promoviert (Chemie, Philosophie und Theologie), Theologie studierte er an der Päpstlichen Lateranuniversität. 1946 wurde er zum Priester geweiht. Er lehrte als Professor unter anderem an der Harvard University. Raimon Panikkar ist Autor zahlreicher theologischer und spiritueller Bücher.
4 Diese Information stammt von Eckard Strohm, dem Oberhaupt der CEK. Eine von der CEK unabhängige Quelle gibt es zurzeit nicht. Laut Strohm war Raimon Pannikar mit ihm und seinem Vater eng befreundet. Er habe das Kardinalsamt in der CEK inne gehabt. Bisher wurden von der CEK außer Eckard Strohm keine Gründer namentlich preisgegeben. Es sei aber Panikkars ausdrücklicher Wunsch gewesen, dass die CEK nach seinem Tod seine Rolle in und für die Christlich Essenische Kirche veröffentlicht, um seine Einstellung und Beziehung zu ihr zu dokumentieren. Der Verfasserin liegen Fotos vor, die eine Begegnung zwischen Raimon Panikkar und Eckard Strohm zeigen. (Gespräch mit Eckard Strohm, 7.2.2012)
5 Die CEK gibt als Grund dafür an, dass die Beteiligten vielleicht mit Sanktionen von ihren Gemeinschaften und Kirchen zu rechnen hätten, auch wenn sie bereits verstorben sind.
6 Die Essener begegnen heute bevorzugt in spekulativer und esoterischer Literatur. Meist wird ihnen ein Geheimwissen zugeschrieben, von dem her das durch die Kirchen tradierte Bild von Jesus sowie des Christentums überhaupt korrigiert und umgedeutet wird. Oft werden unterschiedliche Gruppen (Essener, Qumran, Ebioniten u. a.) unzulässig vermischt. Von den Essenern gibt es literarische Berichte bei Philon von Alexandrien, Josephus Flavius und anderen Autoren der jüdischen Antike. Sie schreiben in wechselnden Bezeichnungen von den Essenern, weshalb von mehreren Gruppen ausgegangen werden kann. Insgesamt ergibt sich das Bild einer oder mehrerer Gruppen von meistens Männern, die unverheiratet und asketisch nach strengen Reinheitsregeln in Siedlungen an unterschiedlichen Orten lebten. Die Essener oder eine Gruppe mit diesen Merkmalen werden weder im Neuen Testament noch im Talmud erwähnt. Vor allem Josephus Flavius wollte neben den Sadduzäern und Pharisäern offenbar eine weitere große und pazifistische jüdische Gruppierung präsentieren. Eine These (Hartmut Stegemann) besagt, dass die Essener die einflussreichste jüdische Gruppe überhaupt waren und deshalb im NT gar nicht erwähnt werden mussten. In der Fachwelt gibt es heute weitgehend Übereinstimmung, dass die Essener zu den bedeutendsten religiösen Gruppierungen des Frühjudentums zählten, es aber offen bleibt, ob sie bedeutender als die Pharisäer und Sadduzäer waren. Vieles hängt in der Forschung diesbezüglich von der Frage ab, ob die Essener und die Gemeinde von Qumran und die Qumranschriften zusammenzudenken sind, wie es die bekannt gewordene These von 1952 besagt und wie es lange in der Fachwelt vertreten wurde. Diese These wird heute zwar nicht ganz von der Hand gewiesen, aber deutlich differenzierter und keineswegs nur zustimmend beurteilt. Wenn ein Zusammenhang bestünde, dann würde sehr viel an Material von den Essenern und über die Essener vorliegen und damit ein weitreichenderer Einblick in ihre Überzeugungen existieren als etwa in die der Sadduzäer. Die heute oftmals – so auch von der CEK – vertretene Annahme, dass Jesus ein Essener bzw. ein essenischer Meister war, wird von der Bibelwissenschaft aus inhaltlichen Gründen für wenig plausibel gehalten. Beispielsweise ist das Abgrenzungsverhalten der Essener aus Reinheitsgründen gerade für Jesus keine Frage – im Gegenteil: Er widerspricht dem in seinem Verhalten gänzlich. Vgl. Johann Maier / Joachim Finger, Essener, in: Lexikon für Theologie und Kirche, Freiburg i. Br. 2006, 892; schriftliche Mitteilung von Konrad Huber, Professor für Neues Testament an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Johannes Gutenberg-Universität Mainz, 15.2.2012.
7 Auf der Internetseite der CEK heißt es, dass Eckard Strohm Doktor der Theologie und Doktor der Metaphysik sei, den Ehrentitel Magus („Eingeweihter“) führe, den Titel eines „Sir“ verliehen bekam sowie noch einige weitere Titel besitze. Strohm erläutert dazu, dass er an verschiedenen Universitäten in Österreich, der Schweiz, Deutschland und Amerika in Theologie, Psychologie und Metaphysik promoviert habe. In katholischer Theologie habe er in Amerika promoviert. Den „Sir“-Titel habe er vom Freimaurerorden „Knights of St. Andrew“ erhalten. Außerdem trage er in Ungarn den offiziellen Titel „Fürstprimasch“. (Gespräch mit Eckard Strohm, 7.2.2012)
8 http://cek-aut.org/cgi-bin/selector.cgi?itype=FuCr_DE (31.1.2012).
9 www.magyarkozlony.hu/pdf/12126 (S. 5336f). Die CEK vertritt hingegen die Meinung, das von der neuen ungarischen Regierung erlassene Kirchengesetz verstoße gegen das EU-Menschenrechtsabkommen. Zurzeit würden von der CEK und über 80 anderen Kirchen Gerichtsverfahren gegen dieses neue Gesetz angestrengt. Weiterhin ist sie der Meinung, dass bis zur Entscheidung durch den Europäischen Gerichtshof alle betroffenen Kirchen ihren Status beibehalten würden. (Schriftliche Mitteilung von Eckard Strohm, 2.3.2012)
10 Auf der Internetseite des „Ordens der Königin des Himmels“ (www.marienorden.de) ist zu lesen, dass die Gemeinschaft auf Marias Wunsch von Frauen geführt und gestaltet wird, die Mitglieder in ihren Familien und in ihrem normalen Alltag leben, ihren Berufen nachgehen und keine Armut oder Ehelosigkeit versprechen.

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