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Materialdienst 7/2012
Yoga

20 Jahre Yoga Vidya

Im Mai 1992 eröffnete Sukadev Volker Bretz das erste „Yoga Vidya Center am Zoo“ in Frankfurt a. M. Heute, 20 Jahre später, wird Yoga Vidya allein in Deutschland in über 80 Zentren und drei großen Seminarhäusern angeboten („Haus Westerwald“ im rheinland-pfälzischen Oberlahr seit 1996, „Haus Nordsee“ in Horumersiel seit 2008 und das Haupthaus in Horn-Bad Meinberg im Teutoburgerwald, Eröffnung 2003).

Mit Jubiläumsfeier, Musikfestival und einem besonderen Seminarprogramm mit hohem Besuch aus dem nordindischen Ashram Rishikesh feierte der Yoga Vidya e.V. diesen Anlass. Schon für den 6. Mai 2012 war die „längste Yogastunde der Welt“ angekündigt; die Feiern an verschiedenen Orten hatten dann ihren Höhepunkt Mitte Mai in Bad Meinberg, wo Vorträge und Festreden auch der kommunalen Öffentlichkeit, Workshops, viel Musik, aber auch unterschiedliche spirituelle Übungen, Satsangs, Mantra-Singen, indische Tänze und natürlich jede Menge Yoga auf dem Programm standen.

Yoga Vidya betreibt nach eigenen Angaben Europas größtes Yoga-Seminarhaus und ist weltweit führender Anbieter von Weiterbildungen für Yogalehrende. Der 1995 gegründete „Berufsverband der Yoga Vidya Lehrer/innen“ (BYV, bis 2007: „Bund der Yoga Vidya Lehrer e.V.“) steht mit ca. 1300 Mitgliedern als zweitgrößter Verband neben dem Berufsverband der Yogalehrenden in Deutschland (BDY).

Während der BDY weltanschauliche Neutralität hervorhebt, ist Yoga Vidya nach eigenem Verständnis „als gemeinnützig anerkannter Verein eine spirituelle Gemeinschaft, die dem Leben und den Lehren des klassischen ganzheitlichen Yoga in der Tradition von Swami Sivananda und Swami Vishnu-Devananda gewidmet ist“ (www.yoga-vidya.de). Zu den Hauptzielen der Gemeinschaft gehört die Verbreitung des Yoga in Deutschland und Europa „als Dienst für andere Menschen“ zur persönlichen gesundheitlichen, energetischen und spirituellen Entwicklung. Schnelles spirituelles Wachstum und die Stärkung der Kräfte des Friedens und gegenseitigen Verständnisses werden „in Verbundenheit mit anderen spirituellen und ökologischen Traditionen“ angestrebt. Dabei werden in einer Kombination verschiedener Yogawege (Hatha Yoga, Kundalini Yoga, Bhakti Yoga u. a.) Aspekte wie Meditationen, intensive Atemtechniken und Asanas (Körperstellungen) integriert. Yoga wird im Kontext hinduistischen Gedankenguts verstanden, Rezitationen und Hindu-Rituale gehören zur alltäglichen Praxis. Yoga ist demnach ausdrücklich „mehr als einfache ‚Entspannung’“.

Das Seminarangebot umfasst hunderte von Kursen, teilweise mit lehrhaftem Inhalt, meist geht es jedoch um erfahrungsorientiertes Entspannen und Regenerieren, vor allem aber um „Energetisieren“, „Aufladen“, „intensive Erfahrung“ oder schlicht das „Durchbrucherlebnis“. Das Themenspektrum ist enorm breit, es beinhaltet klassische Themen wie auch eine Fülle von esoterischen und darunter recht modischen Themen. So stehen neben Studien hinduistischer Quellen (wie Upanishaden, Bhagavadgita, Vedanta) Angebote wie Karma und Reinkarnation, Mantras, Mythologie und Yoga, Astralwesen und Geister, Naturspiritualität, die kommende Zeitwende oder eine Zwei-Punkte-Methode zum Eintauchen in die persönliche Matrix. Hoch im Kurs stehen praxis- und erfahrungsorientierte Themen wie der persönliche „spirituelle Weg“, Selbstverwirklichung, Selbstmanagement, kreatives Stressmanagement etc., Stärke, Erfolg, bewusstes Alltagshandeln, darüber hinaus vedische Astrologie, schamanische Reisen, Ayurveda-Wellness in allen Formen, aber auch Depressionen oder das (traumatische) frühere Leben, ambulante Suchthilfe und systemisches Familienstellen. Auch christliche Assoziationen kommen vereinzelt zum Zuge, wenn etwa mit „Yoga und der Heilige Franziskus“, „Jesus, Yoga und Du“ oder verschiedenen Weihnachtsangeboten („Jesus war ein Yogi“) die eigene Spiritualität „auf eine neue Stufe“ gehoben werden soll.

Die Yoga Vidya Hauptzentren werden auch als Ashram bezeichnet bzw. haben einen angeschlossenen Ashram. Auf der Internetseite heißt es dazu: „Ein Ashram ist ein Ort, wo Yoga praktiziert und gelebt wird. ‚Ashram’ heißt auch ‚Zuflucht’, ein Zufluchtsort für Menschen, die einen tieferen Sinn im Leben suchen als unsere Fast-Fun-Gesellschaft ihnen bieten kann. Ein Ort, wo die Seele Nahrung findet, wo Selbstreflexion, spirituelles und persönliches Wachstum so natürlich ist wie anderswo der rein materielle Aspekt.“ Die Häuser Oberlahr und Bad Meinberg treten im „eurotopia-Verzeichnis. Gemeinschaften & Ökodörfer in Europa“ (2009, 248f) als „spirituelle Gemeinschaft“ auf, die zur Bewusstseinserweiterung und Persönlichkeitsentwicklung dienen soll. „Ernsthaft Interessierte“ können für rund 2500 Euro einen dreimonatigen Langzeitaufenthalt „in der hochenergetischen Atmosphäre“ des Ashrams verbringen. Dafür wird u. a. mit der Aussicht auf „starke und schnelle spirituelle und persönliche Erfahrung“ geworben und „eine starke energetische und spirituelle Verbindung sowie Herzensöffnung, welche Einheitserfahrungen und Bewusstseinserweiterung stark unterstützen“, durch Karma-Yoga angekündigt. Verbindlich sind dabei die vegetarische Ernährung, der Verzicht auf Alkohol, Drogen und Zigaretten.

Gründer und bis heute Leiter von Yoga Vidya ist der Bad Kreuznacher Diplomkaufmann und Psychologe Bretz (Jahrgang 1963), der 1981 Yogalehrer wurde und zwölf Jahre Schüler bei Vishnu-Devananda war, von dem er zum Acharya (Yoga-Meister) ernannt wurde. Bretz, der 1985 die Mönchsgelübde abgelegt hatte und 1991 von ihnen entbunden wurde, empfiehlt die ausdauernde Übung des Yoga: „Viele Menschen praktizieren jahrelang Yoga, aber nur ab und zu. Wenn man ohne Unterbrechung zwanzig Jahre lang Yoga praktiziert, dann ist das Bewusstsein des Göttlichen schon etwas weiter entwickelt. Vom Yoga gibt es keine Pause ... Wir sollten uns auf dem spirituellen Weg nicht eine Weile ausruhen“ (S. V. Bretz, Die Yogaweisheit des Patanjali für Menschen von heute, 2001).

Friedmann Eißler

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