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Materialdienst 5/2012

Aus dem Himalaja nach Deutschland

Die theosophische Agni-Yoga-Bewegung

Seit Jahrzehnten fristet die Theosophie in Deutschland auf dem religiösen Markt eher ein Nischendasein. So tritt die Deutsche Theosophische Gesellschaft mit ihren acht Logen kaum öffentlich in Erscheinung. Zwar sind viele Gedanken der „Mutter der Esoterik“, Helena Blavatsky, in der heutigen Esoterik angekommen; gleichwohl dürfte die Rezeption ihrer Theoriebildung in der esoterischen Szene eher gering sein.1

Umso bemerkenswerter ist es, dass die der klassischen Theosophie nahestehende Agni-Yoga-Bewegung über eine Internetpräsenz hinaus aktiv in der esoterischen Szene wirbt.2 Seit mehr als 15 Jahren existiert in Hamburg die „Schule für Lebendige Ethik“, ehemals „Agni Yoga – Schule des Höheren Weges“. Seit einigen Jahren verstärken und beleben russlanddeutsche Zuwanderer die Bewegung.

Eindrücke

An einem strahlenden Frühlingssonntag im wohlhabenden Hamburger Stadtteil Othmarschen: Zeit fürs monatliche Treffen der Hamburger Anhänger der Agni-Yoga-Lehre. Die Zusammenkunft der Hamburger „Schule für Lebendige Ethik“ und der „Russisch-Deutschen Roerich-Gesellschaft Hamburg“ findet in einem zweigeschossigen Backsteinhaus statt, dem sogenannten Agni-Yoga-Tempel. Etwa 20 Mitglieder der Agni-Yoga-Bewegung im Alter von 30 bis 70 Jahren, in der Mehrzahl Frauen, sind in dem mit antiken Möbeln und großen Ölgemälden ausgestatteten Haus anwesend.3

Meditativ die Eröffnung: Alle nehmen am großen, modernen Tischgeviert Platz. Vor einem kleinen Bilderrahmen-Triptychon mit Abbildungen der Begründer der Agni-Yoga-Lehre, des Ehepaars Helena und Nikolaj Roerich, sowie des Mahatma Morya wird für einen Moment der Stille eine Kerze entzündet. Die Anwesenden sollten sich mit den Mahatmas verbinden, gute Gedanken in alle sechs Richtungen senden und innerlich bekräftigen, dem Guten und dem Gemeinwohl dienen zu wollen. Darauf folgt ein halbstündiger thematischer Vortrag über „Die neue Welt“4 mit anschließender Diskussion. Nach einigen Informationen über Themen kommender Treffen beendet gemeinsames abwechselndes Lesen aus dem vierten Agni-Yoga-Band „Gemeinschaft“ den Nachmittag.

Agni Yoga – Lebendige Ethik – Frieden durch Kultur

Die Agni-Yoga-Lehre wurde von dem Ehepaar Helena Iwanowna Roerich (1879-1955) und Nikolaj Roerich (1874-1947) begründet. Gemeinsam haben sie für ihre Verbreitung durch Veröffentlichung der medial von Helena Roerich empfangenen Botschaften der himmlischen Mahatmas sowie durch die Gemälde Nikolaj Roerichs gesorgt.5 Im deutschsprachigen Raum wird statt des Begriffs „Agni Yoga“ oft die Bezeichnung „Lebendige Ethik“ verwendet. Der gleichfalls anzutreffende Terminus „Frieden durch Kultur“ stellt eine zielbeschreibende Überschrift für die Agni-Yoga-Lehre dar.

Die Philosophie des Agni Yoga versteht sich als eine alle Weisheit und Kenntnisse der Philosophie- und Religionsgeschichte umfassende und überbietende Lehre. Sie ermögliche es dem Menschen, seine Seele zu Höherem zu entwickeln, seine wahre Bestimmung – die Unsterblichkeit – zu verwirklichen und dabei die gesamte Gesellschaft zu verbessern. Insofern beansprucht der Agni Yoga auch gesellschaftliche und politische Prägekraft.

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Anmerkungen

1 So hat die große Hamburger Esoterik-Buchhandlung Wrage im Januar 2012 neben 15 Büchern von Annie Besant nur zwei Werke von Helena Blavatsky vorrätig.
2 Vgl. das Magazin „Körper, Geist und Seele“ (KGS) Hamburg, Dezember 2011, 32.
3 Vgl. www.lebendige-ethik-schule.de. (Die in diesem Beitrag angegebenen Internetseiten wurden zuletzt am 6.1.2012 abgerufen.)
4 www.lebendige-ethik-schule.de/U5.pdf.
5 Vgl. Hans-Jürgen Ruppert, Helena Blavatsky – Stammutter der Esoterik / Nikolaj Roerich – Frieden durch Kultur, EZW-Texte 155, Berlin 2000, 29ff.

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